Wladimir - die ganze Wahrheit
- Автор: Belkowski Stanislaw
- Год: 2013
- Язык: немецкий
- Год: mvg verlag
- ISBN: 978-3-86414-439-4
- Жанр: Биографии и мемуары
Электронная книга - «Wladimir - die ganze Wahrheit». Краткое содержание книги:
Wer ist Putin wirklich? Er inszeniert sich als Angler mit gestähltem Oberkörper, als Taucher, Pilot, Macho und Frauenheld – doch obwohl es mittlerweile Dutzende Bücher und Tausende Artikel über den Staatschef Wladimir Putin gibt, bleibt die Person hinter dem Amt seltsam unklar. Ist er tatsächlich der russische »Übervater«? Der Staatserneuerer, der das Tor zu einer leuchtenden Zukunft aufgestoßen hat? Oder doch eher der »Kremltyrann«, der im Begriff ist, die junge russische Demokratie zu zerstören? Stanislaw Belkowski, Insider des Moskauer Politbetriebes, widerlegt in seinem Buch die hartnäckigsten Mythen über Wladimir Putin und beleuchtet dessen persönliche Motive für sein.
Als Diebstahl in besonders großem Umfang kann man die Lieblingskreation von Putin anführen – die Olympischen Winterspiele 2014, die an dem bekannten russischen subtropischen Erholungsort Sotschi stattfinden sollen. Und das, obwohl sich unser Held der Mehrzahl der Fragen zur Vorbereitung der Olympiade höchstpersönlich annimmt oder sich zumindest dafür interessiert, denn die bevorstehenden Spiele sind für ihn eine Frage des persönlichen und politischen Prestiges.
Im Laufe der sechs Jahre währenden Vorbereitungen auf die Spiele wurde die Leitung der staatlichen Firma Olympstroi, die in Sotschi die wichtigsten vorolympischen Aufträge vergibt, fünf (!) Mal ausgewechselt – und das bei Putins zwanghaftem Hang zu Stabilität in Kaderfragen! Und im März 2013 wurde der Chef der Firma »Erholungsorte im Nordkaukasus«, der dagestanische Unternehmer Achmed Bilalow, der Dmitri Medwedew nahestehen soll, mit lautem Krach zum Rücktritt gezwungen.
Es hatte sich herausgestellt, dass sich »Erholungsorte im Nordkaukasus« für die Einrichtung olympischer Objekte mehr als erlaubt unter den Nagel gerissen hatte, was Putin in Rage brachte: Er entließ Bilalow praktisch während einer Livesendung. Danach floh der maßlos erfolgreiche kaukasische Unternehmer … richtig, nach Deutschland, wo er sich zum Opfer einer Quecksilbervergiftung erklärte und zur Kur in eine nicht näher bezeichnete Klinik in Baden-Baden begab.
Übrigens gibt es allen Grund zu der Annahme, dass die Vergiftung diplomatischen und mythologischen Charakters ist. Denn wenn Putin endgültig erfährt, wie viel gestohlen wurde, wird diese Version wichtig, um in der Bundesrepublik um politisches Asyl nachzusuchen. Die progressive Öffentlichkeit wird schließlich wie in den oben beschriebenen Fällen von Anna Politkowskaja und Alexander Litwinenko meinen, dass hinter dem tödlichen Quecksilber die blutige russische »Militärokratie« aus den Forschungsarbeiten der Soziologin Kryschtanowskaja steht.
Fazit: Ich erkenne die Verantwortung Putins als Staatsoberhaupt für den merklichen Anstieg der Korruption in Russland an, nicht aber ihn als Urheber oder Ideologen unserer hauseigenen ROS-Wirtschaft. Das neosowjetische Imperium
Mit Sicherheit kann ich sagen, dass es schwierig ist, in der heutigen Welt einen Staat zu finden, der noch antisowjetischer ist als Putins Russische Föderation.
Die UdSSR gründete sich auf: den Primat der kommunistischen Ideologie und ihre totale Durchdringung aller Poren der Gesellschaft; den Kollektivismus; das Staatseigentum; den hohen Stellenwert der Sozialisierungssysteme und der sozialen Sicherheit jedes Bewohners des Landes; ein niedriges Korruptionsniveau.
Die heutige Russische Föderation gründet sich auf: das Fehlen einer offiziellen staatlichen Ideologie (die vielen Studien analytischer Zentren, die dem Kreml alle möglichen Ideologien andichten wollen, zählen hier nicht; wer kann sich überhaupt an den Inhalt dieser Studien erinnern?); ein nach den Maßstäben der gesamten russischen Geschichte extremen Individualismus; das Privateigentum – sogar die Aktiva, die formal dem Staat gehören, werden de facto im privaten Interesse des Managements geleitet; die Zerstörung der früheren sowjetischen Sozialisierungssysteme und eine daraus resultierende Einschränkung sozialer Sicherheiten; ein äußerstes Maß an Korruption.
Eine andere Sache, die den nicht allzu aufmerksamen Beobachter in Verwirrung stürzen kann, ist die Rückkehr vieler Symbole und Zeichen der sowjetischen Zeit in das staatliche und gesellschaftliche Leben: von der Melodie der Staatshymne – allerdings mit einem neuen Text (2000) – bis hin zur Auszeichnung »Held der Arbeit« (2013). Aber das alles ist nur ein Betrug mit Symbolik. Es ist klar, dass der Putin’sche Gaunerkapitalismus seiner Natur nach ganz und gar parasitär ist. Er ist nicht geneigt, eigene allgemeingültige Inhalte und Muster hervorzubringen. Er kann nur die alten imperialen Symbole benutzen, die mittlerweile völlig ihres Inhalts beraubt sind.
Ja, vermutlich neigen Putin und seine Regierungsmannschaft zu der Ansicht, dass die Mehrheit der Bevölkerung der Russischen Föderation das Gesamtsystem der sowjetischen Ästhetik nach wie vor positiv bewertet. So kann man die »schönen alten Lieder« ans Volk verfüttern, um es sozial-psychologisch ruhigzustellen. Aber von einer realen Annäherung an das sowjetische Modell bezüglich Staatsform, Gesellschaft und Wirtschaft kann keine Rede sein.
Soweit zum Imperium.
Entgegen der verbreiteten Vorstellung, Russland habe unter Präsident Wladimir Putin seinen Einfluss auf die Länder des postsowjetischen Raums verstärkt und vertieft, trifft in Wirklichkeit das Gegenteil zu. Im Laufe der vergangenen dreizehn Jahre sind die Institutionen einer postsowjetischen Integration eigentlich völlig zusammengebrochen. Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) hat sich praktisch in ein Touristikunternehmen zur Organisation politisch inhaltloser Treffen postsowjetischer Führungspersönlichkeiten verwandelt.
An den Einheitlichen Wirtschaftsraum, dessen Gründung Putin bereits 2003 ankündigte, erinnert sich heute kaum noch jemand. Die Eurasische Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG), über die WWP während seines Wahlkampfes 2012 mündlich und schriftlich ausgiebig räsonierte, wird wohl ein Propagandamythos bleiben.
Es existiert die Zollunion von Russland, Belarus und Kasachstan, der das zweitwichtigste Land der ehemaligen UdSSR – die Ukraine – nicht beitreten will. Aber auch die Zollunion kommt ins Schleudern. In erster Linie liegt es daran, dass sie für Russland nicht sonderlich vorteilhaft ist: Die Öffnung der Zollgrenze für Belarus und besonders für Kasachstan führt zu einer gigantischen Expansion von Waren zu Dumpingpreisen auf dem russischen Markt, was der ohnehin schwere Zeiten durchlebenden russischen Industrie einen schweren Schlag versetzt.
Unter dem scheinbar schwachen Boris Jelzin nahm Moskau in vielen Dingen Einfluss auf die Situation in der GUS, weil sie Quelle der Legitimierung von postsowjetischen Regimes geblieben war. Man erinnere sich nur an die Szenarien und Einzelheiten des Machtantritts von Edward Schewardnadse in Georgien (1992), von Heydər Əliyev in Aserbaidschan (1993) und von Leonid Kutschma in der Ukraine (1994).
Unter dem »starken« Wladimir Putin formieren sich die postsowjetischen Regimes ohne oder sogar häufiger gegen den Willen von Moskau. Die qualitative Minderung der russischen Einflussnahme innerhalb der sich in Auflösung befindlichen GUS zeigte die Abfolge von »Blumenrevolutionen«: in Georgien (2003), in der Ukraine (2004), in Kirgistan (2005 und 2009). Alle diese Ereignisse haben Politiker an die Macht gebracht, die Russland feindlich oder zumindest nicht besonders freundschaftlich gegenüberstehen.
Der »Demokrat« Boris Jelzin war mit dem »letzten Diktator Europas« Alexander Lukaschenko freundschaftlich verbunden und behielt Belarus in seinem Einflussbereich. Der Autokrat Putin liegt ständig in Streit mit Lukaschenko und stößt ihn von sich. 2012 blockierte der »letzte Diktator« die Beteiligung einer russischen Firma bei der Privatisierung der größten belarussischen Unternehmen, die vor allem im Bereich Erdöl und Chemie tätig sind. 2013 torpedierte er die Einrichtung von russischen Militärbasen der Luftstreitkräfte in Belarus. Und so weiter.
Der Kreml brachte es fertig, die Präsidentschaftswahlen sogar in Staaten zu verlieren, die de facto nicht anerkannt sind und in fast vollständiger Abhängigkeit von der wirtschaftlichen und militärischen Unterstützung Moskaus existieren: Abchasien, Süd-Ossetien, Transnistrien (2010/11). In allen drei Republiken haben bei den jüngsten Wahlen Politiker gewonnen, die das offizielle Russland nicht als die seinen anerkannte.
Somit ist unser Held auch von der letzten standardisierten Anklage, er vollbringe titanenhafte und erfolgreiche Bemühungen für eine Wiedergeburt der UdSSR in neuem Format, freigesprochen. Und nun wollen wir endlich einiges zu Putins Taten sagen, die man ihm selten vorwirft, die aber völlig real sind.
•WWP hat entgegen den Erwartungen des »sowjetischen Volkes« die Jelzin-Oligarchie NICHT ihrer Macht beraubt, sondern sie vom höchsten staatlichen Posten aus gestärkt. Er tat alles Mögliche, damit die Ergebnisse der »großen« Privatisierung, die die überwältigende Mehrheit des Volkes und die intellektuelle Klasse für ungerecht und kriminell halten, nie irgendeiner Revision unterzogen wurde.