Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Als Bierkosterin in diversen Pubs«, fragte Barbara. »Oder als Hotelkritikerin? Das glaube ich nicht. Hören Sie doch maclass="underline" Catherine Wheel, King's Head, Fox and Glove, Claridge's- hey, das tanzt aus der Reihe. Was halten Sie davon? Wenn Sie mich fragen, waren das heimliche Verabredungen.«
»Nur ein Hotel?«
»Nein, hier sind noch andere. Das Astoria, das Lords of the Manor, das Le Meridien. In London und außerhalb. Sie
hatte eine heimliche Beziehung mit jemandem, Inspector, und bestimmt nicht mit Wiley.«
»Rufen Sie die Hotels an und fragen Sie, ob sie dort ein Zimmer gebucht hatte.«
»Puh! Stupider geht's nicht.«
»Tja, das sind die Freuden des Jobs.«
Während Barbara die Anrufe machte, setzte sie die Inspektion von Eugenie Davies' Schreibtisch fort. In den Schubladen fand sie Büromateriaclass="underline" Visitenkarten, Briefumschläge und Schreibpapier, Locher und Heftmaschine, Gummibänder, Büroklammern, Schere, Stifte und Kugelschreiber. In Mappen waren Verträge mit Lieferanten von Lebensmitteln, Möbeln, Computern und Kopiergeräten aufbewahrt. Etwa zur gleichen Zeit, als sie vom ersten der Hotels hörte, dass man dort von einem Gast namens Eugenie Davies nichts wisse, war klar, dass der Schreibtisch nichts Persönliches enthielt.
Sie wandte ihre Aufmerksamkeit dem Eingangskorb zu, während Lynley den Computer einschaltete.
Die Durchsicht des Eingangskorbs war, wie Barbara schnell feststellte, nicht viel ergiebiger als die Anrufe bei den Hotels. Sie fand drei Mitgliedschaftsanträge darin - alle von Witwen in den Siebzigern - und diverse Entwürfe zur Bekanntmachung kommender Klubaktivitäten. Barbara pfiff leise durch die Zähne, als sie sah, was der Verein seinen Mitgliedern zu bieten hatte. Gerade in der bevorstehenden Weihnachtszeit wartete eine beeindruckende Auswahl an Veranstaltungen auf die Senioren, von einer Busfahrt mit Abendessen nach Bath bis zum großen Silvesterball. Es gab Cocktailpartys, Abendessen mit Tanz, Ausflüge und eine Mitternachtsmesse am Heiligen Abend für die »alten Herrschaften«, die offensichtlich nicht an einem ruhigen Lebensabend interessiert waren.
Hinter sich hörte sie die Summ- und Pieptöne von Eugenie Davies' erwachendem Computer. Sie stand auf und ging zum Aktenschrank, und Lynley nutzte die Gelegenheit, um es sich in dem Sessel bequem zu machen, den sie ihm überlassen hatte. Während er ihn zum Computer drehte, öffnete Barbara die oberste Schublade des Aktenschranks, der nicht abgeschlossen war, und begann, die Hefter durchzusehen. Sie fand vor allem Korrespondenz mit anderen Seniorenorganisationen in Großbritannien, jedoch auch Unterlagen des staatlichen Gesundheitsdiensts, eines Reise- und Studienprogramms, über diverse Altersleiden wie Alzheimerkrankheit und Osteoporose und über Rechtsfragen bei Erbangelegenheiten und die Einrichtung von Treuhandfonds und Geldanlagen. In einer Mappe lagen Briefe erwachsener Kinder von Klubmitgliedern, größtenteils Dankesbriefe, in denen gewürdigt wurde, was der Verein dazu getan hatte, Mutters oder Vaters Lebensfreude wieder zu wecken. Ein paar Schreiber waren nicht so ganz einverstanden mit der Verbundenheit der Mutter oder des Vaters mit einer Organisation, die mit der Familie nichts zu tun hatte. Die Briefe dieser Gruppe nahm Barbara heraus und legte sie auf den Tisch. Möglicherweise hatte Mamas oder Papas plötzliche Zuneigung zur Leiterin des Klubs einen Angehörigen beunruhigt; man konnte schließlich nie wissen, wohin solche Anhänglichkeit führte. Sie sah die Briefe noch einmal durch, um sich zu vergewissern, dass keiner mit Wiley unterschrieben war, und fand nichts. Aber das hieß natürlich nicht, dass der Major nicht eine verheiratete Tochter hatte, die an Eugenie geschrieben hatte.
Eine der Mappen war besonders interessant. Sie enthielt zahlreiche Fotografien, die bei Klubveranstaltungen aufgenommen worden waren. Major Wiley war häufig auf diesen Fotos zu finden und meist in Gesellschaft einer Frau, die entweder seinen Arm eisern umklammert hielt oder ihm fast die Gurgel abdrückte oder auf seinem Schoß saß. Georgia Ramsbottom. Der liebe Teddy! Aha, dachte Barbara. Sie sagte: »Inspector«, und im selben Moment sagte Lynley: »Ich glaube, hier haben wir etwas, Havers.«
Mit den Fotos in der Hand trat sie zum Computer. Lynley hatte sich ins Internet eingeloggt und Eugenie Davies' E-Mail auf den Bildschirm geholt.
»Hatte sie kein Passwort?«, fragte Barbara, als sie ihm die Bilder reichte.
»Doch«, antwortete Lynley. »Aber es war leicht zu erraten.«
»Der Name eines der Kinder?«
»Sonia«, sagte er, und gleich darauf: »Ach, verdammt!«
»Was ist denn?«
»Hier ist nichts.«
»Dabei wäre uns doch ein Drohbrief so gelegen gekommen. Schade.«
»Ich verstehe das nicht«, sagte Lynley, den Blick auf den Bildschirm gerichtet. »Hier ist überhaupt nichts. Wissen Sie, wie man E-Mails zurückverfolgt? Ist es möglich, dass irgendwo alte E-Mails versteckt sind?«
»Das fragen Sie mich? Wo ich mich gerade erst ans Handy gewöhnt habe?«
»Wir müssen sie finden, wenn welche da sind.«
»Dann müssen wir den Computer mitnehmen«, sagte Barbara.
»In London macht uns das bestimmt jemand im Handumdrehen.«
»Ja, bestimmt«, stimmte Lynley zu. Er sah die Fotos durch, die sie ihm in die Hand gedrückt hatte, aber er wirkte zerstreut.
»Georgia Ramsbottom und der liebe Teddy waren anscheinend eine Zeit lang ein Paar«, sagte Barbara.
»Sechzigjährige Frauen, die sich gegenseitig totfahren?«, erkundigte sich Lynley.
»Warum nicht?«, meinte Barbara. »Es würde mich interessieren, ob ihr Wagen eine Delle hat.«
»Irgendwie bezweifle ich das«, sagte Lynley.
»Aber wir sollten nachsehen. Ich finde, wir dürfen nicht-«
»Ja, ja, wir überprüfen es. Der Wagen steht bestimmt auf dem Parkplatz.« Aber sein Ton war desinteressiert, und es gefiel Barbara gar nicht, wie er die Fotos, ohne ihnen weitere Beachtung zu schenken, aus der Hand legte und sich entschlossen wieder dem Computer zuwandte. Er loggte sich aus, schaltete das Gerät ab und ging daran, die Stecker herauszuziehen. »Wir werden Mrs. Davies' Spur im Internet verfolgen«, sagte er. »Kein Mensch geht online, ohne Fußstapfen zu hinterlassen.«
»Sahnehöschen.« Chief Inspector Eric Leach verzog keine Miene. Er war seit sechsundzwanzig Jahren bei der Polizei und wusste längst, dass man in diesem Metier ein gewaltiger Dummkopf sein musste, um sich einzubilden, man hätte alles gehört und gesehen, was die lieben Mitmenschen an Abartigkeiten zu bieten hatten. Dennoch - das hier war ein echter Kracher. »Sagten Sie Sahnehöschen, Mr. Pitchley?«
Sie befanden sich in einem Vernehmungszimmer der Polizeidienststelle: J. W. Pitchley, sein Anwalt - ein Zwerg namens Jacob Azoff mit üppig behaarten Nasenlöchern und einem großen Kaffeefleck auf der Krawatte -, ein Constable namens Stanwood und Leach, der die Vernehmung leitete, dabei Halspastillen lutschte und sich missmutig fragte, wann sein Immunsystem sich endlich darauf einstellen würde, dass er wieder ein Singledasein führte. Nur ein langer Abend im Pub und sämtliche der Wissenschaft bekannte Viren fielen über ihn her.
Pitchleys Anwalt hatte keine zwei Stunden vor dieser Sitzung angerufen. Sein Mandant wolle eine Aussage machen, hatte er Leach kurz mitgeteilt, und wünsche die Garantie, dass diese absolut vertraulich behandelt würde. Mit anderen Worten, Pitchley wolle auf keinen Fall, dass die Presse von seinem Namen Wind bekomme, und wenn auch nur die geringste Gefahr bestünde, dass man der Presse seinen Namen mitteilen würde… und so weiter und so fort. Gähn, gähn.
»Er kennt das Verfahren«, hatte Azoff in bedeutungsschwerem Ton gesagt. »Wenn wir also zu einer Vereinbarung bezüglich der Vertraulichkeit dieses Gesprächs gelangen können, Chief Inspector, dann denke ich, können Sie sich darauf verlassen, dass mein Mandant sich aufrichtig bemühen wird, Ihnen bei Ihren Ermittlungen behilflich zu sein.«