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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Eine Erklärung möchte ich. Achtzehn Monate lang habe ich in dem Unterausschuß gesessen, der sich mit den Mordanschlägen befaßte. Ich habe mich durch Tausende von Seiten hindurchgewühlt, die mit Hunderten von Namen und doppelt so vielen Theorien angefüllt waren. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es eine Verschwörung oder einen mutmaßlichen Massenmörder gibt, von dem ich nicht weiß. Fast zwei Jahre habe ich mit diesen Namen und mit diesen Theorien gelebt, bis ich überzeugt war, ein fundiertes Bild von der Lage zu haben.«

«Ich würde sagen, das ist höchst beeindruckend«, unterbrach ihn Abbott.

«Schließlich habe ich auch den Vorsitz in diesem Ausschuß übernommen, weil ich dachte, ich könnte einen vernünftigen Beitrag leisten; aber jetzt bin ich nicht mehr so sicher. Plötzlich beginne ich mich zu fragen, was ich jetzt tun soll.«

«Warum?«fragte Manning gespannt.

«Ich habe Ihnen zugehört, wie Sie vier eine Operation beschreiben, die seit drei Jahren in ganz Europa mit großem personellen Aufwand läuft. Alles dreht sich um einen Mörder, dessen >Erfolgsliste< atemberaubend ist. Stimmt das im wesentlichen?«

«Nur weiter«, erwiderte Abbott leise und hielt seine Pfeife fest.»Wie lautet Ihre Frage?«

«Wer ist er? Wer, zum Teufel, ist dieser Cain?«

Kapitel 16

Das Schweigen dauerte exakt fünf Sekunden, und während dieser Zeit musterten Augenpaare andere Augenpaare. Einige räusperten sich, und niemand bewegte sich auf seinem Stuhl. Es war, als sollte eine Entscheidung ohne Diskussion getroffen werden. Der Kongreßabgeordnete Efrem Walters, aus dem US-Staat Tennessee, Absolvent der Yale-Universität, ließ sich jedoch nicht mit allgemeinen Umschreibungen abspeisen. Mit schönen Worten war bei ihm nichts zu erreichen.

David Abbott legte seine Pfeife auf den Tisch, und das leise Klappern klang wie eine Ouvertüre zu seinen Worten.»Je weniger ein Mann wie Cain in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerät, desto besser ist es für alle.«

«Das ist keine Antwort«, sagte Walters.»Aber ich vermute, Sie wollen noch fortfahren.«

«Richtig. Er ist ein berufsmäßiger Killer, der alle Mordmethoden beherrscht, und politische oder persönliche Motive sind für ihn ohne Belang. Er ist ein Geschäftsmann, der ausschließlich ein Ziel verfolgt: Geld zu machen. Und je größer sein Ruf ist, desto mehr kann er für seine Dienste kassieren.«

Der Kongreßabgeordnete nickte.»Sie wollen also diesen Ruf nicht an die Öffentlichkeit dringen lassen, damit er möglichst wenig Propaganda bekommt.«

«Richtig. Es gibt auf dieser Welt zu viele Irre mit zu vielen echten oder eingebildeten Feinden, die leicht Kunden von Cain werden könnten, wenn sie von ihm wüßten. Unglücklicherweise sind das ohnehin schon mehr geworden, als uns lieb ist; bis zur Stunde kann man achtunddreißig Morde unmittelbar Cain zuschreiben und weitere zwölf bis fünfzehn mit einiger Wahrscheinlichkeit.«

«Und das ist seine >Referenzliste<?«

«Ja. Und wir sind dabei, die Schlacht zu verlieren. Mit jedem neuen Mord wird sein Ruf weiter verbreitet.«

«Eine Weile war es still um ihn«, sagte Knowlton vom CIA.»Ein paar Monate lang dachten wir, es hätte ihn erwischt. Es gab ein paar Fälle, wo die Mörder selbst eliminiert wurden; wir nahmen an, er wäre einer davon gewesen.«

«Beispiele«, forderte Walters.

«Ein Bankier in Madrid, der Bestechungsgelder für die Europolitan Corporation für Regierungsgeschäfte in Afrika abzweigte. Er wurde aus einem fahrenden Auto auf dem Paseo de la Castellana erschossen. Sein Chauffeur und Leibwächter mähte den Fahrer und den Schützen um; eine Zeitlang glaubten wir, bei dem Schützen handle es sich um Cain.«

«Ich erinnere mich an den Zwischenfall. Wer könnte den Auftrag erteilt haben?«

«Eine beliebige Anzahl von Firmen«, antwortete Gillette,»die vergoldete Autos und Toilettensitze an Diktatoren verkaufen wollten.«

«Wer noch?«

«Scheich Mustafa Kalig in Oman«, sagte Colonel Manning.

«Es hieß doch, er sei bei einem gescheiterten Putschversuch getötet worden.«

«Stimmt nicht«, fuhr der Offizier fort.»Es gab gar keinen Putschversuch. G-Zwo-Informanten haben das bestätigt. Kalig war unpopulär. Mit dem angeblichen Putschversuch sollte seine Ermordung getarnt werden. Mitglieder des Offizierskorps wurden hingerichtet, um die Lüge glaubhaft erscheinen zu lassen. Eine Weile dachten wir, einer von ihnen sei Cain; der Zeitpunkt hätte gepaßt.«

«Wer würde Cain für die Ermordung Kaligs bezahlen?«

«Die Frage haben wir uns auch immer wieder gestellt«, sagte Manning.»Auf die einzig mögliche Antwort brachte uns ein Informant, der behauptete, Cain hätte die Tat begangen, einfach um zu beweisen, daß sie möglich war. Ihm möglich. Wenn Ölscheichs auf Reisen gehen, sind sie besser bewacht als sonst jemand auf der ganzen Welt.«

«Es gibt noch einige Dutzend weiterer Beispiele«, fügte Knowlton hinzu.»Darunter solche, bei denen in höchstem Grad geschützte Persönlichkeiten getötet wurden, und bei denen unsere Gewährsleute Cain als Täter nannten.«

«Ich verstehe. «Der Kongreßabgeordnete nahm das Blatt, das sich mit den Vorgängen in Zürich betaßte, in die Hand.»Aber nach dem, was ich bisher gehört habe, wissen Sie nicht, wer er ist.«

«Keine zwei Beschreibungen gleichen einander«, warf Abbott ein.»Cain versteht es offensichtlich meisterhaft, sich immer wieder ein neues Gesicht zu geben.«

«Und doch haben Ihre Gewährsleute, die Informanten, ihn gesehen, mit ihm gesprochen. Sie haben sie doch bestimmt verhört und nach ihren Angaben eine Phantomzeichnung angefertigt — irgend etwas.«

«Eine ganze Menge haben wir«, erwiderte Abbott,»aber dazu gehört keine detaillierte Beschreibung. Zunächst einmal läßt sich Cain nie bei Tageslicht blicken. Er hält seine Besprechungen in der Nacht ab, in abgedunkelten Räumen oder in finsteren Gassen. Wenn er je mit mehr als einer Person gleichzeitig gesprochen hat — als Cain — wissen wir davon nichts. Man hat uns gesagt, er würde bei der Unterhaltung nie stehen, immer sitzen — und das nur in schwach beleuchteten Restaurants oder auf einem Stuhl in einer Ecke oder in einem geparkten Wagen. Manchmal trägt er eine dunkle Brille, manchmal keine; bei einem Treffen hat er dunkles Haar, bei einem anderen weißes oder rotes oder trägt einen Hut.«

«Sprache?«

«Jetzt kommen wir der Sache näher«, sagte der CIA-Direktor, der offenbar großen Wert darauf legte, die gute Arbeit seiner Organisation ins rechte Licht zu rücken.»Englisch und Französisch beherrscht er fließend und ein paar orientalische Dialekte.«

«Was für Dialekte? Wäre da nicht zuerst eine Sprache zu erwähnen?«

«Natürlich. Vietnamesisch.«

«Vietnamesisch«, wiederholte Walters gedehnt und beugte sich vor.»Warum habe ich jetzt das Gefühl, daß ich damit auf etwas gestoßen bin, das Sie mir besser nicht gesagt hätten?«

«Weil Sie sich wahrscheinlich recht gut auf die Kunst des Kreuzverhörs verstehen.«

«Nun, passabel, würde ich sagen.«

«Wir wissen, woher Cain ursprünglich kam«, meldete sich Gillette zu Wort, und seine Augen musterten David Abbott kurze Zeit ganz seltsam.

«Woher?«

«Aus Südostasien«, antwortete Manning.»Soweit wir in Erfahrung bringen konnten, hat er sich die Dialekte, die man im Bergland an der kambodschanischen und laotischen Grenze spricht, hinreichend angeeignet, um sich verständigen zu können. Ebenso auch die von Nordvietnam. Wir nehmen das zunächst nur als Fakten auf — aber es paßt.«

«Paßt wozu?«

«Zur Operation Medusa. «Der Oberst griff nach einem schmalen Koffer, der links von ihm lag. Er öffnete ihn, entnahm ihm einen Ordner und legte ihn vor sich auf den Tisch.»Das ist die Akte Cain«, sagte er.»Die anderen Unterlagen im Koffer betreffen die Operation Medusa, genauer gesagt, diejenigen Aspekte, die in irgendeiner Weise Bezug zu Cain haben könnten.«

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