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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Er erkannte das Gesicht aus Zürich, den Killer, den sie Johann genannt hatten. Borowski feuerte zweimal; der Mann bäumte sich auf; Blut breitete sich auf seiner Stirn aus.

Der Bote hatte sich mit gezückter Waffe hinter dem Transporter verschanzt und schrie um Hilfe. Borowski sprang auf und warf sich mit einem Satz auf die ausgestreckte Waffe, bekam sie am Lauf zu fassen und riß sie dem Kurier aus der Hand. Dann packte er den Koffer und schrie.

«Nichts Böses, wie? Her damit, du Schwein!«

Er warf die Waffe des Mannes unter den Wagen, sprang auf und stürzte sich in die hysterische Menschenmenge auf dem Bürgersteig.

Kapitel 14

«Alles ist weisungsgemäß ausgeführt worden«, sagte Marie. Sie hatte die Obligationen nach Beträgen geordnet und einige Stapel Banknoten auf dem Tisch ausgebreitet.»Ich war mir ohnehin sicher.«

«Beinahe hätte es nicht geklappt.«

«Was?«

«Der Mann, den sie Johann nannten, der aus Zürich — er ist tot. Ich habe ihn getötet!«

«Jason, was ist passiert?«

Er erzählte es ihr.»Ich vermute, daß der zweite Wagen im Verkehr steckengeblieben ist und über Funk den Kurier aufgefordert hat, die Fahrt zu verlangsamen. Ich bin sicher, daß es so war.«

«O Gott, die sind überall!«

«Aber sie wissen nicht, wo ich bin«, sagte Borowski und blickte in den Spiegel über der Kommode und musterte sein blondes Haar, während er die Schildpattbrille aufsetzte.»Und zuallerletzt würden sie mich in diesem Augenblick — selbst wenn sie ahnten, daß ich davon weiß — in einem Modehaus an der Rue Saint-Honore vermuten.«

«>Les Classiques<?«fragte Marie erstaunt.

«Richtig. Hast du angerufen?«

«Ja, aber das ist doch Wahnsinn!«

«Warum?«Jason wandte sich vom Spiegel ab.»Überleg doch. Vor einer halben Stunde ist ihr Plan geplatzt. Jetzt herrscht Verwirrung; einer wird dem anderen Vorwürfe machen. In diesem Moment sind sie mehr miteinander beschäftigt als mit mir; keiner will eine Kugel in den Hals. Es wird nicht lange dauern, bis sie sich wieder neu formiert haben; dafür wird Carlos sorgen. Aber während der nächsten Stunde, während sie versuchen, sich zusammenzureimen, was geschehen ist, werden sie nicht an einem Ort nach mir suchen, wo sich, geschickt getarnt, ihre Informationszentrale befindet. Sie haben nicht die leiseste Ahnung, daß ich von dem Modegeschäft weiß.«

«Jemand wird dich erkennen!«

«Wer? Sie haben einen Mann von Zürich kommen lassen, um mich zu identifizieren, und der ist tot. Sie können sich kein klares Bild von meinem Äußeren machen.«

«Der Geldbote hat dich gesehen.«

«Die nächsten paar Stunden wird der mit der Polizei beschäftigt sein.«

«D'Amacourt. Der Anwalt!«

«Ich vermute, beide haben inzwischen schon das Land verlassen.«

«Angenommen, man hat sie erwischt?«

«Und? Glaubst du, Carlos würde einen Laden auffliegen lassen, der ihm als Informationszentrale dient? Ganz bestimmt nicht.«

«Jason, ich habe Angst.«

«Ich auch. Aber nicht die Angst, daß man mich erkennt. «Borowski kehrte zum Spiegel zurück und starrte sein Gesicht an.»Welche Farbe haben meine Augen?«

«Was?«

«Nein, sieh mich nicht an. Sag mir, welche Augenfarbe ich habe. Deine sind braun mit grünen Flecken; welche Farbe haben meine?«

«Blau… bläulich… oder grau… wirklich, ich…. «Marie hielt inne.»Ich weiß nicht genau. Ist das nicht schrecklich von mir?«

«Das ist völlig normal. Eigentlich sind sie hellbraun, aber nicht immer. Selbst mir ist das aufgefallen. Wenn ich ein blaues Hemd oder eine blaue Krawatte trage, wirken sie blau; in Verbindung mit einem braunen Jackett oder einem braunen Mantel sind sie grau.«

«Das ist gar nichts Ungewöhnliches.«

«Schon möglich. Aber wie viele Menschen tragen Kontaktlinsen, wenn sie ganz normal sehen können?«

«Kontaktlinsen?«

«Ja, das habe ich gesagt«, bestätigte Jason.»Ich meine eine bestimmte Art von Kontaktlinsen, die man trägt, um die Augenfarbe zu verändern. Sie sind besonders wirksam bei hellbraunen Augen. Als Washburn mich das erste Mal untersuchte, stellte er fest, daß ich längere Zeit solche Linsen getragen haben muß. Das ist einer der Hinweise, nicht wahr?«

«Du kannst daraus machen, was du willst«, entgegnete Marie —»wenn es stimmt.«

«Warum sollte Washburn sich geirrt haben?«

«Weil er öfter betrunken als nüchtern war, wie du mir erzählt hast. Er hat von einer Vermutung auf die nächste geschlossen. Weiß der Himmel, wie sehr ihn der Alkohol dabei beeinflußt hat. Er hat sich nie eindeutig ausgedrückt. Das konnte er gar nicht.«

«In einem Punkt schon. Ich bin ein Chamäleon, wie dafür geschaffen, in eine flexible Form zu passen. Ich möchte herausfinden, wessen Form das ist; vielleicht kann ich das jetzt. Dank deiner Hilfe habe ich eine Adresse, vielleicht weiß dort jemand die Wahrheit über mich.«

«Ich kann dich nicht aufhalten, aber sei um Gottes willen vorsichtig! Wenn sie dich erkennen, werden sie dich töten!«

«Nein. Dort nicht; das wäre fatal für ihr Geschäft.«

«Ich finde das gar nicht komisch, Jason.«

«Ich auch nicht. Ich verlasse mich sehr ernsthaft darauf.«

«Was wirst du tun? Ich meine, wie wirst du vorgehen?«

«Das werde ich entscheiden, wenn ich dort bin. Ich werde sehen, ob jemand herumläuft und nervös oder verängstigt aussieht oder auf einen Telefonanruf wartet, als hinge sein Leben davon ab.«

«Und dann?«

«Dann werde ich mich wie bei d'Amacourt verhalten: vor dem Eingang warten und dem Betreffenden folgen. Ich werde ihm ganz nahe sein; er kann mir nicht entkommen. Und ich werde höllisch aufpassen.«

«Wirst du mich anrufen?«

«Ich werde es versuchen.«

«Das Warten wird mich verrückt machen.«

«Dann warte nicht. Du könntest inzwischen die Wertpapiere irgendwo deponieren.«

«Die Banken sind geschlossen.«

«Ein großes Hotel hat auch einen Safe.«

«Man muß dort ein Zimmer haben.«

«Dann nimm eines. Im >Meurice< zum Beispiel oder im >George Cinq<. Laß den Koffer an der Rezeption, aber komme wieder hierher zurück.«

Marie nickte.»Auf die Weise habe ich wenigstens etwas zu tun.«

«Anschließend rufst du Ottawa an. Versuche herauszufinden, was mit Peter geschehen ist.«

«Das werde ich.«

Borowski trat an den Nachttisch und steckte sich ein Bündel

Geldscheine in die Jackentasche.»Bestechung wäre einfacher«, sagte er.»Ich glaube nicht, daß es dazu kommen wird, aber es könnte ja sein.«

«Ja, durchaus«, pflichtete Marie ihm bei und fuhr im gleichen Atemzug fort:»Hast du dich gerade gehört? Du hast soeben die Namen von zwei Hotels genannt.«

«Ja, das habe ich. «Er drehte sich herum und sah sie an.»Ich bin schon hier gewesen. Viele Male. Ich habe hier gewohnt, aber nicht in diesen Hotels. In Nebenstraßen, denke ich. In solchen, die sich nicht sehr leicht finden lassen.«

Sie schwiegen. Die Angst, die sich im Raum ausgebreitet hatte, war fast körperlich zu spüren.

«Ich liebe dich, Jason.«

«Ich liebe dich auch«, sagte Borowski.

«Komm zu mir zurück. Gleichgültig, was geschieht, komm zu mir zurück.«

Die Spotlights, die an der dunkelbraunen Decke angebracht waren, tauchten die teuer gekleideten Kunden in ein warmes, schmeichelhaftes Licht. Die Vitrinen für Schmuck und Accessoires waren mit schwarzem Samt ausgeschlagen und mit einer raffinierten indirekten Beleuchtung versehen. Die Gänge wanden sich im Halbkreis und vermittelten die Illusion von räumlicher Großzügigkeit, die in Wirklichkeit gar nicht gegeben war, denn >Les Classiques< war zwar nicht klein, aber keineswegs ein großes Haus. Es war vielmehr ein elegant ausgestattetes Geschäft an einer der teuersten Straßen von Paris. Im hinteren Teil befanden sich die Umkleidekabinen mit Türen aus gefärbtem Glas. Auf der Empore darüber, über eine Freitreppe erreichbar, lagen die Büros der Geschäftsleitung. Am Fuße der Treppe war die Telefonzentrale eingerichtet, die von einem seltsam deplaziert wirkenden Mann in einem konservativen Straßenanzug besetzt war.

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