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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)

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Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
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Sein Gesicht verriet nichts. Er ritt entspannt, die Zügel in der linken Hand, die rechte locker auf dem Oberschenkel neben der Rocktasche, in der sich die Pistole abzeichnete.

Ich war noch nicht einmal sicher, ob es mich beruhigen sollte, dass er mich hatte mitkommen lassen. Das konnte bedeuten, dass er nicht damit rechnete, gewalttätig werden zu müssen – aber bedeutete das dann, dass er einfach dastehen und die Hinrichtung geschehen lassen würde?

Und wenn er das tat …? Mein Mund war ausgetrocknet, Nase und Hals von dem feinen, braunen Staub verstopft, der von den Hufen der Pferde aufstieg.

Ich bin schon daran beteiligt. Aber woran? An Clan und Familie, ja – aber hieran? Ein Highlander konnte für eine Sache, die seine Ehre betraf oder ihn in Rage brachte, sein Leben aufs Spiel setzen, aber den Angelegenheiten Fremder stand er meist unbeteiligt gegenüber. Nach Jahrhunderten der Abgeschiedenheit in ihren Bergfestungen neigten die Highlander nicht dazu, sich in die Belange anderer einzumischen – aber Gnade dem, der sich in die ihren einmischte.

Campbell und MacNeill hielten dies ganz klar für Jamies Angelegenheit – aber tat er selbst das auch? Jamie war kein abgeschieden lebender Highlander, beruhigte ich mich. Er war weitgereist und gebildet, ein kultivierter Mann. Und er wusste verdammt gut, was ich von dieser Sache hielt. Ich hatte allerdings das dumpfe Gefühl, dass meine Meinung bei den Entscheidungen dieses Tages keine besondere Rolle spielen würde.

Es war ein heißer, windstiller Nachmittag, die Zikaden zirpten laut in den Kräutern am Straßenrand, doch meine Finger waren kalt und lagen steif auf den Zügeln. Wir hatten ein paar andere Grüppchen überholt; kleine Pulks von Sklaven, die zu Fuß zur Sägemühle unterwegs waren. Sie blickten nicht auf, wenn wir vorbeikamen, sondern zogen sich an den Rand der Büsche zurück, um uns Platz zu machen.

Ein tiefhängender Zweig fegte Jamie den Hut vom Kopf; er fing ihn geschickt und setzte ihn wieder auf, doch zuvor konnte ich sein Gesicht einen Moment lang sehen. Seine Gesichtszüge waren angespannt vor Nervosität. Mit leichtem Schrecken begriff ich, dass er auch nicht wusste, was er tun würde. Und das machte mir mehr Angst als alles andere zuvor.

Plötzlich waren wir im Kiefernwald; das gelbgrüne Flimmern der Hickory- und Erlenblätter wich abrupt dem dunkleren Licht kühlen Tiefgrüns, als bewegte man sich von der Meeresoberfläche in ruhigere Tiefen.

Ich griff hinter mich, um die Holzkiste zu berühren, die hinter meinem Sattel festgeschnallt war, und versuchte, den Gedanken an das, was vor uns lag, zu verdrängen, indem ich mich im Geiste auf die einzige Rolle vorbereitete, die ich bei dem bevorstehenden Unheil spielen konnte. Ich würde es wahrscheinlich nicht verhindern können, doch ich konnte versuchen, den Schaden zu lindern, der bereits geschehen war. Desinfektion und Säuberung – ich hatte eine Flasche mit destilliertem Alkohol und eine Lösung aus Knoblauchsaft und Minze. Dann die Wunde verbinden – ja, ich hatte Verbandszeug –, doch sicher musste sie erst genäht werden?

Während ich mich noch fragte, was sie wohl mit Byrnes’ abgetrenntem Ohr gemacht hatten, hielt ich inne. Das Summen in meinen Ohren kam nicht von den Zikaden. Campbell, der vorausgeritten war, zog scharf die Zügel an, um zu lauschen, und wir anderen hielten hinter ihm.

Stimmen in der Ferne, viele Stimmen, ein tiefes, aufgebrachtes Brummen wie von einem umgestürzten Bienenstock. Dann gedämpftes Rufen und Schreien und plötzlich der laute Knall eines Schusses.

Wir galoppierten zwischen den Bäumen hindurch den letzten Hang hinunter und donnerten auf die Lichtung mit der Sägemühle. Die freie Fläche war voller Menschen; Sklaven und Leibeigene, Männer, Frauen und Kinder, irrten in Panik zwischen den aufgetürmten Baumstämmen herum wie durch einen Axthieb freigelegte Termiten.

Dann vergaß ich die Menge um mich herum. Meine ganze Aufmerksamkeit richtete sich auf die Seitenwand der Mühle, wo ein Kranzug aufgebaut war, der mit Hilfe eines riesigen Krummhakens Baumstämme zum Sägeblatt hinaufhieven konnte.

Der Körper eines Schwarzen war auf den Haken gespießt und wand sich grässlich wie ein Wurm. Blutgeruch hing süß und scharf in der Luft, und auf dem Podest unter dem Kran bildete sich eine Lache.

Mein Pferd blieb stehen und trat, durch die Menge behindert, von einem Bein auf das andere. Das Geschrei war zu Stöhnen und hier und da einem Kreischen der Frauen in der Menge abgeebbt. Ich sah, wie Jamie vor mir aus dem Sattel glitt und sich mit Gewalt einen Weg zur Plattform bahnte. Campbell und MacNeill waren bei ihm und schoben sich entschlossen durch die aneinandergepressten Körper. MacNeills Hut fiel herab, unbeachtet, und wurde am Boden zertrampelt.

Ich saß wie erstarrt im Sattel und konnte mich nicht bewegen. Es waren noch mehr Männer auf dem Podest; ein kleiner Mann, dessen Kopf auf groteske Weise mit Bandagen umwickelt war, die auf einer Seite reichlich mit Blut befleckt waren; mehrere andere Männer, Weiße und Mulatten, die mit Knüppeln und Musketen bewaffnet waren und gelegentlich drohend in die Menge stießen.

Nicht, dass es irgendjemanden dazu zu drängen schien, das Podest zu stürmen; im Gegenteil, es herrschte allgemeines Gedränge in die andere Richtung. Die Gesichter um mich herum zeigten Gefühle, die von Furcht bis hin zu erschrockenem Ekel reichten, und nur hier und dort blitzte Wut auf – oder Genugtuung.

Von MacNeills stämmigen Schultern auf das Podest gehoben, tauchte Farquard Campbell aus dem Gedränge auf und ging unverzüglich auf die bewaffneten Männer los. Er fuchtelte mit den Armen und rief etwas, das ich nicht hören konnte, obwohl das Schreien und Stöhnen um mich herum jetzt erschrockener Stille wich. Jamie ergriff den Rand des Podestes, zog sich hinter Campbell hoch und reichte MacNeill die Hand. Campbell stand Byrnes direkt gegenüber, und sein schmales Gesicht war wutverzerrt.

»… unsagbare Brutalität!«, brüllte er. Seine Worte erreichten mich nur bruchstückhaft, da sie im Gedränge um mich herum halb untergingen, doch ich sah, wie er empört auf den Kran und seine grauenhafte Bürde zeigte. Der Sklave hatte aufgehört, sich zu winden, und hing nun reglos da.

Das Gesicht des Aufsehers war nicht zu sehen, doch sein Körper war steif vor Empörung und Trotz. Ein paar seiner Freunde bewegten sich auf ihn zu in der klaren Absicht, ihm Schützenhilfe zu leisten.

Ich sah, wie Jamie einen Augenblick stehen blieb, um die Lage einzuschätzen. Er zog beide Pistolen aus dem Rock und kontrollierte kühl, ob sie schussfertig waren. Dann trat er vor und hielt die eine an Byrnes’ bandagierten Kopf. Der Aufseher erstarrte überrascht.

»Hol ihn herunter«, sagte Jamie zu dem nächstbesten Rowdy. Er sprach so laut, dass er im ersterbenden Raunen der Menge gut zu hören war. »Oder ich puste das weg, was vom Gesicht deines Freundes noch übrig ist. Und dann –« Er hob die zweite Pistole und zielte mitten auf die Brust des Mannes. Jamies Gesichtsausdruck machte weitere Drohungen überflüssig.

Der Mann bewegte sich widerstrebend, wobei er die Pistole mit zusammengekniffenen Augen im Blick behielt. Er ergriff den Bremshebel des Krans und zog ihn zurück. Der Haken sank langsam herab, das Seil vom Gewicht der Last gestrafft. Unter den Zuschauern erklang allgemeines Seufzen, als der schlaffe Körper die Erde berührte.

Es war mir gelungen, mein Pferd so weit durch die Menge zu treiben, dass ich nur noch etwa einen halben Meter vom Rand des Podestes entfernt war. Das Pferd scheute und stampfte, es warf seinen Kopf herum und schnaubte wegen des starken Blutgeruchs, war aber so gut dressiert, dass es nicht durchging. Ich saß ab und befahl einem Mann neben mir, meine Kiste abzuladen.

Die Bretter des Podestes fühlten sich seltsam unter meinen Füßen an, sie schwankten wie der Boden, wenn man von einem Schiff kommt. Nur wenige Schritte trennten mich von dem Sklaven; als ich ihn erreichte, war jene kalte Klarheit über mich gekommen, die die größte Stärke eines Chirurgen ist. Ich beachtete weder die erhitzten Auseinandersetzungen hinter mir noch die restlichen Zuschauer.

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