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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Monsieur Borowski stellte einen ledernen Aktenkoffer für die Obligationen und das Geld zur Verfügung; er würde von einem bewaffneten Kurier getragen werden, der die Bank um 14.30 Uhr verlassen und sich mit Monsieur Borowski eine halbe Stunde später auf dem Pont Neuf treffen würde. Der geschätzte Klient würde sich mit einem kleinen Stück Leder aus der Verkleidung des Koffers ausweisen und dabei die Worte sprechen:»Herr Koenig läßt aus Zürich grüßen.«

So viel zu den Einzelheiten. Kurz vor Aufbruch erklärte Marie St. Jacques:»Es ist uns bewußt, daß die Vorschriften des fiche auf den Buchstaben genau erfüllt werden müssen, und wir gehen davon aus, daß Monsieur d'Amacourt entsprechend verfahren wird. Ebenso klar ist uns, daß der richtige Zeitablauf für Monsieur Borowski günstig sein muß. Darauf legen wir allergrößten Wert. Sollte ihm dieser Vorteil nicht gewährt werden, so fürchte ich, daß ich als bekanntes — wenn auch für den Augenblick anonymes — Mitglied der Internationalen Bankenkommission mich gezwungen sähe, gewisse Abweichungen von den üblichen Usancen des Bankwesens und ebenso von den juristischen Gepflogenheiten zu melden. Ich bin überzeugt, daß das nicht notwendig sein wird; schließlich sind Sie gut bezahlt worden, nicht wahr, Monsieur?«

«Selbstverständlich, Madame! Sie haben nichts zu befürchten.«

«Ich weiß«, sagte Marie.

Borowski untersuchte den Schalldämpfer, um sich zu vergewissern, daß er alle Staubfusseln entfernt hatte, die sich angesammelt hatten. Dann drehte er ihn mit einer ruckartigen Bewegung des Handgelenks am Lauf fest und drückte den Knopf, der das Magazin freigab; es war gefüllt. Zufrieden schob er sich die Waffe in den Gürtel und knöpfte die Jacke zu.

Marie hatte die Waffe nicht gesehen. Sie saß auf dem Bett, mit dem Rücken zu ihm und telefonierte mit dem Attache der kanadischen Botschaft, Dennis Corbelier. Der Rauch einer Zigarette kräuselte vom Aschenbecher neben ihrem Notizbuch empor. Sie notierte sich, was Corbelier ihr mitteilte. Als sie das Gespräch beendet hatte, blieb sie zwei oder drei Sekunden reglos sitzen, den Bleistift noch in der Hand haltend.»Er weiß das von Peter nicht«, sagte sie und wandte sich Jason zu.»Das ist seltsam.«

«Allerdings«, pflichtete Borowski ihr bei.»Ich hätte gedacht, daß er es als einer der ersten erfahren würde. Du sagtest doch, die hätten sich Peters Telefonliste angesehen; er hatte Paris angerufen, Corbelier. Man würde meinen, daß jemand dem nachgegangen ist.«

«Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Ich meinte die Zeitungen, die Nachrichtenagenturen. Peter ist… vor achtzehn Stunden gefunden worden. Er war ein wichtiger Mann in der kanadischen Regierung, wenn ich das auch nicht besonders hervorgehoben habe. Sein Tod an sich ist bereits eine Meldung wert, und die Tatsache, daß er ermordet wurde, noch viel mehr… aber es ist nichts darüber berichtet worden.«

«Rufe heute Abend in Ottawa an. Vielleicht kannst du den Grund erfahren.«

«Das werde ich tun.«

«Was hat Corbelier dir gesagt?«

Maries Blick wanderte zu ihrem Notizbuch.»Die Zulassungsnummer des Wagens vor der Bank in der Rue Madeleine hat nichts gebracht; das Auto ist am Flughafen Charles de Gaulle an einen Jean-Pierre Larousse vermietet worden. Bei der Telefonnummer, die d'Amacourt dir gegeben hat, handelt es sich um die Geheimnummer eines Modehauses an der Rue Saint-Honore: >Les Classiques<. Das ist ein sehr elegantes Geschäft. Es verkauft Haute-Couture-Modelle. Corbelier sagt, in Fachkreisen würde man es das Haus von Rene nennen.«

«Rene?«

«Rene Bergeron, ein Designer. Seit Jahren rechnet man mit seinem großen Durchbruch. Ich kenne ihn, weil meine Schneiderin zu Hause seine Entwürfe kopiert.«

«Hast du die Adresse bekommen?«

Marie nickte.»Warum hat Corbelier das von Peter nicht gewußt? Warum ist in der Presse über seine Ermordung nichts berichtet worden?«

«Vielleicht erfährst du das, wenn du anrufst. Könnte sein, daß es nur an der Zeitverschiebung liegt; die Nachricht kam zu spät für die Frühausgaben hier in Paris. «Als Borowski an den Schrank trat, um seinen Mantel herauszuholen, spürte er das zusätzliche Gewicht in seinem Gürtel.»Ich gehe zur Bank zurück und werde von dort dem Kurier bis zum Pont Neuf folgen. «Er zog den Mantel an und merkte, daß Marie ihm nicht zuhörte.»Das wollte ich noch fragen — tragen diese Leute Uniform?«

«Wer?«

«Geldboten.«

«Der Zeitunterschied würde erklären, warum die Zeitungen noch nichts gebracht haben, aber über die Agenturen müßte die Meldung gelaufen sein. Und Botschaften haben Fernschreiber. Es ist also nichts darüber verlautet worden, Jason.«

«Du kannst heute Abend anrufen«, sagte er.»Ich gehe jetzt.«

«Du hast gefragt, ob Geldboten Uniformen tragen. Meistens ja. Sie fahren auch gepanzerte Lieferwagen, aber für den Fall habe ich klare Anweisungen erteilt: Der Transporter soll einen Häuserblock von der Brücke entfernt abgestellt werden. Der Bote muß die letzten paar hundert Meter zu Fuß gehen.«

«Warum hast du das unbedingt so gewollt?«

«Ein uniformierter Kurier ist schon schlimm genug. Aber das ist notwendig; das verlangen die Versicherungen. Ein gepanzerter Lieferwagen ist einfach zu auffällig; dem könnte man zu leicht folgen. Du willst es dir nicht noch einmal anders überlegen und mich doch mitnehmen?«

«Nein.«

«Glaube mir, nichts wird schiefgehen; das würden diese beiden Diebe nicht zulassen.«

«Dann gibt es auch keinen Anlaß für dich, mich zu begleiten. Ich habe es eilig.«

«Ich weiß. Und ohne mich kommst du schneller voran. «Marie stand auf und ging auf ihn zu.»Ich verstehe. «Sie küßte ihn auf die Lippen und bemerkte plötzlich die Waffe, die er im Gürtel trug. Sie sah ihm in die Augen.»Du machst dir Sorgen, nicht wahr?«

«Nein, ich bin nur vorsichtig. «Er lächelte, tippte sie an.»Es ist wirklich viel Geld. Kann sein, daß wir lange Zeit damit auskommen müssen.«

«Das höre ich gern.«

«Was? Daß es eine Menge Geld ist?«

«Nein. Daß du >wir< sagtest.«

«Du redest in Rätseln.«

«Du kannst nicht Obligationen im Wert von mehr als einer Million Dollar in einem Hotelzimmer aufbewahren. Du brauchst einen Safe.«

«Das können wir morgen erledigen. «Er ließ sie los und wandte sich zur Tür.»Während ich weg bin, kannst du ja >Les Classiques< im Telefonbuch suchen und die normale Nummer anrufen. Stelle fest, wie lange sie geöffnet haben.«

Borowski saß auf dem Hintersitz eines geparkten Taxis und beobachtete den Eingang der Bank durch die

Windschutzscheibe. Der Fahrer summte eine Melodie und las Zeitung, zufrieden über den Fünfzigfrancschein, den er im voraus bekommen hatte. Der Motor des Wagens lief; darauf hatte der Fahrgast bestanden.

Der gepanzerte Lieferwagen war unmittelbar vor Jasons Taxi auf einem für die Bank reservierten Platz abgestellt. Zwei kleine rote Lichter leuchteten plötzlich über dem kreisförmigen kugelsicheren Fenster der Hecktür auf. Das Alarmsystem war eingeschaltet.

Borowski beugte sich vor und beobachtete den uniformierten Mann, der jetzt zur Seitentür herauskletterte und sich durch die zahlreichen Fußgänger auf den Eingang der Bank zubewegte. Er verspürte ein Gefühl der Erleichterung; es war keiner der drei gutgekleideten Herren, die gestern zur Valois-Bank geeilt waren.

Fünfzehn Minuten später kam der Kurier wieder heraus, den ledernen Aktenkoffer in der linken Hand, die rechte auf ein aufgeknöpftes Pistolenhalfter gestützt. Man konnte deutlich den ausgefransten Riß am Kofferdeckel erkennen. Jason fühlte das Lederstück in der Hemdtasche; damit würde er sich ein Leben weit weg von Carlos ermöglichen, wenn es ein solches Leben überhaupt gab und er es ohne des schrecklichen Labyrinths akzeptieren konnte, aus dem er bis jetzt nicht zu entrinnen vermochte.

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