Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
zurückzukommen.
Eigenartige Antwort, dachte Barbara, eigenartige Reaktion. Und sie wurde sich bewusst, wie sehr sie in ihrer Erwartung seiner Reaktion auf die bevorstehende Vaterschaft vom Stereotyp ausgegangen war. Der Mann stammte aus einer alten vornehmen Familie. Er war von Adel - auch wenn so ein Titel heute ein Anachronismus war -, und es gab einen Familienstammsitz, den er mit Anfang zwanzig geerbt hatte. Von so einem Zeitgenossen erwartete man doch, dass er möglichst umgehend nach der Eheschließung einen Erben produzierte, oder nicht? Und er müsste jetzt eigentlich froh und glücklich sein, seine Pflicht so prompt erfüllt zu haben.
Mit einem Stirnrunzeln warf sie den Stummel ihrer Zigarette auf die Straße, wo er in einer Pfütze landete und erlosch. Wahnsinn, was man alles über Männer nicht weiß, dachte sie.
Der Sixty Plus Club hatte seine Räume in einem bescheidenen kleinen Bau neben einem Parkplatz in der Albert Road, und Barbara und Lynley wurden bei ihrem Eintritt sofort von einer Rothaarigen mit Pferdegebiss in Empfang genommen, die irgendetwas Duftiges anhatte, das mehr einem Gartenfest entsprach als dem grauen Novembertag. Mit zähnefletschendem Lächeln stellte sie sich als Georgia Ramsbottom vor, Schriftführerin des Vereins, »im fünften Jahr in Folge gewählt und stets einstimmig«. Ob sie ihnen behilflich sein könne? Gehe es vielleicht um Vater oder Mutter, die sich scheuten, sich persönlich über das Angebot des Klubs zu informieren? Oder gehe es um einen Vater, der den Tod der geliebten Frau nicht verwinden könne? Oder eine kürzlich verwitwete Mutter?
»Die älteren Herrschaften« - zu denen sie sich selbst offensichtlich nicht zählte, wenn auch die straff gespannte, glänzende Haut ihres Gesichts Bände sprach über ihren erbitterten Kampf gegen das Alter - »lassen sich manchmal gern etwas Zeit, wenn es daran geht, gewisse Änderungen im Leben vorzunehmen, nicht wahr?«
»Nicht nur die älteren Herrschaften«, erwiderte Lynley charmant, zog seinen Dienstausweis heraus und nannte seinen und Barbaras Rang und Namen.
»Ach, du meine Güte. Entschuldigen Sie vielmals. Ich hatte ja keine Ahnung…« Georgia Ramsbottom senkte die Stimme. »Sie sind von der Polizei? Ich weiß gar nicht, ob ich da der richtige Ansprechpartner für Sie bin. Ich bin ja nur gewählt.«
»Fünf Jahre in Folge«, bemerkte Barbara. »Glückwunsch!«
»Gibt es denn etwas…? Aber da sprechen Sie am besten mit unserer Leiterin, denke ich. Sie ist nur leider noch nicht im Haus - ich weiß nicht, warum, ich kann nur sagen, dass Eugenie häufig auch anderweitig dringend gebraucht wird -, aber ich kann sie zu Hause anrufen, wenn Sie so freundlich wären, inzwischen im Spielzimmer zu warten.«
Sie zeigte auf die Tür, durch die sie selbst zur Begrüßung herausgekommen war. In dem Raum dahinter saßen an kleinen Tischen Vierergruppen beim Kartenspiel, Paare beim Schach oder Damespiel, und ein Mann saß allein da und legte Patience, und nach seinem unterdrückten Schimpfen zu urteilen, ganz ohne die Geduld, die das Spiel erfordert. Georgia Ramsbottom trat zu einer geschlossenen Tür mit einem Milchglasfenster, auf dem »Klubleitung« stand. »Ich geh nur rasch ins Büro und rufe sie an.«
»Ich nehme an, Sie sprechen von Mrs. Davies«, sagte Lynley.
»Eugenie Davies, ja. Wenn sie nicht in einem ihrer Pflegeheime zu tun hat, ist sie eigentlich immer hier. Sie ist die Güte selbst. So großherzig, wissen Sie. Ein Vorbild an…« Ihr schien nichts einzufallen, und sie fuhr fort: »Aber wenn Sie sie suchen, dann wissen Sie wohl schon . ? Ich meine, von dem Ruf der Wohltätigkeit, den sie genießt. Sonst .«
»Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Mrs. Davies tot ist«, sagte Lynley.
»Tot?« Georgia Ramsbottom starrte Lynley und Barbara fassungslos an. »Eugenie ist tot?«
»Ja. Es ist gestern Abend geschehen. In London.«
»In London? War sie…? Mein Gott, was ist denn passiert? Weiß Teddy schon Bescheid?« Ihr Blick flog zur Haustür. Man sah ihr an, dass sie am liebsten sofort losgerannt wäre, um Major Wiley die schlechte Nachricht zu überbringen. »Er und Eugenie«, erklärte sie hastig und leise, als fürchtete sie, die Kartenspieler im Zimmer nebenan könnten lauschen, »sie waren… Na ja, sie haben es beide nie direkt gesagt, aber das war typisch für Eugenie, wissen Sie. Die Diskretion in Person. Sie war nicht ein Mensch, der sich jedem gleich mitteilte. Aber wenn die beiden zusammen waren, konnte jeder sehen, dass Ted ganz bezaubert war von ihr. Und mich hat das für die beiden herzlich gefreut, das können Sie mir glauben. Ich war nämlich selbst eine Zeit lang mit Ted zusammen, gleich am Anfang, als er nach Henley kam, aber ich merkte, dass er nicht ganz der Richtige für mich war, und darum war ich, als ich ihn dann Eugenie überließ, überglücklich zu sehen, dass es bei den beiden sofort funkte. Tja, das ist eben die Chemie, nicht wahr? Dieses gewisse Etwas, das zwischen ihm und mir nicht gestimmt hat. Sie kennen das ja sicher.« Wieder zeigte sie ihre großen Zähne. »Der arme Ted. Er ist ein so reizender Mensch. Bei allen im Klub sehr beliebt.«
»Er weiß von Mrs. Davies' Tod«, sagte Lynley. »Wir haben mit ihm gesprochen.«
»Ach, der Arme. Zuerst seine Frau und jetzt das. Mein Gott!«
Sie seufzte. »Du meine Güte. Ich muss es den anderen sagen.«
Barbara konnte sich vorstellen, mit welchem Genuss sie diese Pflicht übernehmen würde.
»Haben Sie etwas dagegen, wenn wir Mrs. Davies' Büro benutzen?« Lynley wies mit einer Kopfbewegung auf die geschlossene Tür.
»Aber nein. Nein, gar nicht. Es ist bestimmt nicht abgeschlossen. Es ist immer offen. Wegen des Telefons. Es steht im Büro, und wenn Eugenie nicht hier ist, muss natürlich jemand rangehen können, wenn es klingelt. Einige unserer Mitglieder haben Partner im Pflegeheim, und ein Anruf kann ja immer . « Sie hüllte sich in vielsagendes Schweigen, öffnete die Tür zum Büro und forderte Barbara und Lynley mit einer Handbewegung auf, einzutreten. »Darf ich Sie etwas fragen?«, sagte sie.
Lynley blieb an der Tür stehen und drehte sich nach der Frau um, während Barbara an ihm vorbeiging, zum Schreibtisch trat und sich dort in den Sessel setzte. Auf dem Schreibtisch lag ein Terminkalender, den sie näher zu sich heranzog. An der Tür sagte Lynley: »Ja?«
»War Ted… ich meine, ist er…« Sie bemühte sich angestrengt, mit Grabesstimme zu sprechen. »Hat es Ted sehr getroffen, Inspector? Wir sind so gute Freunde, wissen Sie, und ich überlege, ob ich ihn nicht gleich mal anrufen soll? Oder ob ich besser bei ihm vorbeigehe, um ihm Beistand zu leisten?«
Heiliger Strohsack, dachte Barbara. Die Leiche ist noch nicht mal kalt! Aber wenn unversehens ein Mann auf den Markt kommt, darf man vermutlich keine Zeit verlieren. Während Lynley höflich und wohlerzogen darüber sprach, dass nur ein Freund beurteilen könne, ob ein Anruf oder Besuch angebracht sei, und Georgia Ramsbottom sich verzog, um dies zu bedenken, nahm Barbara sich Eugenie Davies' Terminkalender vor. Ihm zufolge hatte die Leiterin des Altenklubs eine Menge zu tun gehabt mit Ausschusssitzungen des Vereins, Besuchen bei Institutionen mit Namen Tannenruh, Flussblick und Unter den Weiden, allem Anschein nach Pflegeheime, Verabredungen mit Major Wiley - jeweils der Name »Ted« neben einer Zeitangabe, sowie mit regelmäßigen Terminen, die nach den verzeichneten Namen zu urteilen in Pubs oder Hotels stattzufinden pflegten; das ganze Jahr hindurch, mindestens einmal im Monat. Interessanterweise reichten diese besonderen Eintragungen bis zum Ende des Terminkalenders, der auch noch die ersten sechs Monate des kommenden Jahres umfasste. Barbara machte Lynley, der gerade ein persönliches Telefonverzeichnis durchsah, das er in der obersten rechten Schublade des Schreibtischs gefunden hatte, darauf aufmerksam.
»Irgendwelche feststehenden geschäftlichen Termine«, meinte er.