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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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Catelyn nickte. Das große, unbeholfene Mädchen verließ die Halle mit langen Schritten, die meisten der Feiernden bemerkten sie gar nicht. Mögen die Götter mit ihr gehen, dachte Catelyn, während sie sich lustlos wieder ihrem Essen zuwandte.

Drei Tage später ging der Faustschlag nieder, den Brienne vorausgesagt hatte, und es dauerte fünf Tage, bis sie davon erfuhren. Catelyn saß bei ihrem Vater, als Edmures Bote eintraf. Die Rüstung des Mannes war verbeult, seine Stiefel waren staubig, und er hatte ein hässliches Loch in seinem Überwurf. Er brachte gute Neuigkeiten. »Sieg, Mylady«, sagte er und reichte ihr Edmures Brief. Ihre Hand zitterte, als sie das Siegel erbrach.

Lord Tywin hatte versucht, das Überqueren des Flusses an einem Dutzend verschiedener Furten zu erzwingen, war jedoch überall zurückgeworfen worden. Lord Leffert war ertrunken, der Rallenhall-Ritter, den sie Starker Eber nannten, war in Gefangenschaft geraten, Ser Addam Marbrand war drei Mal zum Rückzug gezwungen worden … doch die erbittertsten Gefechte hatten bei der Steinmühle stattgefunden, wo Ser Gregor Clegane den Angriff geführt hatte. Dabei waren so viele seiner Männer gefallen, dass ihre toten Pferde den Fluss zu stauen drohten. Am Ende waren der Reitende Berg und einige seiner besten Männer zwar bis zum Westufer vorgedrungen, doch Edmure hatte seine Reserve auf sie geworfen und sie blutend und geschlagen zurückgedrängt. Ser Gregor selbst hatte sein Pferd verloren; er war aus einem Dutzend Wunden blutend durch den Roten Arm zurückgetaumelt, während ein Hagel von Pfeilen und Steinen auf ihn niedergegangen war. »Sie werden den Fluss nicht überqueren, Cat«, hatte Edmure gekritzelt. »Lord Tywin marschiert nach Südosten. Vielleicht eine Finte oder ein vollständiger Rückzug, aber ganz gleich: Sie werden den Fluss nicht überqueren.«

Ser Desmond Grell war hocherfreut gewesen. »Oh, wenn ich nur hätte dabei sein dürfen«, sagte der alte Ritter, als sie ihm den Brief vorlas. »Wo ist dieser Narr Rymund? Darüber muss er doch ein Lied verfassen, bei den Göttern, ein Lied, das selbst Edmure nur zu gern hören wird. Die Mühle, die den Berg zermahlte, ich könnte die Worte fast selbst finden, hätte ich nur das Talent eines Sängers.«

»Ich möchte keine Lieder hören, ehe die Kämpfe nicht beendet sind«, sagte Catelyn, vielleicht eine Spur zu scharf. Dennoch erlaubte sie Ser Desmond, die Nachricht zu verbreiten, und stimmte zu, als er vorschlug, zu Ehren der Steinmühlenschlacht ein paar Fässer zu öffnen. Die Stimmung auf Schnellwasser war angespannt und ernst gewesen; alle konnten einen Kelch Wein und ein wenig Hoffnung vertragen.

In dieser Nacht hörte man in der Burg überall den Lärm der Feiernden. »Schnellwasser!«, rief das gemeine Volk und »Tully! Tully!« Verängstigt und hilflos waren sie hier angekommen, und Catelyns Bruder hatte sie eingelassen, während die meisten anderen Lords die Tore geschlossen hätten. Ihre Stimmen strömten zu den hohen Fenstern hinein und drangen unter den schweren Rotholztüren hindurch in ihr Zimmer. Rymund spielte auf seiner Harfe und ließ sich von Trommeln und einem Jungen mit einer Rohrflöte begleiten. Catelyn lauschte mädchenhaftem Lachen und dem aufgeregten Geplapper der unerfahrenen Knaben, die ihr Bruder zur Verteidigung der Burg zurückgelassen hatte. Wohlklingende Laute … und doch berührten sie sie nicht. Sie konnte ihr Glück nicht teilen.

Im Solar ihres Vaters fand sie ein schweres, in Leder gebundenes Buch mit Karten. Sie öffnete es bei den Flusslanden. Sofort entdeckte sie den Lauf des Roten Arms und fuhr ihn bei flackerndem Kerzenlicht mit dem Finger entlang. Er marschiert nach Südosten, dachte sie. Inzwischen hatte er vermutlich den Hauptlauf des Schwarzwassers erreicht, entschied sie.

Sie klappte das Buch zu, und ihr war unbehaglicher zu Mute als zuvor. Die Götter hatten ihnen Sieg auf Sieg geschenkt. Bei der Steinmühle, bei Ochsenfurt, in der Schlacht der Lager, im Wisperwald …

Aber wenn wir siegen, warum habe ich dann solche Angst?

BRAN

Das Geräusch war nur ein leises Klirren, als wenn Stahl über Stein scharrt. Er hob den Kopf von den Pfoten, lauschte und sog schnuppernd die Nachtluft ein.

Der Abendregen hatte hundert schlafende Gerüche geweckt und sie reifen und erstarken lassen. Gras und Dornen, Brombeeren, die auf dem Boden zerplatzt waren, Schlamm, Würmer, verrottendes Laub, eine Ratte, die durch das Gebüsch schlich. Er roch den zotteligen schwarzen Pelz seines Bruders und den scharfen kupferartigen Geruch vom Blut des Eichhörnchens, das er getötet hatte. Oben in den Ästen tummelten sich noch mehr Eichhörnchen, die nach nassem Fell und Angst rochen und mit den kleinen Füßen über die Rinde scharrten. So ähnlich hatte das Geräusch geklungen.

Und er hörte es wieder, ein Klirren und Scharren. Er erhob sich, stellte die Ohren auf und reckte den Schwanz in die Höhe. Dann heulte er, stieß einen langen, fröstelnden Schrei aus, ein Heulen, um Schlafende zu wecken, doch die Haufen des Menschensteins waren dunkel und tot. Die Nacht war noch immer nass, eine Nacht, in der die Menschen in ihrem Bau blieben. Der Regen hatte nachgelassen, dennoch verbargen sich die Menschen vor der Feuchtigkeit und saßen an Feuern in ihren Höhlen aus aufgestapelten Steinen.

Sein Bruder schlich zwischen den Bäumen hindurch und bewegte sich fast so leise wie ein anderer Bruder, an den er sich nur noch schwach erinnerte, so lange war es schon her, der Weiße mit den blutroten Augen. Die Augen dieses Bruders waren tiefe Schatten, doch sein Nackenfell war gesträubt. Auch er hatte die Geräusche gehört und wusste, dass sie Gefahr bedeuteten.

Diesmal folgte auf das Klirren und Scharren ein Rutschen und das leise Tappen von Hautfüßen auf Stein. Der Wind wehte einen schwachen Menschengeruch heran, den er nicht kannte. Fremde. Gefahr. Tod.

Er lief auf das Geräusch zu, und sein Bruder rannte neben ihm her. Die Steinhöhlen ragten vor ihnen auf, feuchte, glatte Mauern. Er fletschte die Zähne, doch der Menschenstein achtete nicht darauf. Ein Tor ragte vor ihm auf, eine schwarze eiserne Schlange wand sich um Stäbe und Pfosten. Als er sich dagegenwarf, erzitterte das Tor, und die Schlange klirrte und quietschte und hielt. Durch die Stäbe konnte er hinunter in den langen Steingraben schauen, der zwischen den Mauern zu dem steinigen Feld unten führte, doch er konnte nicht hindurch. Die Schnauze konnte er zwischen die Stäbe zwängen, mehr jedoch nicht. Oft hatte sein Bruder versucht, die schwarzen Knochen des Tores mit den Zähnen zu zermalmen, doch sie wollten nicht brechen. Sie hatten versucht, einen Gang darunter hindurchzugraben, aber darunter lagen große flache Steine, die halb von Erde und verwehtem Laub bedeckt waren.

Knurrend schritt er vor dem Tor auf und ab, dann warf er sich erneut dagegen. Es bewegte sich ein wenig und stieß ihn zurück. Verschlossen, flüsterte etwas. Mit Ketten. Die Stimme, die er nicht hören konnte, der Geruch, den er nicht riechen konnte. Die anderen Wege waren ebenfalls versperrt. Wo sich Türen in den Mauern aus Menschenstein befanden, waren sie aus dickem, starkem Holz. Es gab keinen Ausweg.

Doch, flüsterte es, und ihm war, er könne den Schatten eines großen Nadelbaumes sehen, der aus der schwarzen Erde aufragte, zehn Mal so groß wie ein Mann. Doch als er hinschaute, war er nicht da. Auf der anderen Seite des Götterhains, der Wachbaum, schnell, schnell

Durch die Dunkelheit der Nacht hallte ein erstickter Schrei, der jäh abbrach.

Rasch, rasch fuhr er herum und sprang wieder zwischen die Bäume, das nasse Laub raschelte unter seinen Pfoten, die Zweige schlugen nach ihm, als er vorbeilief. Er konnte seinen Bruder hören, der ihm folgte. Sie kamen unter dem Herzbaum heraus und umrundeten den kalten Tümpel, rannten durch die Brombeerbüsche und unter den Eichen und Eschen und dem Weißdorn hindurch zur anderen Seite des Hains … und dort war er, der Schatten, den er entdeckt hatte, ohne hingesehen zu haben, der schiefe Baum, der zu den Dächern zeigte. Wachbaum, ging ihm ein Gedanke durch den Sinn.

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