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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Einen Augenblick, bitte«, sagte David Abbott und zündete sich dabei seine Pfeife an.»Ich glaube, unser Kollege vom Sicherheitsrat erwähnte eine Cain betreffende Episode, die sich vor sechs Monaten zutrug. Ich finde, wir sollten mehr darüber erfahren.«

«Warum?«fragte Gillette, und seine Augen blickten eulenhaft unter seiner randlosen Brille hervor.»Allein der Zeitpunkt läßt schon erkennen, daß das nichts mit Brüssel oder Zürich zu tun hat. Das erwähnte ich doch.«

«Ja, das taten Sie«, räumte der früher einmal gefährliche» Mönch des Geheimdienstes «ein.»Ich dachte nur, daß alles, was den Hintergrund aufklärt, hilfreich sein könnte. Auf jeden Fall sollten wir ausführlich über die Vorgänge in Zürich reden.«

«Danke, Mr. Abbott«, sagte der Oberst.»Fest steht, daß vor elf Tagen vier Männer in Zürich getötet wurden. Einer von ihnen war ein Wärter auf einem Parkplatz an der Limmat; man kann annehmen, daß er ein zufälliges Opfer ist. Die beiden Toten, die in einer Seitengasse am Westufer der Stadt gefunden wurden, sind Angehörige der Unterwelt von Zürich und München. Das vierte Opfer hatte ohne Zweifel Kontakt zu Cain.«

«Das ist Chernak«, sagte Gillette, der die Zusammenfassung in der Hand hielt.»Zumindest vermute ich das. Ich erkenne den Namen wieder und bringe ihn irgendwo mit der Akte Cain in nähere Verbindung.«

«Das sollten Sie auch«, erwiderte Manning.»Er tauchte zum erstenmal vor achtzehn Monaten in einem Bericht von G-Zwo auf und wurde ein Jahr später erneut erwähnt.«

«Also vor sechs Monaten«, warf Abbott mit leiser Stimme ein und sah zu Gillette hinüber.

«Ja, Sir«, fuhr der Oberst fort.»Wenn es je ein typisches Beispiel für das gegeben hat, was man den Abschaum der Erde nennt, dann war das Chernak. Während des Krieges war der gebürtige Tscheche als Bewacher ins Konzentrationslager von Dachau abkommandiert. Dort hat er mit brutalen Methoden verhört, Polen, Slowaken und Juden >Geständnisse< erpreßt. Er war zu allen Grausamkeiten fähig, wenn es galt, sich bei seinen Vorgesetzten ins gute Licht zu rücken — und selbst die sadistischsten Folterknechte hatten einige Mühe, es ihm gleichzutun. Sie wußten allerdings nicht, daß er ein Heft angelegt hatte, in dem er alle Schandtaten verzeichnete. Nach dem Krieg entkam er. Auf der Flucht verlor er beide Beine, als er auf eine Mine trat. Später konnte er mit Erpressungen, die auf das Material aus seiner Dachauer Zeit zurückgingen, ganz gut leben. Cain ließ sich über ihn die Honorare für seine Morde aushändigen.«

«Augenblick!«warf Knowlton ein.»Wir haben schon einmal über diesen Chernak gesprochen. Wenn Sie sich erinnern, war es der CIA, der ihn ursprünglich aufgespürt hatte. Sie vermuten, daß Cain Chernak benutzt hat, sie wissen ebensowenig wie wir, ob das stimmt.«

«Jetzt wissen wir es«, sagte Manning.»Vor siebeneinhalb Monaten erhielten wir einen Hinweis auf einen Mann, der ein Restaurant betrieb, das >Drei Alpenhäuser< heißt; man meldete uns, daß er Kontaktperson zwischen Cain und Chernak sei. Wir beobachteten ihn einige Wochen, aber es kam nichts dabei heraus; er war eine unbedeutende Figur in der Züricher Unterwelt, sonst nichts. Wir setzten die Beobachtung nicht lange genug fort. «Der Colonel hielt inne und vergewisserte sich, daß alle ihm zuhörten.»Als wir von dem Mord an Chernak erfuhren, versteckten sich zwei unserer Männer nach Restaurantschluß im >Drei Alpenhäuser<. Sie knöpften sich den Besitzer vor und beschuldigten ihn, mit Chernak zusammenzuarbeiten und auch für Cain tätig zu sein; sie zogen eine erstklassige Schau ab. Sie können sich ihre freudige Überraschung vorstellen, als der Mann weich wurde, buchstäblich auf die Knie fiel und darum bettelte, geschützt zu werden. Er gab zu, daß Cain in der Nacht, in der Chernak ermordet wurde, in Zürich gewesen war. Er hätte Cain tatsächlich vorher gesehen, und Chernak sei in ihrem Gespräch erwähnt worden — sehr negativ.«

Der Offizier hielt erneut inne.»Das ist wirklich ein Wort«, sagte David Abbott leise.

«Warum ist der CIA nicht vor sieben Monaten über diesen

Hinweis informiert worden?«fragte Knowlton mit schneidender Stimme.

«Weil er unbewiesen blieb.«

«Solange Sie nur davon wußten; wir hätten damit vielleicht mehr anfangen können.«

«Das ist möglich. Ich habe ja zugegeben, daß wir ihn nicht lange genug beobachtet haben. Unsere personellen Mittel sind beschränkt. Wer von uns kann es sich schon leisten, eine unproduktive Überwachung endlos lange fortzuführen?«

«Wenn Sie uns eingeweiht hätten, hätten wir uns die Arbeit ja teilen können.«

«Und wir hätten Ihnen die Mühe sparen können, die Akte Brüssel anzulegen, wenn Sie uns davon verständigt hätten.«

«Woher kam der Tip?«fragte Gillette ungeduldig, ohne Manning aus den Augen zu lassen.

«Er war anonym.«

«Wollen Sie etwa sagen, daß Sie nicht weiter nachgeforscht haben?«

«Natürlich haben wir das getan«, antwortete der Colonel gereizt.

«Offensichtlich ohne sehr großen Eifer«, fuhr Gillette verärgert fort.»Ist es Ihnen denn nicht in den Sinn gekommen, daß irgend jemand beim CIA oder im Sicherheitsrat vielleicht hätte helfen können, eine der Lücken zu füllen? Ich bin ganz Knowltons Meinung. Wir hätten informiert werden müssen.«

«Es gibt einen Grund dafür, warum das nicht geschehen ist. «Manning atmete tief.»Der Informant hat uns eindeutig erklärt, wenn wir eine andere Abteilung ins Spiel brächten, würde er den Kontakt mit uns abbrechen. Wir waren der Ansicht, uns dem fügen zu müssen; schließlich ist das nicht das erste Mal, daß wir so etwas getan haben.«

«Was haben Sie gesagt?«Knowlton starrte den PentagonBeamten fassungslos an.

«Das ist doch nichts Neues, Peter. Jeder von uns schafft sich seine eigenen Quellen und schützt sie.«

«Das weiß ich. Das ist auch der Grund, weshalb Sie nichts von Brüssel erfahren haben. Beide Informanten verlangten, daß das Militär nicht eingeschaltet werden dürfe.«

Nach einem kurzen Schweigen ertönte die schneidende Stimme von Alfred Gillette vom Sicherheitsrat.»Wie oft haben wir das schon getan, Colonel?«

«Was?«Manning sah Gillette an und spürte, daß David

Abbott sie beide scharf beobachtete.

«Ich hätte gerne gewußt, wie oft man von Ihnen verlangt hat, daß Sie Ihre Gewährsleute für sich behalten sollen. Ich beziehe mich damit natürlich auf Cain.«

«Recht häufig, denke ich.«

«Sie denken?«

«Meistens.«

«Und Sie, Peter? Was ist mit dem CIA?«

«Wir waren in puncto Tiefenverbreitung sehr eingeschränkt.«

«Um Himmels willen, was soll das denn bedeuten?«Die Unterbrechung kam von dem Gesprächsteilnehmer, von dem man sie am wenigsten erwartet hätte: vom

Kongreßabgeordneten.

«Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe noch gar nicht mit meinen Fragen angefangen. Ich möchte nur verstehen, was ich höre. «Er wandte sich dem CIA-Mann zu.»Was, zum Teufel, haben Sie gerade gesagt? Tiefen-was?«

«Verbreitung, Mr. Walters. Wir hätten riskiert, Informationen zu verlieren, wenn wir sie anderen Abwehreinheiten zur Kenntnis gebracht hätten. Ich kann Ihnen versichern, daß das üblich ist.«

«Ich bin nicht sicher, ob ich Sie verstanden habe.«

«Ich würde sagen, es ist verdammt klar, was Peter meint«, erwiderte Gillette und sah Colonel Manning und Peter Knowlton an.»Die beiden aktivsten Abwehrbehörden des Landes haben Informationen über Cain gesammelt und dabei nicht durch gegenseitige Konsultation überprüft, ob irgendwelche gezielten Falschmeldungen darunter sind. Wir haben einfach sämtliche Informationen als verläßliche Daten registriert.«

«Nun, ich bin ja schon ziemlich lang beim Fach — zugegeben, vielleicht zu lange — aber hier habe ich eigentlich bis jetzt noch nichts Neues gehört«, sagte der >Mönch<.»Gewährsmänner sind normalerweise schlaue und vorsichtige Leute; sie hüten ihre Kontakte eifersüchtig. Keiner von ihnen betreibt sein Geschäft als Wohltätigkeitsverein, ihn interessiert allein der Profit — und sein Überleben.«

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