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Die Jüdin von Toledo

Электронная книга - «Die Jüdin von Toledo». Краткое содержание книги:

Eine tragische Liebesgeschichte
La Fermosa, die Schöne, wird im mittelalterlichen Spanien Raquel, die Tochter des angesehenen Juden Jehuda Ibn Esra, genannt. In König Alfonso VIII. von Kastilien erwacht bald eine tiefe Leidenschaft für die gebildete, schöne junge Frau, und was für Raquel als politisches Opfer im Interesse der Vernunft und des Friedens begann, wächst auch bei ihr zu einer stürmischen Liebe für den mutigen König.
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Dem Belardo sagte er künstlich fröhlich: »Vielleicht wird es nicht mehr lange dauern, mein Guter, und deine schönsten Hoffnungen erfüllen sich. Such das Lederkoller deines Großvaters hervor und seine Lederkappe. Ich werde dir Gelegenheit geben, sie auszulüften.« Der Gärtner Belardo schien mehr bestürzt als erfreut. »Ich diene deiner Majestät mit allem, was ich habe«, sagte er, »auch mit dem Lederkoller meines Großvaters. Aber einige müssen wohl bleiben und hier weiterarbeiten mit dem Spaten. Willst du deinen Garten verkommen lassen, Herr König?« Das Zaudern des Gärtners gab Alfonso zu denken. »Morgen zieh ich ja noch nicht los«, antwortete er bösen Gesichtes. Und unversehens – man war nahe den verfallenen Zisternen, der zerstörten Zeitmessungsmaschine des Rabbi Chanan – befahl er: »Vorläufig schütten wir das da zu. Sonst fällt uns noch einer hinein des Nachts.«

Da Raquel auch am folgenden Tage nicht zurückkam, ritt er nach Toledo. Man schien in der Burg bereits zu wissen, daß er sich mit Raquel entzweit hatte, die Mienen waren fröhlich entspannt.

Er stürzte sich in die Arbeit.

Es war so, wie der Jude es vorhergesagt hatte: ein großes Blühen war im Land, Kastiliens Schatz war gefüllt. Vielleicht freilich hatte er auch damit recht, daß das Geld noch immer nicht genügte, Krieg zu führen gegen den Kalifen. Aber er irrte sich, der Jude, wenn er glaubte, er könne ihn durch solche Einwände noch länger von seiner heiligen Pflicht abhalten. Die Juden hatten sich lange genug gemästet am Fett des Landes; er brauchte ihnen nur wie sein Vetter Philipp August von Francien ihr Geld wieder abzunehmen, und er hatte seinen Kriegsschatz gegen den Kalifen.

Er sagte zu Manrique: »Ich halte es nicht mehr aus, hier der eques ad fornacem zu sein, der Ritter Ofenhocker, während die ganze Christenheit Krieg führt. Ich habe gerechnet und überlegt, und ich schätze: ich kann es wagen.« Don Manrique erwiderte: »Dein Escrivano, der ein guter Rechner ist, schätzt anders.« – »Unser Jude«, gab hochfahrend Alfonso zurück, »hat aus seiner Rechnung einen Posten ausgelassen: die Ehre. Was Ehre ist, davon versteht er so viel wie ich von seinem Talmud.« Manrique war besorgt. »Schließlich hast du ihn zum Hüter deiner Wirtschaft bestellt«, antwortete er, »und also ist es seine Pflicht, für deine Wirtschaft zu reden. Laß dich von Don Martíns Eifer nicht verleiten, Don Alfonso«, bat er. »Die Versuchung des Feldzugs ist groß, und es ist eine fromme Versuchung. Aber wenn wir nicht genug Geld haben, zwei Jahre durchzuhalten, dann kann das Reich zugrunde gehen in einem solchen Feldzug.«

Alfonso in seinem Innern mißtraute der Schätzung des Ibn Esra. Der suchte nach Gründen, den Heiligen Krieg zu verhindern, weil er nur im Frieden seine fränkischen Juden ins Land ziehen konnte. Aber einen so frechen Plan auch nur zu fassen, dazu hatte allein seine, des Königs, unheilige Leidenschaft den Juden ermutigt, und deshalb schämte sich Alfonso, dem alten Freunde Manrique von seinem Verdacht zu sprechen. Statt dessen grollte er: »Ihr unkt und unkt, und wer sich von der ganzen Christenheit am Barte zupfen lassen muß, bin ich.«

»Verhandle mit Aragon, Don Alfonso«, riet trocken und empfindlich Manrique. »Sprich dich aus mit Don Pedro. Schließ ein ehrliches Bündnis.«

Verdrossen entließ der König den Freund und Berater. Immer wieder riß an ihm die alte Kette. Natürlich hatte Manrique recht, natürlich war der Krieg nur möglich nach einer aufrichtigen Aussprache mit Aragon. Ein klares Abkommen mußte getroffen, ein Bündnis geschlossen werden. Aber nur ein Mensch konnte das zustande bringen, Leonor.

Er wird nach Burgos gehen.

Wie lange war er nicht mit Leonor zusammen gewesen? Eine Ewigkeit. Sie hatte kurze, höfliche Briefe geschrieben, er hatte, immer in langen Abständen, kurz und höflich erwidert. Er konnte sich gut vorstellen, wie es sein wird, wenn sie sich wiedersehen. Er wird den Muntern spielen, sie ihm ein freundliches, etwas verzerrtes Lächeln zurückgeben. Es wird kein erfreuliches Wiedersehen sein.

Er wird sich bemühen, ihr zu erklären, was geschehen ist. Aber wo sind die Worte, einem andern klarzumachen, wie herrlich und grauenhaft es ist, wenn eine solche ungeheure Welle über einen herbricht und einen hinunterreißt und wieder hoch und wieder hinunter?

Damals, vor Rodrigue, hat er sich stolz und trotzig zu Raquel und seiner Leidenschaft bekannt, und der Priester in all seiner Frommheit hatte ihn verstanden. Aber Leonor kann ihn nicht verstehen, sie, die Ruhige, Freundliche, Damenhafte. Vor ihr wird er stammeln, und was immer er sagt, wird armselig klingen wie der Versuch eines dummen Knaben, sich zu rechtfertigen. Es wird die schlimmste Erniedrigung seines Lebens sein.

Es gibt niemand in der Welt, vor dem sich ein König so erniedrigen darf. Es gibt nichts in der Welt, das eine solche Erniedrigung wert wäre.

Doch. Eines gibt es. Ein Herrliches, das jede Erniedrigung wert ist und die ewige Verdammnis dazu.

Und mit einemmal ist alles wieder da, die Galiana und all ihr unchristliches Leuchten. Er spürt, wie sich Raquel an ihn schmiegt, er spürt ihre Haut, weich, unendlich wohltuend, er spürt ihr Blut, ihr schlagendes Herz. Seine Finger gleiten durch ihre Haare, zerren ihr die Haare, bis sie lachend sagt: »Nicht, Alfonso, es tut weh, Alfonso.« Wer kann so fremdartig komisch und dringlich »Alfonso« sagen wie sie, daß es einen lächert und einem ins Blut geht? Er sieht ihre taubenfarbigen Augen, sieht sie verlöschen, sieht die Lider sich darüber senken, langsam, schwer, und sich wieder auftun.

Arabische Verse kamen ihm in den Sinn, die zu lesen sie ihm einmal gegeben hatte: »Oft hörte ich Pfeile um meinen Kopf schwirren und zuckte nicht; aber wenn ich ihr Kleid rascheln höre, zittere ich am ganzen Leib. Oft hörte ich Trompeten des anrückenden Feindes, und Herz und Haut blieben mir kalt; aber wenn ich ihre Stimme höre, überrieselt mich Hitze.« Die Verse hatten ihn geärgert; so knechtisch durfte sich ein Ritter nicht verlieren. Aber sie waren wahr, die süßen und knechtischen Verse, wahr wie das Evangelium. Ihn überrieselte Hitze, auch wenn er sich Raquel nur vorstellte. Wie hatte er daran denken können, sie aufzugeben, diese Raquel, seine Raquel, den herrlichen, frevelhaften Sinn seines Lebens?

Er mußte Raquel wieder haben, er mußte sie versöhnen.

Da war nur ein Weg. Er atmete hart. Aber es war nur dieser eine Weg.

Er schickte nach Jehuda. Don Jehuda, einen mutigen Mann, hatte Angst gepackt, als mitten in der Nacht eine verstörte Raquel zu ihm kam. Sie sagte: »Er hat mich beschimpft, wie niemals eine Frau beschimpft worden ist.« Es drängte Jehuda, Einzelheiten zu erfragen. Er unterließ es. Weckte Musa, bat ihn, ihr einen starken Beruhigungstrank zu mischen, sagte: »Ruh aus, meine Tochter, und schlaf dich gesund.«

Allein, überlegte er fieberisch, was vorgefallen sein mochte. Sicher hatte sie den Mann gebeten, die fränkischen Juden aufzunehmen. Jehuda wußte aus Erfahrung, wie tückisch und brutal der Mann Menschen erniedrigte, wenn er aufgebracht war. Und nun hatte Raquel das nicht ertragen, sie war ihm entlaufen, und der Mann war rachsüchtig, er wird seine Bosheit an ihm auslassen und an der ganzen Judenheit. Raquels und sein eigenes Opfer war umsonst gebracht.

Er suchte sich zur Ruhe zu zwingen, aber er fand keinen Schlaf. Es durfte nicht sein, daß alles hin war, irgend etwas mußte es geben, woran eine Hoffnung ranken konnte. Er suchte und grübelte. Dieser Christenkönig, wiewohl er immerzu von Ehre sprach, kannte keine Würde. Zweimal, nachdem er ihn, Jehuda, beschimpft und bespien, hatte er eingesehen, daß er ihn brauchte, und sich von neuem an ihn herangemacht. Er liebte Raquel, er konnte ohne sie nicht leben, er wird sich auch an sie wieder heranmachen, er wird betteln, sie möge zurückkehren.

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