Im Auftrag Seiner Majestät
- Автор: Май Карл
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Im Auftrag Seiner Majestät». Краткое содержание книги:
Sein Herr, der Rittmeister von Königsau, hatte einen Oheim, welcher diesen Namen trug und sogar General war, auch Kunz hieß, wie Fritz sich besann. Die Generalin von Goldberg war die Schwester der Frau von Königsau. Der General hatte keine Kinder; das wußte Fritz ganz genau, und was die Generalin betraf, so hatte er sie zwar noch nie gesehen, aber es war ihm bekannt, daß sie stets in tiefer Trauer gehe.
Er nahm sich jetzt vor, seinem Herrn alles zu erzählen. Er konnte von ihm den besten Aufschluß erhalten und wartete darum mit Ungeduld auf das Erscheinen desselben. –
Müller saß indessen in seiner Stube und schrieb. Um nicht beobachtet werden zu können, hatte er ein dickes Papierblatt auf das Glas geklebt, durch welches der alte Kapitän in das Zimmer zu blicken vermochte. Er ließ es dort auch kleben, als er fertig war, stieg dann zum Fenster hinaus, nachdem er sich umgekleidet hatte, kroch über das Dach hinüber und stieg am Blitzableiter hinab.
Fritz hatte ihn kommen sehen und empfing ihn, indem er leise herbeigeschlichen kam.
„Bist du bereits lange hier?“ fragte ihn sein Herr.
„Eine ziemliche Weile, Herr Doktor“, antwortete der Diener. „Ich kam eher, weil ich glaubte, Ihnen etwas mitteilen zu dürfen.“
„Etwas Wichtiges für unsere Aufgabe?“
„Etwas Wichtiges? Ja, aber wohl nur für mich, Herr Doktor.“
„Ah, so ist es eine persönliche Angelegenheit?“
„Ja, nichts anderes.“
„Nun, so wollen wir zunächst die Nähe des Schlosses verlassen, da mir natürlich daran liegen muß, unbemerkt zu bleiben. Hier, nimm aber diese Papiere. Sie gehören zu denen, welche du über die Grenze zu schaffen hast. Und nun komm!“
Sie schritten miteinander rasch davon. Dann aber, als sie sich im Freien befanden und nun annehmen konnten, daß sie unbeachtet seien, sagte Müller:
„Nun kannst du beginnen, lieber Fritz.“
„Da muß ich vor allen Dingen bitten, mir nichts übel zu nehmen, Herr Doktor. Ehe ich zur Sache komme, möchte ich erst einige Fragen aussprechen, welche Verwandte von Ihnen betreffen.“
„So, frage einmal zu! Ich bin überzeugt, daß du keine müßigen Fragen aussprechen wirst.“
„Das würde ich gar nicht wagen. Aber es sind hier Dinge passiert, welche eine Erkundigung notwendig machen, die Ihnen vielleicht zudringlich erscheinen wird. Nicht wahr, der Herr General von Goldberg, Exzellenz, ist Ihr Verwandter?“
„Allerdings. Er ist mein Oheim.“
„Die Frau Generalin ist die Schwester Ihrer Frau Mutter?“
„Ja. War dir dies noch nicht bekannt?“
„Nicht genau. Ich habe Sie ja stets nur in der Garnison bedient und bin mit Ihren Verwandten mehr als ersten Grades also nie in Berührung gekommen. Gestatten Sie mir die fernere Frage, ob der Herr General Kinder hat?“
„Nein.“
„Er hat auch niemals welche gehabt?“
„O doch, nämlich ein Zwillingspaar, zwei Knaben; sie sind ihm aber auf höchst unbegreifliche Weise abhanden gekommen. Er glaubte an einen Raub und hat keine Anstrengung gescheut, das Dunkel aufzuklären, doch leider vergebens. Die Tante trägt seit jener Zeit nur Schwarz, und auch der Onkel hält sich nicht nur von jedem Vergnügen fern, sondern er meidet auch allen Umgang, der nicht ein dienstlich notwendiger ist.“
Fritz schwieg eine Weile. Welche Perspektive öffnete sich ihm da auf einmal! Er liebte seinen Herrn von ganzen Herzen; er hätte für ihn mit Freuden das Leben hingegeben, und nun gab es eine Möglichkeit, sein naher Verwandter zu sein! Dieses Schweigen dauerte Müller zu lange. Er fragte:
„Welchen Grund hast du zu diesen Erkundigungen?“
„Oh“, antwortete der Gefragte, „ich halte es für möglich, daß die verschwunden Knaben sich wiederfinden, wenigstens einer von ihnen.“
„Diese Möglichkeit ist natürlich vorhanden“, meinte Müller, erstaunt über die Rede seines treuen Dieners. „Aber wie kommst gerade du dazu, dies zu betonen?“
„Weil es mir scheint, als ob ich zufälligerweise etwas über einen der Knaben erfahren habe.“
„Wirklich? Ist's wahr?“ fragte Müller überrascht. „Das wäre nicht nur ein Glück, sondern geradezu ein Wunder zu nennen! Aber du täuschst dich. Wie sollte gerade Ortry der Ort sein, wo eine solche Nachricht zu bekommen wäre. Es gibt Umstände, Zufälle, Gottesschickungen, über welche man geradezu erstaunen muß. Ich habe gerade hier ein Beispiel davon erlebt. Du weißt, daß auch mein Vater vor Jahren spurlos verschollen ist; keine Nachforschung hat uns Nutzen gebracht, und hier in Ortry habe ich etwas erlauscht, was ganz geeignet ist, das erste Licht in dieses Dunkel zu werfen.“
„Finden Sie eine Spur von dem Verschollenen, so will ich dies Ihnen von ganzem Herzen gönnen, Herr Doktor“, sagte Fritz. „Außerordentlich wäre allerdings, wenn gerade auch hier in Ortry eine Fährte sich öffnet, auf welcher die beiden gesuchten Knaben zu finden sind. Haben Sie dann nicht ein Zeichen an sich gehabt, an welchem sie zu erkennen gewesen wären?“
„An ihrem Körper nicht; aber ihre Kleider sind gezeichnet gewesen, und am Hals hat jeder ein Kettchen gehabt mit einem Löwenzahn, in dessen Innerem sich die Miniaturbilder der Eltern befanden. Bei Zwillingen läßt sich nicht gut von einem Unterschied des Alters sprechen, da dieser ja nur Minuten betragen kann, doch einer ist doch immerhin der Ältere; dieser hatte den rechten und der andere, der Jüngere, den linken Reißzahn. Der Onkel war nämlich einmal in Algerien gewesen und hat dort einen außerordentlich großen, männlichen Löwen erlegt. Die Araber sind sehr abergläubisch. Sie sagen, ein Sohn werde ein starker und tapferer Mann, wenn man ihm einen Löwenzahn anhänge. Dieser Ansicht ist der Onkel gefolgt, freilich nicht aus Aberglaube, sondern einer willkürlichen Eingebung, einer Liebhaberei wegen. Es hat nicht ein jeder das Glück, von sich sagen zu können, daß er den König der Tiere erlegt habe, und darum ist ein solcher Zahn für den Sohn eines Löwentöters ein wertvolles Andenken an den Mut des Vaters.“
„Wo sind die beiden Knaben verloren gegangen?“
„In oder bei Neidenburg in Ostpreußen“, antwortete Müller, fuhr aber rasch fort: „Alle Teufel, da fällt mir ja ein, daß du aus jener Gegend bist! War es nicht ein Dorf bei Neidenburg im Regierungsbezirke Königsberg, wo du geboren bist?“
„Ja, in Groß-Scharnau bei Neidenburg; aber ich bin dort nicht geboren, sondern gefunden worden.“
„Wie? Was?“ fragte Müller, erstaunt stehenbleibend. „Ah, richtig, du hast keine Eltern!“
„Ich bin aus einem Berg von Schnee hervorgezogen worden, ich bin ein Findelkind, darum hat man mir ja den Namen Schneeberg gegeben.“
„Ich besinne mich; du hast mir dies ja bereits erzählt. Aber, um Gottes willen, du willst doch nicht sagen, daß es zwischen deiner Auffindung und dem Verlust jener Knaben irgendeinen Zusammenhang gibt?“
„Vielleicht ist dieser Zusammenhang vorhanden, Herr Doktor. Eben darum habe ich Sie ja um Verzeihung gebeten, falls ich Ihnen zudringlich erscheinen sollte. Sie kennen mich, ich will nicht aufdringlich sein; aber ich wäre ganz glücklich, wenn es mir gelänge, meine Eltern zu finden. Ob diese arm oder reich, bürgerlich oder vornehm sind, das ist mir ganz gleich, wenn nur die Sehnsucht, welche ich nach ihnen fühle, befriedigt wird.“
„Aber, Mensch, Fritz, was redest du da für dummes Zeug! Jeder Vater und jede Mutter wird froh sein, ein verlorenes Kind zu finden, ganz gleich, ob dieses Kind von armen oder wohlhabenden Leuten aufgenommen wurde. Ich weiß in diesem Augenblick noch nicht, was du sagen willst, und was ich denken soll; aber woraus schließt du, daß der erwähnte Zusammenhang stattfindet und vorhanden ist?“
„Weil ich einen Löwenzahn trage, und zwar den aus dem rechten Kiefer.“
„Großer Gott, ist's möglich? Er ist bei dir gefunden worden?“
„Ja.“