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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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Als am folgenden Tage der Doctor diesen Brief empfing, dessen Aufschrift er zuerst betrachtete, zuckte nicht ein Muskel in seinem Gesicht. Er las ihn bis zur letzten Zeile, aber nichts verrieth, welcher Natur seine Ueberlegung war, die durch den Brief in ihm wachgerufen wurde.

Welche Antwort war hier die richtige? Sollte er die ihm gebotene Gelegenheit, in das Haus Toronthal’s zu dringen, benützen und sich mit der Familie des Banquiers in Verbindung setzen? Konnte andererseits die Art und Weise, wie er das Haus des Banquiers betreten würde, selbst in seiner Stellung als Arzt, ihm genehm sein?

Der Doctor schwankte nicht. Er warf nur wenige Worte auf das Papier, welches dann dem Diener Toronthal’s eingehändigt wurde. Dieselben lauteten:

»Doctor Antekirtt bedauert, seine Sorgfalt Frau Toronthal nicht widmen zu können. Er ist kein europäischer Arzt.«

Weiter nichts.

Als der Banquier diese lakonische Antwort erhielt, zerknitterte er das Briefpapier mit der Geberde lebhaften Unwillens. Es war mehr als augenscheinlich, daß der Doctor nicht in Verbindung mit ihm zu treten wünschte. Die Absage ließ deutlich genug durchschimmern, daß diese eigenartige Persönlichkeit ihren unwiderruflichen Entschluß bereits gefaßt hatte.

»Und wenn er selbst kein europäischer Arzt ist, sagte er bei sich, warum wollte er es für Frau Bathory sein… vorausgesetzt, daß er sich als Doctor bei ihr eingeführt hat?… Was hätte er auch sonst dort zu thun?… Was können die Beiden miteinander haben?«

Diese Ungewißheit folterte Silas Toronthal, dessen ruhiges Leben durch die Anwesenheit des Doctors in Gravosa vollständig in Unordnung gerathen war und voraussichtlich so lange gestört blieb, als die »Savarena« im Hafen ankerte. Er sagte übrigens seiner Frau und seiner Tochter nichts von dem erfolglosen Schritte, den er gethan. Er zog es vor, das Geheimniß seiner sehr begründeten Unruhe für sich zu behalten, hörte aber nicht auf, den Doctor auch ferner überwachen zu lassen, um über alle Schritte unterrichtet zu sein, die dieser von Gravosa nach Ragusa noch machen würde.

Schon am nächsten Tage gab ihm ein neuer Vorfall Grund zu nicht weniger ernster Besorgniß.

Peter Bathory war entmuthigt von Zara zurückgekehrt. Er hatte sich betreffs der ihm angebotenen Stellung nicht einigen können, welche die Leitung eines bedeutenden metallurgischen Hüttenwerkes in der Herzegowina betraf.

»Die Bedingungen waren nicht annehmbar,« begnügte er sich seiner Mutter zu sagen.

Frau Bathory sah den Sohn an, wollte aber nicht fragen, weshalb die Bedingungen nicht annehmbar waren. Dann überreichte sie ihm den während seiner Abwesenheit für ihn eingelaufenen Brief.

Es war derselbe, durch den Doctor Antekirtt Peter Bathory aufforderte, zu ihm an Bord der »Savarena« zu kommen, um sich mit ihm über eine Angelegenheit zu unterhalten, deren Kenntniß für ihn gewiß von Interesse sein würde.

Peter Bathory reichte den Brief seiner Mutter. Dieses vom Doctor ausgehende Anerbieten konnte sie nicht überraschen.

»Ich war darauf gefaßt, sagte sie.

– Sie erwarteten diesen Vorschlag, Mutter? fragte der über diese Antwort nicht wenig erstaunte junge Mann.

– Ja, Peter. Der Doctor Antekirtt war während Deiner Abwesenheit bei mir.

– Wissen Sie, wer dieser Mann ist, von dem man seit Kurzem in Ragusa so viel spricht?

– Nein, mein Sohn. Doctor Antekirtt kannte Deinen Vater, er war ein Freund des Grafen Sandorf und führte sich als solcher bei mir ein.

– Welche Beweise hat Ihnen dieser Doctor gegeben, Mutter, daß er wirklich der Freund meines Vaters gewesen ist?

– Keine! erwiderte Frau Bathory, die nicht von der Uebersendung der hunderttausend Gulden sprechen wollte, was der Doctor vor dem jungen Manne ebenfalls geheim halten sollte.

– Und wenn er irgend ein Schleicher, ein Spion, ein Agent Oesterreichs ist? fragte Peter Bathory.

– Du wirst ihn richtig beurtheilen, mein Sohn.

– Sie rathen mir also zu ihm zu gehen?

– Ja, ich rathe es Dir. Man darf einen Mann nicht bei Seite schieben, welcher auf Dich die ganze Freundschaft, die er für Deinen Vater gefühlt, übertragen will.

– Was hat er aber in Ragusa zu suchen? Welche Absichten führen ihn in unser Land?

– Vielleicht denkt er daran, hier irgend etwas zu erwerben, erwiderte Frau Bathory. Er gilt für ungeheuer reich und es ist möglich, daß er Dir eine Deiner würdige Stellung anbieten will.

– Ich werde zu ihm gehen, liebe Mutter, und hören, was er will.

– Gehe noch heute zu ihm, mein Sohn, und statte ihm gleichzeitig den Besuch ab, den ich ihm schuldig bleiben muß.«

Peter Bathory umarmte seine Mutter. Er drückte sie lange an seine Brust. Ein Geheimniß schien ihn zu bedrücken, das er nicht zu offenbaren wagte. Konnte es in seinem Herzen etwas Schmerzliches, Gewichtiges geben, das er seiner Mutter nicht anvertrauen durfte?

»Mein armes Kind,« sagte Frau Bathory unhörbar.

Es war in der ersten Stunde Nachmittags, als Peter den Stradone hinab nach dem Hafen von Gravosa ging.

Als er am Hause Toronthal’s vorüberging, blieb er einen Augenblick stehen, nur einen Augenblick. Seine Blicke schweiften zu einem der runden Pavillons hinüber, dessen Fenster sich nach der Straße öffneten. Die Vorhänge waren heruntergelassen. Wenn das Haus unbewohnt gewesen wäre, hätte es auch nicht verschlossener erscheinen können.

Peter Bathory nahm seinen Marsch, den er mehr verlangsamt als unterbrochen hatte, von Neuem auf. Seine Bewegungen entgingen aber nicht den Blicken einer Frau, die auf der anderen Seite des Stradone auf und ab ging.

Sie war eine hochgewachsene Person. Ihr Alter?… Zwischen vierzig und fünfzig Jahre. Ihr Schritt?… Gemessen, fast mechanisch, als wäre Alles an ihr aus einem Stück. Diese Fremde – daß sie es war, ließ sich leicht an ihren braunen, dichtgelockten Haarflechten und ihrem marokkanischen Teint erkennen – war in einen dunkelfarbigen Mantel gehüllt, dessen Kapuze über das mit Zechinen geschmückte Haupt gezogen war. War es eine Zigeunerin, ein Wesen ägyptischer oder indischer Abstammung? Man hätte es mit Bestimmtheit nicht sagen können, da so viele Typen sich ähneln. Jedenfalls aber bat sie nicht um Almosen und hätte wahrscheinlich auch keine angenommen, wenn man sie ihr gereicht haben würde. Sie war da, um auf eigene Rechnung oder im Auftrage eines Anderen zu überwachen und auszuspioniren, sowohl was im Hause Toronthal als auch in der Marinella-Straße vor sich ging.

Sobald sie den jungen Mann gesehen hatte, der durch den Stradone auf Gravosa zu weiterging, folgte sie ihm so, daß sie ihn nicht aus den Augen verlieren konnte, doch auch so geschickt, daß ihr Geleit nicht auffällig wurde. Peter Bathory war auch viel zu sehr in Gedanken versanken, als daß er hätte bemerken können, was hinter ihm vorging. Als er vor dem Hotel Silas Toronthal’s seinen Schritt verlangsamte, that sie es ebenfalls. Als er weiterschritt, folgte sie ihm, indem sie ihre Schritte nach den seinen regelte.

An der ersten Umwallung Ragusas angelangt, durchschritt Peter Bathory dieselbe schnell, entfernte sich aber dadurch nicht von der Fremden. Jenseits des Ausfallthores fand sie ihn auf der Straße nach Gravosa wieder und ging in einer Entfernung von zwanzig Schritt durch die mit Bäumen bepflanzte Nebenallee hinter ihm her.

Zu derselben Zeit fuhr Silas Toronthal im offenen Wagen nach Ragusa zurück. Er mußte sich also nothwendigerweise mit Peter Bathory unterwegs kreuzen.

Als die Marokkanerin Beide sah, blieb sie stehen. Sie glaubte vielleicht, daß Einer sich dem Anderen nähern würde. Ihr Blick entzündete sich und sie sachte hinter einem dicken Baume Schutz. Wenn selbst die zwei Männer mit einander sprachen, wie hätte sie das hören sollen?

Doch geschah nichts derartiges. Silas Toronthal hatte Peter Bathory in einer Entfernung von zwanzig Schritt sich nähern gesehen. Diesmal antwortete er ihm nicht einmal mit einem Gruße von oben herab, wie auf dem Quai von Gravosa in Begleitung seiner Tochter, wo er sich schon dazu bequemen mußte. Er wandte in dem Augenblicke, als der junge Mann den Hut zog, den Kopf fort und sein Wagen trug ihn schnell nach Ragusa hinein, an Peter vorüber.

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