Der Medicus von Saragossa
- Автор: Гордон Ной
- Год: 1999
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Medicus von Saragossa». Краткое содержание книги:
Der Abdruck von Passagen aus Dantes Göttlicher Komödie (übers. v. Karl Vossler, Piper Verlag GmbH, München 1969) erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Die Stadt Saragossa findet sich auf der Landkarte im Vorsatz unter ihrem lateinischen Namen Cesaraugusta.
Bonestruca schnaubte. »Mehr als möglich. Wahrscheinlich.«
Die neuen Schalen kamen, und Bonestruca trank weiter. Er war ein Trinker, bei dem der Wein kaum Wirkung zeigte und der nüchtern und gefährlich blieb. Doch langsamer dürfte der Wein ihn machen, dachte Jona; es wäre einfacher, ihn jetzt sofort zu töten, diesen mörderischen Mönch. Aber Jona dachte noch klar, und er wußte, daß Bonestruca am Leben bleiben mußte, wollte er selbst nach Gibraltar zurückkehren, ohne dort ins offene Messer zu laufen.
Jona bat nun den Wirt um die Rechnung. Nachdem die Schuld beglichen war, brachte ihnen der Mann einen Teller mit Brot und Oliven in Öl als Geschenk, und Jona lobte dem Mönch gegenüber die Freundlichkeit des Wirts.
Bonestruca grollte dem Mann noch immer. »Er ist ein abtrünniger Christ, der die Gerechtigkeit noch zu spüren bekommt«, murmelte er. »Er ist ein Schwein von einem jüdischen Ungeheuer.«
Das schreckliche Gewicht dieser Worte lastete schwer auf Jona, als er seine Stute durch die verschlafenen Straßen führte.
6. KAPITEL
BOMBARPEN
Graf Vasca ließ die Männer aus Gibraltar noch einmal vier Tage warten. Jona nutzte die Zeit, um die Witwe von Bernardo Espina ausfindig zu machen, weil er hoffte, so einen Weg zu finden, Espinas Gebetbuch seinem Sohn zu übergeben, denn das hatte er dem Arzt versprochen, bevor dieser im Autodafe sein Leben ließ. Aber die Suche endete in einer Enttäuschung. »Estrella de Aranda ist mit ihren Kindern hierher zurückgekommen«, sagte eine der Frauen aus Espinas früherer Nachbarschaft, als Jona sich bei ihr erkundigte. »Nachdem ihr Gatte wegen Ketzerei verbrannt worden war, wollte keiner aus ihrer Verwandtschaft sie aufnehmen. Wir haben ihnen für eine Zeit Zuflucht gewährt. Dann ging sie in den Convento de la Santa Cruz, um Nonne zu werden, und wir haben gehört, daß sie kurz darauf starb. Mutter Kirche schluckte ihre Kinder, Marta und Domitila, die ebenfalls Nonnen wurden, und Francisco, der Mönch wurde. Ich weiß nicht, wo sie jetzt sind«, sagte sie.
Jona sorgte sich, daß Bonestruca zuviel Wein getrunken hatte, um sich an das zu erinnern, was er dem Mönch über sein Wissen von einer wertvollen Reliquie erzählt hatte. Er war sicher, daß Bone-struca zu einem Netz von Männern gehörte, die heilige Dinge stahlen und kauften, um sie im Ausland mit Gewinn zu verhökern. Der Mönch wußte, daß Jona auf den Grafen von Tem-bleque wartete, um ihm die Rüstung übergeben zu können, und wenn er den Köder geschluckt hatte, mußte jemand wegen der Einzelheiten an Jona herantreten.
Doch mehrere Tage vergingen, ohne daß sich jemand auf der Burg nach ihm erkundigte.
Als der Graf schließlich von seiner Jagd zurückkehrte, erwies er sich als Mann, der groß und kräftig genug war, um die riesige Rüstung auszufüllen. Sein Vollbart und seine Haare waren rötlichbraun, und oben auf dem Schädel hatte er eine große kahle Stelle. Er besaß die kalten, herrischen Augen eines Mannes, der in dem Bewußtsein aufgewachsen war, daß alle Menschen dieser Erde minderwertig und nur dazu da seien, ihm zu dienen.
Die Männer aus Gibraltar halfen ihm in die Rüstung und sahen dann zu, wie er mit dem Schwert in der Hand über den Hof stolzierte. Als er danach wieder aus seinem Stahlkleid befreit war, zeigte er sich hoch erfreut über die Dinge, die sie ihm gebracht hatten, beklagte sich aber über eine gewisse Enge an der rechten Schulter. Sofort wurde im Hof eine Esse aufgebaut, und Luis und Paco machten sich mit Schwung und zwei Hämmern ans Werk.
Bald nachdem die Änderungen am Schulterstück abgeschlossen waren, ließ Graf Fernan Vasca Ramon Callico zu sich rufen.
»Hat er sein Zeichen unter die Empfangsbestätigung gesetzt?« fragte Jona den Verwalter, der ihm den Befehl überbrachte.
»Sie liegt für Euch bereit«, sagte der Verwalter, und Jona folgte ihm durch eine Reihe von Zimmern in die Privatgemächer des Grafen. Unterwegs hielt Jona die Augen offen, um vielleicht einige der Silbergegenstände zu erspähen, die sein Vater für den Grafen angefertigt hatte, doch er sah keine. Die Burg von Tem-bleque war sehr groß.
Er fragte sich, warum der Graf ihn hatte rufen lassen. Geld
brauchte er keines in Empfang zu nehmen, die Bezahlung für Schwert und Rüstung wurde über Kaufleute aus Valencia getätigt, die in Gibraltar Geschäfte machten. Jona hoffte, daß Fierro beim Eintreiben der Schulden mehr Erfolg haben würde als sein Vater.
Vor einer Eichentür blieb der Verwalter stehen und klopfte.
»Euer Exzellenz. Dieser Callico ist hier.«
»Er soll reinkommen.«
Es war ein langes, düsteres Zimmer. Obwohl der Tag mild war, brannte im Kamin ein kleines Feuer, und drei Jagdhunde lagen auf dem mit Binsen ausgelegten Boden. Zwei der Tiere betrachteten den Fremden mit kalten Augen, der dritte Hund aber sprang auf, kam mit leisem Knurren auf Jona zu und trollte sich erst, als sein Besitzer ihn zurückrief.
»Euer Gnaden«, sagte Jona.
Vasca nickte und händigte Jona die unterzeichnete Empfangsbestätigung aus. »Ich bin hoch erfreut über die Rüstung. Teilt dies Eurem Meister Fierro mit.«
»Mein Herr wird sich glücklich schätzen, daß Ihr mit seiner Arbeit zufrieden seid.«
»Zweifellos. Es ist immer schön, angenehme Nachrichten zu erhalten. So habe ich zum Beispiel erfahren, daß Ihr eine heilige Reliquie entdeckt habt.«
Aha. Hier ist der Pfeil also gelandet, den ich auf Fray Bone-struca abgeschossen habe, dachte Jona mit einem Schaudern.
»Das stimmt«, erwiderte er vorsichtig.
»Was für eine Art von Reliquie ist es?«
Jona sah den Grafen nur an.
»Nun kommt schon«, sagte Vasca mit barscher Ungeduld. »Ist es ein Knochen?«
»Es sind viele Knochen. Ein Skelett.«
»Wessen?«
»Eines Heiligen. Keines sehr bekannten Heiligen. Ein örtlicher Heiliger aus der Gegend um Gibraltar.« »Ihr glaubt, daß es das Skelett von Santo Peregrino El Compasivo ist?«
Jona konnte seine Überraschung nicht verbergen. »Ja. Ihr kennt die Legende?«
»Ich kenne alle Legenden über Reliquien«, sagte Vasca. »Warum glaubt Ihr, daß es sich um den Pilgerheiligen handelt?«
Nun erzählte Jona ihm von Vicente, und wie Vicente ihn zu der Höhle unter den flachen Felsen geführt hatte. Er beschrieb ihm alles, was er in der Höhle gesehen hatte, und der Graf hörte aufmerksam zu.
»Warum habt Ihr Euch an Fray Bonestruca gewandt?«
»Ich dachte mir, daß er vielleicht jemanden kennt, der... für so etwas Verwendung hat.«
»Wie kamt Ihr auf diesen Gedanken?«
»Nun... Wir haben zusammen getrunken. Ich hielt es für sinnvoller, einen Mönch zu fragen, der gern trinkt, als irgendeinen Priester, der dieses Laster verabscheut.«