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Электронная книга - «Der Hypnotiseur». Краткое содержание книги:

Der Hypnotiseur
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Nicke runzelt die Stirn.

»Es geht um diesen Typen. Aidas Typen. Benjamin. Nicke hat ihn heute nicht gesehen. Aber vorher war er total wütend, total wütend. Aida hat geweint.«

»Benjamin war wütend?«

Nicke sieht Kennet erstaunt an.

»Benjamin ist nicht wütend, er ist lieb. Aida freut sich und lacht.«

Kennet sieht den groß gewachsenen Jungen an.

»Und wer war wütend, Nicke? Wer war dann wütend?«

Nicke wirkt auf einmal besorgt. Er sieht die Flasche an und sucht nach etwas.

»Ich darf nichts annehmen …«

»Diesmal geht das in Ordnung, versprochen«, sagt Kennet. »Wer war denn nun wütend?«

Nicke kratzt sich am Hals und wischt sich den Schaum aus den Mundwinkeln.

»Wailord – er hat so ein großes Maul.«

Nicke zeigt es Kennet mit den Armen.

»Wailord?«

»Er ist böse.«

»Wo wollte Aida hin, Nicke?«

Die Wangen des Jungen zittern, als er sagt:

»Sie kann Benjamin nicht finden, das ist nicht gut.«

»Aber wohin wollte sie jetzt?«

Nicke scheint den Tränen nahe zu sein, als er den Kopf schüttelt.

»Oh weh, oh weh, oh weh, man darf nicht mit fremden Onkeln reden …«

»Sieh mal Nicke, ich bin kein gewöhnlicher Onkel«, erwidert Kennet, zieht sein Portemonnaie aus der Tasche und sucht ein Foto von sich selbst in Polizeiuniform heraus.

Nicke mustert das Bild eingehend. Dann sagt er ernst:

»Aida geht jetzt zu Wailord. Sie hat Angst, dass er Benjamin gebissen hat. Wailord reißt das Maul so weit auf.«

Nicke demonstriert es aufs Neue mit seinen Armen, und Kennet versucht mit ganz ruhiger Stimme zu sprechen, als er sagt:

»Weißt du, wo Wailord wohnt?«

»Ich darf nicht zum Meer gehen, nicht einmal in die Nähe.«

»Wie kommt man denn zum Meer?«

»Mit dem Bus.«

Nicke tastet nach etwas in seiner Tasche und flüstert vor sich hin.

»Wailord hat einmal mit mir gespielt, als ich bezahlen sollte«, sagt er und versucht zu lächeln. »Er hat nur Spaß gemacht. Er hat mich überredet, etwas zu essen, was man nicht essen soll.«

Kennet wartet. Nicke wird rot und nestelt an seinem Reißverschluss herum. Er hat Trauerränder unter den Fingernägeln.

»Was hast du gegessen?«, fragt Kennet.

Die Wangen des Jungen zittern wieder heftig.

»Ich wollte das nicht«, antwortet er, und Tränen kullern seine vollen Wangen hinab.

Kennet klopft Nicke auf die Schulter und versucht, seine Stimme ruhig und fest klingen zu lassen, als er sagt:

»Das klingt, als wäre Wailord richtig gemein.«

»Ja, gemein.«

Kennet bemerkt, dass Nicke etwas in der Tasche hat, woran er dauernd herumfingert.

»Ich bin Polizist, das weißt du, und ich sage, dass keiner gemein zu dir sein darf.«

»Du bist zu alt.«

»Aber ich bin stark.«

Nicke wirkt sofort fröhlicher.

»Darf ich noch eine Cola haben?«

»Wenn du noch eine willst.«

»Ja, danke.«

»Was hast du da in der Tasche?«, fragt Kennet und versucht, gleichgültig zu klingen.

Nicke lächelt.

»Das ist ein Geheimnis«, sagt er.

»So, so«, sagt Kennet und verzichtet darauf, nachzufragen.

Nicke schluckt den Köder:

»Willst du es nicht wissen?«

»Wenn du nicht möchtest, brauchst du es mir auch nicht zu erzählen, Nicke.«

»Oh, oh, oh«, sagt der Junge. »Das rätst du nie, was das ist.«

»Ich glaube gar nicht, dass es etwas Besonderes ist.«

Nicke nimmt die Hand aus der Tasche.

»Ich werde dir sagen, was es ist.«

Er öffnet die Faust.

»Das ist meine Kraft.«

In Nickes Hand liegt etwas Erde. Kennet sieht den Jungen fragend an, der ihn anlächelt.

»Ich bin ein Boden-Pokemon«, sagt Nicke zufrieden.

»Ein Boden-Pokemon«, wiederholt Kennet.

Nicke schließt seine Faust um die Erde und steckt sie wieder in die Tasche.

»Weißt du, was für Attacken ich habe?«

Kennet schüttelt den Kopf und entdeckt, dass ein Mann mit einem länglichen Kopf an der dunklen, nassen Häuserfassade auf der anderen Straßenseite vorbeigeht. Es sieht aus, als würde er nach etwas suchen, er hält einen Stock in der Hand, mit dem er in der Erde stochert. Plötzlich kommt Kennet der Gedanke, dass der Mann möglicherweise versucht, zu den Fenstern im Souterrain hineinzuschauen. Er denkt, dass er hingehen und ihn fragen muss, was er da treibt. Aber Nicke hat seine Hand auf Kennets Arm gelegt.

»Weißt du, was ich für Attacken habe?«, wiederholt der Junge.

Kennet lässt den Mann widerwillig aus den Augen. Nicke zählt beim Sprechen an den Fingern ab:

»Ich bin stark gegen alle Elektro-Pokemon, Feuer-Pokemon, Gift-Pokemon, Gestein-Pokemon und Stahl-Pokemon. Die können mich nicht schlagen. Da bin ich mir sicher. Aber ich kann nicht gegen Flug-Pokemon kämpfen, und auch nicht gegen Pflanzen- oder Käfer-Pokemon.

»Tatsächlich?«, fragt Kennet zerstreut und glaubt zu sehen, dass der Mann an einem Fenster stehen bleibt. Er sieht aus, als würde er nach etwas suchen, aber in Wahrheit lehnt er sich zu der Fensterscheibe vor.

»Hörst du mir zu?«, fragt Nicke unruhig.

Kennet versucht, ihn aufmunternd anzusehen. Aber als er wieder hinaussieht, ist der Mann verschwunden. Kennet späht zu dem Fenster im Erdgeschoss des Hauses hinüber, kann aber nicht erkennen, ob es offen steht.

»Ich vertrage kein Wasser«, erklärt Nicke traurig. »Wasser ist am schlimmsten, ich vertrage überhaupt kein Wasser, ich habe eine Riesenangst vor Wasser.«

Kennet macht sich behutsam von Nickes Hand frei.

»Warte mal kurz«, sagt er und macht ein paar Schritte zum Fenster.

»Wie spät ist es«, fragt Nicke.

»Wie spät? Es ist Viertel vor sechs.«

»Dann muss ich jetzt gehen. Er wird wütend, wenn ich zu spät komme.«

»Wer wird wütend? Dein Vater?«

Nicke lacht.

»Ich hab doch keinen Vater!«

»Deine Mutter, meine ich.«

»Nein, Ariados wird wütend, er will Sachen abholen.«

Nicke sieht Kennet zögernd an, schlägt dann die Augen nieder und fragt:

»Bekomme ich Geld von dir? Wenn ich zu wenig dabeihabe, muss er mich nämlich bestrafen.«

»Warte mal«, sagt Kennet, der Nicke wieder aufmerksamer zuhört. »Wailord will Geld von dir haben?«

Sie verlassen gemeinsam den Kiosk, und Kennet wiederholt seine Frage:

»Will Wailord Geld von dir haben?«

»Bist du bescheuert? Wailord? Der würde mich verschlucken … aber die … die anderen, die können zu ihm schwimmen.«

Nicke wirft einen Blick über seine Schulter. Kennet wiederholt:

»Und wer will Geld haben?«

»Ariados, das habe ich dir doch schon gesagt«, antwortet der Junge ungeduldig. »Hast du Geld? Ich kann was tun, wenn ich das Geld bekomme. Ich kann dir ein bisschen Kraft geben …«

»Das ist nicht nötig«, erklärt Kennet und zieht sein Portemonnaie heraus. »Reichen zwanzig Kronen?«

Nicke lacht begeistert, stopft den Geldschein in die Tasche und läuft die Straße hinunter, ohne sich von Kennet zu verabschieden.

Kennet bleibt kurz stehen und versucht zu begreifen, was der Junge eigentlich gesagt hat. Er findet keinen Zusammenhang in Nickes Worten, geht dem Jungen dann aber trotzdem hinterher. Als er um die Straßenecke biegt, sieht er Nicke an einer Ampel stehen. Sie wird grün, und der Junge rennt über die Straße. Anscheinend ist er auf dem Weg zu der Bücherei auf dem quadratischen Platz. Kennet folgt ihm über die Straße, stellt sich an einen Bankautomaten und wartet ab. Nicke ist wieder stehen geblieben. Ungeduldig stapft er neben dem Brunnen vor der Bücherei auf und ab. Der Platz ist schlecht beleuchtet, aber Kennet sieht trotzdem, dass Nicke unablässig an der Erde in seiner Hosentasche herumfingert.

Plötzlich geht ein kleinerer Junge direkt durch die Sträucher neben der Zahnärztlichen Ambulanz und tritt auf den Platz hinaus. Er nähert sich Nicke, bleibt vor ihm stehen und sagt etwas. Nicke legt sich sofort auf die Erde und übergibt das Geld. Der Junge zählt es und tätschelt Nickes Kopf. Dann packt er plötzlich Nickes Jackenkragen, schleift ihn zum Rand des Brunnens und presst sein Gesicht ins Wasser. Kennet ist drauf und dran, zu ihnen hinüberzulaufen, zwingt sich jedoch, stehen zu bleiben. Er ist hier, um Benjamin zu finden. Er darf den Jungen nicht verscheuchen, der Wailord sein oder ihn zumindest zu Wailord führen könnte. Kennet bleibt mit zusammengebissenen Zähnen stehen und zählt die Sekunden, bis er eingreifen muss. Nickes Beine zucken und treten ins Leere, und Kennet sieht die unerklärliche Ruhe im Gesicht des anderen Jungen, als er schließlich loslässt. Nicke sitzt neben dem Brunnen auf der Erde und hustet und rülpst. Der Junge gibt Nicke einen letzten Klaps auf die Schulter und geht weg.

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