Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Balkan lächelte. »Ich habe einen Plan.«
Ihr Führer für die Rückkehr durch die unterirdischen Tunnel war derselbe Junge mit den harten Augen, der sie auf dem Hinweg begleitet hatte. Während sie ihm folgten, wich der Aufruhr in Soneas Gedanken langsam vernünftiger Ruhe. Als ihr Führer sie schließlich allein ließ, war sie voller neuer Fragen.
»Die Frau war eine Ichani, nicht wahr?«
Akkarin sah sie an. »Ja, eine der schwächeren. Ich kann mir nicht vorstellen, wie Kariko sie überredet hat, hierher zu kommen. Eine Bestechung vielleicht oder Erpressung.«
»Werden sie weitere Ichani nach Kyralia schicken?«
Er dachte nach. »Vielleicht. Ich wünschte, ich hätte die Gelegenheit gehabt, ihre Gedanken zu lesen.«
»Das tut mir leid.«
Seine Mundwinkel zuckten schwach. »Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Mir ist es lieber, dass du lebst.«
Sie lächelte. Während des Rückwegs war Akkarin unnahbar und nachdenklich gewesen. Jetzt konnte er es offensichtlich kaum erwarten, nach Hause zurückzukehren. Sie folgte ihm durch den Tunnel bis zu der mit Steinen gefüllten Nische. Unter Akkarins Blick formten die Steine sich wieder zu Treppen. Mit ihrer nächsten Frage wartete Sonea, bis das Kratzen von Stein auf Stein verklungen war.
»Warum hatte sie in der Nische einen Ring des Hauses Saril und einen teuren Umhang?«
Auf halbem Weg die Treppe hinunter blieb Akkarin stehen und drehte sich um, um Sonea anzustarren. »Was sagst du da? Ich…«
Plötzlich wanderte sein Blick zu einem Punkt hinter ihr. Der nachdenkliche Gesichtsausdruck, den er während der vergangenen Stunde gezeigt hatte, kehrte zurück. Dann verdunkelte sich seine Miene.
»Was ist passiert?«, fragte sie.
Er hob die Hand, um sie zum Schweigen zu bringen. Dann sog er scharf die Luft ein, und seine Augen weiteten sich. Im nächsten Moment stieß er einen Fluch aus, von dem sie gedacht hatte, dass er nur den Hüttenleuten bekannt sei.
»Was ist passiert?«, wiederholte sie.
»Die höheren Magier sind in meiner Residenz. In dem unterirdischen Raum.«
Sonea stockte der Atem, und eine Welle von Kälte durchlief ihren Körper.
»Warum?«
Akkarins Blick war auf eine Stelle irgendwo jenseits der Tunnelmauern gerichtet.
»Lorlen…«
Sonea spürte, wie ihr Magen sich verkrampfte. Lorlen konnte doch unmöglich beschlossen haben, die Gilde gegen Akkarin aufzuwiegeln.
Etwas in Akkarins Miene verbot ihr alle weiteren Fragen. Er dachte konzentriert nach, vermutete sie. Und traf schwierige Entscheidungen. Nach langem Schweigen holte er schließlich tief Luft und stieß den Atem langsam wieder aus.
»Das verändert alles«, erklärte er und sah zu ihr auf. »Du musst tun, was immer ich sage, ganz gleich, wie schwer es dir fallen wird.«
Seine Stimme klang ruhig und angespannt. Sonea nickte und versuchte, ihre wachsende Angst zu bezähmen.
Akkarin ging die Treppe wieder hinauf, bis sie einander gegenüberstanden. »Lord Jolen ist heute Nacht ermordet worden, zusammen mit seiner Familie und seinen Dienern, wahrscheinlich von der Frau, die du gerade getötet hast. Das erklärt den Umhang und den Ring des Hauses Saril in ihrem Besitz – Trophäen, vermute ich. Vinara hat in Jolens Hand einen Fetzen Stoff von meinen Roben gefunden – zweifellos hat die Inchani ihn während unseres ersten Kampfes abgeschnitten -, und sie hat erkannt, dass die Morde mit schwarzer Magie ausgeführt wurden. Eine Zeugin hat jemanden, der genauso gekleidet war wie ich, das Haus mit einem Messer verlassen sehen.« Er wandte den Blick ab. »Ich frage mich, woher die Ichani die Roben hatte und wo sie sie angelegt haben mag…«
Sonea starrte ihn an. »Dann glaubt die Gilde jetzt also, Ihr wärt der Mörder.«
»Sie ziehen diese Möglichkeit in Erwägung, ja. Balkan hat zu Recht erklärt, dass ich, wenn ich unschuldig sei, kooperieren werde, und dass man mich, wenn ich schuldig bin, ohne Verzug stellen müsse. Ich habe bereits darüber nachgedacht, was ich in einem solchen Fall tun würde und wie du dich verhalten solltest. Jetzt jedoch hat sich die Situation vollkommen verändert.«
Er hielt inne und stieß einen tiefen Seufzer aus. »Balkan hat klugerweise geplant, mich von dir und Takan zu isolieren. Er hat einen Boten mit der Nachricht von Jolens Tod zu den höheren Magiern geschickt und sie gleichzeitig zusammengerufen. Als er hörte, dass ich nicht in der Residenz sei, hat er nach dir schicken lassen. Er hatte mit den anderen nicht besprochen, was er tun sollte, wenn du ebenfalls nicht dort wärst, daher habe ich angenommen, dass er das als Nächstes tun würde, so dass ich durch Lorlen von seinen Absichten erfahren hätte. Aber er muss bereits einen Plan gehabt haben.« Akkarin runzelte die Stirn. »Natürlich hatte er das.«
Sonea schüttelte den Kopf. »Das alles ist passiert, während wir auf dem Rückweg waren, nicht wahr?«
Akkarin nickte. »Ich konnte nichts sagen, solange unser Führer da war.«
»Also, was hat Balkan getan?«
»Er ist in die Residenz zurückgekehrt und hat sie durchsucht.«
Sonea fröstelte bei dem Gedanken an die Bücher und die anderen Gegenstände, die Balkan in dem unterirdischen Raum finden würde. »Oh.«
»Ja. Oh. Zuerst sind sie nicht in den unterirdischen Raum eingebrochen. Aber nachdem sie Bücher über schwarze Magie in deinem Zimmer gefunden hatten, wuchs ihre Entschlossenheit, jeden Winkel des Hauses abzusuchen.«
Sonea gefror das Blut in den Adern. Bücher über schwarze Magie. In ihrem Zimmer.
Sie wissen Bescheid.
Die Zukunft, die sie sich ausgemalt hatte, blitzte vor ihren Augen auf. Noch zwei Jahre Studium, Abschluss, die Wahl einer Disziplin, die Möglichkeit, die Heiler vielleicht dazu zu bringen, dass sie den Armen halfen. Vielleicht hätte sie sogar den König dazu bewegen können, die Säuberungen einzustellen.
Nichts von dem würde geschehen. Niemals.
Die Gilde wusste, dass sie Wissen über schwarze Magie erworben hatte. Die Strafe für dieses Verbrechen war der Ausschluss aus der Gilde. Wenn außerdem bekannt wurde, dass sie schwarze Magie erlernt und sie benutzt hatte, um zu töten…
Aber sie hatte ihre Zukunft aus einem guten Grund aufs Spiel gesetzt. Wenn die Ichani Kyralia überfielen, würde es ohnehin niemals dazu kommen, dass sie ihren Abschluss machte oder den Säuberungen Einhalt gebot.
Rothen wird diese Sache furchtbar treffen.
Sie drängte den Gedanken mit aller Macht beiseite. Sie brauchte einen klaren Kopf, um Pläne zu machen. Was sollten sie tun, jetzt, da die Gilde Bescheid wusste? Wie würden sie und Akkarin den Kampf gegen die Ichani fortsetzen können?
Es lag auf der Hand, dass sie nicht in die Gilde zurückkehren konnten. Sie würden sich in der Stadt verstecken müssen. Die Notwendigkeit, einer Entdeckung durch die Gilde entgehen zu müssen, machte alles schwieriger, aber nicht unmöglich. Akkarin kannte die Diebe. Auch sie hatte einige nützliche Verbindungen. Sie sah Akkarin an.
»Was tun wir jetzt?«
Er blickte die Treppe hinunter. »Wir kehren zurück.«
Sie starrte ihn an. »In die Gilde?«
»Ja. Wir erzählen ihnen von den Ichani.«
Ihr Herz setzte einen Schlag aus. »Ihr habt gesagt, dass sie Euch Eurer Meinung nach nicht glauben werden.«
»Das werden sie vermutlich auch nicht. Trotzdem muss ich ihnen zumindest die Chance geben.«
»Aber was ist, wenn sie Euch nicht glauben?«
Akkarins Blick wurde unstet. Er sah zu Boden. »Es tut mir leid, dass ich dich in diese Geschichte hineingezogen habe, Sonea. Wenn ich irgend kann, werde ich dich vor den schlimmsten Konsequenzen schützen.«
Sie schnappte nach Luft, dann verfluchte sie sich leise. »Ihr braucht Euch nicht zu entschuldigen«, erklärte sie bestimmt. »Es war meine Entscheidung. Ich kannte die Risiken. Sagt mir, was ich tun muss, und ich werde es tun.«
Seine Augen weiteten sich leicht. Er öffnete den Mund, dann trat wieder dieser geistesabwesende Ausdruck in seine Augen.
»Sie bringen Takan weg. Wir müssen uns beeilen.«