Mord im Garten des Sokrates
- Автор: Berst Sascha
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Mord im Garten des Sokrates». Краткое содержание книги:
«Chilon wird nicht begeistert sein, wenn wir kommen», sagte sie, um das Thema zu wechseln. «Du hättest ihm einen Boten schicken sollen, damit er wenigstens auf uns vorbereitet ist.»
«Ich hatte daran gedacht», antwortete ich, «aber dann gäbe es einen Mitwisser. Das wollte ich vermeiden.»
Aspasia sprach nicht weiter. Unser Jüngster war in ihren Armen eingeschlafen. Er atmete ein wenig schwer. Ein dünnes Pfeifen drang durch seine Nase, wie an jenem Abend ...
«Na, was ist mit dir?», fragte ich meinen Großen. «Bist du nicht auch müde?»
«Nein, Vater, kein bisschen!», behauptete er tapfer. Ich wusste, dass er schwindelte, und drückte ihn an mich.
Piräus schlief, als wir endlich ankamen. Kein einziges Licht brannte mehr in der Stadt. Sogar in den Spelunken und Bordellen war Ruhe eingekehrt. In den Winkeln lagen ein paar betrunkene Seeleute und schnarchten. Vom Hafen her hörte man das Meer, wie es friedlich gegen die Planken schlug.
Es dauerte eine Weile, bis uns Chilons Tür geöffnet wurde. Dreimal schlug ich gegen das Tor, bis wir endlich die vertraute und reichlich mürrische Stimme seines Sklaven hören konnten.
«Ja, ja, ich komme schon», brummte er durch die Bretter und öffnete den Innenriegel, «wo brennt es denn, Leute? Ich wecke meinen Herrn nicht gerne mitten in der Nacht.» Er öffnete die Tür und sah uns entgeistert an. Er brachte kaum einen Gruß hervor und zog uns so schnell wie möglich in den Hof. Dann lief er ins Haus, um seinen Herrn zu holen.
«Siehst du, Melaos», sagte Chilon und gähnte, als er in den Innenhof trat. «Ich wusste, sie würden kommen!»
«Ja, Herr, ihr habt es gewusst», sagte der Sklave ehrfürchtig, während er uns das Gepäck abnahm, um es ins Haus zu bringe.
Chilon umarmte mich, küsste die Kinder und verneigte sich vor Aspasia.
«Was ist mit ihm?», fragte ich und zeigte zur Tür, durch die Melaos verschwunden war.
«Nichts, er wundert sich nur, dass ich heute Mittag schon zwei Zimmer für euch habe vorbereiten lassen. Die beide oberen. Du weißt, die Zimmer mit dem Blick zum Hafen.»
«Du wusstest, dass wir kommen würden?», fragte Aspasia fast ebenso erstaunt wie Melaos. Und an mich gewandt meinte sie: «Ich dachte, du hättest ihm keinen Boten geschickt ...»
«Das habe ich auch nicht!», antwortete ich.
Chilon nickte. «Hat er auch nicht», bestätigte er, «aber als ich heute Morgen von dieser unglückseligen Versammlung hörte, ahnte ich, dass ihr Athen verlassen würdet. Ich bin froh, dass ihr hier seid. Hier seid ihr in Sicherheit. Kommt herein. Melaos wird uns etwas zu essen bringen.»
Chilon führte uns ins Haus und half mir, meinen kleinen Sohn nach oben zu tragen, wo ein Bett auf ihn wartete. Nachdem wir angekommen waren, war er kurz wach geworden, hatte sich aber kaum auf den Beinen halten können. Jetzt schlief er in meinen Armen. Ich hatte alle Mühe, ihn die steile Treppe hinaufzubringen. Er war schwer wie ein Stein.
«Du bleibst wenigstens heute Nacht?», fragte Chilon, als wir wieder nach unten gingen.
«Ja, heute Nacht bleibe ich», erwiderte ich. Offenbar hatte er nicht nur unsere Ankunft vorausgesehen, sondern auch meine Rückkehr nach Athen. Er drehte sich zu mir, nickte und verstand.
«Ich werde gut auf sie aufpassen», sagte er, bevor wir ins Speisezimmer traten.
Ich erwachte früh. Irgendetwas hatte mich geweckt, aber ich konnte nicht ausmachen, was es war. Aspasia schlief friedlich neben mir. Sie hatte mir das Gesicht zugewandt, ihr schwarzes Haar fiel ihr in die Stirn. Vom Hafen her kam eine eigentümliche Unruhe. Da war noch etwas anderes als die üblichen Geräusche beim Einlaufen eines Schiffes oder beim Löschen der Ladung. Ich stand vorsichtig auf und schlich zum Fenster. Die Läden standen einen Spalt offen. Mein Blick fiel auf einen schmalen Streifen blauen Himmels und ruhiger See, funkelnd im Licht der Morgensonne. Zwei Möwen zogen ihre Kreise, ein Fischerboot trieb vor der Küste. Ich wandte den Blick zum Hafen und suchte das Becken und die Landestege ab: Ladekräne, Sklaven bei der Arbeit. Und dann entdeckte ich es, gerade dockte es an: ein gewaltiges Schiff, größer, als die Griechen es je bauen würden, der Bug mit einem großen Auge und einem lachenden Mund verziert, aus dem ein Rammsporn wie eine Zunge ragte. Das Schiff brachte die Unruhe. Kein Wunder, wir hatten nicht alle Tage Besuch aus Persien.
Die Landungstaue waren noch nicht verknotet, als schon spartanische Soldaten aufmarschierten und die Schaulustigen vertrieben, die vor dem Frachter zusammenliefen. Während die Spartaner am Kai Stellung bezogen, wurde die Landungsbrücke heruntergelassen. Vier in leuchtende Seide gewandete Männer gingen unsicher von Bord. Ich erkannte ihre Gesichter von Weitem. Ein Offizier half ihnen, trockenen Fußes über die schwankende Planke zu kommen, und begrüßte sie so feierlich, wie ein hölzerner Spartaner das eben vermochte.
«Was ist da?», fragte Aspasia und trat verschlafen neben mich. In über zehn Ehejahren hatte ich noch nicht gelernt, so leise aufzustehen, dass sie nicht wach wurde. Wahrscheinlich kann ich es heute noch nicht.
Ich öffnete die Fensterläden und zeigte zum Hafen.
«Ein persisches Schiff», sagte sie tonlos. «Ist es das, von dem du mir damals erzählt hast?»
Ich nickte und konnte meinen Blick nicht von dem Schauspiel wenden, das sich unter unseren Augen abspielte: Zwei prächtige, goldbeschlagene und von je sechs Schimmeln gezogene Kutschen fuhren vor. Sie wurden von einem ganzen Tross von Reitern begleitet. Kaum angekommen, sprang der Anführer der Eskorte vom Pferd und begrüßte die Perser ehrerbietig.
Dabei war er ein hoher Offizier, seine schimmernde Uniform zeigte es. Die in Seide gehüllten Männer erwiderten den Gruß mit großer orientalischer Geste, verneigten sich zeremoniell und küssten den Spartiaten zur Belustigung seiner Männer zu guter Letzt auf den Mund. Dann ließen sie sich schwatzend und wild gestikulierend zu den Wagen begleiten, die ganz augenscheinlich allein für die Perser vorgefahren worden waren.
«Hast du diese Männer schon einmal gesehen?», fragte Aspasia. Sie flüsterte, als müssten wir vorsichtig sein, nicht gehört zu werden.
«Es sind die Bankiers», antwortete ich.
«Die gleichen wie vor vier Jahren?»
«Genau die.»
Und dann entdeckte ich ihn. Er hatte sich wenig verändert in den letzten Jahren. Vielleicht war er ein wenig kräftiger geworden. Sein Kaftan spannte ein wenig um Hüfte und Bauch, aber sonst war er ganz der Alte geblieben: schwarzes, krauses Haar und Bart, die das Gesicht einrahmten, eine kleine Nase. Sogar von hier oben erkannte man das feinsinnige und doppelbödige Lächeln, das um seine Lippen spielte. Er war zurückgekehrt, ganz wie er es vorausgesehen hatte. Was hatte er damals gesagt? Dass ich mich über das Wiedersehen nicht freuen würde.
«Was hat das alles zu bedeuten?», fragte Aspasia.
Ich antwortete nicht, obwohl ich zu ahnen begann, welche Geschäfte die Perser nach Athen zurückgeführt haben mochten. Vor mir tat sich ein Abgrund auf.
Schnell warf ich mein Gewand über und eilte zum Hafen, der gerade erst erwachte. Die Fischhändler bestückten singend ihre Buden mit dem Fang der Nacht. Ein paar Packsklaven machten sich müde auf den Weg zu den Docks und rieben sich den Schlaf aus den Augen. Es war noch kühl. Noch fehlte der Sonne die Kraft des Nachmittags und des Sommers.
«Was willst du, geh weiter!», herrschte mich ein spartanischer Soldat an, der vor dem Rah-Segler Wache schob. Er war kleiner als seine Kameraden und deswegen besonders laut.
«Nichts, gar nichts, Herr Hauptmann», antwortete ich katzbuckelnd. «Ich wollte mir nur einmal dieses prächtige Handelschiff ansehen. Schiffe bauen können die Perser ja, nicht wahr? Große Schiffe, gewaltige Schiffe.»