Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Erniedrigte und Beleidigte». Краткое содержание книги:

Erniedrigte und Beleidigte
1 ... 62 63 64 65 66 67 68 69 70 ... 120
Перейти на страницу:

»Hören Sie?« rief der Fürst.

»Natascha, an allem bin ich schuld; klage ihn nicht an! Das ist sündhaft und schrecklich!«

»Hörst du wohl, Wanja? Er tritt schon gegen mich auf!« rief Natascha.

»Genug!« sagte der Fürst; »wir müssen dieser peinlichen Szene ein Ende machen. Dieser blinde, wütende Anfall maßloser Eifersucht zeigt mir Ihren Charakter von einer mir ganz neuen Seite. Ich bin nun gewarnt. Wir haben uns übereilt, haben uns tatsächlich übereilt. Sie bemerken es nicht einmal, wie sehr Sie mich gekränkt haben; für Sie ist das gar nichts. Wir haben uns übereilt... wir haben uns übereilt... mein Wort muß mir allerdings heilig sein; aber... ich bin Vater und wünsche das Glück meines Sohnes...«

»Sie sagen sich von Ihrem Wort los!« rief Natascha ganz außer sich. »Sie freuen sich über diese günstige Gelegenheit! Wissen Sie aber, daß ich selbst schon vor zwei Tagen, als ich hier allein war, den Entschluß gefaßt habe, ihn von seinem Wort zu entbinden; und jetzt erkläre ich das vor aller Ohren. Ich trete zurück!«

»Das heißt, Sie wollen vielleicht bei ihm die ganze frühere Unruhe, jenes ganze drückende Pflichtgefühl (so ungefähr drückten Sie sich vorhin aus) wieder erwecken, um ihn dadurch von neuem wie ehemals an sich zu fesseln. Das müßte ja nach Ihrer eigenen Theorie der Verlauf sein, und eben deshalb sage ich es. Aber genug; die Zeit wird die Entscheidung bringen. Ich werde einen ruhigeren Augenblick abwarten, um mich mit Ihnen auszusprechen. Ich hoffe, wir werden unsere Beziehungen nicht endgültig abbrechen. Ich hoffe auch, Sie werden mich besser schätzenlernen. Ich wollte Ihnen noch heute einen Plan mitteilen, den ich mir betreffs Ihrer Eltern zurechtgelegt habe und aus dem Sie ersehen würden... aber genug! Iwan Petrowitsch!« fügte er hinzu, indem er an mich herantrat, »jetzt wird es mir mehr als je wertvoll sein, Ihre nähere Bekanntschaft zu machen, ganz abgesehen davon, daß dies schon längst mein Wunsch war. Ich hoffe, Sie werden mich verstehen. Ich werde Sie nächster Tage besuchen; erlauben Sie es mir?«

Ich verbeugte mich. Es schien mir selbst, daß ich jetzt seiner Bekanntschaft nicht mehr aus dem Wege gehen könne. Er drückte mir die Hand, verbeugte sich schweigend vor Natascha und ging mit einer Miene gekränkter Würde hinaus.

Viertes Kapitel

Mehrere Minuten lang sprachen wir alle keine Silbe. Natascha saß, in Nachdenken versunken, traurig und niedergeschlagen da. Ihre ganze Energie war ihr plötzlich abhanden gekommen. Sie blickte gerade vor sich hin, ohne etwas zu sehen, und schien sogar vergessen zu haben, daß sie Aljoschas Hand in der ihrigen hielt. Dieser weinte still seinen Kummer aus und richtete mitunter in ängstlicher Spannung seinen Blick auf sie.

Endlich begann er schüchtern, sie zu trösten; er flehte sie an, nicht böse zu sein; er beschuldigte sich selbst; es war klar, daß er lebhaft wünschte, seinen Vater zu rechtfertigen, und daß ihm dies besonders am Herzen lag; mehrere Male fing er an davon zu sprechen, wagte aber nicht, sich deutlich auszudrücken, da er fürchtete, aufs neue Nataschas Zorn zu erregen. Er schwur ihr ewige, unveränderliche Liebe und verteidigte mit Wärme seine Anhänglichkeit an Katja; fortwährend wiederholte er, er liebe Katja nur wie eine Schwester, wie eine liebe, gute Schwester, die er doch nicht ganz verlassen könne; dies würde sogar roh und grausam von seiner Seite sein; und er versicherte immerzu, wenn Natascha Katja kennenlerne, würden sie beide sogleich so gute Freundinnen werden, daß sie sich nie mehr voneinander würden trennen wollen, und dann werde es keinerlei Mißverständnisse mehr geben. Dieser Gedanke gefiel ihm ganz besonders. Der arme Junge sagte wirklich nichts, was er nicht selbst glaubte. Er hatte kein Verständnis für Nataschas Befürchtungen und hatte überhaupt nicht recht verstanden, was sie vorher zu seinem Vater gesagt hatte. Er verstand nur, daß sie sich entzweit hatten, und das lag ihm wie ein Stein auf dem Herzen.

»Bist du mir wegen deines Vaters böse?« fragte Natascha.

»Kann ich ihn anklagen«, antwortete er traurig, »wenn ich doch selbst die Ursache von allem bin und alles verschuldet habe? Ich habe dich so erzürnt, und da hast du in deinem Zorn auch ihn beschuldigt, weil du mich rechtfertigen wolltest: du suchst mich immer zu rechtfertigen, und ich verdiene das gar nicht. Es mußte ein Schuldiger gefunden werden, und da hast du gemeint, er sei es. Aber wahrhaftig, er ist nicht schuldig, wahrhaftig nicht!« rief Aljoscha in lebhafter Erregung. »Ist er etwa in solcher Gesinnung hergekommen? Hatte er das erwartet?«

Aber als er sah, daß ihn Natascha traurig und vorwurfsvoll anblickte, wurde er sofort ängstlich.

»Nun, ich werde es nicht wieder sagen, ich werde es nicht wieder sagen; verzeih mir«, stammelte er; »ich bin an allem schuld!«

»Ja, Aljoscha«, sagte sie schwermütig, »jetzt ist er zwischen uns getreten und hat uns unsern Frieden fürs ganze Leben zerstört. Du hast immer zu mir mehr Vertrauen gehabt als zu allen andern; aber jetzt hat er in dein Herz Argwohn und Mißtrauen gegen mich hineingeträufelt; du klagst mich an; er hat mir die Hälfte deines Herzens genommen. Eine schwarze Katze ist zwischen uns hindurchgelaufen.«[13]

»Sprich nicht so, Natascha! Warum sagst du: ›eine schwarze Katze‹?«

Er fühlte sich durch diesen Ausdruck gekränkt.

»Durch heuchlerische Güte, durch erlogene Hochherzigkeit hat er dich für sich gewonnen«, fuhr Natascha fort, »und jetzt wird er dich immer mehr gegen mich aufreizen.«

»Ich schwöre dir, daß es nicht so ist!« rief Aljoscha mit noch größerer Wärme. »Er war gereizt, als er sagte: ›Wir haben uns übereilt.‹ Du wirst das selbst sehen: gleich morgen oder in den nächsten Tagen wird er sich besinnen, und sollte er so zornig geworden sein, daß er unsere Ehe wirklich nicht mehr will, so werde ich ihm nicht gehorchen; das schwöre ich dir. Vielleicht wird meine Kraft dazu ausreichen... Und weißt du, wer uns helfen wird?« rief er auf einmal, ganz entzückt über seine Idee. »Katja wird uns helfen! Und du wirst sehen, du wirst sehen, was für ein prächtiges Geschöpf sie ist! Du wirst sehen, ob sie deine Nebenbuhlerin sein und uns voneinander trennen will! Und wie ungerecht bist du vorhin gewesen, als du sagtest, ich sei einer von denen, deren Liebe am Tage nach der Hochzeit erkalten könne! Es ist mir äußerst schmerzlich gewesen, das zu hören! Nein, ich bin nicht so, und wenn ich Katja häufig besucht habe...«

»Laß gut sein, Aljoscha; besuche sie, sooft du magst! So habe ich es vorhin nicht gemeint. Du hast nicht alles verstanden. Sei glücklich, mit wem du willst! Ich kann doch von deinem Herzen nicht mehr fordern, als es mir zu geben vermag...«

Mawra trat ins Zimmer.

»Wie ist's? Soll ich den Tee hereinbringen, ja? Es ist zu ärgerlich: zwei Stunden lang kocht der Samowar schon; es ist elf Uhr.«

Sie fragte in grobem, verdrießlichem Ton; offenbar war sie sehr schlechter Laune und über Natascha aufgebracht. Die Sache war die: Sie war die ganzen Tage her, seit Dienstag, in einem solchen Freudenrausch über die bevorstehende Heirat ihrer jungen Herrin (der sie außerordentlich zugetan war) gewesen, daß sie diese Nachricht schon im ganzen Haus, in der Nachbarschaft, beim Kaufmann und beim Hausknecht verkündigt hatte. Sie hatte geprahlt und triumphierend erzählt, der Fürst, ein vornehmer Herr, ein General, und furchtbar reich, sei selbst hergekommen, um ihr Fräulein um ihre Einwilligung zu bitten; das habe sie, Mawra, mit eigenen Ohren gehört. Und nun war auf einmal alles in die Brüche gegangen. Der Fürst war zornig weggefahren, und der Tee war nicht serviert worden, und an allem war natürlich das Fräulein schuld. Mawra hatte gehört, wie respektlos sie mit dem Fürsten gesprochen hatte.

»Nun gut; bring ihn herein!« antwortete Natascha.

»Soll ich auch den Imbiß bringen?«

1 ... 62 63 64 65 66 67 68 69 70 ... 120
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)