Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]
- Автор: Франке Герберт Ф.
- Год: 1976
- Язык: немецкий
- Год: Suhrkamp Verlag
- ISBN: 3-518-39087-2
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Einsteins Erben (Phantastische Bibliothek) [сборник]». Краткое содержание книги:
Noch bevor er seine Kennummer und damit die Koordinaten seines Appartements eintasten konnte, setzte sich die Kabine in Bewegung. Zugleich tönte aus einem Lautsprecher in der Decke die Stimme:
»Wir rufen:
037 quer 170 quer 155,
Dringlichkeitsstufe A 3,
Sie werden erwartet:
Koordinaten 034 quer 281 quer 577. –
Wir bitten Sie, sich einzufinden.
Wir rufen: 037 quer 170 quer 155 …«
Die Stimme begleitete ihn die ganze unfreiwillige Fahrt hindurch. An den Leuchtziffern an der Wand merkte er, daß es den genannten Koordinaten näher ging. Wie vorauszusehen: Stop bei 034/281/577. Die Tür glitt auf.
Daniel trat hinaus: Eine Zelle, eng, leer, sechseckig, undurchsichtige Wand, eine Tür, geschlossen. Von der Decke die Stimme:
»Ihre Kollegen heißen Sie willkommen, bitte warten.«
Pause. Dann wieder:
»Ihre Kollegen heißen Sie willkommen, bitte warten.«
Pause. Noch einmaclass="underline"
»Ihre Kollegen heißen Sie willkommen, bitte warten.«
Noch mehrmals, immer wieder. Daniel sah sich um – keine Sitzgelegenheit im Raum.
Ein Knacken. Summen aus dem Lautsprecher.
Sekunden später: Die Tür öffnete sich.
Die Stimme:
»Bitte, treten Sie ein!«
»Blicken Sie bitte nach links!«
Eine Projektionswand. Das Aufflimmern eines Bildes. Ein Gesicht, schon bekannt …
Er hörte Schritte hinter sich, eine Hand legte sich auf seine Schulter.
»Lassen Sie sich nicht verblüffen, kommen Sie!«
Eine Frau, dem Äußeren nach 25 bis 30, doch sicher reaktiviert –, das zeigte die porenlose Haut hinter den Augen; schwarzes Haar, gelockt, grüne Augen. Sie lächelte ihn an, wandte sich dann zum Videoschirm.
»Alles in Ordnung! Abblenden!« Sie führte ihn durch eine weitere Tür, die sich lautlos geöffnet hatte: eine Flucht von Räumen, durchsichtige Wände, grau und blau verkleidete Automaten, Fernschreiber, Schalttafeln, Sichtschirme, hüpfende Ziffern auf gerastertem Glas. Zwei Männer kamen ihm entgegen, glatte Gesichter von Dreißigjährigen, der eine groß und breit, mit gewelltem, zurückgekämmtem, hellbraunem Haar, natürlich eine Perücke, der andere dunkelhaarig, gebückt, schlank, mit langen Armen.
»Schöner Tag heute, wir freuen uns«, sagte der Große. »Das ist Maud, das ist Larry, ich heiße Benedikt. Mit uns werden Sie hauptsächlich zu tun haben. Setzen Sie sich doch, bitte.«
Daniel schüttelte die Hände, murmelte seinen Namen: »Es tut mir leid, daß ich Sie warten ließ! Offenbar haben Sie mich suchen lassen, doch Ihr Ruf hat mich erst vor ein paar Minuten erreicht!«
»Kein Grund zur Eile!« erklärte Benedikt. »Sie hatten sich wohl ausgeschaltet. Das ist Ihr gutes Recht.«
Sie setzten sich vor eine Kaleidoskopwand; die Figuren wechselten kaum merklich, Maud reichte Erfrischungskapseln; würziger Duft hing für kurze Zeit in der Luft, ehe ihn die Ventilatoren forttrugen.
»Das sind Sie also«, meinte Benedikt und sah Daniel wohlwollend an. »Offenbar haben Sie alles gut überstanden. Die ersten Stunden sind immer schwer.«
»Ja«, bestätigte Larry, »ich hatte einige scheußliche Erlebnisse – erinnere mich nur ungern daran. Die Psychiater haben uns allen übel mitgespielt.«
»Es war nur eine kurze Unterredung«, sagte Daniel.
Sie lachten. »Gewiß, aber die Tests haben es in sich.«
»Tests?« wiederholte Daniel.
»Reduktion der Verhaltensbedingungen, parzellierte Information, Labilisierung, Verunsicherung … sagen Sie bloß, Sie hätten es nicht bemerkt?«
»Ich hatte einige ungewöhnliche Erlebnisse – allerdings … Aber was war Test, und was war Wirklichkeit? Wie kann man sie unterscheiden?«
»Das ist es ja eben – daß man sie nicht unterscheiden kann. Wirklichkeit und Test gehen ineinander über. Ich bin überzeugt, daß mancher Konflikt, dem man zufällig ausgesetzt ist, als Test verwertet wird und umgekehrt: Situationen, als Testfälle konstruiert, setzen sich in der Wirklichkeit fort.«
»Kein angenehmer Gedanke«, meinte Daniel und griff nach einer Riechkapsel. »Normalerweise kann man doch wenigstens nachträglich erkennen, womit sie einem eine Falle stellen wollten.«
»Ein Test hat nur Sinn, wenn man ihn nicht als Test erkennt. Überlegen Sie doch: Sie merken es – eine gestellte Situation. Sie reagieren nicht spontan, sondern so, wie Sie meinen, daß man es von Ihnen erwartet. Die Psychologen müssen das in die Rechnung einkalkulieren, was die Sache schwierig macht. Doch damit nicht genug: Sie stellen sich darauf ein, den Psychologen sei bekannt, daß Sie die Situation als Teil einer Prüfung erkennen. Dann modulieren Sie Ihre Verhaltensweise noch einmal, nämlich so, daß sie auch unter diesem Aspekt noch gut benotet wird. Das müssen aber auch die Psychologen berücksichtigen. Mit anderen Worten: Solche Rückkopplungen würden die Analyse außerordentlich erschweren. Ich kann die Seeleningenieure auch nicht leiden, aber in diesem Punkt muß ich ihnen recht geben.«
»Ist es nicht doch irgendwie möglich, zu erkennen, was ein Test war und was nicht – zum Beispiel durch die Logik der Konsequenzen?«
»Das wissen sie zu verhindern; sie konstruieren ihre Testsituationen logisch oder pseudologisch. Wenn sie eine Serie beendet haben, führen sie die Ereignisketten fort, nur um keine Anhaltspunkte zu geben, und knüpfen später daran an, wenn es nötig ist.«
»Wann ist die Zeit der psychologischen Prüfungen vorbei?«
Wieder lächelten sie über diese Frage. »Nie. Die Psyche ist ja nichts Unveränderliches. Sie kann jederzeit aus dem Gleichgewicht geraten, und das können wir hier nicht riskieren. Man muß immer lernen und sich immer prüfen lassen. Die Tests gehen weiter, sie sind ein Teil der Wirklichkeit geworden. Doch Sie werden sehen – daran gewöhnt man sich. Im Gegenteiclass="underline" Gerade durch diese permanente Testsituation verliert man jede Angst vor einer Psychoprüfung. Es gibt nichts zu befürchten.«
»Widerspricht das nicht dem Prinzip der Freizügigkeit?«
Benedikt schüttelte den Kopf.
»Keineswegs! Es sichert unsere Freiheit und die der andern. Schließlich wird von hier aus die Welt gesteuert.«
Sie fügten sich dieser Argumentation – er sah es an den Gesichtern, die nach wie vor freundlich waren. Es waren die ersten Menschen, mit denen er sich verständigen konnte, die seine Sprache sprachen, die seine Gedanken dachten. Er gehörte zu ihnen, und das ließ die Ungereimtheiten seines bisherigen Aufenthalts unwichtig erscheinen. Unauffällig musterte er seine neuen Kollegen: Benedikt bewegte sich ruhig und gelassen, er strahlte Zuversicht aus, was er sagte, sagte er klar und abschließend; ihm schien die Führungsrolle zuzufallen. Larry, mit seinen dunklen, braunen Augen, seinem strähnigen Haar, seiner ins Gesicht geschriebenen Gutmütigkeit, erweckte sofort Vertrauen. Er schien geduldig genug, um Fragen anzuhören und ausführlich zu beantworten. Maud – eine Frau, die sich pflegte und Geschmack hatte. Die Gesichtsform, die sie gewählt hatte, entsprach nicht den üblichen Normen, dazu waren die Lippen zu voll, die Bakkenknochen zu betont – also eine Persönlichkeit mit eigenem Willen, offenbar intelligent, sonst wäre sie nicht hierher delegiert worden. Sie saßen so, daß sie das Spiel des Kaleidoskops im Gesichtsfeld hatten, und manchmal erschien auf ihren Gesichtern der Widerschein von sattem Rot oder fahlem Blau.
Benedikt ließ die Lehne seines Sessels um ein weniges nach rückwärts gleiten und wandte sich erneut an Daniel.
»Ich kann mir denken, daß Sie noch etwas verwirrt sind, doch das ist uns allen so gegangen. Sie wissen ja, was wir hier zu tun haben, und mit den Maschinen sind Sie vertraut. Gewiß gibt es hier Besonderheiten, Abweichungen vom Standard, aber das liegt daran, daß unsere Anlagen ständig erneuert werden; es sind die besten, die es gibt! Im übrigen können Sie der Automatik vertrauen; wir kommen im großen und ganzen gut mit ihr aus. Sie hat Geduld mit uns, stellt sich auf uns ein.