Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.
- Автор: Andre Martina
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:
»Und wie kommt die Uhr dann nach Sibirien?«
»Keine Ahnung.« Bashtiri kippte den Whiskey in einem Schluck hinunter. »Vielleicht hat man ihm nach seinem Tod die Uhr geklaut. Aber damit ist immer noch nicht geklärt, wie sie an die Hand ihres neuen Besitzers in den See gelangt ist und warum sich seine Leiche so gut erhalten hat .«
Noch am selben Nachmittag kehrte Viktoria mit Kolja und Theisen ins Camp zurück.
»Wir haben uns große Sorgen gemacht.« Rodius erhob sich und umarmte sie herzlich. Gerührt nahm Viktoria die Erleichterung des Professors zur Kenntnis. Auch Professor Olguth und seinen Kollegen war anzumerken, dass sie froh über ihre Rückkehr waren. Zusammen mit Rodius und Theisen begleitete Olguth sie zu ihrer Unterkunft. Vor dem Eingang der Hütte blieb Viktoria stehen, während Theisen ihre Tasche in ihr Zimmer trug.
»Was ist mit Bashtiri und seinen Schergen?« Viktoria blickte zu Professor Rodius auf. Es war nicht zu verkennen, dass sich das Camp der
Wissenschaftler in ein Militärlager verwandelt hatte. Überall patrouillierten Bewaffnete, und von weitem vermittelte es den Eindruck, als ob die Kollegen der Universität Moskau sibirische Zwangsarbeiter seien, die man bei Aufräumarbeiten beaufsichtigte. Dabei hatten die russischen Kollegen offenbar ganze Arbeit geleistet. Nur ein paar feuchte Stellen hier und da zeugten noch von der Katastrophe.
»Psst .« Rodius legte den Zeigefinger auf die Lippen und sah seine Assistentin verschwörerisch an. »Seit Neustem haben die Wände Ohren«, bemerkte er leise. »Unser Gönner lässt sich nicht in die Karten schauen. Er hat uns strikt untersagt, im See zu forschen. GazCom hat die Untersuchungen an sich genommen. Der Sicherheitschef hat unsere gesamten Ergebnisse eingefordert, einschließlich unserer computergestützten 3D-Aufnahmen. Noch heute soll ein neuer Katamaran zu Wasser gelassen werden, der nach dem ominösen Aluminiumteil sucht, das Theisen angeblich gefunden hat. Uns ist es lediglich erlaubt, außerhalb des Gewässers Bodenproben zu nehmen.«
Viktoria überlegte einen Moment. »Wir sollten also keine Zeit verstreichen lassen. Ich möchte mich ohnehin noch ein wenig umschauen.«
Professor Rodius stieß einen Seufzer aus. »Also gut«, sagte er und sah ihr in die Augen. »Da ich dich offensichtlich nicht überzeugen konnte, nach Deutschland zurückzukehren, beauftrage ich dich offiziell, hinter dem Abfluss des Kimchu nach Eisenoxid zu suchen. Das ist es doch, was du möchtest, nicht wahr?«
Viktoria lächelte. Rodius kannte sie besser als irgendjemand sonst an der Universität. Sie waren sehr vertraut miteinander, und in gewisser Weise ersetzte er ihr manchmal den Vater. Daher war ihm nicht entgangen, dass es Viktoria auf eigene Ermittlungen drängte, was die Geschehnisse nach ihrem Verschwinden betraf.
»Nimm unseren russischen Touristenführer mit«, fügte der Professor hinzu, »dann kann ich Bashtiri sagen, dass du nicht allein unterwegs bist und es keiner begleitenden Soldaten bedarf.«
Theisen hatte sich bereits einer zweiten Gruppe angeschlossen, die verschiedene Baumgruppen auf Reste von Radioaktivität untersuchen sollte.
Kolja schien nicht sonderlich überrascht zu sein, dass Viktoria ihn bei ihrer Exkursion dabei haben wollte. Wie selbstverständlich steckte er neben Hartkeksen und einer Wasserflasche ein Funkgerät in seinen Rucksack. Verstohlen tastete er nach der Pistole, die er stets heimlich bei sich trug.
Wenig später steuerte der Russe das Schlauchboot, das Viktoria mit der notwendigen Ausrüstung beladen hatte, in Richtung Kimchu. Das Wetter hatte wider Erwarten aufgeklart, und Viktoria schätzte sich glücklich, dass ihr statt der Krankenhausluft der vergangenen Tage nun die frische Seeluft um die Nase wehte. Kolja wusste, wo man ihren Taucheranzug gefunden hatte, und so fuhr er bis zu der Stelle hinauf, wo Viktoria aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Unbekannten aus dem Wasser gezogen worden war.
Hohe Bäume, zwitschernde Vögel. Wildnis, so weit das Auge reichte. Vergeblich versuchte Viktoria sich zu erinnern, während sie am Ufer entlang marschierte. Wieder war es nur das verschwommene Gesicht ihres Retters, das vor ihrem geistigen Auge auftauchte.
»Du suchst nach Spuren. Deshalb willst du ausgerechnet hier Proben entnehmen?« Kolja schaute sie neugierig an.
Viktoria fühlte sich ertappt. »Reich mir mal den Magnetfeldmesser«, erwiderte sie, ohne auf Koljas Frage einzugehen. Fachmännisch legte sie das Messgerät und das dazugehörige Gestänge an, mit dem man den Untergrund systematisch nach auffälligen Bodenstrukturen absuchen konnte.
»Vielleicht finden wir ja Abweichungen im Eisenoxidgehalt des Erdbodens«, fügte sie hinzu und begann gleichzeitig entlang der Uferböschung zwischen jungen Lärchen und Birken umherzuwandern. Dabei ließ sie ihren Blick schweifen, ob sie irgendwelche Spuren ihrer Rettung ausmachen konnte. »Sieht nicht so aus, als würden wir hier etwas finden«, sagte sie mehr zu sich selbst. »Vielleicht nehmen wir nur ein paar Bodenproben.«
Kolja hockte in der Nähe des Schlauchbootes und drehte sich eine Zigarette. Er wirkte beinahe enttäuscht, als sie mit leeren Händen zu ihm zurückkehrte.
Doch dann gab der Magnetfeldmesser plötzlich einen bemerkenswerten Ausschlag. Viktoria folgte der Messung und kam, nachdem sie das untersuchte Feld mehrmals abgegangen war, zu dem Schluss, dass sich unter der Erdoberfläche eine geregelte Struktur befand, die von keinem natürlichen Ursprung herrühren konnte. Es sah aus wie ein Schacht, umgeben von einer verschütteten Mauer.
»Gib mir bitte den Handbohrer für die Bodenproben«, bat Viktoria ihren Begleiter. Routiniert schnallte sie den Magnetfeldmesser ab und legte ihn beiseite.
Kolja übergab ihr mit hochgezogenen Brauen das Bohrgerät. »Irgendwas gefunden?«
Viktoria stemmte den Bohrstab mit beiden Händen in den weichen Waldboden. Nach gut einem halben Meter stieß der Bohrer überraschend auf Widerstand. Viktoria versuchte es an einer anderen Stelle und erhielt das gleiche Ergebnis.
Sie schaute überrascht auf. »Permafrost?«
Kolja schüttelte den Kopf. »Nicht zu dieser Jahreszeit. Da müsstest du noch gut eineinhalb Meter tiefer bohren. Vielleicht ist es ein Fels?«
»Das kann nicht sein. Das hier ist ein Sumpfgebiet. Da liegen Millionen Jahre von pflanzlichen Ablagerungen im Boden.«
Viktoria wischte sich den Schweiß von der Stirn und setzte sich auf einen umgekippten Baumstamm. Ihr war auf einmal schwindelig.