Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Der Doctor schwieg. Er wußte nicht, ob Frau Bathory dem Sohne wiedererzählt hatte, unter welchen Umständen die Verschwörer gefangen genommen worden waren, ob sie vor ihm das Wort Verrath gebraucht hatte. Der junge Mann griff es nicht auf. Frau Bathory hatte allerdings hierüber geschwiegen. Sie wollte jedenfalls das Leben ihres Sohnes vom Haß freihalten und ihn nicht erst auf falsche Fährten leiten, da Niemand die Namen der Verräther kannte.
Der Doctor hielt sich für den Augenblick zu gleicher Zurückhaltung verpflichtet und stand vom weiteren Verfolgen des Gedankens ab.
Er zögerte aber nicht, zu betonen, daß ohne das gemeine Vorgehen des Spaniers, der die vom Fischer Andrea Ferrato aufgenommenen Flüchtlinge verrieth, Graf Mathias Sandorf und Stephan Bathory voraussichtlich den Nachstellungen der Polizei in Rovigno entgangen wären. Wären sie einmal, gleichviel in welcher Richtung, über die österreichischen Grenzen entkommen, so hätten ihnen gewiß alle Thüren offengestanden.
»Bei mir, setzte er hinzu, hätten sie sicher ein Obdach gefunden, in dem sie stets geborgen gewesen wären.
– In welchem Lande, Herr Doctor? fragte Peter.
– Ich wohnte damals auf Cephalonia.
– Ja, ja! Auf den ionischen Inseln, unter dem Schutze Griechenlands wären sie gerettet gewesen und mein Vater noch am Leben.«
Die Unterhaltung wurde einen Augenblick unterbrochen. Die Gedanken schweiften in die Vergangenheit zurück. Der Doctor begann dann von Neuem:
»Ihre Erinnerungen, Herr Peter, haben Sie etwas der Gegenwart entrückt. Wünschen Sie, daß wir jetzt von etwas Anderem, namentlich von Ihrer eigenen Zukunft, wie ich sie mir denke sprechen?
– Ich höre, Herr Doctor, sagte Peter. Aus Ihrem Briefe ersah ich, daß es sich bei dem Besuche bei Ihnen vielleicht um meine eigenen Interessen handeln könnte.
– So ist es, Herr Bathory, und da ich wohl weiß, wie groß die Hingebung Ihrer Frau Mutter während der Jugend ihres Sohnes gewesen ist, da ich auch weiß, daß Sie sich derselben würdig gezeigt haben und nach harten Prüfungen ein Mann geworden sind….
– Ein Mann! erwiderte Peter Bathory mit Bitterkeit. Ein Mann, der noch nicht einmal für sich selbst sorgen, geschweige der Mutter zurückerstatten kann, was sie für ihn gethan hat.
– Mag sein, sagte der Doctor, doch tragen Sie nicht die Schuld. Ich weiß genau, wie schwer es ist, sich bei dieser Concurrenz einen Platz zu verschaffen, während so viele tüchtige Kräfte um so wenige offene Stellungen ringen. Sie sind Ingenieur?
– Ja, Herr Doctor! Ich habe die Akademie mit diesem Titel verlassen, bin aber ungebunden und habe keine Berechtigung zum Staatsdienste. Ich habe versucht, bei irgend einer industriellen Unternehmung anzukommen, aber bis jetzt, wenigstens in Ragusa, nichts gefunden, was mir zusagen könnte.
– Und außerhalb?
– Außerhalb…, erwiderte Peter Bathory und stockte.
– Ja. Sind Sie nicht vor einigen Tagen behufs Meldung zu einer Stellung nach Zara gereist?
– Man hat mir allerdings von einer solchen erzählt, die bei einem metallurgischen Unternehmen offen stehen sollte.
– Und diese Stellung?
– Ist mir auch angeboten worden.
– Sie haben sie nicht angenommen?
– Ich glaubte sie ausschlagen zu müssen, weil ich mich endgiltig in der Herzegowina hätte niederlassen müssen.
– In der Herzegowina? Hätte Frau Bathory Sie dorthin nicht begleiten können?
– Meine Mutter wäre mir gewiß überallhin gefolgt, wohin mein Interesse mich zu gehen genöthigt hätte.
– Warum also haben Sie das Angebotene ausgeschlagen? fragte der Doctor eindringlich.
– In der Lage, in der ich mich augenblicklich befinde, Herr Doctor, meinte Peter, verpflichten mich ernsthafte Gründe, Ragusa nicht zu verlassen.«
Der Doctor bemerkte, daß eine gewisse Verlegenheit in dem Wesen Peter Bathory’s sich bei dieser Antwort geltend machte. Seine Stimme zitterte bei der Offenbarung dieses Wunsches, stärker gesagt dieses Entschlusses, Ragusa nicht zu verlassen. Es konnte nur ein sehr gewichtiger Grund sein, der ihn veranlaßt hatte, die ihm gemachten Vorschläge von der Hand zu weisen.
»– Dann wird auch die Angelegenheit hinfällig, wegen der ich mit Ihnen zu reden hatte, sagte Doctor Antekirtt.
– Es handelt sich um eine Abreise?
– Ja, in ein Land, in dem ich umfangreiche Arbeiten ausführen lassen will. Ich wäre glücklich gewesen, dieselben unter Ihrer Leitung zu wissen.
– Ich bedaure ebenfalls, Herr Doctor, doch glauben Sie mir wohl, daß ich, nachdem ich einmal den Entschluß gefaßt habe…
– Ich glaube es, Herr Peter, und bedaure es vielleicht mehr als Sie! Ich hätte mich gefreut, auf Sie die volle Neigung übertragen zu können, welche ich für den Vater gefühlt habe.«–
Peter Bathory antwortete nicht. Er litt unsäglich durch einen inneren Kampf. Der Doctor fühlte, daß er sprechen wollte, aber es nicht wagte. Und doch zog etwas Unwiderstehliches Peter Bathory zu diesem Manne hin, der so viel Sympathien für seine Mutter und ihn selbst zeigte
»Herr Doctor, sagte er mit nicht zu verhehlender Bewegung, glauben Sie nicht, daß es eine Laune oder Eigensinn von mir ist, wenn ich Ihnen absage. Sie haben zu mir als Freund Stephan Bathory’s gesprochen. Sie beabsichtigten Ihre Freundschaft für ihn auf mich zu übertragen. Auch ich fühle für Sie, Herr Doctor, obgleich ich Sie erst seit wenigen Augenblicken kenne. Ja, Herr Doctor, ich fühle für Sie dieselbe Liebe, welche ich für meinen Vater empfunden habe.
– Peter! Mein lieber Junge! rief der Doctor und ergriff die Hand Peters mit warmem Drucke.
– Ja, Herr Doctor, Ihnen will ich auch Alles sagen. Ich liebe ein junges Mädchen aus dieser Stadt. Doch gibt es zwischen uns Beiden einen Abgrund, denjenigen, der die Armuth vom Reichthume trennt. Ich habe diesen Abgrund nicht sehen wollen und vielleicht hat auch sie nicht an ihn gedacht. So selten ich sie auch am Fenster oder auf der Straße bemerke, so ist das für mich ein Glück, dem ich nicht entsagen kann. Bei der bloßen Idee, daß ich fort von hier muß, und vielleicht auf lange Zeit, werde ich schon schwindlich. Nun, Herr Doctor, begreifen Sie… und verzeihen mir vielleicht meine Weigerung.
– Ich begreife Sie vollkommen, Peter, sagte Doctor Antekirtt, ich habe Ihnen auch nichts zu verzeihen. Sie haben wohl daran gethan, völlig offen zu mir zu sprechen. Eines nur kann vielleicht die ganze Sachlage ändern. Weiß Ihre Mutter schon, was Sie mir soeben erzählt haben?
– Ich habe mit ihr noch nicht davon gesprochen, Herr Doctor. Ich wagte es nicht, weil sie vielleicht in Anbetracht unserer bescheidenen gesellschaftlichen Stellung mir jede Hoffnung genommen hätte. Vielleicht aber hat sie auch schon errathen und begriffen, worunter ich leide und leiden würde.
– Sie haben mir Ihr Vertrauen bewiesen, lieber Peter, und es war gut so. Das junge Mädchen ist also reich?
– Sehr reich! Zu reich! antwortete der junge Mann. Ja, zu reich für mich.
– Und Ihrer würdig?
– Hätte ich je daran denken können, meiner Mutter eine Tochter zuzuführen, die ihrer nicht werth wäre, Herr Doctor?
– Nun, Peter, vielleicht ist der Abgrund noch zu überbrücken.
– Herr Doctor, zeigen Sie mir nicht eine Hoffnung, die nie erfüllbar sein wird.
– Nie erfüllbar?«
Der Ton, in welchem der Doctor das sagte, verrieth ein so großes Selbstvertrauen, daß Peter Bathory sich wie umgewandelt fühlte, daß er sich mit einem Male als Herr über Gegenwart und Zukunft sah.
»Haben Sie Vertrauen zu mir, Peter! Sie werden es als angemessen betrachten, daß ich, um handeln zu können, den Namen des jungen Mädchens erfahren muß.
– Warum sollte ich ihn Ihnen verhehlen, Herr Doctor? antwortete Peter Bathory. Es ist Fräulein Toronthal.«