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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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Wenn es ein Junge wird, werde ich ihn Leonard nennen, und wenn er die schönen blauen Augen seines Vaters bekommt, werde ich eines Tages zu ihm aufschauen und denken, dass er zu mir zurückgekehrt ist. Wenn es ein Mädchen wird, werde ich es Viktoria nennen, damit es eine Siegerin wird und keine Verliererin wie seine Mutter. Ach Mamutschka - bald wirst Du eine Babuschka sein und Deinen Enkel noch nicht einmal in den Armen halten können. Verzeih Deiner ungezogenen Tochter, die immer soviel besser sein wollte als Deine Söhne, und es doch nicht geschafft hat. Ich weiß, dass Du Dir ein besseres Leben für mich erträumt hast, in der Hoffnung, dass Leonard mich eines Tages zur Frau nimmt. Aber er war ein Nemez und ein hochgestellter dazu. Seine Eltern hätten niemals die Zustimmung zu unserer Hochzeit gegeben. Schließlich bin ich nur ein russisches Mädchen aus einfachen Verhältnissen und obendrein eine Kriminelle. Und doch bin ich seine Frau geworden, wenn auch nur mit dem Herzen, und dass ich sein Kind bekomme, bedeutet mir mehr, als Du Dir vorstellen kannst.

In Liebe Jekatherina

Leonard sank zurück in sein Kissen und brach in Tränen aus. Katja liebte ihn nicht nur von ganzem Herzen - sie hatte tatsächlich darauf gehofft, seine Frau zu werden. Dabei hatte sie ihm immer vorgegaukelt, dass ihre Mutter nichts von ihrem Verhältnis wusste.

Wie gegeißelt lag er auf seinem Bett. Die Arme ausgestreckt, hielt er den Brief in der Linken und ließ ihn kraftlos in seiner Hand baumeln, bis er schließlich zu Boden fiel. Er fühlte sich wie tot.

Sein Blick wanderte über die Zimmerdecke - zu den grau getünchten Balken und Schindeln, hin zu einem Vogelnest, in das ein Pärchen Blaunachtigallen Einzug gehalten hatte. Die abwechselnd brütenden Eltern waren neben dem Lagerarzt und einem Mitgefangenen, der ihm das Essen brachte, der einzige Besuch, den er seit Wochen erhielt.

Verdammt! Es ging ihm kaum besser, doch die Verpflichtung, gesund zu werden, ließ ihn nicht los. Nur bei erfolgreicher Arbeit, die den Kommandanten zufriedenstellen würde, durfte er darauf hoffen, Katja und auch das Kind zu sehen.

Ein paar Tage später öffnete sich am Abend überraschend die Tür zu seiner Kammer. Eine Frau huschte mit einer Petroleumleuchte herein und steckte noch einmal den Kopf nach draußen, als ob sie sichergehen wollte, dass ihr niemand gefolgt war. Dann befreite sie ihren Kopf von dem großen Wolltuch und trat an sein Bett. Leonard hatte geschlafen, und im ersten Moment, als er sie durch die halb geöffneten Lider ansah, glaubte er an eine Erscheinung, so groß empfand er die Ähnlichkeit zu seiner Geliebten. Nur die Stimme war weitaus kindlicher.

»Leonard?« Flüsternd beugte Kissanka sich zu ihm hinunter. Beiläufig stellte sie eine Flasche mit einer dunklen Flüssigkeit auf den kleinen Tisch, der direkt neben dem Bett stand. »Blaubeersaft.« Ein Lächeln flog über ihr Gesicht. »Ich habe ihn aus der Küche gestohlen.« Ihre kühle Hand streichelte seine bärtige Wange.

»Kissanka, um Gottes willen, was tust du hier?« Leonard schaute sie erschrocken an. Seine Stimme war rau und brüchig. Das Fieber war zurückgegangen, doch sein Körper war noch immer schwach. Nur sein Verstand war so klar wie eh und je. »Du könntest krank werden. Was ist, wenn du dich ansteckst?«

»Dann werde ich sterben«, sagte sie so leise, dass er es kaum verstand. »Jetzt ist es sowieso schon egal.«

»Was soll das heißen?« Zitternd ergriff er ihre viel kühlere Hand. Dabei versuchte er, sich ein wenig aufzurichten. Kissanka kam ihm entgegen und war versucht, ihn zu küssen, doch er wandte den Kopf ab.

»Bist du verrückt?«, zischte er. »Es ist mir ernst. Wenn du dich umbringen willst, nur zu, aber lass es nicht meine Schuld sein.«

»Du bist in jedem Fall daran schuld«, erwiderte sie trotzig. »Ganz gleich, wie es ausgeht.«

»Wie soll ich denn das verstehen?« Sein Blick war voller Verblüffung, als sie ihm half, das Kissen zu richten, um es ihm ein wenig bequemer zu machen.

»Ich bin schwanger, Leonard.« Sie sah ihn mit entwaffnender Ehrlichkeit an und legte eine Hand auf seine Brust.

Sein Blick blieb verwirrt.

»Glaubst du mir nicht?« Sie rückte ein Stück von ihm ab und lüftete ihre Röcke. Darunter trug sie keine Unterwäsche und präsentierte ihm schamlos ihre Blöße. Sein erschrockener Blick wanderte fassungslos über ihren blanken, ansehnlich gewölbten Bauch. »Sechster Monat - daran lässt sich nichts mehr beschönigen. Ich habe die ganze Zeit darauf gehofft, dass das Kind noch abgeht - aber es hat sich in mir festgesetzt wie eine Zecke in ihrem Wirt.«

»Sprich nicht so!« Leonard sah sie verständnislos an und war versucht, ihr den Rock herunterzuziehen. »Es ist dein Kind, und es spielt keine Rolle, wer es gezeugt hat.«

»Irgendwie ist es auch dein Kind«, erwiderte sie leise und streichelte mit ihrer Hand über die Wölbung. Mit einem Seufzer ließ sie den Bauch wieder unter ihrem karierten Rock verschwinden.

Leonard sah sie verständnislos an, doch in ihren Augen spiegelte sich nicht der geringste Zweifel.

»Bei allem Verständnis für deine vertrackte Lage.« Er atmete kurz und heftig. »Ich bin nicht der Vater des Kindes, und das weißt du sehr wohl.«

»Ja, ich weiß, der Kosak hat es gemacht«, erwiderte sie lapidar, »damals in der Scheune. Es wäre nicht geschehen, wenn du früher gekommen wärest.« Sie senkte den Kopf und blickte verschämt zu Boden. »Also trifft dich eine Mitschuld.«

Eine einzelne dicke Träne rann über ihre Wange.

Leonard hatte das Gefühl, ihm würde das Herz zerreißen. Er hob die Hand, um sie zu trösten. Ja, sie hatte recht. Er hatte ein wenig gezögert, bevor er sie aus den Klauen dieses Lüstlings befreit hatte.

Er zog sie nun doch zu sich herunter und nahm sie in den Arm. Sie begann erneut zu weinen, und er streichelte aus reiner Hilflosigkeit ihren Rücken.

»Wenn mein Vater erfährt, dass ich es mit einem Kosaken getrieben habe, schlägt er mich tot«, flüsterte sie. »Die einzige Rettung wäre, wenn du die Verantwortung für das Kind übernehmen könntest. Du bist ein anständiger Kerl, und außerdem bist du den Russen wichtig. Wir könnten vielleicht sogar heiraten. Das ist in anderen Lagern nichts Ungewöhnliches.« Für einen Moment richtete sie sich auf und sah ihn flehend an. »Ich wäre dir eine gute Frau. Ich würde alles tun, was du von mir verlangst.«

Leonard wusste beim besten Willen nicht, was er darauf antworten sollte.

»Kissanka«, begann er vorsichtig. »Ich kann dich nicht heiraten. Ich habe schon eine Frau. Und sie erwartet auch ein Kind, genau wie du. Nur mit dem Unterschied, dass ich tatsächlich der Vater bin.«

Sie schaute ihn an, als ob er sie geschlagen hätte. »Aber woher willst du das wissen? Du hast sie Monate nicht gesehen, und wer weiß, viel-leicht wurde sie auch vergewaltigt, und das Kind ist gar nicht von dir«, schrie sie ihn an. Dann fiel ihr Blick auf den Brief, und bevor Leonard es verhindern konnte, hatte sie ihn vom Boden aufgehoben und wanderte rastlos im Zimmer auf und ab, während sie zu lesen begann.

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