Der Hypnotiseur
- Автор: Кеплер Ларс
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:
Als sie unten ankommen, steht Erik auf, und Joona sieht auf die Uhr.
»Acht Minuten«, sagt er.
Sie kehren in die Wohnung zurück. Simone steht im Flur, und es ist ihr anzusehen, dass sie geweint hat.
»Er trug Putzhandschuhe«, sagt sie. »Gelbe Putzhandschuhe.«
»Bist du sicher?«, fragt Erik.
»Ja.«
»Dann hat es wenig Sinn, nach Fingerabdrücken zu suchen«, meint Joona.
»Was sollen wir tun?«, fragt sie.
»Die Polizei hat die Nachbarn schon befragt«, meint Erik düster, während Simone Schmutz und Staub von seinem Rücken bürstet.
Joona zieht ein Blatt heraus.
»Stimmt, ich habe hier eine Liste der Leute, mit denen die Kollegen gesprochen haben. Sie haben sich auf diese Etage und die Wohnungen darunter konzentriert. Mit fünf Mietern haben sie allerdings noch nicht gesprochen und eine …«
Er mustert den Zettel und sieht, dass die Wohnung mit der Tür, die er im Spiegel gesehen hat, durchgestrichen worden ist.
»Eine Wohnung ist ganz gestrichen worden«, sagt Joona, »und zwar die auf der anderen Seite das Aufzugs.«
»Die Mieter sind verreist«, erklärt Simone. »Sie sind sechs Wochen in Thailand.«
Joona sieht sie ernst an.
»Dann wollen wir mal die Runde machen«, sagt er kurz.
Auf der Tür, von der aus man über die Spiegel vollen Einblick in den Aufzug hat, steht Rosenlund. Es ist die Wohnung, die von den Polizisten nicht beachtet wurde, weil sie verdeckt lag und leer stand.
Joona bückt sich und lugt durch den Briefeinwurf. Er sieht weder Post noch Reklame auf der Türmatte. Plötzlich dringt aus der Wohnung ein leises Geräusch an sein Ohr. Eine Katze tapst aus einem angrenzenden Zimmer in den Flur. Die Katze bleibt abrupt stehen und betrachtet abwartend Joona, der den Deckel des Briefeinwurfs hochhält.
»Kein Mensch lässt eine Katze sechs Wochen allein«, sagt Joona nachdenklich zu sich selbst.
Die Katze lauscht mit wachsamer Körperhaltung.
»Du siehst nicht ausgehungert aus«, sagt Joona zu dem Tier.
Die Katze gähnt ausgiebig, springt auf einen Stuhl im Flur und rollt sich zu einem Knäuel zusammen.
Zunächst will Joona mit dem Ehemann von Alice Franzén sprechen. Als die Polizei überall klingelte, war sie allein zu Hause. Das Ehepaar Franzén wohnt in der gleichen Etage wie Simone und Erik, gegenüber vom Aufzug. Joona klingelt und wartet. Ihm kommt in den Sinn, dass er als Kind mit einer Pappsparbüchse der Lutherhilfe durch die Häuser ging, um Spenden zu sammeln. Das Gefühl von Fremdheit, wenn man in die Wohnungen anderer Leute blickte, der abweisende Ausdruck in den Augen der Menschen, die einem aufmachten.
Er klingelt noch einmal. Eine etwa dreißigjährige Frau öffnet die Tür. Sie sieht ihn mit einem abwartenden und reservierten Gesichtsausdruck an, der ihn an die Katze in der leeren Wohnung denken lässt.
»Ja?«
»Mein Name ist Joona Linna«, sagt er und zeigt seinen Dienstausweis. »Ich würde gerne mit ihrem Mann sprechen.«
Sie wirft einen kurzen Blick über die Schulter und sagt dann:
»Ich möchte erst erfahren, worum es geht. Er ist sehr beschäftigt.«
»Es geht um die Nacht von Freitag auf Samstag, den 12. Dezember.«
»Aber danach haben Sie doch schon gefragt«, sagt die Frau gereizt.
Joona wirft schnell einen Blick auf das Blatt in seiner Hand.
»Hier steht, dass die Polizei Sie vernommen hat, Ihren Gatten dagegen nicht.«
Die Frau seufzt verärgert.
»Ich weiß nicht, ob er Zeit hat«, sagt sie.
Joona lächelt.
»Es dauert nur eine Minute, versprochen.«
Die Frau zuckt mit den Schultern und ruft in die Wohnung hinein:
»Tobias! Hier ist jemand von der Polizei!«
Kurz darauf schlendert ein Mann zur Tür, der sich ein Handtuch um die Hüften geschlungen hat. Seine Haut ist gerötet, er ist braungebrannt.
»Hallo«, sagt er zu Joona. »Ich war auf der Sonnenbank …«
»Wie nett«, erwidert Joona.
»Oh nein«, widerspricht Tobias Franzén. »In meiner Leber fehlt ein Enzym. Ich bin dazu verurteilt, mich täglich zwei Stunden zu sonnen.«
»Das ist natürlich etwas anderes«, bemerkt Joona trocken.
»Sie wollten mich etwas fragen.«
»Ich möchte wissen, ob Sie in der Nacht von Freitag auf Samstag, den 12. Dezember etwas Ungewöhnliches gesehen oder gehört haben.«
Tobias kratzt sich an der Brust. Die Finger hinterlassen weiße Abdrücke in seiner sonnengebräunten Haut.
»Mal überlegen, das war dieser Tag. Tut mir leid, aber ich kann mich wirklich an nichts Besonderes erinnern. Mir fällt nichts ein.«
»Okay, vielen Dank«, sagt Joona und senkt den Kopf.
Tobias streckt sich nach der Klinke, um die Tür zu schließen.
»Noch eins.«
Joona nickt zu der leer stehenden Wohnung hinüber.
»Diese Familie, die Rosenlunds«, setzt er an.
»Sehr sympathische Leute«, sagt Tobias lächelnd und schaudert. »Ich habe sie schon länger nicht mehr gesehen.«
»Ja, Sie sind verreist. Wissen Sie, ob sie eine Putzfrau oder etwas Ähnliches haben.«
Tobias Franzén schüttelt den Kopf. Unter seiner Sonnenbräune ist er blass geworden, und er friert.
»Tut mir leid, ich habe keine Ahnung.«
»Danke«, sagt Joona und sieht Tobias Franzén die Wohnungstür schließen.
Er geht zum nächsten Namen auf seiner Liste: Jarl Hammar, wohnhaft eine Etage unter Erik und Simone. Ein Rentner, der beim letzten Mal nicht zu Hause war.
Jarl Hammar ist ein hagerer Mann, der unübersehbar an der Parkinson’schen Krankheit leidet. Er ist förmlich gekleidet, trägt einen Cardigan und ein Halstuch.
»Kripo«, wiederholt Hammar mit heiserer, kaum vernehmbarer Stimme und mustert Joona mit stargetrübtem Blick. »Was will die Kripo denn von mir?«
»Ich möchte Ihnen nur eine Frage stellen«, antwortet Joona. »Ist Ihnen möglicherweise in der Nacht zum 12. Dezember etwas Ungewöhnliches aufgefallen?«
Jarl Hammar legt den Kopf schief und schließt die Augen. Im nächsten Moment öffnet er sie wieder und schüttelt den Kopf.
»Ich nehme Medikamente«, sagt er, »die zur Folge haben, dass ich sehr fest schlafe.«
Joona nimmt hinter Jarl Hammar flüchtig eine Frau wahr.
»Und Ihre Frau?«, fragt er. »Könnte ich bitte auch mit ihr sprechen?«
Jarl Hammar lächelt schief.
»Meine Gattin Solveig war eine wunderbare Frau. Aber sie ist leider vor fast dreißig Jahren gestorben.«
Der hagere Mann dreht sich um und hebt einen zitternden Arm zu einer dunklen Gestalt in der Wohnung.
»Das ist Anabella. Sie putzt für mich und so. Leider spricht sie kein Schwedisch, aber ansonsten ist sie tadellos.«