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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Kapitel 23

Anästhesie

Ich schloss die Augen, hielt mir die Hand in etwa dreißig Zentimetern Entfernung vor das Gesicht und wedelte sanft in Richtung meiner Nase, wie die Parfumiers in Paris, wenn sie einen Duft testeten.

Der Geruch traf mein Gesicht wie eine Meereswoge und hatte auch in etwa dieselbe Wirkung. Meine Knie gaben nach, schwarze Streifen schlängelten sich durch mein Gesichtsfeld, und ich konnte oben und unten nicht länger unterscheiden.

Als ich auf dem Boden zu mir kam, schien nur eine Sekunde vergangen zu sein, und Mrs. Bug starrte entsetzt auf mich hinab.

»Mrs. Claire! Geht es Euch nicht gut, mo gaolach? Ich habe Euch hinfallen sehen –«

»Doch«, krächzte ich und schüttelte vorsichtig den Kopf, während ich mich auf einen Ellbogen stützte. »Steckt – steckt den Korken in die Flasche.« Ich deutete ungeschickt auf die große offene Flasche auf dem Tisch, deren Korken danebenlag. »Kommt nicht mit dem Gesicht in ihre Nähe.«

Sie wandte das Gesicht ab und verzog es zu einer Grimasse der Vorsicht. Dann griff sie nach dem Korken, hielt ihn auf Armeslänge und steckte ihn in die Flasche.

»Pfui, was ist das?«, sagte sie. Sie trat einen Schritt zurück und zog ein angewidertes Gesicht, dann nieste sie heftig in ihre Schürze. »So etwas habe ich noch nie gerochen – und der Himmel weiß, dass ich in diesem Zimmer schon eine ganze Reihe von Scheußlichkeiten gerochen habe!«

»Das, meine liebe Mrs. Bug, ist Äther.« Das schwimmende Gefühl in meinem Kopf war fast verschwunden und wich jetzt der Euphorie.

»Äther?« Sie warf einen faszinierten Blick auf den Destillierapparat auf meiner Arbeitsfläche, wo das Alkoholbad sanft über kleiner Flamme in seiner großen Glasblase vor sich hin blubberte und das Vitriol – das später unter dem Namen Schwefelsäure bekannt werden sollte – langsam durch die schräge Röhre glitt. Sein beißender, übler Geruch lauerte unter den üblichen Sprechzimmergerüchen der Wurzeln und Kräuter. »Sieh einer an! Und was ist das, Äther?«

»Er lässt die Menschen einschlafen, damit sie keine Schmerzen spüren, wenn man sie schneidet«, erklärte ich, begeistert von meinem Erfolg. »Und ich weiß genau, bei wem ich es zuerst benutzen werde!«

»Tom Christie?«, wiederholte Jamie. »Hast du es ihm schon gesagt?«

»Ich habe es Malva erzählt. Sie wird ihn ein bisschen weichklopfen.«

Bei dieser Vorstellung prustete Jamie.

»Du könntest Tom Christie vierzehn Tage in Milch kochen, und er wäre immer noch so hart wie ein Schleifstein. Und wenn du glaubst, er lässt sich von seiner Kleinen etwas von einer magischen Flüssigkeit erzählen, die ihn in den Schlaf versetzt –«

»Nein, von dem Äther wird sie ihm nichts erzählen. Das mache ich«, beruhigte ich ihn. »Sie wird ihn nur wegen seiner Hand bedrängen, ihn überzeugen, dass er sie operieren lassen muss.«

»Mm.« Jamie verhehlte seine Skepsis nicht, wenn auch anscheinend nicht nur in Bezug auf Thomas Christie.

»Dieser Äther, den du hergestellt hast, Sassenach. Wäre es nicht möglich, dass du ihn damit umbringst?«

Über genau diese Möglichkeit hatte ich mir in der Tat auch schon selbst beträchtliche Sorgen gemacht. Ich hatte schon oft Operationen durchgeführt, bei denen Äther benutzt wurde, und im Großen und Ganzen war er ein ziemlich sicheres Anästhetikum. Doch selbstgebrauter Äther, von Hand verabreicht … und es kam schließlich vor, dass Menschen bei Narkoseunfällen starben, selbst unter den sichersten Umständen, unter der Aufsicht ausgebildeter Anästhesisten und obwohl alle Arten von Wiederbelebungsgeräten zur Verfügung standen. Und ich dachte an Rosamund Lindsay, deren Unfalltod mich immer noch dann und wann in meinen Träumen heimsuchte. Doch die Möglichkeit, ein verlässliches Narkosemittel zu haben, schmerzlos operieren zu können –

»Möglich«, gab ich zu. »Ich glaube es nicht, aber ein gewisses Risiko besteht. Aber es ist es wert.«

Jamie warf mir einen leicht zynischen Blick zu.

»Oh, aye? Findet Tom das ebenfalls?«

»Nun, das werden wir herausfinden. Ich werde ihm das Ganze sorgfältig erklären, und wenn er es nicht will – na ja, dann will er es nicht. Aber ich hoffe sehr, dass er es will!«

Jamies Mundwinkel kräuselte sich, und er schüttelte verständnisvoll den Kopf.

»Du bist wie Jem mit einem neuen Spielzeug, Sassenach. Pass auf, dass die Räder nicht abgehen.«

Möglicherweise hätte ich ihm darauf eine entrüstete Antwort gegeben, doch die Hütte der Bugs war jetzt in Sichtweite gekommen, und Arch Bug saß auf seiner Eingangstreppe und rauchte friedlich eine Tonpfeife. Als er uns sah, nahm er sie aus dem Mund und machte Anstalten, sich zu erheben, aber Jamie wies ihn mit einer Geste an, sitzen zu bleiben.

»Ciamar a tha thu, a charaid?«

Arch antwortete mit seinem üblichen »Mmp«, in das er einen herzlichen Unterton des Willkommens einfließen ließ. Er sah mich mit hochgezogener Augenbraue an und wies mit dem Pfeifenstiel auf den Pfad, um anzuzeigen, dass seine Frau bei uns war, falls sie es war, nach der ich suchte.

»Nein, ich gehe nur in den Wald, um ein paar Pflanzen zu sammeln«, sagte ich und hob zur Demonstration meinen leeren Korb. »Aber Mrs. Bug hat ihr Strickzeug vergessen – darf ich es für sie holen?«

Er nickte, und seine Augen kräuselten sich, als er mit der Pfeife im Mund lächelte. Er rutschte höflich zur Seite, um mich ins Innere der Hütte vorbeizulassen. Hinter mir hörte ich ein einladendes »Mmp?« und spürte, wie sich die Bretter der Stufe bogen, als sich Jamie neben Mr. Bug setzte.

Es gab keine Fenster, und ich musste einen Moment stehen bleiben, damit sich meine Augen an das Zwielicht gewöhnen konnten. Doch die Hütte war klein, und es dauerte nicht länger als eine halbe Minute, bis ich ihre Einrichtung ausmachen konnte: kaum mehr als das Bettgestell, eine Deckentruhe und ein Tisch mit zwei Hockern. Mrs. Bugs Handarbeitstasche hing an der Wand gegenüber an einem Haken, und ich durchquerte das Zimmer, um sie zu holen.

Hinter mir auf der Veranda hörte ich die gemurmelte Unterhaltung der Männer, in die jetzt der höchst ungewöhnliche Klang von Mr. Bugs Stimme einfiel. Natürlich konnte er sprechen und tat es auch, doch Mrs. Bug redete so unaufhörlich, dass er in ihrer Gegenwart normalerweise nicht mehr als ein Lächeln und ein gelegentliches »Mmp« der Zustimmung oder Verneinung beisteuerte.

»Dieser Christie«, sagte Mr. Bug gerade mit nachdenklicher Stimme. »Findet Ihr ihn merkwürdig, a Seaumais?«

»Aye, nun ja, er ist Lowlander«, sagte Jamie mit einem hörbaren Achselzucken.

Ein humorvolles »Mmp« deutete an, dass dies eine absolut hinreichende Erklärung war, und es folgten die Sauggeräusche, mit denen Mr. Bug seine Pfeife zum Qualmen ermunterte.

Ich öffnete die Tasche, um mich zu vergewissern, dass sich das Strickzeug auch darin befand; es war aber nicht da, und ich sah mich gezwungen, blinzelnd im Zwielicht der Hütte herumzustöbern. Oh – da war es ja; ein dunkles, weiches Häufchen in der Ecke, vom Tisch gefallen und von einem Fuß beiseitegetreten.

»Ist er denn merkwürdiger als sonst, Christie?«, hörte ich Jamie ebenfalls beiläufig fragen.

Ich blinzelte durch die Tür und sah, wie Arch Jamie zunickte, obwohl er nichts sagte, weil er gerade heftig mit seiner Pfeife kämpfte. Allerdings hob er die rechte Hand und wackelte mit den Stümpfen seiner beiden fehlenden Finger.

»Aye«, sagte er schließlich und stieß dabei triumphierend eine weiße Rauchwolke aus. »Er wollte von mir wissen, ob es sehr geschmerzt hat, als das hier passiert ist.«

Sein Gesicht legte sich in Falten wie eine Papiertüte, und er keuchte ein wenig – für Arch Bugs Verhältnisse ein Ausbund an Fröhlichkeit.

»Oh, aye? Und was habt Ihr darauf zu ihm gesagt, Arch?«, fragte Jamie mit einem kleinen Lächeln.

Arch zog nachdenklich an seiner Pfeife, die ihm jetzt zu Willen war, dann spitzte er die Lippen und blies einen kleinen, perfekten Rauchkringel.

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