Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Ein bemerkenswerther Unterschied aber existirte noch zwischen den Thornycrofts und den Fahrzeugen des Doctors. Während dort überhitzter Dampf die fördernde Kraft ist, war es hier die Elektricität, welche mittelst mächtiger, von ihm selbst erfundener Accumulatoren die Triebkraft bildete; er konnte in ihnen den elektrischen Strom mit einer fast unendlich zu nennenden Spannung aufspeichern. Diese Eilschiffe führten sämmtlich den Namen »Electric« und zur Unterscheidung eine fortlaufende Nummer. Es war der »Electric 2«, der an die Bucht von Cattaro beordert wurde.
Nach Ertheilung dieses Befehles wartete der Doctor den Augenblick des Handelns ab. Er ließ gleichzeitig Pointe Pescade und Kap Matifu wissen, daß er ihre Dienste demnächst in Anspruch nehmen würde.
Es ist kaum nöthig, noch hervorzuheben, wie glücklich beide Freunde waren, endlich Beweise ihrer Ergebenheit ablegen zu können.
Eine Wolke nur warf einen Schatten auf die Freude, mit der jene die Botschaft aufnahmen.
Pointe Pescade sollte in Ragusa bleiben, um das Hotel am Stradone und das Haus in der Marinella-Straße zu beobachten, während Kap Matifu den Doctor nach Cattaro begleiten mußte. Eine Trennung also, die erste nach so vielen Jahren, während welcher die Genossen des Elends Seite an Seite gelebt hatten. Kap Matifu zeigte deshalb eine rührende Unruhe, wenn er daran dachte, daß sein kleiner Pescade sich nicht mehr bei ihm befinden würde.
»Geduld, mein Kap, Geduld, sagte Pointe Pescade zu ihm. Es wird nicht lange dauern! Nur die Zeit über, in der das Stück spielen wird, dann ist Alles wieder gut. Wenn ich mich nicht täusche, ist es ein famoses Stück, welches man unter Leitung eines ebenso famosen Directors vorbereitet, der Jedem von uns eine famose Rolle zutheilt… Glaube mir, Dir wird Dein Antheil schon zusagen.
– Du denkst?
– Ich bin dessen gewiß. Den Liebhaber sollst Du allerdings nicht spielen. Dieses Genre liegt nicht in Deiner Natur, obwohl Du teuflisch sentimental bist. Ebenso wenig den Intriguant. Dich hindert daran Deine gutmüthige dicke Gestalt. Nein, Du sollst den guten Genius darstellen, der bei der Lösung des Knotens erscheint, um das Laster zu bestrafen und die Tugend zu belohnen.
– Wie in den Ausstattungsstücken? fragte Kap Matifu.
– Genau so. Ich sehe Dich schon in dieser Rolle, lieber Kap. Gerade, wenn es der Bösewicht am wenigsten erwartet, erscheinst Du mit Deinen breiten geöffneten Händen, und Du brauchst sie nur zu schließen, um das gute Ende herbeizuführen. Wenn auch Deine Rolle nicht sehr groß ist, so ist sie doch sympathisch und Bravos und silbernen Lohn erhältst Du wohlfeil.
– Das wird schon so sein, erwiderte der Hercules, doch vorläufig müssen wir uns trennen!
– Nur für wenige Tage! Versprich mir nur, während meiner Abwesenheit nicht abzumagern. Nimm genau Deine sechs Mahlzeiten zu Dir und mäste Dich, lieber Kap. Und jetzt schließe mich in Deine Arme, oder vielmehr thue nur so wie auf der Bühne, sonst erdrückst Du mich am Ende. Zum Teufel auch, man muß lernen, in dieser Welt Komödie spielen zu können. Umarme mich noch einmal und vergesse nicht Deinen kleinen Pointe Pescade, der niemals seinen dicken Kap Matifu vergessen wird.«
Auf diese Weise nahmen die Freunde rührenden Abschied, als sie sich trennen mußten. Kap Matifu war das Herz in der riesigen Brust nicht wenig beklommen, als er sich allein auf der »Savarena« befand. Noch am selben Tage hatte sich sein Genosse auf Anordnung des Doctors hin in Ragusa einquartiert; sein Auftrag lautete, Peter Bathory nicht aus den Augen zu verlieren, das Hotel Toronthal zu überwachen und sich über Alles im Laufenden zu erhalten.
Während der langen Stunden, die Pointe Pescade im Stadttheile des Stradone zu verbringen hatte, hätte er auf jene Fremde stoßen müssen, die denselben Auftrag wie er zu haben schien. Dieses Zusammentreffen wäre auch zweifellos erfolgt, wenn nicht die Marokkanerin nach Absendung jener Depesche Ragusa verlassen haben würde, um sich an einem vorher verabredeten Orte mit Sarcany zu treffen. Pointe Pescade fühlte sich also in seinen Operationen durchaus nicht genirt und konnte sich seines Auftrages mit seiner gewohnheitsmäßigen Geschicklichkeit entledigen.
Peter Bathory wäre nie auf den Gedanken gekommen, daß er in der allernächsten Nähe beobachtet wurde; er hätte nie geahnt, daß die Augen jener Spionin von denen Pointe Pescade’s abgelöst worden waren. Nach seiner Unterredung mit dem Doctor, nach dem Geständniß, das er ihm abgelegt, fühlte er sich vertrauensseliger als je. Warum hätte er auch jetzt noch die Unterhaltung, die er an Bord der »Savarena« gehabt, der Mutter verheimlichen sollen? Würde sie nicht so wie so in seinen Blicken wie in seiner Seele gelesen haben? Würde sie nicht sofort bemerkt haben, daß eine Veränderung mit ihm vorgegangen war, daß der Kummer, die Verzweiflung in ihm der Hoffnung und dem Glücke Platz gemacht hatten.
Peter Bathory berichtete also Alles seiner Mutter. Er erzählte ihr, wer diese junge Dame war, die er liebe, daß er ihretwegen Ragusa nicht habe verlassen wollen. Ihre gesellschaftliche Stellung mache so gut wie nichts aus. Doctor Antekirtt habe ihm ja gesagt, daß er hoffen könne.
»Also deshalb hast Du so viel gelitten, mein Kind, erwiderte Frau Bathory. Möge Gott Dir beistehen und Dir das volle Glück gewähren, welches Dir bis jetzt gefehlt hat.«
Frau Bathory lebte sehr zurückgezogen in dem Hause der Marinella-Straße. Sie ging mit ihrem alten Diener nur zur Messe, da sie ihre religiösen Pflichten mit der strengen und überzeugten Frömmigkeit der katholischen Ungarn erfüllte. Sie hatte noch nie von der Familie Toronthal reden gehört. Ihr Blick hatte sich noch nie zu dem Hotel erhoben, an dem sie vorüberging, wenn sie sich zur Erlöser-Kirche begab, die mit dem Franziskaner-Kloster verbunden, fast am Eingange zum Stradone liegt. Sie kannte also die Tochter des früheren Banquiers von Triest gar nicht.
Peter mußte sie ihr körperlich und seelisch schildern, ihr sagen, wo er sie zum ersten Male gesehen hatte, woran er erkannte, daß seine Liebe erwidert wurde. Alle diese Einzelheiten berichtete er mit einem Eifer, daß Frau Bathory nicht wenig erstaunt war, in ihrem Sohne ein so zärtliches und leidenschaftliches Gefühl zu entdecken.
Als aber Peter von der Stellung berichtete, welche die Familie Toronthal einnahm, als sie erfuhr, daß das junge Mädchen eine der reichsten Erbinnen Ragusas wäre, konnte sie ihre Besorgniß nicht unterdrücken. Würde der Banquier jemals einwilligen, daß sein einziges Kind die Frau eines Mannes ohne Mittel, ja fast ohne Zukunft würde?
Peter hielt es jedenfalls nicht für nöthig, die Kälte, ja fast die Verachtung zu erwähnen, mit der Silas Toronthal ihn bis jetzt behandelt hatte. Er begnügte sich, die Worte des Doctors zu wiederholen. Dieser hatte betheuert, daß er zum Freunde seines Vaters Vertrauen haben könnte, sogar müßte, daß er für ihn ein geradezu väterliches Wohlwollen empfände, woran Frau Bathory allerdings nicht zweifeln durfte, wußte sie doch, was der Doctor für sie und die Ihrigen bereits hatte thun wollen. Sie glaubte schließlich ebenso wie ihr Sohn und wie Borik, der seine Meinung auch aussprechen zu müssen glaubte, einer guten Hoffnung leben zu können und so war ein Schimmer des Glückes in das bescheidene Haus in der Marinella-Straße eingezogen.
Peter Bathory empfand diese Freude noch, als er am folgenden Sonntage Sarah Toronthal in der Kirche der Franziskaner wiedersah. Das stets traurige Gesicht des jungen Mädchens heiterte sich auf, als sie Peter wie umgewandelt sah. Beide sprachen sich mit den Blicken und verstanden sich. Und als Sarah lebhaft angeregt in ihr Heim zurückkehrte, trug sie ein gutes Theil des Glückes mit hinein, das sie so deutlich auf dem Antlitze des jungen Mannes hatte lagern sehen.
Peter sah den Doctor nicht wieder. Er erwartete eine Einladung, an Bord der Yacht zu kommen. Mehrere Tage verflossen, doch kein zweiter Brief forderte ihn zu einem abermaligen Zusammentreffen auf.