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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Bahamas… Caneel Bay, vielleicht. «Borowski leerte sein Glas.»Aber wahrscheinlich halten Sie mich für verrückt. Betrachten Sie es nur so als dahingeredet… obwohl ich schon manchmal ein paar Dollar mit spontanen Einfallen verdient habe, die auch nicht ohne Risiken waren.«

«Risiken?«Jacqueline Lavier griff sich wieder ins Haar.

«Ich verschenke Ideen nicht, Madame. Gewöhnlich verwirkliche ich sie selber.«

«Ich verstehe. Die Idee klingt schon verlockend.«

«Das denke ich auch. In dem Zusammenhang würde mich natürlich Ihre schriftliche Vereinbarung mit Bergeron interessieren.«

«Die könnte ich Ihnen zeigen, Monsieur.«

«Fein. Wenn Sie Zeit haben, konnten wir uns ja beim Dinner weiter darüber unterhalten. Heute ist mein einziger Abend in Paris.«

«Und Sie ziehen die Gesellschaft reiferer Frauen vor«, meinte Jacqueline Lavier, und die Maske verzog sich wieder zu einem Lächeln.

«Das ist wahr, Madame.«

«Das läßt sich arrangieren«, sagte sie und griff nach dem Hörer.

Das Telefon! Carlos!

Er würde sie töten, wenn er das wüßte. Er würde die Wahrheit erfahren.

Marie drängte sich durch die Menge, die den Telefonkomplex an der Rue Vaugirard bevölkerte, auf eine freie Kabine zu, die man ihr zugewiesen hatte. Sie hatte ein Zimmer im >Meurice< genommen, den Aktenkoffer an der Rezeption abgegeben und war fast eine halbe Stunde allein in dem Zimmer geblieben — bis sie es nicht mehr ertragen konnte. Sie hatte eine leere Wand angestarrt und über Jason nachgedacht, über den Wahnsinn der letzten acht Tage, der sie in eine Welt geschleudert hatte, die ihr Vorstellungsvermögen überstieg. Jason: rücksichtsvoll, beängstigend, verwirrend. Jason

Borowski: ein Mann, der soviel Gewalttätigkeit in sich hatte und doch soviel Mitgefühl; der sich auf so schreckliche Weise darauf verstand, sich mit einer Welt auseinanderzusetzen, mit der der gewöhnliche Mensch nie in Berührung kommt. Woher kam er? Wer hatte ihn gelehrt, sich in den dunklen Nebenstraßen von Paris, Marseille und Zürich zurechtzufinden? Was war der Ferne Osten für ihm? Waren ihm die Sprachen dort vertraut? Was für Sprachen?

Tao.

Che-sah.

Tam Quan.

Eine andere Welt, und sie war ihr völlig fremd. Aber sie kannte Jason Borowski, oder besser, den Mann, der sich Jason Borowski nannte, und hielt sich an dem Anstand in ihm fest, von dem sie wußte, daß er da war. Sie liebte ihn!

Iljitsch Ramirez Sanchez, genannt Carlos: was war er für Jason Borowski?

Hör auf! hatte sie sich angeschrien, während sie alleine im Hotelzimmer saß. Und dann hatte sie das getan, was sie Jason so viele Male hatte tun sehen: sie war vom Stuhl aufgesprungen, als würde die abrupte Bewegung die Nebel verjagen oder es ihr gestatten, sie zu durchbrechen.

Kanada. Sie mußte Ottawa telefonisch erreichen und herausfinden, weshalb der Mord an Peter auf so obskure Weise vertuscht wurde. Sein Tod gab keinen Sinn; denn auch Peter war ein anständiger Mann, und er war von Gangstern umgebracht worden. Man würde ihr entweder sagen, weshalb man seinen Tod geheimhielt — oder sie würde dafür sorgen, daß dieser Mord an die Öffentlichkeit kam.

Mit wütender Entschlossenheit hatte sie das >Meurice< verlassen, sich ein Taxi in die Rue Vaugirard genommen und das Gespräch nach Ottawa angemeldet. Jetzt wartete sie vor der Kabine, und ihr Ärger wuchs.

Endlich schlug die Glocke an. Sie öffnete die Glastür und trat in die Zelle.

«Bist du's, Alan?«

«Ja«, war die knappe Antwort.

«Alan, was, zum Teufel, geht hier vor? Peter ist ermordet worden — und in keiner Zeitung, keiner Nachrichtensendung wird auch nur ein einziges Wort davon erwähnt. Ich glaube nicht einmal, daß es die Botschaft weiß. Es ist gerade so, als wäre sein Tod allen gleichgültig! Was tut ihr denn?«

«Was man uns gesagt hat. Und das wirst du auch.«

«Was? Peter war dein Freund! Hör mir zu, Alan…«

«Nein! Hör du zu. Du mußt Paris verlassen. Jetzt! Nimm die nächste Direktmaschine nach Ottawa. Wenn du Schwierigkeiten hast, wird die Botschaft dir helfen — aber du darfst nur mit dem Botschafter sprechen, hast du verstanden?«

«Nein!«schrie Marie St. Jacques.»Ich habe nicht verstanden! Peter ist getötet worden, und das scheint alle völlig kaltzulassen. Du redest nur Bockmist! Bloß sich in nichts einlassen, um Himmels willen!«

«Halt dich heraus, Marie!«

«Aus was heraushalten? Das ist es ja, was du mir vorenthältst, nicht wahr? Du solltest… «

«Ich kann nicht!«Alans Stimme war leiser geworden.»Ich sage dir nur das, was man mir auf getragen hat, dir mitzuteilen.«

«Wer?«

«Das darfst du mich nicht fragen.«

«Ich frage dich aber!»

«Hör mir zu, Marie. Ich bin die letzten vierundzwanzig Stunden nicht nach Hause gegangen. Ich habe die letzten zwölf Stunden hier im Büro darauf gewartet, daß du anrufst. Versuche, mich zu verstehen — ich empfehle dir nicht zurückzukommen, sondern das ist ein Befehl deiner Regierung.«

«Befehl? Ohne Erklärung?«

«So ist es. Eines will ich dir sagen. Sie wollen dich dort herausholen; sie wollen, daß er isoliert ist… So liegen die Dinge.«

«Tut mir leid, Alan, so liegen sie nicht. Wiedersehn. «Sie knallte den Hörer auf die Gabel und verschränkte die zitternden Hände ineinander. O mein Gott, ich liebe ihn so…

und die versuchen, ihn zu töten. Jason, mein Jason, die alle wollen deinen Tod! Warum?

Der konservativ gekleidete Mann in der Telefonvermittlung legte den roten Schalter um, der sämtliche Leitungen von draußen blockierte, so daß alle Anrufer nur das Besetztzeichen hörten. Er tat das ein- oder zweimal die Stunde, und zwar nur, um wieder Klarheit in seine Gedanken zu bekommen, wenn er pausenlos belangloses Zeug mit irgendwelchen eitlen Kundinnen schwatzen mußte, die diesen oder jenen Extrawunsch erfüllt haben wollten.

An die Ironie seines Schicksals hatte er oft denken müssen. Es lag nämlich gar nicht so viele Jahre zurück, da hatten andere für ihn in einer Telefonzentrale gearbeitet: in seinen Firmen in Saigon und in der Verwaltung seiner riesigen Plantage im Mekong-Delta.

Er hörte Lachen auf der Treppe und blickte auf. Jacqueline verließ früh den Laden, begleitet wohl von einem ihrer prominenten und reichen Bekannten. Er konnte das Gesicht des Mannes an ihrer Seite nicht sehen; denn er hatte den Kopf seltsam abgewandt.

Dann sah er ihn einen Augenblick lang; ihre Blicke trafen sich. Der Kontakt war kurz und explosiv. Plötzlich stockte dem grauhaarigen Mann der Atem; er schwebte in einem Augenblick der Ungläubigkeit, starrte ein Gesicht an, das er seit Jahren nicht mehr gesehen hatte und damals fast nur in der Dunkelheit, denn sie hatten nachts gearbeitet…

O mein Gott — er war es!

Der Mann erhob sich wie in Trance von seinem Stuhl. Er zog den Kopfhörer herunter und ließ ihn zu Boden fallen. Auf der Schalttafel leuchteten ankommende Gespräche auf, die keine Verbindung bekamen. Er stieg von der Plattform herunter und ging schnell auf den Mittelgang zu, um Madame Laviers Begleiter besser erkennen zu können, den Geist, der ein Killer war — skrupelloser als alle anderen Männer, die er je gekannt hatte. Sie hatten gesagt, daß es geschehen könnte, aber er hatte ihnen nie geglaubt.

Jetzt sah er ihn deutlich. Sie liefen durch den Mittelgang auf den Eingang zu. Er mußte sie aufhalten. Aber jetzt hinauszurennen und zu schreien, würde den Tod bedeuten. Eine Kugel in den Kopf.

Sie erreichten die Tür; er zog sie auf, ließ ihr den Vortritt. Der grauhaarige Mann schoß quer über den Gang zum Schaufenster. Draußen auf der Straße hatte er ein Taxi herbeigewinkt. Er öffnete die Tür, und ließ Jacqueline einsteigen.

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