Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Eines Tages kam er und sah plötzlich, daß die Seife auf dem Waschtisch, die Bürsten und die Schuhwichse auf dem Küchenfenster und der Tee und Zucker in einer besonderen Schublade der Kommode lagen. »Warum bringst du mir das alles durcheinander, he?« fragte er drohend, »ich habe absichtlich alles in einen Haufen gelegt, damit ich es bei der Hand habe, und du hast alles in alle Ecken und Enden zerstreut.« - »Damit der Tee nicht nach Seife riecht«, bemerkte sie sanft. Ein anderes Mal zeigte sie ihm in den Kleidern des Herrn zwei, drei Löcher, die von Motten herrührten, und sagte, daß die Kleider durchaus einmal wöchentlich geklopft und gebürstet werden müßten. »Laß mich nur, ich klopfe sie schon mit dem Besen aus«, schloß sie freundlich. Er riß ihr den Besen und den Frack, den sie schon genommen hatte, aus der Hand und legte die Sachen auf ihren Platz. Als er ein anderes Mal seiner Gewohnheit nach über den Herrn schimpfte, weil dieser ihm die Küchenschwaben vorwarf und meinte, er hätte sie doch nicht ausgedacht, räumte Anissja schweigend die seit undenklichen Zeiten auf dem Brett herumliegenden Brotstücke und Krumen fort, fegte und wusch die Schränke und das Geschirr - und die Küchenschwaben verschwanden fast endgültig. Sachar begriff noch immer nicht ganz, worum es sich handelte, und schrieb alles ihrem Eifer zu. Als er aber eines Tages ein Präsentierbrett mit Tassen und Gläsern durch das Zimmer trug, zwei Gläser zerbrach, seiner Gewohnheit nach schimpfte und das ganze Brett zu Boden werfen wollte, nahm sie es ihm aus den Händen, tat andere Gläser und außerdem noch die Zuckerdose und Brot darauf und stellte alles so zusammen, daß keine einzige Tasse sich rührte, zeigte ihm dann, wie man das Präsentierbrett mit der einen Hand nahm und mit der anderen fest stützte, und als sie dann zweimal durch das Zimmer schritt, indem sie das Brett nach rechts und links drehte, ohne daß ein einziges Löffelchen sich bewegte, wurde es Sachar plötzlich klar, daß Anissja klüger war als er! Er riß ihr das Präsentierbrett fort, warf die Gläser zu Boden und konnte es ihr seitdem nicht verzeihen. »Siehst du, so macht man es!« hatte sie noch leise hinzugefügt. Er blickte sie mit stumpfem Hochmut an, und sie lachte nur. »Ach, du Bäuerin, du Soldatenweib, willst du die Kluge spielen? Haben wir denn in Oblomowka ein solches Haus gehabt? Und ich habe alles selbst geleitet; wir haben ja allein an Lakaien und Laufburschen fünfzehn Personen gehabt! Und euereins, Frauenzimmer, hat's soviel gegeben, daß man nicht einmal die Namen von allen wußte ... Und jetzt kommst du ... Ach, du! ...« - »Ich meine es ja gut«, begann sie. »Nun, nun, nun!« krächzte er und machte die drohende Bewegung, mit dem Ellbogen auf die Brust zielend: »Marsch, hinaus aus den herrschaftlichen Zimmern, geh in die Küche ... Bleib bei deiner Frauenzimmerarbeit!« Sie lachte und ging, und er blickte ihr düster von der Seite nach. Sein Stolz litt, und er behandelte seine Frau streng. Wenn es aber vorkam, daß Ilja Iljitsch nach irgendeinem Gegenstand fragte, den man nicht finden konnte oder der zerbrochen worden war, und wenn überhaupt im Hause etwas Ungehöriges vorkam und sich über Sachars Haupt ein Gewitter sammelte, das von »traurigen Worten« begleitet war, blinzelte Sachar Anissja zu, nickte mit dem Kopfe und zeigte mit dem Daumen auf das Arbeitszimmer des Herrn hin und sagte: »Geh du zum Herrn und schau nach, was er haben will.« Anissja ging hin, und das Gewitter löste sich immer in eine einfache Erklärung auf. Und sobald in Oblomows Rede sich »traurige Worte« einzuschleichen begannen, schlug Sachar selbst vor, Anissja zu rufen. In Oblomows Zimmern wäre alles wieder vernachlässigt worden, wenn Anissja nicht dagewesen wäre; sie zählte schon zu Oblomows Haus, löste unbewußt das unzerreißbare Band, das ihren Mann an das Leben, das Haus und die Person IIja Iljitschs kettete, und ihr weibliches Auge und ihre sorgsame Hand walteten in den vernachlässigten Räumen. Sowie Sachar sich abwandte, staubte Anissja die Tische und Sofas ab, öffnete das Fenster, richtete die Jalousien, räumte die inmitten des Zimmers hingeworfenen Stiefel oder die auf die eleganten Sessel hingehängten Beinkleider fort, musterte alle Kleider, sogar die Papiere, Bleistifte, Federmesser und Federn auf dem Tische durch und legte alles in Ordnung hin; sie schüttelte das zerwühlte Bettzeug auf, ordnete die Kissen und machte das alles mit drei Griffen; dann ließ sie noch einen schnellen Blick durch das Zimmer gleiten, rückte irgendeinen Sessel zurecht, machte die halboffene Schublade der Kommode zu, zog die Decke vom Tisch herunter und glitt rasch in die Küche, wenn sie Sachars knarrende Stiefel hörte. Sie war eine lebhafte, flinke Frau von siebenundvierzig Jahren, mit einem besorgten Lächeln, lebendig nach allen Seiten hinblickenden Augen, einem festen Hals und einer festen Brust und roten, geschickten, nie ermüdenden Händen. Sie besaß fast gar kein Gesicht; man bemerkte nur die Nase, trotzdem sie nicht groß war, doch schien sie sich vom Gesicht losgelöst zu haben oder ihm schlecht angefügt worden zu sein, und dabei war ihr unterer Teil nach oben gewendet, so daß das Gesicht dahinter gar nicht zu sehen war; außerdem war es so zusammengeschrumpft und verblichen, daß man sich von der Nase längst einen klaren Begriff gebildet hatte, bevor man das Gesicht auch nur bemerkte.
Es gibt auf der Welt viele solcher Männer wie Sachar. Mancher Diplomat hört nachlässig den Ratschlag der Frau an, zuckt die Achseln und schreibt dann heimlich nach ihren Angaben. Manchmal hört ein Beamter pfeifend und mit einer Grimasse des Bedauerns dem Geplauder der Frau über eine wichtige Angelegenheit zu und berichtet morgen mit wichtiger Miene dieses Geplauder dem Minister. Diese Herrschaften behandeln ihre Frauen ebenso düster oder leichtfertig, lassen sich kaum herab, mit ihnen zu sprechen, und halten sie, wenn nicht für Frauenzimmer, wie Sachar, so doch für Blumen, die zur Zerstreuung nach dem Geschäftlichen, Ernsten da sind ...
Die Mittagssonne sengte schon lange die Wege des Parkes. Alle saßen im Schatten unter Segeltuchmarkisen; nur die Kinderfrauen mit den Kindern gingen mutig gruppenweise herum und saßen unter den Mittagsstrahlen im Grase. Oblomow lag noch immer auf dem Sofa und trug sich mit Zweifeln über die Bedeutung seines Morgengespräches mit Oljga herum. »Sie liebt mich, in ihr ist ein Gefühl für mich erwacht. Ist das möglich? Sie träumt von mir; sie hat für mich so leidenschaftlich gesungen, und die Musik hat uns beide mit Sympathie füreinander angesteckt!« Ihn erfüllte Stolz, das Leben erstrahlte, er sah seine zauberhaften Fernen, alle Farben und Strahlen, die noch vor kurzem nicht da waren. Er sah sich schon mit ihr im Ausland, auf den Schweizer Seen, in Italien, durchschritt mit ihr die Ruinen in Rom, fuhr in einer Gondel, verlor sich dann in der Menge von Paris und London und dann ... dann befand er sich in seinem irdischen Paradies, in Oblomowka. Sie ist seine Gottheit, sie mit diesem lieben Geplauder, mit diesem feinen, weißen Gesichtchen und dem zarten, dünnen Hals ... Die Bauern haben nie etwas Ähnliches gesehen; sie werfen sich vor diesem Engel zu Boden. Sie schreitet langsam über das Gras hin, geht mit ihm im Schatten des Birkenhaines, sie singt ihm ... Und er versetzt sich in dieses Leben, in seinen stillen Lauf, in sein süßes Rieseln und Plätschern ... Er versinkt in ein Sinnen, das durch die befriedigten Wünsche, durch die Fülle des Glückes hervorgerufen wird ...
Plötzlich umdüsterte sich sein Gesicht.
»Nein, das ist unmöglich!« sagte er laut, sich vom Sofa erhebend und durch das Zimmer schreitend. »Mich lieben! Mich mit dem komischen Äußern, mit dem schläfrigen Blick, mit den welken Wangen ... Sie lacht nur über mich ...«
Er blieb vor dem Spiegel stehen und betrachtete sich lange, zuerst ärgerlich, doch dann klärte sich sein Blick auf; er lächelte sogar. »Mir scheint, ich sehe jetzt besser und frischer aus als in der Stadt«, sagte er; »meine Augen sind nicht trüb ... Es hat sich ein Gerstenkorn gezeigt, ist aber verschwunden ... Das kommt gewiß von der hiesigen Luft; ich gehe viel, trinke gar keinen Wein, liege nicht ... Ich brauche gar nicht nach Ägypten zu reisen.«