Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.
- Автор: Andre Martina
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:
»Nein . du lagst alleine darin, nachdem ich dich in meine Hütte getragen hatte. Ajaci hat sich zu deinen Füßen gelegt, wie er es von mir gewohnt ist.« Er warf einen kurzen, irritierten Blick auf seinen Hund. »Aber ich habe ihn sofort an den Ofen gescheucht.«
»Sag mir bitte, was genau passiert ist.« Selbst wenn es ihr peinlich war - sie wollte, dass er sie lückenlos über ihre Rettung aufklärte. Stockend begann er zu erzählen, und auch wenn sie das meiste davon überhaupt nicht verstand, begriff sie, dass all ihre intimen Erinnerungen an diesen Mann nur ihrer Phantasie entsprungen sein mussten, wahrscheinlich eine Halluzination unter dem Einfluss dieses rätselhaften Tees, den er ihr in seiner Hütte verabreicht hatte.
»Es gibt sicher unangenehmere Methoden«, scherzte Viktoria, »jemandem von den Toten zurückholen.«
»Das ist nicht lustig«, bemerkte Leonid ernst. Er war stehen geblieben. Sein Blick wirkte tadelnd.
»Was ist es dann?«, erwiderte Viktoria mit einem Lächeln. »Möglicherweise unanständig?« Fragend hob sie eine Braue, doch Leonid antwortete nicht, sondern sah ihr nur in die Augen. Für einen Moment fühlte sie sich von einer seltsamen Macht ergriffen, die sie völlig überrumpelte. Ohne Ankündigung legte sie ihre Arme um seinen Hals und zog ihn zu sich herab. Der Hund knurrte leise, doch das störte sie nicht weiter - zumal die Lippen des Mannes bereitwillig ihren Mund in Besitz nahmen und er ihren Kuss in einer Intensität erwiderte, die ihre Knie weich werden ließen. Seine starken Arme schlossen sich um ihren Körper, und sie spürte nicht nur seine Wärme, sondern auch seine Leidenschaft, als er sie voller Verlangen an sich presste. Fest umschlungen vergaßen sie für einen Moment alles um sich herum. Erst als das Knattern des Motorbootes zu hören war, löste sich Viktoria abrupt und atemlos aus seiner Umarmung.
»Ich glaube, es ist besser, wenn du jetzt gehst.« Ihre Stimme klang gehetzt.
Er beugte sich nochmals zu ihr herab und vergrub für einen Moment seine Nase hinter ihrem Ohr. »Du wirst mich also nicht an Bashtiri und seine Männer verraten?«, raunte er ihr ins Haar.
»Nein, natürlich nicht«, stieß sie hervor, während sein heißer Atem ihr eine Gänsehaut über den Nacken jagte.
»Sehen wir uns wieder?«
»Wann und wo?« Irritiert schaute sie zu ihm auf.
»Bei Sonnenuntergang, vor dem Camp. Ich werde dich finden.«
15.
Juni 1905, Sibirien - Schicksalsschläge
Der Sommer in Sibirien war kurz und heiß, und der angeblich rasche, leichte Krieg gegen Japan galt als endgültig verloren, auch wenn man sich das nur hinter vorgehaltener Hand eingestand. Die Stimmung des Lagerkommandanten und seiner Offiziere befand sich nicht nur wegen der unglaublich hohen Verluste auf einem Tiefpunkt. Auch der politische Druck, eine außerordentliche Waffe zu entwickeln, stieg ins Unermessliche. Leutnant Subbota war kurzfristig in den Winterpalast beordert worden, um einen ersten Rapport zu liefern. Eine undankbare Aufgabe, denn außer hochtrabenden Hirngespinsten konnte er kaum etwas vorweisen. Entsprechend hart gestaltete sich das Lagerleben. Bereits im Juni kippten die einfachen Arbeiter wegen der Hitze im Kohlekontor und in der Schmiede reihenweise um. Dazu kam eine ungeheure Mückenplage, die das Leben für Leonard und seine Kameraden schier unerträglich machte. Während Pjotr und er sich meist in der Konstruktionshalle aufhielten, wurde Aslan zu geheimnisvollen Exkursionen abgeordnet, die ihn wochenlang vom Lagerleben erlösten. Ob es ihm dabei besser erging, verriet der Turkmene nicht. Auch ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft im Pijaja-Gebirge hatte er nichts von seiner Schweigsamkeit verloren.
Anfang Juli befiel Leonard eine schwere Krankheit. Starkes Fieber, Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, dann kam - mitten bei der Arbeit - ein totaler Zusammenbruch.
»Vielleicht ist es die Grippe«, verkündete Doktor Primanov, der Lagerarzt, lapidar, nachdem er Leonards ermatteten Körper einer eingehenden Begutachtung unterzogen hatte. Leonard hatte die Untersuchung stoisch über sich ergehen lassen; er hatte lediglich nach mehreren Decken verlangt, weil er trotz der Hitze fror. Dabei war er insgeheim froh, dass sich überhaupt ein Arzt im Lager befand. Obendrein einer, der einst der besten Sankt Petersburger Gesellschaft angehört hatte. Es hieß, Primanov sei der Leibarzt eines angesehenen Bankiers gewesen. Wie und warum er in Ungnade gefallen war, darüber gab es nicht einmal Gerüchte.
Ohne dass der Arzt sich über seine Erkrankung genauer ausließ, spürte Leonard, dass es ernst um ihn stand. Er fühlte sich hundeelend, als zwei ältere Lagerinsassen ihn am nächsten Tag auf Befehl Prima-novs aus dem Lazarett trugen, um ihn in ein dürftig ausgestattetes Einzelzimmer zu verlegen, das der Kommandantur normalerweise als Abstellkammer diente.
»Es ist nur eine Vorsichtsmaßnahme«, bemerkte der Arzt mit einem gezwungenen Lächeln.
»Werde ich sterben?« Leonard sah den Arzt aus fiebrig glänzenden Augen an.
»Ich weiß es nicht«, seufzte Primanov schwer. »Aber Sie werden verstehen, dass ich die anderen Lagerinsassen nicht in Gefahr bringen darf.«
Leonard schloss für einen Moment die Augen. »Doktor, ich danke Ihnen für Ihre Ehrlichkeit«, flüsterte er schwach.
In seinen Fieberträumen begegnete ihm Katja, von der er bisher noch keinen einzigen Brief erhalten hatte. Schon seit Monaten wartete er auf ein Lebenszeichen des Mädchens, das man ihm bei guter Führung versprochen hatte.
Als ein Bote des Kommandeurs dann unvermittelt mit einem Brief in seinem Krankenzimmer erschien, glaubte Leonard noch immer zu träumen. Doch der Brief war echt. Zumindest meinte er, Katjas Schrift zu erkennen. Die Zeilen waren tatsächlich, wie man es ihm gesagt hatte, an ihre Mutter gerichtet.
Mit zitternden Händen nahm Leonard das Schreiben aus dem verschmutzten Kuvert. Einen Moment lang beschlich ihn ein schlechtes Gewissen. Schließlich hatte Katja das Schreiben im Glauben verfasst, dass es nur ihre Mutter lesen würde. Er zögerte kurz, dann schob er seine Bedenken beiseite.
Meine liebe Mutter, stand da. Katjas Handschrift war längst nicht so sauber wie sonst. Mir geht es gut. Ich hoffe, Dir und meinen Brüdern geht es auch gut und Ihr müsst euch nicht allzugroße Sorgen machen. Dabei solltet Ihr Euch keinesfalls schuldig fühlen. Dass ich in diese verzwickte Lage gekommen bin, war ganz allein meine Schuld. Auch Leonard kann nichts dafür. Ich habe seinen Tod zu verantworten, und das macht die Sache noch weit schlimmer, als ich es mir je hätte vorstellen können. In Gedanken bin ich Tag und Nacht bei ihm, und er ist bei mir. Vor allem, weil ich sein Leben unter dem Herzen trage. Leonard schluckte und spürte Tränen in seinen Augen. Mit einem Mal wurde ihm das Herz schwer. Unfassbar! Sie war schwanger, und das Kind war von ihm.