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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04

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Die Saat des goldenen Löwen. Das Lied von Eis und Feuer 04 von George RR Martin.
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»Verdammt will ich sein, wenn ich das tue!«, brüllte Mikken.

Theon ignorierte ihn. »Mein Vater hat die uralte Krone des Salzes und Felsens aufgesetzt und sich zum König der Eiseninseln ernannt. Er beansprucht durch das Recht der Eroberung auch den Norden für sich. Ihr alle seid seine Untertanen. «

»Fickt Euch.« Mikken wischte sich das Blut vom Mund. »Ich diene den Starks, nicht irgendeinem verräterischen Tintenfisch von – aaah.« Der Speerschaft traf Mikken erneut, und diesmal schmetterte er ihn mit dem Gesicht nach unten auf den Steinboden.

»Schmiede haben starke Arme und schwache Köpfe«, merkte Theon an. »Aber wenn ihr anderen mir ebenso treu dient, wie ihr Ned Stark gedient habt, werdet ihr mich als großzügigen Lord kennenlernen.«

Mikken stemmte sich auf Händen und Knien hoch und spuckte Blut. Bitte nicht, flehte Bran innerlich, doch der Schmied rief: »Wenn Ihr denkt, Ihr könntet mit Eurem armseligen Haufen den Norden halten …«

Der Kahlköpfige stieß Mikken die Speerspitze in den Nacken. Stahl glitt durch Fleisch und trat in einer Flut von Blut aus der Kehle wieder hervor. Eine Frau schrie auf, und Meera schloss Rickon in die Arme. In Blut ist er ertrunken, dachte Bran benommen. In seinem eigenen Blut.

»Wer hat sonst noch etwas zu sagen?«, fragte Theon Graufreud.

»Hodor hodor hodor hodor«, rief Hodor mit weit aufgerissenen Augen.

»Bringt vielleicht jemand freundlicherweise diesen Schwachsinnigen zum Schweigen?«

Zwei Eisenmänner prügelten mit ihren Speerschäften auf Hodor ein. Der Stallbursche warf sich zu Boden und versuchte sich mit den Händen zu schützen.

»Ich werde ein ebenso guter Lord sein wie seinerzeit Eddard Stark.« Theon hob die Stimme, damit man ihn über das Klatschen der Schläge hinweg verstehen konnte. »Doch wer mich hintergeht, wird sich bald wünschen, er hätte es nicht gewagt. Und glaubt nicht, die Männer, die ihr hier seht, seien meine ganze Streitmacht. Torrhenschanze und Tiefwald Motte werden uns ebenfalls bald gehören, und mein Onkel segelt den Salzspeer hinauf, um Maidengraben zu belagern. Falls Robb Stark sich gegen die Lennisters durchsetzt, mag er als König vom Trident herrschen, aber das Haus Graufreud hält von nun an den Norden.«

»Starks Lords werden gegen Euch kämpfen«, rief Stinker. »Zum einen dieses fette Schwein von Weißwasserhafen, und außerdem die Umbers und die Karstarks. Ihr braucht Männer. Befreit mich, und ich gehöre Euch.«

Theon wog das Angebot kurz ab. »Du denkst besser, als du riechst, aber deinen Gestank könnte ich nicht ertragen.«

»Nun«, sagte Stinker, »ich könnte mich waschen, wenn ich frei wäre.«

»Einer der seltenen Männer mit wachem Verstand.« Theon lächelte. »Beuge dein Knie.«

Einer der Eisenmänner reichte Stinker ein Schwert, das er Theon zu Füßen legte und dem Hause Graufreud und König Balon Gehorsam schwor. Bran konnte nicht hinsehen. Der grüne Traum erfüllte sich.

»M’lord Graufreud!« Osha trat an Mikkens Leiche vorbei nach vorn. »Ich wurde ebenfalls als Gefangene hergebracht. Ihr wart damals dabei.«

Ich habe gedacht, du wärst eine Freundin, dachte Bran verletzt.

»Ich brauche Krieger«, verkündete Theon, »keine Küchenschlampen. «

»Robb Stark war es, der mich in die Küche geschickt hat. Seit fast einem Jahr schrubbe ich schon Töpfe, kehre Dreck zusammen und wärme dem da die Strohmatratze.« Sie warf Gage einen Blick zu. »Davon habe ich genug. Gebt mir wieder einen Speer in die Hand.«

»Ich habe hier einen Speer für dich«, sagte der Kahle, der Mikken getötet hatte. Er griff sich in den Schritt und grinste.

Osha stieß ihm ihr knochiges Knie zwischen die Beine. »Behalt dein weiches Ding.« Sie riss ihm den Speer aus den Händen und stieß ihn mit dem Schaft zu Boden. »Ich bediene mich lieber mit Holz und Eisen.« Der Kahlköpfige krümmte sich auf dem Boden, während die anderen Eisenmänner schallend lachten.

Theon lachte mit ihnen. »Nicht schlecht«, sagte er. »Behalte den Speer; Stygg kann sich einen anderen suchen. Und jetzt beuge dein Knie und schwöre.«

Da niemand anders vortrat, um Theon die Treue zu schwören, wurden alle entlassen, wobei ihnen die Warnung mit auf den Weg gegeben wurde, ihre Arbeit zu erledigen und niemandem Schwierigkeiten zu bereiten. Hodor erhielt den Auftrag, Bran zurück ins Bett zu bringen. Sein Gesicht war von den Schlägen verunstaltet, die Nase formlos, ein Auge zugeschwollen. »Hodor«, schluchzte er mit aufgesprungenen Lippen, während er Bran mit starken Armen und blutigen Händen aufhob und ihn hinaus in den Regen trug.

ARYA

»Es gibt Gespenster, das weiß ich ganz sicher.« Heiße Pastete knetete Brotteig, und seine Arme waren bis zum Ellbogen weiß vom Mehl. »Pia hat gestern Nacht etwas in der Vorratskammer gesehen.«

Arya grunzte nur. Pia sah ständig etwas in der Vorratskammer. Für gewöhnlich handelte es sich dabei um Männer aus Fleisch und Blut. »Kann ich ein Törtchen haben?«, fragte sie. »Du hast ein ganzes Blech voll gebacken.«

»Ich brauche auch ein ganzes Blech voll. Ser Amory mag die besonders gern.«

Sie hasste Ser Amory. »Lass uns draufspucken.«

Heiße Pastete blickte sich nervös um. Die Küche war voller Schatten und Echos, doch die anderen Köche und Küchenjungen schliefen auf dem höhlenartigen Zwischenboden über den Öfen. »Er wird es merken.«

»Bestimmt nicht«, erwiderte Arya.

»Aber wenn doch, bin ich es, der ausgepeitscht wird.« Heiße Pastete hörte auf zu kneten. »Du solltest überhaupt nicht hier sein. Es ist mitten in der Nacht.«

Das stimmte, allerdings war es Arya gleichgültig. Selbst mitten in der Nacht kehrte in der Küche keine Ruhe ein; immer bereitete irgendwer Teig für das Morgenbrot vor, rührte mit einem großen Holzlöffel in einem Topf oder zerlegte ein Schwein, damit Ser Amory zum Frühstück Speck bekam. Heute Nacht war Heiße Pastete an der Reihe.

»Wenn Triefauge aufwacht und merkt, dass du verschwunden bist …«, sagte Heiße Pastete.

»Triefauge wacht nie auf.« Eigentlich hieß er Mebbel, doch alle nannten ihn wegen seiner tränenden Augen Triefauge. »Nicht, wenn er erst einmal eingeschlafen ist.« Jeden Morgen trank er Bier zum Frühstück und schlief abends nach dem Essen betrunken ein, während ihm noch weinfarbener Speichel über das Kinn rann. Arya wartete, bis sie ihn schnarchen hörte, dann schlich sie barfuß die Dienstbotentreppe hinauf und machte nicht mehr Lärm als die Maus, die sie gewesen war. Sie nahm weder Kerze noch Wachsstock mit. Syrio hatte ihr einmal erklärt, die Dunkelheit könne ihr Freund sein, und damit hatte er Recht gehabt. Wenn Mond und Sterne schienen, hatte sie genug Licht. »Ich wette, wir könnten fliehen, und Triefauge würde mich nicht einmal vermissen«, sagte sie zu Heiße Pastete.

»Ich will nicht fliehen. Hier ist es besser als im Wald. Ich will keine Würmer mehr essen. Hier, streu mal ein bisschen Mehl auf das Brett.«

Arya legte den Kopf schief. »Was war das?«

»Was? Ich hab nichts …«

»Hör mit den Ohren zu, nicht mit dem Mund. Das war ein Kriegshorn. Zwei Töne, hast du es nicht gehört? Und da, die Ketten des Fallgitters. Jemand kommt herein oder will hinaus. Kommst du mit nachschauen?« Die Tore von Harrenhal waren seit dem Morgen von Lord Tywins Aufbruch nicht mehr geöffnet worden.

»Ich muss das Brot für morgen früh backen«, jammerte Heiße Pastete. »Außerdem mag ich es nicht, wenn es draußen dunkel ist, das habe ich dir doch gesagt.«

»Aber ich gehe hin. Hinterher erzähle ich dir alles. Kann ich ein Törtchen haben?«

»Nein.«

Sie stibitzte sich trotzdem eins und aß es auf dem Weg nach draußen. Es war mit gehackten Nüssen, Früchten und Quark gefüllt, mit einer Streuselkruste und noch ganz warm. Arya kam sich verwegen dabei vor, Ser Amorys Törtchen zu essen. Barfüßig, sicherfüßig, leichtfüßig, sang sie vor sich hin. Ich bin der Geist von Harrenhal.

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