Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
»Der Doctor wird jedenfalls erst Erkundigungen einziehen wollen, überlegte er. Er wird selbst nach Ragusa gekommen sein oder geschickt haben, um sich einige Auskünfte über die Familie Toronthal zu verschaffen…. Vielleicht wollte er auch Sarah erst persönlich kennen lernen…. Ja! Es ist nicht unmöglich, daß er ihren Vater bereits gesehen und diesem von dem Vorfalle Kenntniß gegeben hat…. Eine Zeile von ihm, ein Wort von ihm hätte mir jedenfalls Freude gemacht, namentlich wenn dieses Wort gelautet hätte: Kommen Sie!«
Das Wort kam nicht. Frau Bathory konnte die Ungeduld ihres Sohnes nur schwer zügeln. Er verzweifelte und nun war es ihre Aufgabe, ihm ein wenig Hoffnung zu machen, die sie selbst kaum theilte. Das Haus in der Marinella-Straße stand dem Doctor offen, das mußte er wissen, und trotz des Interesses, das er für Peter fühlte, trotz des Interesses, welches ihm diese Familie einflößte, für welche er schon ein so großes Mitgefühl an den Tag gelegt hatte, schien er nicht zu bewegen zu sein, dasselbe aufzusuchen.
Peter zählte die Stunden und Tage und hatte schließlich nicht mehr die Kraft, sich zu gedulden. Er mußte den Doctor Antekirtt um jeden Preis wiedersehen. Mit unbezwinglicher Gewalt zog es ihn nach Gravosa. An Bord der Yacht würde man seine Ungeduld schon verstehen und seinen Schritt entschuldigen, sollte er selbst voreilig unternommen sein.
Am 7. Juni gegen acht Uhr Morgens verließ Peter seine Mutter, ohne ihr ein Wort von seinem Vorhaben zu sagen. Er verließ Ragusa und ging mit so schnellen Schritten nach Gravosa, daß ihm Pointe Pescade kaum hätte folgen können, wenn dieser nicht eben äußerst flink gewesen wäre. Auf dem Quai angelangt, gegenüber der Stelle, wo die »Savarena« bei seinem letzten Besuche vor Anker gelegen hatte, blieb er betroffen stehen:
Die Yacht war aus dem Hafen verschwunden.
Peter ließ seine Blicke umherschweifen, weil er glaubte, sie hätte nur den Platz gewechselt…. Das Schiff blieb verschwunden.
Er fragte einen Matrosen, der auf dem Quai umherschlenderte, was aus der Yacht des Doctors Antekirtt geworden wäre.
Die »Savarena« wäre am Abend vorher unter Segel gegangen, wurde ihm geantwortet und gerade wie man nicht gewußt hätte, woher sie gekommen, so wüßte man auch nicht, wohin sie gegangen sei.
Die Yacht fort! Doctor Antekirtt ebenso geheimnißvoll wieder verschwunden wie aufgetaucht!
Peter Bathory ging nach Ragusa zurück, diesmal in größerer Verzweiflung als je.
Der »Electric 2« ankerte in der Entfernung einiger Längen von Cattaro. (S. 242.)
So viel ist gewiß, wenn Peter Bathory eine Ahnung davon gehabt hätte, daß die Yacht nach Cattaro gesegelt war, so wäre er ihr unbedingt nachgeeilt. Allerdings wäre diese Reise ganz nutzlos gewesen. Denn die »Savarena« war nicht in die Bucht eingelaufen. Der Doctor hatte sich in der Begleitung Kap Matifu’s durch eines seiner Boote ans Land setzen lassen, die Yacht selbst aber war sogleich wieder nach einem unbekannten Bestimmungsorte in See gegangen.
Die Anderen ließen einen kleinen Hammel schmoren. (S. 247.)
Es gibt in ganz Europa, vielleicht in allen alten Erdtheilen, keinen sonderbareren Ort als die Art der Zusammenstellung von Land und Wasser, die man die Bocche di Cattaro nennt.
Cattaro ist durchaus kein Fluß, wie man vielleicht zu glauben geneigt ist, sondern eine Stadt mit dem Sitze eines Bischofs, die man überdies zur Kreishauptstadt ernannt hat. Unter der Bezeichnung der Bocche versteht man sechs Baien: dieselben liegen hintereinander und sind durch schmale Canäle mit einander verbunden; um sie zu passiren, gebraucht man sechs Stunden. Von dieser Kette von kleinen Seen, die sich um die Ufergebirge reiht, bildet das letzte Glied zu Füßen des Berges Norri die Grenze des österreichischen Reiches. Jenseits desselben beginnt das montenegrinische Gebiet.
Am Eingange zu diesen Mündungen also ließ sich der Doctor nach einer schnellen Ueberfahrt ausschiffen. Dort erwartete ihn ein von elektrischen Motoren bedientes Schnellboot, das ihn zur innersten Bai brachte. Nachdem er das Vorgebirge von Ostro umsegelt hatte, an Castelnuovo vorübergekommen war, an Panoramen von Ortschaften und Capellen links und rechts, an Stolivo, Risano, Perasto, einem berühmten Wallfahrtsorte, wo die dalmatinischen Trachten sich schon mit denen der Türken und Albanesen zu mischen beginnen, langte er von einem See zum andern im letzten Kreise an, in dessen Hintergrunde Cattaro sich erhebt.
Der »Electric 2« ankerte in der Entfernung einiger Längen vor der Stadt, auf diesen dunklen, schläfrigen Gewässern, welche kein Luftzug an diesem schönen Juniabend bewegte.
Der Doctor nahm indessen nicht an Bord Wohnung. Er wollte jedenfalls nicht, behufs besserer Ausführung der jüngst gefaßten Pläne, daß man ihn als den Besitzer jenes Fahrzeuges kannte. Er landete also in Cattaro selbst, um in einem der dortigen Hotels ein Unterkommen zu suchen, Kap Matifu mußte ihn begleiten.
Das Boot, das sie hergeführt hatte, verlor sich in der Dunkelheit rechts vom Hafen, wo es sich hinter einem Ufervorsprunge verbarg. In Cattaro konnte der Doctor ebenso unbemerkt weilen, als wenn er sich in dem verstecktesten Winkel der Erde verborgen hätte. Denn den Bocchesen, den Einwohnern dieses reichen Districtes von Dalmatien, von Abstammung Slaven, konnte kaum die Anwesenheit eines Fremden auffallen.
Von der Bai aus scheint es, als ob die Stadt Cattaro in eine mächtige Höhlung des Berges Norri hineingebaut worden sei. Ihre vordersten Häuser bilden einen jedenfalls dem Meere abgewonnenen Quai im Hintergrunde der zugespitzten Ecke des kleinen Sees, dessen letzter Ausläufer sich tief in den massigen Gebirgsstock hinein erstreckt. An der Spitze dieses, durch seine schönen Bäume mit den dahinterliegenden grünen Abhängen einen sehr heiteren Anblick gewährenden Trichters, legen stets die Packetboote des Lloyd und die großen Küstenfahrzeuge des Adriatischen Meeres an.
An jenem Abend beschäftigte sich der Doctor nur damit, eine passende Wohnung für sich zu suchen. Kap Matifu folgte ihm, ohne gefragt zu haben, wo man sich denn eigentlich befände. Es war ihm ganz gleichgiltig, ob man in Dalmatien oder in China war. Wie ein treuer Hund folgte er seinem Herrn, wohin dieser ging. Er war nur ein Werkzeug, eine gehorsame Maschine, eine Maschine zum Drehen, Bohren, Stoßen, die der Doctor in Betrieb setzen konnte, wann es ihm beliebte.
Beide durchschritten den in Rautenform angelegten Quai und die befestigte Umwallung von Cattaro; dann gelangten sie in eine Folge schmaler und bergiger Straßen, in welchen eine Bevölkerung von vier-bis fünftausend Menschen durcheinanderwimmelt. Man schloß gerade das Meerthor, dasjenige, welches mit Ausnahme der Tage, an denen die Packetboote einlaufen, nur bis acht Uhr Abends offen bleibt.
Der Doctor hatte es bald heraus, daß sich kein einziges Hotel in der Stadt befand. Man mußte also irgend Jemandes habhaft werden, der geneigt war, ein Gemach abzutreten, was übrigens die Hauseigenthümer von Cattaro gegen gute Bezahlung sehr gern thun.
Ein Vermiether fand sich, eine Wohnung ebenfalls. Der Doctor sah sich bald in einer ziemlich sauberen Straße, im Erdgeschosse eines für seine und Kap Matifu’s Bedürfnisse ausreichenden Hauses einquartiert. Vor allen Dingen wurde vereinbart, daß Kap Matifu von dem Besitzer gespeist wurde und trotzdem dieser einen ungewöhnlich hohen Preis hierfür verlangte, der allerdings in. Anbetracht der enormen Leibesstärke des neuen Gastes berechtigt war, wurde diese Angelegenheit zur Zufriedenheit beider Theile erledigt. Doctor Antekirtt behielt sich das Recht vor, seine Mahlzeiten außerhalb des Hauses einnehmen zu können.
Er begann am nächsten Tage, nachdem er Kap Matifu die Erlaubniß gegeben, über seine freie Zeit nach Belieben zu verfügen, seine Promenade mit einem Gange zur Post, um zu fragen, ob Briefe oder Depeschen unter gewissen verabredeten Zeichen für ihn eingetroffen wären. Es war noch nichts angelangt. Er verließ dann die Stadt, um sich in ihrer Umgebung umzusehen. Er fand bald eine passende Gastwirthschaft, in welcher sich gewöhnlich die Gesellschaft Cattaros zu treffen pflegt, österreichische Officiere und Beamten, die sich hier wie in der Verbannung, noch stärker gesagt, wie im Gefängniß vorkommen.