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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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Weinberg trat vor die Tür, Pjotr im Schlepptau, der reichlich verstört wirkte. »Der Nächste«, sagte er nur.

»Sie wollen, dass ich ihnen ein Luftschiff baue«, flüsterte Pjotr so heiser, dass man ihn kaum verstehen konnte. Seufzend ließ er sich neben Leonard auf die hölzerne Bank fallen. »Größer und stabiler, als man es je gesehen hat. Es soll komplett aus Aluminium bestehen. Sie wollen damit die Acht-Werst-Marke übersteigen.«

Plötzlich konnte sich Leonard denken, warum sie eine automatische Steuerung benötigten.

»Sie sind verrückt«, fuhr Pjotr ungläubig fort. »Wer sollte es lenken? Jeder halbwegs vernünftige Mensch weiß doch, dass die Luft da oben viel zu dünn wäre und der Druck viel zu niedrig. Um das zu tun, müsste man die Luftschiffführer in einer druckstabilen Kabine unterbringen und sie während des Fluges mit Sauerstoff versorgen.«

Leonard hob eine Braue. »Man will es mit einer automatischen Fernsteuerung lenken - ohne Besatzung.«

Pjotr pfiff leise durch die Zähne. »Langsam schließt sich der Kreis. Aber das sagt uns noch immer nicht, was das Ganze für einen Nutzen bringen sollte.«

»Vielleicht hat Aslan eine Antwort«, erwiderte Leonard. »Falls er eines Tages bereit ist zu plaudern.«

Die Miene des Turkmenen war noch düsterer, als er mit Weinberg die Baracke des Kommandeurs verließ.

»Sie werden von mir bekommen, was sie wollen«, murmelte er mit verächtlicher Miene. Dabei schaute er niemanden an. Es war, als ob er mit sich selbst redete. »Aber vielleicht wird es ihnen eines Tages noch leid tun«, fügte er heiser hinzu und wechselte mit Weinberg einen seltsamen Blick.

Der Professor führte sie schweigend durch die verschiedenen Abteilungen. Bevor sie mit ihrer Arbeit beginnen würden, sollten sie die einzelnen Arbeitsabläufe im Lager kennen lernen.

Weinberg zeigte ihnen die Schmiede. Gemeinsam betraten sie das große rußgeschwärzte Gemäuer, in dem der Lärm der Hämmer und Meißel so arg war, dass nach einer Weile die Ohren schmerzten. Es war der einzige Raum, in dem es so warm war, dass man ins Schwitzen geriet. Die Feuer wurden von einem riesigen dampfbetriebenen Blasebalg am Leben erhalten.

»Hier wird das Werkzeug hergestellt«, bemerkte Weinberg mit lauter Stimme und deutete auf die vielen mit Öl und Ruß verschmierten Männer, die durchweg lederne Handschuhe und Schürzen trugen.

Leonards Blick fiel auf Ivan Ivanowitsch Wassiljoff, Kissankas Vater, der dabei war, einen Eisenträger zu vernieten. Seine Hammerschläge kamen rasch und heftig.

Wenig später verließen sie die Halle und gelangten über eine weiß gefrorene Trasse zu einem gigantischen Kraftwerk, das die Ausmaße einer Kathedrale besaß. Im Innern hatte man den Boden sorgfältig gekachelt und den Untergrund an gewissen Stellen mit Eisenplatten verstärkt. Leonard geriet ins Staunen. Das Gebäude erschien ihm beinahe futuristisch, so modern war es angelegt. Acht riesige dampfmaschinenbetriebene Drehstrom-Generatoren sorgten für eine Leistung von insgesamt 128 Megawatt. Leonard stellte sich die Frage, wofür ein Gefangenenlager die Stromleistung einer Kleinstadt benötigte. Neben mehreren, mit Dampfmaschinen betriebenen Synchrongeneratoren sah man eine Reihe von mannshohen Drehzahlregulatoren mit einer verwirrenden Vielzahl an Gestängen und Kolben. Hier und dort liefen ein paar Lagerinsassen mit messingfarbenen Ölkännchen umher und beträufelten Laufräder und Scharniere. Es zischte, ratterte und summte, dass einem schier Hören und Sehen verging.

»Luftgekühlt«, erklärte Weinberg den Mechanismus zur Wärmedrosselung in den Magnetspulen. »In dieser Gegend kein Kunststück«, bemerkte er lächelnd mit einem Blick nach draußen in die weißblaue Eishölle.

Erst als sich der Abend über das Lager senkte, kehrten sie in ihre Unterkünfte zurück. Die Kammer, in der sie schliefen, war eiskalt. Weinberg befeuerte den kleinen Ofen mit Holzstücken und Kohle, die er sich mit Lobows Erlaubnis aus der lagereigenen Meierei beschafft hatte. Das Abendessen nahmen sie gemeinsam in ihrer bescheidenen Behausung ein. Jeder Häftling erhielt nur einmal am Tag ein warmes Essen in der Kantine. War er gehorsam, bekam er die übrigen Rationen an Brot, Tee und sonstigen Lebensmitteln, die ihm neben der Tagesverpflegung zur Verfügung standen, sowie das nötige Feuerholz. Doch wenn auch nur einer in der Gruppe nicht spurte, saß die gesamte Mannschaft am Abend ohne Verpflegung vor einem kalten Ofen. Machte man seine Sache jedoch besonders gut, konnte die Lagerleitung auch eine Extraration verteilen.

Wortlos starrte Leonard in das flackernde Feuer. Aslan hatte sich längst die Decke über den Kopf gezogen, nur Pjotr saß noch da, vollständig angezogen, und schaute ins Leere. Weinberg goss den dampfenden Tee in die Becher und gab sie an seine neuen Kameraden weiter.

»Sie wollen, dass wir ihnen eine neue Waffe bauen, um die Japaner zu besiegen.« Pjotr bedachte den Professor mit einem unsicheren Blick. »Habe ich recht?«

Weinberg sagte nichts, doch Leonard ergriff das Wort. In seiner Stimme lag ein Hauch von Ironie. »Wahrscheinlich soll sie größer und mächtiger sein als alles, was die Welt bisher gesehen hat.«

»Eure Spekulationen sind nicht unbedingt falsch «, knurrte Weinberg so verhalten, als ob er Angst haben musste, dass sie belauscht würden. »Und es gibt einen entscheidenden Vorteil bei der Sache. Sobald wir dem Zaren und seinem Kriegsminister dazu verholfen haben, diese Welt zuverlässig in Schutt und Asche zu legen, wird nichts mehr existieren, wofür es sich lohnt, uns gefangen zu halten.«

14.

Juni 2008, Tunguska - Grosny

In Leonids Erinnerung hallten Maschinengewehrsalven durch ein Meer von zerbombten Häuserfronten. Über ihm flog ein Helikopter, dessen Suchscheinwerfer die aufragenden Ruinen absuchte. Wie ein Hase, der vor einer Meute von Hunden flüchtet, rannte er durch die Bombentrichter und die tückischen Gräben, die sich unvermittelt entlang der zerstörten Straßen auftaten. Atemlos lauerte er hinter einem Mauervorsprung. Nie zuvor hatte er sich dringlicher gewünscht, auf der Stelle unsichtbar werden zu können - trotz der Dämmerung und der Tatsache, dass die Straßen von Grosny menschenleer schienen. Dieser Ruhe durfte man niemals vertrauen. Hastig inspizierte er seine Verwundungen: eine Platzwunde am Schienbein und eine riesige Prellung am Knie. Seine Stirn hatte auch etwas abbekommen. Das Blut lief ihm die Nase entlang hinunter zum Kinn. Gleich nach dem sein Helikopter unter Be-schuss geraten und auf dem Boden aufgeprallt war, hatte er seinen Helm verloren, und seine Uniform hatte Feuer gefangen, als er, durchtränkt mit Benzin, nur durch einen Hechtsprung der Explosion hatte entkommen können.

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