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Der Medicus von Saragossa

Электронная книга - «Der Medicus von Saragossa». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: The Last Jew
Der Abdruck von Passagen aus Dantes Göttlicher Komödie (übers. v. Karl Vossler, Piper Verlag GmbH, München 1969) erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Die Stadt Saragossa findet sich auf der Landkarte im Vorsatz unter ihrem lateinischen Namen Cesaraugusta.
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Paco legte die Hand auf das Rohr und zog sie schnell wieder zurück. »Es ist heiß.«

»Ja. Man hat mir gesagt, daß das Eisen manchmal reißt, wenn die Bombarde zu oft abgefeuert wird. Man glaubt, daß Rohre aus gegossener Bronze vielleicht besser sind.«

»Wahrlich furchteinflößend«, sagte Costa. »Und, werden wir nun diese Bombarden herstellen, Meister?«

Fierro starrte den geknickten Baum an und schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht«, sagte er leise.

7. KAPITEL

LAUERNDE BLICKE

Einige Wochen nachdem Jona Lavera und seinen Gefolgsmann zu der Höhle geschickt hatte, ritt er eines schönen Sonntagmorgens auf dem grauen Araber zu dem felsigen Stück Ödland und band sein Pferd an einem Busch an.

Falls es je Spuren in der steinigen Erde gegeben hatte, waren die vom schneidenden Wind und dem wenigen Regen, der seitdem gefallen war, ausgelöscht worden.

Die Höhle selbst war leer.

Die Knochen des Heiligen waren verschwunden. Wie auch das grob zusammengezimmerte Kreuz und die irdenen Gefäße. In ihrer Suche nach heiligen Kostbarkeiten hatten die Plünderer den Altar zerstört. Die verstreuten trockenen Äste und die Zeichnung des Fisches auf der Wand waren der einzige Beweis dafür, daß Jona die Höhle in ihrem früheren Zustand nicht nur geträumt hatte.

Auf der Wand unter dem Fisch entdeckte er einen dunkel rostfarbenen Fleck, und als er sich mit seiner Kerze hinkniete, sah er auf dem Steinboden andere rostfarbene Überbleibsel, große Pfützen getrockneten Blutes.

Die Männer, die hier im Hinterhalt gelegen hatten, hatten ganze Arbeit geleistet und jene ausgelöscht, die ihnen hier im südlichen Spanien die Geschäfte abspenstig gemacht hatten.

Eines wußte Jona: Als er Anselmo Lavera und seinem Kumpa-nen die Karte gab, hatte er die beiden so sicher hingerichtet, als hätte er ihnen eine scharfe Klinge über die Kehle gezogen. Erleichtert, fast beschwingt ritt er nach Gibraltar zurück, aber auf seiner Seele lastete auch das Bewußtsein, ein Mörder zu sein.

Seit der Rückkehr aus Tembleque schwang sich Angel Costa mehr denn je zu Gibraltars frommem Soldaten der Kirche auf.

»Warum reitest du am Sonntagvormittag aus?« wollte er von Jona wissen.

»Meister Fierro hat es mir erlaubt.«

»Gott hat es dir nicht erlaubt. Der Sonntagmorgen ist für die Anbetung der Dreifaltigkeit da.«

»Ich bete in dieser Zeit sehr viel«, erwiderte Jona, doch die Frömmigkeit, die er damit zu beweisen suchte, schien Costa nicht zu beeindrucken, denn er schnaubte nur.

»Unter den Waffenschmieden bezeugen nur du und der Meister unserem Gott nicht den gehörigen Respekt. Du mußt die christliche Messe besuchen. Geh besser in dich und bereue, mein gebildeter Senor.«

Paco hatte alles gesehen und gehört. Als Costa gegangen war, sagt er zu Jona: »Angel ist ein Mörder und ein Sünder, auf den ganz gewiß das Höllenfeuer wartet, und doch wacht er über die unsterblichen Seelen der Männer in seiner Umgebung, die allesamt besser sind als er.«

Auch mit Fierro hatte Costa gesprochen.

»Und mein Freund Jose Gripo hat mich gewarnt, daß meine Abwesenheit von der Messe eine Aufmerksamkeit erregt hat, die mir gefährlich werden kann«, sagte der Meister zu Jona. »Deshalb müssen wir beide unsere Gewohnheiten ändern. Du wirst am Sonntagmorgen nicht mehr ausreiten. Diese Zeit ist für das Gebet bestimmt. Es wäre ratsam, wenn du diese Woche die Messe besuchst.«

Und so ging Jona am nächsten Sonntagmorgen in den Ort und betrat zeitig die Kirche, wo er sich in eine der hinteren Reihen stellte. Er spürte Costas Blick auf sich, als der Waffenmeister die Kirche betrat. Am anderen Ende der Kirche unterhielt sich Meister Fierro entspannt mit Bekannten aus dem Ort.

Jona setzte sich und betrachtete den Jesus, der am Kreuz über dem Altar hing.

Padre Vasquez hatte eine hohe, leiernde Stimme, die fast wie Bienensummen klang. Jona fiel es nicht schwer aufzustehen, wenn die anderen aufstanden, sich hinzuknien, wenn die anderen knieten, und den Mund zu bewegen, als würde er beten. Er merkte, daß er das klangvolle Latein der Messe genoß, so wie er es immer genossen hatte, Hebräisch zu hören.

Nach der Wandlung bildeten sich Schlangen vor dem Beichtstuhl und vor dem Priester, der den Leib Christi in Gestalt der Hostie verteilte. Der Anblick der Hostien verstörte Jona, denn er war aufgewachsen mit Schauergeschichten über Juden, denen vorgeworfen wurde, Hostien zu stehlen und zu besudeln.

Er schlüpfte nach draußen und hoffte, daß niemand seinen Weggang bemerkt hatte.

Als er sich von der Kirche entfernte, sah er ein gutes Stück vor sich auf der schmalen Straße die ebenfalls davoneilende Gestalt von Manuel Fierro.

Vier Sonntage hintereinander ging Jona in die Kirche.

An jedem Sonntag war auch Manuel Fierro dort. Einmal kehrten sie gemeinsam zur Schmiede zurück und unterhielten sich dabei freundschaftlich wie zwei Jungen, die von der Schule nach Hause gingen.

»Erzähl mir von dem Juden, der dir die Silberbearbeitung beigebracht hat«, sagte Fierro.

So erzählte Jona ihm von Abba, sprach dabei aber als einstiger Lehrling und nicht als Sohn. Dennoch versuchte er erst gar nicht, Stolz und Zuneigung in seiner Erzählung zu unterdrücken. »Hei-kias Toledano war ein wunderbarer Mensch und ein sehr fähiger Silberschmied. Ich hatte großes Glück, bei ihm in die Lehre gehen zu dürfen.«

Er wußte, daß er auch Glück hatte, jetzt bei Fierro in der Lehre zu sein, aber er war zu schüchtern, um dies zu sagen.

»Hatte er Söhne?«

»Zwei«, antwortete Jona. »Einer starb. Der andere war noch ein kleiner Junge. Als Toledano Spanien verließ, nahm er den Jüngeren mit sich.«

Fierro nickte und wandte sich dem Thema des Fischfangs zu, denn die Boote, die von Gibraltar ausliefen, kehrten in dieser Jahreszeit mit prall gefüllten Netzen zurück.

Nach diesem Tag begann Manuel Fierro, Jona eingehender zu beobachten. Zuerst dachte Jona, er würde sich das nur einbilden, denn der Meister war ein gütiger Mensch, der immer ein freundliches und aufmunterndes Wort für jeden seiner Untergebenen übrig hatte. Aber Fierro unterhielt sich häufiger mit ihm als früher, und ausführlicher. Es war, als prüfe er einen Anwärter für eine besondere Aufgabe, als versuche er zu entscheiden, ob Jona der Verantwortung und des Vertrauens würdig sei.

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