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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Der grauhaarige Mann drehte sich um und rannte, so schnell er konnte, zur Freitreppe, hastete die Stufen hinauf, raste den Korridor hinunter zu der offenen Ateliertür.

«Rene! Rene!«schrie er.

Bergeron blickte erstaunt von seinem Zeichentisch auf.»Was ist denn?«

«Der Mann, der mit Jacqueline zusammen ist, wer ist er? Wie lange war er hier?«

«Oh. Sie meinen wahrscheinlich den Amerikaner«, sagte der Designer.»Er heißt Briggs. Ein gemästetes Kalb; gut für unseren Umsatz.«

«Wohin sind sie?«

«Ich wußte nicht, daß sie weggegangen sind.«

«Sie ist gerade mit ihm in ein Taxi gestiegen.«

«Unsere Jacqueline weiß schon, was sie tut.«

«Sie müssen sie finden!«

«Warum?«

«Er weiß es! Er wird sie töten!«

«Was?«

«Das ist er! Das schwöre ich! Dieser Mann ist Cain!«

Kapitel 15

«Der Mann ist Cain«, sagte Colonel Jack Manning herausfordernd, als hätte er erwartet, daß ihm wenigstens drei der Männer in Zivil widersprächen, die mit ihm an einem Konferenztisch im Pentagon saßen. Jeder von ihnen war älter als er, und jeder hielt sich für erfahrener. Keiner war bereit zuzugeben, daß die Army Informationen beschafft hatte, die seine eigene Organisation nicht hatte beibringen können. Den Ausführungen des Colonels lauschte noch ein weiterer Zivilist, aber seine Ansicht zählte nicht. Er war Mitglied eines Kongreßausschusses, der sich mit den Pannen ihrer Organisationen befaßte, und wurde daher sehr entgegenkommend behandelt, aber nicht ernstgenommen.»Wenn wir nicht etwas unternehmen«, fuhr Manning fort,

«selbst auf das Risiko hin, alles preiszugeben, was wir erfahren haben, könnte er uns erneut durchs Netz schlüpfen. Vor elf Tagen war er in Zürich. Wir sind überzeugt, daß er sich immer noch dort aufhält. Kein Zweifel, Gentlemen, er ist Cain.«

«Das ist eine mutige Behauptung«, sagte der fast kahlköpfige Akademiker mit dem Vogelgesicht, der Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat war, und überflog erneut das fotokopierte Blatt mit der Zusammenfassung der Vorgänge in Zürich, das jeder Delegierte am Tisch bekommen hatte. Sein Name war Alfred Gillette, er war Experte für

Personalbeurteilung und — auswahl. Das Pentagon schätzte seine hohe Intelligenz. Außerdem hatte er Freunde, die einflußreiche Posten bekleideten.

«Ich finde das sehr merkwürdig«, fügte Peter Knowlton, stellvertretender Direktor des CIA, hinzu. Der Mittfünfziger war betont korrekt gekleidet. Fast bieder wirkte sein Äußeres.»Nach unseren Informationen hat sich Cain zum gleichen Zeitpunkt, nämlich vor elf Tagen, in Brüssel, nicht in Zürich aufgehalten. Und unsere Gewährsleute irren sich selten.«

«Hört, Hört!«sagte der dritte Zivilist, der einzige Mann am Tisch, den Manning wirklich respektierte. Er war der älteste von ihnen und hieß David Abbott. Der ehemalige

Olympiateilnehmer im Schwimmen besaß einen Intellekt, der seinen athletischen Fähigkeiten in nichts nachstand. Er war jetzt Ende Sechzig und noch aufrecht, sein Geist war so scharf wie eh und je. Nur die vielen Falten in seinem Gesicht verrieten sein Alter und deuteten auf ein Leben hin, das von vielen Spannungen geprägt worden war. Er weiß, wovon er redet, dachte der Colonel. Obwohl Abbott im Augenblick Mitglied des allmächtigen Vierziger-Ausschusses war, hatte er dem CIA von Beginn an angehört.»Der schweigende Mönch des Geheimdienstes «hatten ihn seine Kollegen genannt.»Zu meiner Zeit beim CIA«, fuhr Abbott fort und lächelte,»waren Informationen der Gewährsleute oft genug widersprüchlich.«

«Wir haben andere Methoden der Überprüfung«, entgegnete der stellvertretende Direktor.»Ich will nicht respektlos sein, Mr. Abbott, aber unsere Sendeeinrichtungen arbeiten praktisch ohne Zeitverlust.«

«Das sind Geräte, keine Bestätigung. Nun gut. Wie es scheint, ist nicht klar, ob der Mann sich zu dem fraglichen Zeitpunkt in Brüssel oder Zürich aufgehalten hat.«

«Die Beweise für Brüssel sind einwandfrei«, beharrte Knowlton entschieden.

«Wir wollen sie hören«, sagte Gillette und schob sich die Brille zurecht.»Wir sollten uns die Zusammenfassung noch einmal vornehmen; sie liegt ja vor uns. Auch wir haben eine neue Erkenntnis gewonnen. Die Sache geschah vor ungefähr sechs Monaten.«

Der silberhaarige Abbott sah zu Gillette hinüber.»Vor sechs Monaten? Ich kann mich nicht erinnern, daß der Nationale Sicherheitsrat vor einem halben Jahr irgend etwas geliefert hätte, was Cain betrifft.«

«Unsere Information war nicht in allen Einzelheiten bestätigt«, erwiderte Gillette.»Wir versuchen, den Ausschuß nicht mit unbestätigten Daten zu belasten.«

«Mr. Walters«, sagte der Coionel und sah zum Mitglied des Kongreßausschusses hinüber,»haben Sie irgendwelche Fragen?«

«Verdammt, ja«, meinte der Politiker aus dem Staate Tennessee gedehnt, und seine intelligenten Augen musterten die Gesichter der anderen drei Teilnehmer.»Aber da ich hier neu bin, sollten Sie ruhig weitermachen, damit ich weiß, wo ich meine Fragen ansetzen muß.«

«Sehr gut, Sir«, sagte Manning und nickte Knowlton vom

CIA zu.»Was haben Sie da in bezug auf Brüssel vor elf Tagen?«

«Ein Mann ist in der Place Fontainas getötet worden, der im Diamantenhandel zwischen Moskau und dem Westen tätig war, im Untergrund natürlich. Er wickelte seine Geschäfte über ein Zweigbüro der sowjetischen Firma Russolmaz in Genf ab, die als Makler für solche Geschäfte tätig ist. Wir wissen, daß das eine der Methoden ist, mit der Cain sich seine Mittel beschafft.«

«Welche Verbindung besteht zwischen dem Mord und Cain?«fragte der mißtrauische Gillette.

«Eine direkte. Die Waffe war eine lange Nadel, die um die Mittagszeit auf einem überfüllten Platz mit chirurgischer Präzision dem Opfer ins Herz gestochen wurde. Das ist nicht das erste Mal, daß Cain sich dieser Methode bedient.«

«Stimmt«, sagte Abbott.»Auf die gleiche Weise sind in London vor einem Jahr zwei Rumänen getötet worden, im Abstand von nur ein paar Wochen. Beide Morde ließen sich auf Cain zurückführen.«

«Zurückführen, aber nicht bestätigen«, wandte Colonel Manning ein.»Es waren hochrangige Politiker, die übergelaufen waren; es ist ebensogut möglich, daß der KGB hinter den Morden steht.«

«Oder Cain, was für die Sowjets wesentlich weniger riskant wäre«, meinte Knowlton.

«Oder Carlos«, fügte Gillette hinzu, und seine Stimme wurde lauter.»Weder Carlos noch Cain machen sich Gedanken über ideologische Dinge; sie sind beide käuflich. Wie kommt es eigentlich, daß jedesmal, wenn ein Mord von einiger Bedeutung geschieht, wir ihn Cain zuschreiben?«

«Jedesmal, wenn wir das tun«, erwiderte Knowlton, und sein Tonfall ließ keinen Zweifel daran, was er von dem Fragenden hielt,»geschieht das, weil unterschiedliche Quellen dieselbe Information geliefert' haben. Da die Informanten nichts voneinander wissen, kann es sich schwerlich um Fälschungen handeln.«

«Das ist alles so vordergründig«, sagte Gillette unbefriedigt.

«Zurück nach Brüssel«, unterbrach der Colonel.»Wenn es Cain war, warum sollte er dann einen Makler von Russolmaz töten? Er hat ihn doch benutzt.«

«Es handelte sich um einen heimlichen Makler«, verbesserte der CIA-Direktor.»Der Mann war ein Dieb, warum auch nicht? Die meisten seiner Klienten waren das auch; sie konnten nicht gut Anzeige gegen ihn erstatten. Vielleicht hatte er Cain betrogen. Oder er war so dumm, Spekulationen über Cains Identität anzustellen. Selbst die leiseste Andeutung in dieser Richtung wurde die Nadel erklären. Möglicherweise wollte Cain einfach nur seine Spuren verwischen. Doch wie dem auch sei, die näheren Umstände lassen nur wenig Zweifel daran, daß es Cain war.«

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