Eiswelt
- Автор: Клемент Хол
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Год: Bastei-Lübbe
- ISBN: 978-3-404-22060-1
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Eiswelt». Краткое содержание книги:
Als Sallman die Rauschgiftwelt im Sichtschirm seines Raumschiffs auftauchen sieht, stockt ihm der Atem. Auf einem solchen Planeten soll es tatsächlich intelligentes Leben geben? Denn was er sieht, muß ihm als Bewohner einer Hitzewelt wie die Hölle erscheinen. So existiert Schwefel dort nicht als Gas, sondern in fester Form, und Wasser ist in flüssigem Zustand vorhanden.
Er wandte sich wieder seinem Buch zu, und Feth überließ sich seinen düsteren Gedanken.
Die verlassen sich also einzig und allein auf das Rauschgift. Als ob ich das nicht gewußt hätte. Wenn Ken einen Weg fände, an den Kälte-Safe Drais heranzukommen mir ist es nie geglückt – und wenn schon, wir könnten Sarr ohnehin nicht finden… wenn man sich bloß nach einer Sonne wie Rigel oder Deneb richten müßte, die man schon aus Tausenden von Parsek erkennt, anstatt ganz nahe heranzumüssen, damit man Planeten erkennt… so jagten sich seine Überlegungen, die größtenteils aus vielen ›Wenn bloß‹ bestanden, wie seit Jahren schon. Das Rauschgift hatte Feths Bewußtsein wenig oder gar nichts anhaben können, doch die Tatsache seiner Abhängigkeit hatte ihn allen Fluchtplänen gegenüber eine apathische Haltung einnehmen lassen. Warum nur hatte er sich jetzt Ken gefügt… wie würde Ken sein gegebenes Versprechen halten können?
Kens Stimme unterbrach seine Gedankengänge. »Feth, könnten Sie auf einen Sprung herunterkommen und mir helfen? Ich bin fast durch. Ich möchte ein paar Behälter aus der Schleuse rausschaffen.«
Beide Sarrianer sahen zum Druckanzeiger hin. Der Druck in der Schleuse zeigte steigende Tendenz.
»Gut, ich komme«, antwortete Feth. »Öffnen Sie die Innentür, wenn der Druck normal ist.« Er ging den Gang entlang. Der Pilot blieb zurück. Ken hatte die Worte seiner Durchsage geschickt gewählt.
Er blieb nicht so lange aus, als daß der Pilot hätte mißtrauisch werden können. Nach zwei oder drei Minuten hörte Lee Feth und Ken auf dem Gang. Sie sprachen kein Wort miteinander, so daß die Neugierde des Piloten erwachte. Er wollte ihnen entgegengehen und stand auf, als die beiden auch schon eintraten. Feths düstere Miene hatte sich verflüchtigt. Sie hatte einem Ausdruck Platz gemacht, der viel schwerer zu deuten war. Lee hatte auch gar keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Sein Blick wurde von einem Gegenstand gefesselt, den beide in einer Stoffschlinge zwischen sich trugen.
Das Ding war in etwa kubisch, dreißig Zentimeter lang. Farbe gelb. Ihm entströmte eine sichtbare Dunstspur, auf der Oberfläche zeigten sich gelbe Tröpfchen, die sich vergrößerten, Tröpfchen von satterem, honigfarbenem Ton, Tröpfchen, die zusammenliefen, die Seite des Blocks entlangliefen, die Schlinge durchfeuchteten und in der dünnen Luft verschwanden. Lee war sichtlich verwirrt, als er das Ding sah. Seine Verwirrung ging in Entsetzen über, doch er bewahrte seine Fassung.
»Ach, dafür wurde die Luft verbraucht«, bemerkte er. »Und was soll das?«
Ken, der noch in seinem Raumanzug steckte, aber keinen Helm mehr trug, beantwortete die Frage nicht direkt. Statt dessen stellte er eine Gegenfrage.
»Sie kennen die Koordinaten von Sarr und würden von hier aus zurückfinden?«
»Natürlich. Ich bin die Strecke oft genug geflogen. Sie bilden sich doch nicht ein, ich würde Ihnen Sarrs Koordinaten verraten, nur um keine Frostbeulen zu kriegen.«
»Ob Sie uns etwas sagen oder nicht, ist mir völlig einerlei. Sie werden jedenfalls das Schiff steuern, das habe ich so geplant. Nicht geplant habe ich, Sie an diesen Block anzufrieren. Wir werden ihn vielmehr hier plazieren. Bis er verdampft ist, können Sie sich entscheiden. Hinterher werden wir in der Lage sein, an Ihrer Stelle Entscheidungen zu treffen.«
Lee lachte. »Das habe ich irgendwie erwartet. Und ich soll glauben, daß dies da drinnen Tafak sein soll? Sie haben den Block doch erst vor einigen Minuten gemacht.«
»Stimmt auffallend. Da Sie schon davon sprechen, ja, im Block steckt ein Zylinder Tafak. Ich habe ihn eigenhändig hineingesteckt. Vor einigen Minuten, wie Sie selbst sagten…«
»Sie müssen Drais Safe aufgebrochen und das Zeug geklaut haben.« Der Pilot konnte es nicht fassen.
»Nein. Drais Vorschlag, die Sympathien der Eingeborenen von Planet Drei zu mobilisieren, war übrigens eine sehr gute Idee.«
»Ich könnte mir denken, daß man Ihnen für die Rettung der Kinder hundert Einheiten schenkte.«
»Um ehrlich zu sein, es sieht mir eher nach zweitausend Einheiten aus. Gezählt habe ich sie nicht. Sie sind aber feinsäuberlich geordnet. Und wenn die Einheit ein Zehntel des gelieferten Zylinders ist, kommen wir ungefähr auf diese Zahl.«
Der Pilot hätte wenigstens eine Spur Unbehagen zeigen können.
»Nachdem Drai mit dieser Idee kam, gab es keine Landungen mehr. Sie können das Zeug also gar nicht von den Eingeborenen erbeten haben«, wandte er ein.
»Wollen Sie mich beleidigen, indem Sie behaupten, ich hätte Drais Geistesblitz dazu gebraucht? Mir ist es selbst eingefallen. Da ich aber über ein Gewissen verfüge, wollte ich es erst gar nicht versuchen. Außerdem beherrsche ich wie gesagt die Sprache nicht so gut. Zufällig gab mir der Eingeborene, mit dem ich redete, einen Behälter mit dem Zeug, ohne daß ich ein Wort sagen mußte. Scheint mir ein netter Kerl zu sein. Vor allem weiß er, welchen Wert das Tafak bei uns hat. Leider vergaß ich Drai davon Mitteilung zu machen.«
Lee sah richtig verstört aus, als ihm dämmerte, daß an Kens Geschichte etwas dran sein konnte. Feth hingegen war aufgeblüht. Es war ihm nur noch leiser Zweifel anzusehen, ob Ken nicht doch bluffte. Aber andererseits hatte es wenig Sinn, den Rückflug nach Sarr anzutreten, wenn man nicht einen gewissen Vorrat von dem Rauschgift hatte. Und er hatte nichts davon verlauten lassen, daß er Lee zwingen würde, sie zu Drais Safe zu führen und ihnen beim Knacken zu helfen.
Genau diese Einwände mußten auch dem Piloten durch den Kopf gegangen sein. Er sah mit wachsendem Entsetzen zu dem kleiner werdenden Schwefelklumpen hin. Einen letzten Einwand äußerte er noch, obwohl ihm dessen Schwäche klar war, noch ehe er ihn aussprach.
»Sie würden nicht wagen, das Zeug freizusetzen. Feth hat keinen Anzug und Sie selbst keinen Helm.«
»Na und? Was sollte uns das schon ausmachen?«
Lee unternahm einen plötzlichen verzweifelten Ausbruchsversuch zur Tür hin. Er machte einen Satz direkt auf Feth zu. Es folgte ein Alptraum wirbelnder Beine und Tentakel. Ken stand daneben. Sein Eingreifen war nicht nötig. Und dann bewegte sich der Pilot fast rollend an sein Instrumentenbrett. Seine Tentakel zuckten wie verrückt. Als er wieder auf den Beinen war, schien ihm die Lust an weiteren Kämpfen vergangen.
»Wenn ich bloß…«
»Ja, ganz recht. Wäre schön, wenn Drai nicht nur sich selbst eine Waffe zugebilligt hätte. Aber er tat es nicht. Und Ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit. Also, was ist?« Feth verlieh seinen Worten Nachdruck, indem er den Thermostaten höher einstellte.
Der Pilot gab nach. Falls er noch an Kens Wahrhaftigkeit zweifelte, so wagte er doch nicht mehr, auf diesen leisen Zweifel zu setzen. Er hatte außer Feth noch andere Süchtige gesehen. Es waren ihm grauenvolle Einzelheiten im Gedächtnis geblieben.
»Also gut. Aber verschwindet endlich mit dem Zeug!« keuchte er. »Ich mache, was Sie wollen!«
Wortlos faßte Ken beide Enden der Schlinge und trug das nun viel leichter gewordene Bündel wieder in die Luftschleuse. Gleich darauf war er wieder zur Stelle.
»Geschafft!« sagte er. »Ich befürchtete schon, es würde durchschmelzen, bevor ich Sie mürbe machen konnte. Lee, Sie haben sich länger gehalten, als ich dachte. Na, jetzt ist die Luft rein. Ich möchte noch erwähnen, daß dieser spezielle Block zuoberst in meiner kleinen Kühlanlage liegt und jederzeit einsatzbereit ist. Und jetzt wollen wir ein wenig vorabplanen. Ich würde unseren Freund Drai zu gern festnehmen, weiß aber nicht recht, wie wir die Sache angehen sollen. Hat jemand Vorschläge?«
»Festnehmen?« Auf Feths Gesicht zeigte sich die Andeutung eines Lächelns.
»Ja. Wie das Schicksal so spielt… ich bin ein Ermittler im Auftrag der Rauschgiftabteilung… nicht daß ich mich auf die Stelle gedrängt hätte oder besonders gute Arbeit geleistet hätte. Feth, vielleicht sollte ich Sie auch vereidigen… vermutlich wäre ich dazu legal sogar berechtigt.«