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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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„Schweigen Sie!“ donnerte ihm der Alte entgegen. „Wissen Sie, daß die Ruine auf meinem Grund und Boden liegt?“

„Ich weiß es nicht, aber ich kann es mir denken.“

„Nun gut; ich bin der Grundherr, ich habe hier zu befehlen, und ich verbiete Ihnen, jemals dieses Kloster wieder zu betreten!“

„Mir, dem Erzieher Ihres Enkels?“ fragte Müller mit gut gespieltem Erstaunen.

„Ja.“

„Und Fremde dürfen Zutritt nehmen?“

„Wer sagt Ihnen, daß Leute hier gewesen sind?“

„Blicken Sie zu Boden! Sehen Sie nicht, daß diese Spuren noch ganz frisch sind?“

„Das geht Sie nichts an!“ rief der Alte. „Sie sollen hier nicht denken; Sie sollen hier nicht urteilen! Ich bin der Herr. Packen Sie sich hinaus!“

Da zuckte Müller gleichmütig die Achseln und antwortete:

„Mir ist es gleich, wer hier zu denken und zu urteilen hat. Draußen aber wird man auch urteilen, nämlich über die Art, in welcher man von hier hinausgeworfen wird, über die Sonderbarkeit, daß ein Kapitän der Kaisergarde hier mit dem Besen regiert, und über andere Dinge, welche fast vermuten lassen, daß hier nicht alles in Ordnung ist.“

Da sprang der Alte wütend auf ihn zu, faßte ihm am Arm und rief:

„Monsieur, was wollen Sie mit Ihren Vorwürfen sagen, he?“

„Nichts weiter, als daß ich Ihrem Befehl, diesen Ort zu verlassen, zwar gehorche, dennoch aber streng darauf bestehen muß, fernerhin in anderer Weise angesprochen zu werden. Ein deutscher Doktor der Philosophie steht in gesellschaftlicher und intellektueller Beziehung keineswegs unter einem französischen Kapitän der Kaisergarde!“

„Ah, das wagen Sie!“ knirschte der Alte, indem sein Bart sich förmlich sträubte. „Ich werde Sie entlassen, ich werde Sie fortjagen!“

„Pah, das können Sie nicht. Sie sind der Herr Kapitän Richemonte; mein Kontrakt aber ist vom Herrn Baron de Sainte-Marie unterzeichnet und untersiegelt. Adieu, Herr Kapitän!“

Er ging, und Fritz folgte ihm.

„Ah, gehen Sie!“ rief ihm der Alte nach. „Ich werde nachher mit Ihnen sprechen!“

Als die beiden draußen angelangt waren, gingen sie erst eine Weile schweigend nebeneinander her. Dann aber bemerkte Fritz:

„Jetzt haben Sie sich einen unversöhnlichen Feind geschaffen.“

„Jedenfalls.“

„Der Ihnen niemals verzeihen wird!“

„Das muß ich geduldig tragen. Die Grobheiten dieses Mannes waren ganz danach, mich herauszufordern. Ich habe ihm geantwortet; wir sind also quitt.“

„Oh, noch nicht! Er wird Sie fortjagen!“

„Ich werde nicht gehen!“

„Wirklich nicht? So wird er Sie beunruhigen!“

„Ich werde mir das verbitten!“

„Er wird Ihnen die Lösung Ihrer Aufgabe unmöglich machen!“

„Ich habe ihn nicht zu fürchten, obgleich er alles zu regieren meint. Denken wir nicht an ihn! Ich habe dir etwas Wichtiges zu sagen. Kannst du unbemerkt Hacken und Schaufeln besorgen?“

„Warum nicht?“

„Für heute abend?“

„Sehr leicht!“

„Nun wohl; wir werden ein Grab öffnen.“

„Donnerwetter! Ein Grab aufmachen? Das klingt ja ganz unmöglich!“

„Kennst du den Zauberer Abu Hassan, der heute in Thionville Vorstellung gibt?“

„Ja. Er wohnt im Gasthof, dem Doktor Bertrand gegenüber. Es ist ein Frauenzimmer bei seiner Truppe, welches mir heute eine förmliche Liebeserklärung gemacht hat.“

„Glücklicher Mann, die Liebe einer Künstlerin zu erringen!“

„Hm, die Kunst ist in ihr bereits über dreißig Jahre alt geworden, Herr Doktor!“

„Desto größere Anerkennung verdient sie. Aber, bleiben wir bei der Sache! Abu Hassan ist jedenfalls ein Orientale; die erste Frau des Barons stammt aus dem Orient. Beide müssen in irgendeiner Beziehung zueinander gestanden haben, denn er ist gekommen, sich ihre Gebeine zu holen.“

„Das kommt mir noch mehr als orientalisch vor. Aber was haben Sie, und was habe ich mit diesem Hassan und diesen orientalischen Gebeinen zu tun?“

„Wir sollen sie ihm aus der Erde hacken.“

„Warum denn gerade wir?“

„Ja, die Veranlassung ist geradezu lächerlich. Ich stieg gestern abend am Blitzableiter herab, während er aus irgendeinem Grund um das Schloß herumstrich. Er hielt mich für einen Einbrecher, einen Dieb. Und da ein solcher sich wohl zu einer widerrechtlichen Öffnung eines Grabes dingen läßt, so bot er mir zweihundert Franken, wenn ich ihm behilflich sei, das Heidengrab zu öffnen, und noch einen Arbeiter mitbringen wolle.“

„Und Sie haben das wirklich angenommen?“

„Ja. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß die Baronin gar nicht gestorben ist, und also auch nicht begraben worden sein kann. Entweder ist das Grab leer, oder es enthält eine falsche Leiche. Ich muß mich überzeugen und werde also heute abend dort eintreffen.“

„Ich bin dabei; aber das Geld nehmen wir nicht.“

„Das versteht sich ganz von selbst! Richte es also ein, daß du noch vor elf Uhr mit den Werkzeugen am Grab anlangst. Jetzt wollen wir uns trennen. Für morgen habe ich einen Weg für dich. Hier sind Briefe. Du gehst mit ihnen über die Grenze und gibst dieselben drüben auf der ersten deutschen Postanstalt ab. Ich traue hier nicht recht und vermute, daß sie mir geöffnet werden können.“

Er gab dem Diener die Skripturen, und dann trennten sich die beiden.

Als Müller das Schloß erreichte, war es bereits zwölf Uhr vorbei. Ein Diener sagte ihm, daß der Herr Kapitän soeben befohlen habe, den Doktor Müller zu ihm zu schicken, sobald er von seinem Spaziergang zurückgekehrt sei.

Also der Kapitän befand sich bereits daheim! Das war für den Deutschen ein ganz unanfechtbarer Beweis, daß zwischen dem Schloß und der Klosterruine ein sehr kurzer unterirdischer Weg vorhanden sei. Müller fürchtete den Alten nicht im mindesten und begab sich in größter Seelenruhe nach dem Zimmer desselben.

Der Kapitän saß am Schreibtisch und schrieb. Als Müller eintrat erhob er sich rasch, warf die Feder auf den Tisch und sagte:

„Monsieur, ich habe Sie zu mir kommen lassen, um Ihnen das zwischen mir und Ihnen bestehende Verhältnis einmal klarzumachen.“

Er befand sich augenscheinlich in einem Zustand hochgradiger Erregung. Dieser Umstand aber beirrte den Deutschen ganz und gar nicht. Er antwortete:

„Das ist mir außerordentlich angenehm. Auch ich liebe die Klarheit und werde gegenwärtig gern das meine beitragen, um zu ihr zu gelangen.“

Der Alte tat, als ob er die Kampfbereitschaft, welche in diesen Worten lag, gar nicht bemerkte, oder er bemerkte sie wirklich nicht, sondern fuhr in rücksichtslosestem Ton fort:

„Sie haben sich vorhin in der Ruine eine Sprache erlaubt, die ich nicht dulden kann.“

Der Deutsche zuckte die Achseln und meinte:

„Da liegt die Schuld jedenfalls an meiner musikalischen Begabung.“

„Wie meinen Sie das?“ fragte der Kapitän stutzend.

„Nun, ich habe mich früher sehr mit Harmonielehre und Generalbaßstudien beschäftigt, und seit jener Zeit bin ich immer ein Freund des Harmonischen geblieben. Ich antworte in Dur, wenn man mich in Dur fragt, und rede in Moll, wenn man in Moll zu mir spricht. Der Herr Kapitän beliebte, in der Ruine eine Redeweise anzuwenden, welche sehr stringendo klang; mein musikalisches Rechtsgefühl erlaubte mir nur, stringendo zu antworten.“

„Larifari! Was verstehe ich von Ihrem Dur, Moll und Stringendo! Ich habe Sie einfach zu fragen, ob Sie mich als Ihren Herrn anerkennen, dem Sie unbedingt und auf alle Fälle zu gehorchen haben. Antworten Sie strikt: Ja oder nein?“

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