Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #4
- Год: 2017
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Der Ruf der Trommel: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich muss mich für meine kräftigen Worte entschuldigen. Ich hatte nicht vorgehabt, so viel zu sagen, aber die Versuchung, Dir mein Herz auszuschütten, wie ich es immer getan habe, ist überwältigend. Dies sind Dinge, über die ich nicht mit Jenny sprechen würde, obwohl ich glaube, dass sie davon weiß.
Zur Sache also; ich werde weitschweifig. Der junge Jamie und Michael sind für den Moment gut versorgt – zumindest müssen wir nicht befürchten, dass sich einer von ihnen vom Soldatenleben in Versuchung führen lässt.
Das gilt aber nicht für Ian; Du kennst den Jungen und seine Abenteuerlust, die der Deinen so sehr ähnelt. Hier gibt es keine richtige Aufgabe für ihn, und doch hat er nicht den Geist eines Gelehrten oder die Schläue eines Geschäftsmannes. Was soll aus ihm werden in einer Welt, in der er sich nur zwischen dem Leben eines Bettlers und dem eines Soldaten entscheiden kann? Denn viel anderes gibt es nicht.
Wir möchten gern, dass er bei Dir bleibt, wenn Du ihn nimmst. Vielleicht gibt es in der Neuen Welt bessere Möglichkeiten für ihn als hier. Und selbst wenn das nicht so ist, bleibt seiner Mutter wenigstens der Anblick erspart, wie ihr Sohn mit seinem Regiment davonzieht.
Ich könnte mir keinen besseren Schutzherrn und kein besseres Beispiel für ihn vorstellen als Dich. Ich weiß, dass ich Dich um einen großen Gefallen bitte. Dennoch hoffe ich, dass die Situation nicht völlig ohne Vorteile für Dich ist, einmal abgesehen von dem großen Vergnügen, das Ians Gesellschaft Dir zweifellos bereitet.
»Nicht nur ein Poet, sondern auch ein Satiriker«, beobachtete Jamie mit einem weiteren Blick auf die Jungen auf dem Rasen.
Hier war der Brief wieder unterbrochen, bevor er wieder ansetzte, diesmal mit frisch geschärfter Feder, die Worte ein sorgfältig niedergeschriebenes Spiegelbild der Gedanken.
Ich hatte meinen Brief unterbrochen, Bruder, denn ich wünschte mir klare und von Müdigkeit ungetrübte Gedanken, wenn ich auf diese Angelegenheit zu sprechen komme. Ja, ich habe meinen Stift ein Dutzend Mal ergriffen und wieder hingelegt, unsicher, ob ich überhaupt sprechen soll – ich habe Angst, Dich in einem Atemzug um einen Gefallen zu bitten und zu beleidigen. Und doch muss ich sprechen.
Ich habe Simon Fraser bereits erwähnt. Er ist ein Ehrenmann, wenn auch seines Vaters Sohn – doch er ist verflucht. Ich kenne ihn schon, seit wir alle noch Jungen waren (manchmal scheint mir das gerade gestern gewesen zu sein, dann wieder scheint ein Abgrund von Jahren dazwischenzuliegen), und es ist jetzt eine Härte in ihm, ein Hauch von Stahl in seinem Blick, der vor Culloden nicht da war.
Was mir Sorgen macht – und ich wage das nur zu sagen, weil ich weiß, dass Du Dir meiner Liebe sicher bist –, ist, dass ich diesen Stahl auch in Deinen Augen gesehen habe, Bruder.
Ich kenne die Bilder nur zu gut, die das Herz eines Mannes gefrieren lassen und seine Augen auf diese Weise verhärten. Ich vertraue darauf, dass Du mir meine Offenheit vergeben wirst, doch seit Culloden habe ich oftmals um Deine Seele gebangt.
Ich habe Jenny nichts davon gesagt, aber sie hat es auch gesehen. Sie ist schließlich eine Frau und kennt Dich viel besser. Ich glaube, dass es diese Angst um Dich war, die sie dazu bewogen hat, Dir Laoghaire aufzudrängen. Ich finde, Ihr wart kein gutes Paar, aber (hier verdeckte ein großer, absichtlich erzeugter Tintenfleck mehrere Zeilen). Claire ist ein Segen für Dich.
»Mmpf«, sagte Jamie und warf mir einen Blick zu. Ich drückte seine Schulter und beugte mich vor, um den Rest zu lesen.
Es ist spät, und ich verliere den Faden. Ich habe von Simon gesprochen – die Verantwortung für seine Männer ist jetzt seine einzige Verbindung zu anderen Menschen. Er hat weder Frau noch Kind, er lebt ohne Wurzeln und eigenen Herd, sein Erbe ist dem Eroberer verfallen, dem er dient. Ein solcher Mann trägt ein brennendes Feuer in sich, doch kein Herz. Ich hoffe, dass ich nie dasselbe von Dir sagen muss – oder von meinem Sohn Ian.
Daher vertraue ich Euch einander an, und möge Gottes Segen – und der meine – mit Euch sein.
Schreib, sobald Du kannst. Wir hungern nach Nachricht von Euch und nach Euren Beschreibungen der exotischen Gegenden, in denen Ihr jetzt weilt.
Dein Dich liebender Bruder,
Ian Murray
Jamie faltete den Brief sorgfältig zusammen und steckte ihn in seinen Rock.
»Mmpf«, sagte er.
Kapitel 11
Das Gesetz des Blutvergießens
Juli 1767
Nach und nach gewöhnte ich mich in River Run ein. Die Gegenwart der Sklaven machte mich nervös, doch ich konnte nicht viel dagegen tun, außer ihre Dienste so wenig wie möglich in Anspruch zu nehmen und so weit wie möglich für mich selbst zu sorgen.
River Run verfügte über eine Kräuterkammer, die eigentlich nur ein kleiner Wandschrank war, in dem getrocknete Kräuter und Arzneien aufbewahrt wurden. Es gab nicht viel davon – nur ein paar Gläser Löwenzahnwurzel und Weidenrinde und ein paar fertig gekaufte Wickel, die Staub angesetzt hatten, weil niemand sie benutzte. Jocasta zeigte sich hocherfreut, als ich den Raum benutzen wollte – sie selbst habe kein Talent für die Heilkunst, sagte sie achselzuckend, und auch keiner der Sklaven.
»Wir haben eine Neue, die vielleicht einige Erfahrung in dieser Richtung hat«, sagte sie, während ihre langen Finger den Faden von der Spindel wegzogen und das Spinnrad surrte.
»Sie ist allerdings keine Haussklavin; sie ist erst vor ein paar Monaten frisch aus Afrika gekommen und hat weder Sprachkenntnisse noch Kultur. Ich hatte mir vorgenommen, sie auszubilden, doch da Ihr nun hier seid … ah, jetzt ist der Faden zu dünn geworden, seht Ihr?«
Während ich mich jeden Tag einige Zeit mit Jocasta unterhielt und versuchte, von ihr die Kunst des Garnspinnens zu lernen, verbrachte Jamie die eine oder andere Stunde mit dem Butler Ulysses, der nicht nur als Jocastas Auge und ihr Majordomus fungierte, sondern seit Hector Camerons Tod offensichtlich auch die Bücher der Plantage geführt hatte.
»Und seine Sache verdammt gut macht«, teilte mir Jamie unter vier Augen nach einer dieser Sitzungen mit.
»Wenn er ein Weißer wäre, hätte meine Tante keine Schwierigkeiten, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. So aber –« Er zuckte mit den Schultern.
»So aber ist es ein Glück für sie, dass du hier bist«, sagte ich und neigte mich zu ihm hinüber, um an ihm zu schnuppern. Er hatte den Tag in Cross Creek verbracht und eine komplizierte Transaktion abgewickelt, bei der es um Indigoblöcke, Holz, drei Paar Maultiere, fünf Tonnen Reis und eine Lagerhausquittung über eine vergoldete Uhr ging, und als Resultat haftete seinem Rock eine faszinierende Vielfalt von Gerüchen an.
»Es ist das mindeste, was ich tun kann«, sagte er, den Blick auf seine Stiefel gerichtet, die er gerade bürstete. Er presste kurz die Lippen zusammen. »Es ist ja nicht so, als ob ich anderweitig beschäftigt wäre, oder?«
»Eine Abendgesellschaft«, erklärte Jocasta. »Wir müssen ein zünftiges Fest abhalten, um euch hier einzuführen.«
»Das ist doch nicht nötig, Tante Jocasta«, sagte Jamie abwinkend und sah von seinem Buch auf. »Ich glaube, ich habe den Großteil des Landkreises letzte Woche auf dem Viehmarkt kennengelernt. Oder zumindest den männlichen Teil«, fügte er hinzu und lächelte mich an. »Wenn ich es mir überlege, wäre es aber vielleicht gut für Claire, mit den Damen der Umgebung Bekanntschaft zu schließen.«
»Ich hätte nichts dagegen, ein paar Leute kennenzulernen«, gab ich zu. »Nicht, dass ich hier nicht hinreichend Beschäftigung finde«, versicherte ich Jocasta, »aber –«