Im Auftrag Seiner Majestät
- Автор: Май Карл
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Im Auftrag Seiner Majestät». Краткое содержание книги:
„Kerl, was rauchst du denn für ein Karnickel? Ich verstänkere mir doch meinen ganzen Tabak an deinen Lorbeerblättern! Wirft's denn nicht mehr ab, he?“
Als Hugo von Königsau am anderen Morgen vorgeschriebenermaßen zu Blücher kam, um sein Rittmeisterpatent in Empfang zu nehmen, sagte dieser:
„Höre, mein Sohn, das ist eine ganz verteufelte Geschichte. Da habe ich am zweiten April den Befehl über das schlesische Heer niedergelegt, und nun denken diese Federfuchser, ich hätte nichts mehr zu sagen. Ich habe dich empfohlen, aber es ist leider kein Rittmeister mehr offen. Aber ich werde an dich denken, und sobald die Gelegenheit vorhanden ist, sollst du sehen, daß ich Wort halte. Dort am Fenster steht der Pfeifenkasten und daneben der Tabak. Stopfe dir eine, mein Sohn. Bei einer Pfeife plaudert es sich besser, und ich habe jetzt gerade Zeit, was sonst nicht oft vorzukommen pflegt.“
Königsau fühlte sich von dieser Nachricht natürlich ein wenig enttäuscht, doch war ihm die Leutseligkeit des Marschalls ein fast genügender Ersatz für die nicht in Erfüllung gegangene Erwartung des versprochenen Avancements. Als er später entlassen wurde, hatte er nicht weit zu gehen, da er in derselben Straße wohnte; doch sollte er nicht so schnell als er dachte, in sein Logis kommen.
Eine junge Dame ging vor ihm her. Ihre Kleidung war diejenige der feineren Stände; sie mußte, soviel er von hinten bemerkte, von einer nicht gewöhnlichen Schönheit sein. Sein Auge haftete mit ungewöhnlichem Interesse an ihrer hohen, stolzen Gestalt, an der zierlichen Haltung ihres Kopfes und den kleinen Füßen, welche er bemerken konnte, da sie das Kleid leicht emporgerafft trug.
Da kamen zwei Kosakenoffiziere ihr entgegen. Sie sahen die Dame, nickten einander zu und blieben nun auf dem Trottoir in einer so breitspurigen Weise stehen, daß jene nicht vorübergehen konnte. Sie wollte sich trotzdem an ihnen vorbeidrängen, da aber ergriff sie der eine beim Arm und fragte in schlechtem Französisch:
„Fürchten Sie sich nicht, Mademoiselle, bei der gegenwärtigen fremden Bevölkerung so allein auf der Straße zu gehen? Wir werden Sie begleiten.“
Sie blickte ihn groß und erstaunt an und antwortete:
„Ich danke, Monsieur; ich bedarf Ihrer Begleitung nicht!“
Um ihn anzusehen, hatte sie sich zur Seite gedreht, und dadurch bekam Königsau ihr Profil zu sehen, ein Profil von so seltener Reinheit, so voll und doch so weich und zart, wie er noch niemals eines gesehen zu haben glaubte.
Der Russe ließ trotz der Ablehnung ihren Arm nicht los, sondern sagte lachend:
„Es ist möglich, daß Sie unserer Begleitung nicht bedürfen, aber in unserer Heimat ist es nicht Sitte, eine Dame auf der Straße ohne Schutz lassen. Sie werden so freundlich sein, uns Ihre Wohnung zu nennen, Mademoiselle.“
Da trat Königsau hinzu, ergriff die Hand, welche ihren Arm gefaßt hielt, und drückte die Finger derselben mit solcher Gewalt zusammen, daß der Russe die Dame fahren ließ. Trotz dieser Handgreiflichkeit verbeugte er sich sehr höflich und sagte:
„Verzeihung, meine Herren Kameraden, diese Dame bedarf Ihrer Begleitung wirklich nicht; sie ist meine Braut, ich blieb nur ein wenig zurück.“
Bei diesen Worten schlug eine jähe Röte über das wunderschöne Gesicht des Mädchens, aber es sagte kein Wort, ihn Lügen zu strafen. Der Russe fragte ihn:
„Sie nennen mich Kamerad. Sind Sie Offizier?“
„Ja.“
„Ihr Name?“
„Hugo von Königsau, von den Ziethenhusaren.“
„Ah, das ist eine wackere Truppe. Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Braut und bitte um Verzeihung. Wir sahen Sie wohl auch, wußten aber nicht, daß Sie beide zueinander gehörten.“
Er hatte seine erste Frage mit zornig blitzenden Augen ausgesprochen, gab aber seine letzte Antwort bedeutend freundlicher. Er mochte erfahren haben, daß mit den Ziethenhusaren nicht sehr zu spaßen sei und schritt mit seinem Begleiter weiter, während Königsau den Arm der Dame sanft in den seinen zog und so mit ihr den Weg fortsetzte. Sie blickte ihn forschend von der Seite an; er tat, als ob er es nicht bemerke, obgleich er förmlich fühlte, daß ihr Auge auf ihm ruhte. Erst nach einer Weile sagte er:
„Mademoiselle, ich bin sehr kühn gewesen, und ich fühle, daß ich mich zu entschuldigen habe.“
Er schwieg. Vielleicht erwartete er, ein Wort aus ihrem Mund zu hören; da sie aber schwieg, so fuhr er fort:
„Ich kenne nämlich die Russen. Es war Graf Mertschakeff, der wegen seiner Roheiten mehr berüchtigt und gefürchtet, als berühmt ist. Ich war gewiß, daß er sich nicht zurückweisen lassen werde, und wagte daher, Sie meine Braut zu nennen, das einzige Mittel, Sie von ihm zu befreien. Werden Sie mir dies verzeihen können?“
Er blickte ihr jetzt zum ersten Mal in die Augen. Es waren dunkle Samtaugen, in denen sein Blick sich ein ganzes Leben lang hätte versenken mögen. Die Dame sah ihn offen und freundlich an und sagte:
„Ich verzeihe Ihnen und sage Ihnen herzlichen Dank, Monsieur!“
„Darf ich fragen, ob Sie noch weit zu gehen haben?“
„Einige Straßen weit.“
„Ich weiß, daß Sie wünschen werden, wieder allein zu sein; aber wenn ich denke, daß Sie leicht eine ähnliche Begegnung haben können, so halte ich es für meine Pflicht, Sie noch nicht zu verlassen. Befehlen Sie, was geschehen soll!“
Sie blickte forschend die Straße hinab, und da sie dort mehrere militärische Gruppen bemerkte, so antwortet sie zögernd:
„Ich darf Sie doch kaum belästigen; aber da unten gibt es wieder Russen. Wollen Sie erlauben, daß ich mich Ihnen anvertraue?“
„Wie gern, wie sehr gern, Mademoiselle!“
Sie fühlte, als er diese Worte sprach, einen unwillkürlichen freudigen Druck seines Armes. War sie hier etwa aus dem Regen in die Traufe gekommen? Sie blickte fast erschrocken zu ihm auf. Aber seine Stimme hatte so bescheiden geklungen, und sein offener Blick ruhte so mild auf ihrem Gesicht, daß sie sich beruhigte.
So schritten sie nebeneinander her durch mehrere Straßen, ohne den Versuch zu machen, ihre Unterhaltung fortzusetzen. Aber zwischen zwei jungen Herzen ist ein solches Schweigen beredter, als die bestgesetzte Rede. Die Bewegung des Gehens und besonders das Einbiegen aus einer Straße in die andere, brachte es mit sich, daß ihre Arme sich enger aneinander legten. In solchen Momenten fühlte er eine eigentümliche sympathische Wärme von ihr auf sich übergehen. Beide Blicke trafen sich unwillkürlich; sie errötete dann allemal leicht und senkte die langen Wimpern nieder, während es ihm war, als habe er sich aus der Tiefe ihres Auges ein süßes Eigentum herausgeholt. Und als sie endlich vor dem Portal eines Hauses stehen blieb, deuchte es ihm, als sei er nicht einige Minuten, sondern jahrelang an ihrer Seite gewesen.
„Hier wohne ich, mein Herr!“ sagte sie.
„So muß ich Sie verlassen!“
Sie hörte deutlich, daß ein Seufzer diese Worte emporgetragen hatte. Ihr großes dunkles Auge richtete sich mit einem so warmen, ehrlichen Blick auf ihn, daß er sie hätte an sein Herz ziehen mögen, und dabei fragte sie:
„Sie sagten, daß Sie bei den Ziethenhusaren stehen, Monsieur. So sind Sie ein Preuße?“
„Ja.“
„Wissen Sie, daß wir hier in Paris die Preußen hassen?“
„Daran tun Sie Unrecht, Mademoiselle. Man soll keinen Menschen hassen, ohne genau zu wissen, daß er den Haß auch wirklich verdient.“
„Sie wollen sagen, daß Sie unseren Haß nicht verdienen?“