Im Auftrag Seiner Majestät
- Автор: Май Карл
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Im Auftrag Seiner Majestät». Краткое содержание книги:
Er mußte sich nach dem Häuschen begeben. Dort angelangt, ging er einige Male um dasselbe herum, um sich zu überzeugen, daß sich niemand in demselben befinde. Dann trat er ein, zog die Tür hinter sich zu, brannte die Laterne an, um sich beim Schein derselben zu überzeugen, daß er sich allein befinde, öffnete die geheime Tür, trat zwischen die Doppelwand und verschloß dann den Eingang wieder.
Jetzt stieg er die Treppe hinab und erreichte den Gang. Die linker Hand liegende Tür war fest verschlossen, wie das vorige Mal. Müller schritt also zur rechten Hand in den Gang hinein, steckte aber seine Laterne dabei in die Tasche. Es war ja sehr leicht möglich, daß er sich durch den Schein derselben verraten konnte. Er hatte den unterirdischen Gang genügsam kennengelernt, um zu wissen, daß derselbe keine Gefahr bot, sondern daß man sich nur an der Mauer fortzutasten brauchte, um ohne Schaden in das Schloß zu gelangen.
Freilich kam der Doktor in der Finsternis langsamer vorwärts, als wenn er sich der Laterne bedient hätte, aber die Zeit war ihm doch nicht lang geworden, bis er an der Erweiterung des Ganges bemerkte, daß derselbe zu Ende sei. Jetzt zog er die Laterne hervor und griff zu gleicher Zeit nach der Uhr, um zu sehen, wie die Zeit stehe. Es war gerade Mitternacht.
Da war nun freilich keine große Hoffnung vorhanden, den Maler noch belauschen zu können, da dieser sich jedenfalls bereits zur Ruhe gegeben hatte. Aber dennoch stieg Müller die Treppe hinan, welche er sich von seiner vorigen Exkursion her sehr wohl gemerkt hatte.
FÜNFTES KAPITEL
Der Zahn des Löwen
Als Fritz währenddessen den Verfolgern glücklich entkommen war, war der alte Kapitän natürlich mit den beiden verwundeten Rallions in der Ruine zurückgeblieben. Dem Obersten strömte das Blut in einem breiten Strahl über das Gesicht. Er hätte gern geflucht und gewettert, mußte aber schweigen, da ihm sonst das Blut in den Mund gelaufen wäre. Desto mehr aber wetterte sein Vater, der einen Stich mitten durch den Handteller erhalten hatte.
„Was glauben Sie wohl, Kapitän“, sagte er, „bin ich etwa nach Ortry gekommen, um mich um meine Hand bringen zu lassen?“
„Pah, ein kleiner Stich!“ entgegnete der einsilbige Alte.
„Ein kleiner Stich, der mich aber lähmen kann! Wie nun, wenn die Sehnen zerschnitten sind? Gibt es hier jemanden, der etwas von Wunderarzneikunst versteht?“
„Mich selbst. Es ist nur gut, daß wir bereits einen Vorrat von Verbandszeug, Scharpie und dazugehörigen Medikamenten angelegt haben. Ich muß übrigens nach den Verbrannten sehen, welche sich jedenfalls noch im Saal befinden. Kampferwasser wird Ihnen die Schmerzen sofort stillen. Kommen Sie!“
„Kapitän, ich gebe Ihnen eine Gratifikation von tausend Franken für diejenige Person, welche den Kerl herausbekommt, dem wir diese Störung zu verdanken haben!“
„Und ich selbst legte noch tausend Franken dazu“, sagte der Alte im grimmigsten Ton. „Doch kommen Sie! Ich muß zunächst zu meiner Lampe!“
Er führte sie über den Hof hinweg nach einem Tor, welches sich in der Hauptfront öffnete, schritt mit ihnen durch einige Zimmer, bis er in dasjenige gelangte, durch dessen Fenster sie gesprungen waren. Hier stand noch die ausgelöschte Lampe. Der Kapitän brannte sie wieder an und hieß die Rallions die Treppe hinabsteigen. Er folgte ihnen und brachte die Steinplatte wieder in ihre Lage. So gelangten sie aus dem Gang in den Saal.
Dort waren die Flammen erloschen. Es hatte tiefe Finsternis geherrscht; aber trotz derselben befanden sich noch Menschen hier. Es waren die durch ihre Brandwunden Beschädigten und eine Anzahl anderer, welche bei ihnen zurückgeblieben waren.
Die Lampe des Alten brachte Licht in das Dunkel. Die Verwundeten stöhnten und baten um Hilfe.
„Ruhe!“ gebot der Alte. „Es soll euch Hilfe werden, doch einem nach dem anderen.“
Er setzte die Lampe nieder und verschwand für kurze Zeit durch die hintere Tür. Als er wieder zurückkehrte, brachte er eine Anzahl Lichter, welche sofort angebrannt wurden, und Verbandzeug mit. Der Oberst war der erste, welcher verbunden wurde, dann kam dessen Vater an die Reihe. Es war jetzt noch nicht zu bestimmen, ob vielleicht ein Teil seiner Hand gelähmt bleiben werde.
Die Wunden der Verbrannten waren nicht sehr gefährlich, aber desto schmerzhafter. Der Alte verband sie so gut wie möglich und überließ es dann den Gesunden, die Kranken nach Hause zu geleiten. Bis sie sich entfernt hatten, ging er ab und zu, um die Eingänge zu verschließen, dann meinte er zu den beiden Rallions, die sich noch allein im Saal befanden:
„Durch die unterirdischen Gänge können wir nicht zum Schloß zurückkehren.“
„Warum nicht?“ fragte der Graf.
„Weil wir das Tor verlassen haben, und weil man ja Ihre Verletzungen morgen sehen wird, sie aber nicht begreifen könnte.“
„Aber womit wollen wir sie erklären?“
„Pah, das ist sehr leicht! Wir sind im Dunkel über eine Wiese gegangen, da hat eine Sense gelegen. Der Oberst ist auf den Stiel getreten, und so schlug ihm das Sensenblatt quer über das Gesicht. Ihnen aber, Graf, ist die Spitze in die Hand geraten. Kommen Sie. Wir müssen uns sputen, denn es fällt mir ein, von Ihnen gehört zu haben, daß Sie Ihrem Maler noch, heute seine Instruktionen geben wollen.“
Sie verließen die Ruine und wanderten durch den Wald nach dem Schloß, welches sie erreichten, als Müller kaum seine eigentümliche Unterredung mit Hassan, dem Zauberer, begonnen hatte.
Natürlich erregte es die höchste Verwunderung der Dienerschaft, die Herren so spät heimkehren zu sehen, und dieses Erstaunen wurde durch die Verwundung der Rallions noch gesteigert, doch wagte natürlich keiner, eine Frage auszusprechen.
Die Damen waren zur Ruhe gegangen, die Herren begaben sich in ihre Zimmer; vorher aber ließ der Graf dem Maler sagen, daß er ihn in drei Viertelstunden noch aufzusuchen gedenke. In seiner Wohnung angekommen, nahm er Papier und Kuverts hervor und schrieb gegen eine halbe Stunde lang. Dies ging an, da glücklicherweise die linke und nicht die rechte Hand verwundet war. Dann steckte er die Briefe in ihre Kuverts, verschloß die letzteren und begab sich zwei Treppen höher, wo der Maler sein Zimmer hatte und ihn noch erwartete.
Haller, oder vielmehr Lemarch, erhob sich sehr höflich beim Eintritt des Grafen und bot ihm einen Sessel an. Der Graf nahm gerade in demselben Augenblick Platz, in welchem hinter der getäfelten Wand Müller seine Laterne in die Tasche steckte und die Täfelung, welche die geheime Tür bildete, ein klein wenig zur Seite schob, wodurch eine enge Ritze entstand, welche aber weit genug war, um das Zimmer überblicken zu können.
„Ich komme, Ihnen Ihre Instruktionen zu übergeben, mein lieber Rittmeister“, begann der Graf. „Sie werden nicht umfangreich sein. Die Hauptsache, welche ich Ihnen mitzuteilen habe, ist, daß Sie bereits morgen früh abreisen können.“
Lemarch verbeugte sich, zum Zeichen, daß er gehorchen werde.
„Es wird Ihnen durch die Papiere der Weg geordnet werden. Übrigens weise ich Sie auf das zurück, was wir bereits am Morgen besprochen haben. Haben Sie sich den Namen des Offiziers gemerkt?“
„Ja. Rittmeister Richard von Königsau.“
„Richtig! Sie gewinnen die Freundschaft desselben und suchen ihn auszuforschen. Ist er sehr zurückhaltend, so erwähnte ich bereits, daß er vielleicht Verwandte –“
„Er hat eine Schwester“, fiel Lemarch schnell ein.
„Ah!“ lächelte der Graf. „Häßlich?“
„Schön!“
„Woher wissen Sie das?“
„Es gibt einen Hauslehrer hier, einen Deutschen, welcher die Familie kennt.“
Die Stirn des Grafen verfinsterte sich bedeutend.
„Sie haben mit diesem Mann gesprochen?“ fragte er.
„Ja, gnädiger Herr.“
„Ich muß doch nicht etwa befürchten, daß Sie sich in einer Weise unterhalten haben, welche diesen Menschen auf allerlei Vermutungen bringen könnte?“