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Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:

Oblomow
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Plötzlich hörte sie jemand kommen.

Jemand kommt ... dachte Oblomow.

Und sie stießen aufeinander.

»Oljga Sjergejewna!« sagte er, wie ein Espenblatt zitternd.

»Ilja Iljitsch!« antwortete sie schüchtern, und beide blieben stehen.

»Guten Tag!« sagte er.

»Guten Tag!« erwiderte sie.

»Wohin gehen Sie?« fragte er.

»Nur so ...« antwortete sie, ohne die Augen zu heben.

»Störe ich Sie?«

»O nicht im geringsten ...« gab sie zur Antwort, ihn rasch und neugierig anblickend.

»Darf ich mitgehen?« fragte er plötzlich, ihr einen forschenden Blick zuwerfend.

Sie schritten schweigend die Allee entlang. Weder das Lineal des Lehrers, noch die gefurchten Brauen des Direktors hatten Oblomows Herz so wie jetzt klopfen gemacht. Er wollte sich dazu zwingen, etwas zu sagen, aber die Worte wollten ihm nicht von der Zunge; nur sein Herz schlug auf eine unglaubliche Weise, wie vor einem Unglück.

»Haben Sie einen Brief von Andrej Iwanowitsch erhalten?« fragte sie.

»Ja, ich habe einen erhalten.«

»Was schreibt er?«

»Er ruft mich nach Paris.«

»Und was tun Sie?«

»Ich fahre hin.«

»Wann?«

»Jetzt gleich ... nein, morgen ... sowie ich fertig bin.«

»Warum so bald?« fragte sie.

Er schwieg.

»Gefällt Ihnen die Landwohnung nicht, oder ... sagen Sie, warum wollen Sie verreisen?«

Diese Frechheit! Er will noch verreisen! dachte sie.

»Mir ist es so weh, so unbehaglich zumute, etwas brennt mich ...« flüsterte Oblomow, ohne sie anzublicken.

Sie schwieg. Dann pflückte sie einen Fliederzweig und roch daran, sich die Nase und das Gesicht bedeckend.

»Riechen Sie, wie das duftet!« sagte sie und bedeckte auch seine Nase.

»Und da sind Maiglöckchen! Warten Sie, ich werde welche pflücken«, sagte er, sich über das Gras beugend, »sie riechen besser nach Feld und Wald; es ist mehr Natur in ihnen. Und der Flieder wächst immer bei den Häusern, die Zweige kriechen förmlich zum Fenster hinein, und ihr Duft ist zu süßlich. Auf den Maiglöckchen ist der Tau noch nicht getrocknet.«

Er reichte ihr ein paar Blüten.

»Und lieben Sie Reseda?« fragte sie.

»Nein, das riecht zu stark; ich liebe weder Reseda noch Rosen. Ich liebe überhaupt keine Blumen; im Feld geht es noch an, aber im Zimmer machen sie so viel Schererei ... und man hat gleich Kehricht ...«

»Und Sie lieben, daß es in den Zimmern rein ist?« fragte sie, ihn schelmisch anblickend. »Sie vertragen keinen Kehricht?«

»Ja; aber ich habe einen solchen Diener ...« murmelte er. O die Böse! fügte er im stillen hinzu.

»Reisen Sie direkt nach Paris?« fragte sie.

»Ja; Stolz erwartet mich längst.«

»Bringen Sie ihm einen Brief von mir mit; ich werde ihm schreiben.«

»Geben Sie ihn mir heute; ich übersiedle morgen in die Stadt.«

»Morgen?« fragte sie, »warum so schnell? Es ist, als ob jemand Sie fortjagte.«

»Es ist auch so ...«

»Wer denn?«

»Die Scham ...« flüsterte er.

»Die Scham!« wiederholte sie mechanisch. Jetzt werde ich ihm sagen: Herr Oblomow, ich hätte es nie erwartet.

»Ja, Oljga Sjergejewna«, brachte er endlich heraus. »Sie wundern sich gewiß ... und zürnen ...«

Jetzt ist es Zeit ... das ist der richtige Moment. Ihr Herz klopfte. Ich kann nicht, o Gott!

Er bemühte sich, ihr ins Gesicht zu blicken und zu erfahren, wie sie sich ihm gegenüber verhielt; aber sie roch an den Maiglöckchen und am Flieder und wußte selbst nicht, was mit ihr war ... was sie sagen, was sie tun sollte. Ach, Sonitschka würde sich gleich etwas ausgedacht haben, und ich bin so dumm! Ich kann gar nichts ... dachte sie gequält.

»Ich habe ganz vergessen«, sagte sie.

»Glauben Sie mir, es war gegen meinen Willen ... ich konnte nicht an mich halten ...« begann er, sich allmählich mit Mut wappnend. »Wenn es damals gedonnert hätte, wenn ein Stein auf mich herabgefallen wäre, ich hätte es doch gesagt. Ich konnte es mit allen meinen Kräften nicht zurückhalten ... Um Gottes willen, glauben Sie nicht, daß ich ... Ich selbst hätte nach einem Augenblick Gott weiß was darum gegeben, um das unvorsichtige Wort ungesagt zu machen ...«

Sie ging mit gesenktem Kopfe weiter und roch an den Blumen.

»Vergessen Sie es«, fuhr er fort, »vergessen Sie es, um so mehr, als es nicht wahr ist ...«

»Es ist nicht wahr?« wiederholte sie, plötzlich sich aufrichtend, und ließ die Blumen fallen.

Ihre Augen öffneten sich weit, und darin leuchtete Erstaunen auf ...

»Wieso ist es nicht wahr?« wiederholte sie nochmals.

»Ja, um Gottes willen, zürnen Sie nicht und vergessen Sie es. Ich versichere Sie, es war nur ein Ausbruch eines Augenblicks ... Das hat die Musik verursacht ...«

»Nur die Musik! ...«

Sie wechselte die Farbe; die beiden rosigen Flecken verschwanden und die Augen erloschen.

Es ist also nichts! Jetzt hat er das unvorsichtige Wort zurückgenommen und ich brauche ihm nicht zu zürnen! ... Es ist gut ... jetzt kann ich ruhig sein ... Ich kann wie bisher sprechen und scherzen ... dachte sie und riß im Vorübergehen heftig einen Zweig vom Baume herab, pflückte mit den Lippen ein Blatt herunter und warf dann sogleich den Zweig und das Blatt auf den Sand hin.

»Sie zürnen nicht? Sie haben vergessen?« sagte Oblomow, sich zu ihr herabbeugend.

»Ja, was ist denn? Was bitten Sie?« antwortete sie, erregt und fast ärgerlich sich von ihm abwendend. »Ich habe alles vergessen ... ich bin so gedächtnisschwach!«

Er schwieg und wußte nicht, was er tun sollte. Er sah nur den plötzlichen Ärger, ohne die Ursache entdecken zu können.

Mein Gott! dachte sie, jetzt ist alles wieder in Ordnung; jene Szene ist wie ausgelöscht, Gott sei Dank! Nun also ... Ach du mein Gott! Was ist denn das? Ach, Sonitschka, Sonitschka! wie glücklich bist du!

»Ich gehe nach Hause«, sagte sie plötzlich, ihren Schritt beschleunigend und in eine andere Allee einbiegend.

Ihr stiegen Tränen zum Hals hinauf. Sie fürchtete, sie würde aufweinen.

»Nicht so, hier ist es näher«, bemerkte Oblomow. Dummkopf, sprach er traurig zu sich selbst, wozu habe ich mich erklären müssen! Jetzt habe ich sie noch mehr gekränkt. Ich hätte sie nicht daran erinnern sollen; es wäre auch so wieder gut geworden, und sie hätte es von selbst vergessen. Jetzt ist nichts zu machen, ich muß mir ihre Verzeihung erbitten.

Ich ärgere mich wohl deshalb, dachte sie, weil ich nicht den richtigen Moment benützt habe, ihm zu sagen: Herr Oblomow, ich hätte niemals erwartet, daß Sie sich so etwas erlauben ... Er ist mir zuvorgekommen ... »Es ist nicht wahr«! So etwas, er hat also noch gelogen! Nein, wie hat er das wagen können?

»Haben Sie es wirklich vergessen?« fragte er leise.

»Ich habe vergessen, ich habe alles vergessen!« sagte sie schnell und beeilte sich nach Hause zu kommen.

»Reichen Sie mir zum Zeichen dessen, daß Sie nicht zürnen, die Hand.«

Sie streckte ihm, ohne ihn anzublicken, die Fingerspitzen hin und zog, sowie er diese berührte, die Hand zurück.

»Nein, Sie zürnen!« sagte er seufzend. »Wie soll ich Sie davon überzeugen, daß es nur eine augenblickliche Stimmung war, daß ich mir nicht erlaubt hätte, mich so zu vergessen ...? Nein, jetzt ist es aus, ich werde Ihrem Gesang nicht mehr zuhören ...«

»Bemühen Sie sich nicht; ich brauche Ihre Versicherungen nicht ...« sagte sie lebhaft. »Ich werde selbst nicht mehr singen!«

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