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Der Medicus von Saragossa

Электронная книга - «Der Medicus von Saragossa». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: The Last Jew
Der Abdruck von Passagen aus Dantes Göttlicher Komödie (übers. v. Karl Vossler, Piper Verlag GmbH, München 1969) erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Die Stadt Saragossa findet sich auf der Landkarte im Vorsatz unter ihrem lateinischen Namen Cesaraugusta.
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Würdig wozu, fragte sich Jona.

Auch Angel Costa beobachtete Jona sehr genau. Oft spürte er Angels Blick auf sich, und wenn Costa nicht in Sicht war, hatte er das Gefühl, von anderen beobachtet zu werden.

Einmal war er sicher, daß Luis ihm ins Dorf folgte.

Mehr als einmal kehrte Jona in seine Hütte zurück und mußte feststellen, daß seine wenigen Habseligkeiten durchwühlt worden waren. Nichts war gestohlen. Jona versuchte, seinen Besitz mit den Augen eines feindlich gesinnten Suchers zu betrachten, aber er sah nichts Belastendes in seinen wenigen Kleidungsstücken, der Gitarre, dem stählernen Becher, den er sich gemacht hatte, und dem Gebetbuch des verstorbenen Bernardo Espina, möge seine Seele in Frieden ruhen.

Manuel Fierro war seit Jahrzehnten ein erfolgreicher und einflußreicher Bürger Gibraltars. Er hatte einen großen Kreis von Freunden und Bekannten, und wenn er hin und wieder einmal abends in die Dorfschenke ging, trank er fast nie allein.

So fand er auch nichts Ungewöhnliches daran, als Jose Gripo sich eines Abends an seinen Tisch setzte und ein Glas Wein trank, ohne viel zu reden, denn er kannte Gripo seit seiner Ankunft in Gibraltar, und der Besitzer des Kramladens war noch nie sonderlich gesprächig gewesen.

Doch als Gripo ihm zuflüsterte, Manuel müsse ihn sofort im Hafen treffen, und dann seinen Wein austrank und laut eine gute Nacht wünschte, leerte Fierro einige Minuten später ebenfalls seinen Becher, lehnte einen angebotenen zweiten Becher ab und wünschte allen Anwesenden eine gute Nacht.

Während er zum Hafen ging, fragte er sich, warum Gripo wohl Angst gehabt hatte, mit ihm gemeinsam die Schenke zu verlassen.

Der Krämer erwartete ihn hinter einem Lagerschuppen auf halber Höhe des dunklen Kais. Er redete nicht lange um den heißen Brei herum.

»Man hat dich angeschwärzt, Manuel. Du hättest gut daran getan, wenn du diesen undankbaren Mistkerl schon längst entlassen und mit seinem Schwert und seinem Bogen davongejagt hättest.«

»Es war Costa?«

»Wer denn sonst? Er ist ein neidischer Mann, der niemandem seinen Wohlstand gönnt, wie wohlverdient er auch sein mag.«

Derartige Vorwürfe von Leuten, die ihren Namen nicht nannten, wurden häufig bei Autodafes vorgebracht, aber Fierro brauchte nicht zu fragen, woher Gripo seinen Beschuldiger kannte. Er wußte, daß Jose Gripo in seiner engsten Verwandtschaft ein halbes Dutzend Priester hatte, die sich in gutunterrichteten Kreisen bewegten.

»Was wirft man mir vor?«

»Er hat den Inquisitoren erzählt, daß du einen moslemischen Hexenmeister zum Lehrling hast. Er behauptete, er hätte gesehen, wie du jedes Stück, das du an einen guten Christen verkaufst, mit einem Blutfluch belegst. Und wie ich dir schon gesagt habe, es fällt auf, daß du nicht zur Messe gehst.«

»Aber in letzter Zeit habe ich sie doch besucht.«

»Das war zu spät. Du bist gebrandmarkt als Diener des Satans und als Feind der Heiligen Mutter Kirche«, sagte Gripo, und Fierro hörte eine tiefe Traurigkeit in seiner Stimme.

»Ich danke dir, Jose«, sagte er.

Er wartete in der Dunkelheit, bis Gripo den Hafen verlassen hatte, und machte sich dann auf den Rückweg zu seiner Schmiede.

Tags darauf, als sie im hellen Licht des trägen Nachmittags die Instrumente polierten, die er für seinen Bruder angefertigt hatte, erzählte er Jona von dem Gespräch. Er redete leise und ohne jede Gefühlsregung, so als würden sie den Fortgang einer Arbeit besprechen. Ohne Gripos Namen zu nennen, berichtete er, er habe erfahren, daß er von Angel Costa angeprangert worden sei.

»Wenn er mich bei den Inquisitoren angezeigt hat, bist du sicher auch angeschwärzt, und man wird dich verhaften«, sagte Fierro. »Deshalb müssen wir beide diesen Ort verlassen, und zwar schnell.«

Jona spürte, wie ihm das Blut aus den Wangen wich. »Ja, Senor.«

»Weißt du, wohin du gehen kannst?«

»Nein.«

»Was ist mit deinen Verwandten? Den beiden Männern, die dich besucht haben?«

»Das waren keine Verwandten. Es waren böse Männer. Sie sind wieder verschwunden.«

Fierro nickte. »Dann möchte ich dich um einen Gefallen bit-ten, Ramon Callico. Ich werde zu meinem Bruder Nuno Fierro gehen, dem Arzt von Saragossa. Bist du bereit, mit mir zu kommen und mein Beschützer zu sein, bis wir bei ihm sind?«

Jona versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Schließlich sagte er: »Ihr seid sehr freundlich zu mir gewesen. Ich werde mit Euch gehen und Euch dienen.«

Fierro nickte dankbar. »Dann müssen wir schleunigst unsere Abreise aus Gibraltar vorbereiten«, sagte er.

Mitten in der Nacht, während die anderen schliefen, ging Jona zum Haus des Meisters, wie es ihm aufgetragen worden war, und gemeinsam suchten sie die Dinge zusammen, die sie für die Reise brauchten. Lebensmittel und Gerätschaften für unterwegs, und für jeden feste Stiefel und Sporen und einen Brustharnisch. Ein Schwert für Jona. Ein Schwert für Fierro, bei dessen Anblick es Jona den Atem verschlug; es war nicht mit Edelsteinen besetzt oder ziseliert wie das eines Edelmanns, aber es war so prachtvoll gearbeitet, daß es seine Schönheit aus seiner vollkommenen Ausgewogenheit bezog.

Fierro wickelte jedes der chirurgischen Instrumente, die er in mühevoller Kleinarbeit für seinen Bruder angefertigt hatte, in ein weiches Tuch und legte sie in eine kleine Truhe.

Dann gingen er und Jona zum Stall und holten ein kräftiges Maultier heraus, das sie zu einem der Vorratsschuppen am anderen Ende des Grundstücks führten. Er war verschlossen, wie alle Vorratsschuppen, und Fierro öffnete die Tür mit einem Schlüssel. Die eine Hälfte des Schuppens war angefüllt mit allerlei Stahlteilen, alten und verrosteten Rüstungen und anderem Metallschrott. Die andere Hälfte war vollgestapelt mit Feuerholz, dem Brennstoff für die Esse. Der Meister hieß Jona, die Scheite beiseite zu räumen, und half auch selbst mit, und nachdem sie ein gut Teil des Stapels abgetragen hatten, kam eine kleine lederne Truhe zum Vorschein.

Sie war nicht größer als die Truhe mit den chirurgischen Instrumenten, aber als Jona sie hochhob, ächzte er überrascht, denn sie hatte ein großes Gewicht. Jetzt verstand er, wozu das Maultier nötig war.

Sie luden die Truhe auf den Rücken des Maultiers, führten es hinaus, und Fierro verschloß den Schuppen wieder.

»Ein schreiendes Muli, das alle Welt aufweckt, können wir jetzt überhaupt nicht gebrauchen«, sagte Fierro, und während Jona das Tier zum Haus des Meisters geleitete, tätschelte es Fierro und sprach ihm mit leiser Stimme gut zu. Sie schafften die Truhe ins Haus, und danach befahl der Meister Jona, das Tier wieder in den Stall zu bringen und selbst in seine Hütte zurückzukehren, was Jona auch tat. Er fiel sofort auf sein Lager, doch obwohl er sehr müde war und schlafen wollte, lag er noch lange wach in der Dunkelheit und wälzte sorgenschwere Gedanken.

Trotz all ihrer Vorsichtsmaßnahmen merkte Costa am nächsten Morgen, daß etwas nicht stimmte. Er war bei Tagesanbruch aufgestanden, um zu jagen, und hatte gesehen, daß frischer Kot auf dem Hof vor dem Stall lag, obwohl im Stall alle Tiere an ihren Plätzen standen.

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