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Kerker und Ketten

Электронная книга - «Kerker und Ketten». Краткое содержание книги:

Der Pfeifer und seine Freunde quälen sich in den Steinbrüchen von El Mengub. Schon haben sie den sicheren Tod vor Augen, da dürfen sie neue Hoffnung schöpfen: die Piratin Marina, in schmerzlicher Haßliebe an Michel Baum gekettet, versucht, die Gefangenen zu befreien. Doch bald wird sie selbst von Sklavenhändlern verschleppt, und nun ist es an Michel, sie zu suchen. Aber der Bej von Tunis hält ihn fest, und erst eine Palastrevolution schafft ganz neue Verhältnisse. Doch Marina bleibt verschwunden.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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»Ich kann nicht, weil ich das Geld nicht habe, Sayd«, stieß Halef hastig hervor. In einem Sturzbach von Worten erzählte er den Hergang nach dem Raub, verschwieg aber wohlweislich den Anteil, den er dem Herrn der Berge abgegaunert hatte.

Dem Pfeifer wurde die Sache zu dumm. Hier konnte man beim besten Willen nicht mehr auseinanderhalten, was Lüge und Wahrheit war.

»Mir ist es gleichgültig, Hamid«, schaltete er sich ein, »wer wen betrogen hat. Ich verlange das Geld von dir zurück, da ich weiß, daß du der Schuldige bist. Wie du dich mit deinem Diener einigst, ist deine Sache. Beschaffe das Geld, oder ich mache meine Drohung wahr.« »Du kannst ein Kind doch nicht entgelten lassen, was der Vater getan hat«, klagte Hamid. »Kommst du mir so?«

»Bei Allah, du kannst doch nicht ein solcher Unmensch sein!«

Michel hieb ihm die Faust auf die Schulter, daß er zusammensackte, und tat, als wollte er sich zur Tür wenden.

»Halt!« schrie Hamid entsetzt, »tu's nicht! Ich gehe das Geld holen.«

Mit wankenden Schritten verließ er das Zimmer. Halef folgte ihm. Er hatte keine Lust, in der Nähe eines Menschen zu bleiben, der die Fähigkeit hatte, anderen Menschen Krankheiten auf den Hals zu schicken.

Es war Michels großer Fehler, daß er Halef nicht zurückhielt.

32

Michel ließ sich auf den Diwan nieder und starrte vor sich hin auf den Boden. Wie immer in seinen Mußestunden oder -minuten, gingen seine Gedanken übers Meer, dorthin, wo die unerreichbare Heimat lag. Meist, wenn wirklich mal eine Pause eintrat, nutzte er diese, um zu schlafen und um neue Kräfte zu sammeln. Aber wenn er nicht schlafen durfte, sondern wachen mußte, um sich nicht etwa überrumpeln zu lassen, dann dachte er. Und das Sinnieren machte ihn nicht gerade zuversichtlicher. Oft fragte er sich, ob die Ideen der Freiheit und der Menschenwürde es wirklich wert waren, daß man so um sie litt, daß man die unglaublichsten Schwierigkeiten auf sich nahm, um sie nicht aufgeben zu müssen.

Seine lange abenteuerliche Fahrt hatte ihm gezeigt, daß die Menschen eigentlich überall auf der Erde gleich waren, wenigstens in der alten Welt.Er legte sich auf dem Diwan zurück und lehnte den Kopf gegen die Wand. Er war jetzt völlig entspannt. Da — endlich öffnete sich die Tür, und Harnid erschien. »Bei Allah«, sagte er, »ich habe mein möglichstes getan, um die fünftausend Piaster zusammenzubringen. Hier sind sie.«

Er warf ihm einen gefüllten Beutel in den Schoß. Michel nahm sich diesmal nicht die Zeit, die Goldstücke zu zählen. Er hatte es jetzt sehr eilig und stand auf.

»Diesmal werden deine Schergen keinen Erfolg haben, wenn sie mich nochmals verfolgen, Hamid, merke dir das gut. Betrug und Verbrechen machen sich nicht bezahlt.« Hamid zog die Schultern in die Höhe und sagte in weinerlichem Ton:

»Ich bin nun einmal ein Mensch, der sehr am Gelde hängt. Allah verzeihe mir meine übergroße Sparfreudigkeit. Hast du auch inzwischen meinen Sohn nicht behext?«

»Nein«, lachte der Pfeifer. »Glaubst du denn wirklich an Hexerei? Hast du dir wirklich gedacht, ich könnte jemanden durch Zauber krank machen?«

»Du kannst es nicht?« heulte Hamid auf. »Nein, du großer Kaufmann, es gibt keine Zauberer, weder unter den Gläubigen noch unter den Ungläubigen.«

»Du Gauner, du Hund, du Stinktier«, schrie Hamid empört und war plötzlich zur Tür hinaus. Michel rannte hinterher. Er bereute mit einemmal, daß er sich durch Voreiligkeit selbst seine Macht genommen hatte.

Als er die Tür aufstieß, starrten ihm mindestens zehn Gewehre entgegen, und eine Stimme sagte in spanischer Sprache:

»Macht keine Bewegung, Senor, wir haben Befehl, sofort zu schießen.« Michel stand wie erstarrt.

»Gebt Eure Waffen ab, Senor, und den Beutel, den Ihr dem ehrenwerten Kaufmann Abd el Hamid gestohlen habt.«

»Ich habe nicht gestohlen. Das Geld ist mein rechtmäßiges Eigentum.« »Nada, hombre, macht keine langen Geschichten. Wir handeln auf direkten Befehl des Gouverneurs. Es nützt Euch also gar nichts, wenn Ihr Eure Tat leugnen wollt. Adelante! Kommt mit!«

Gegen zehn auf ihn gerichtete Gewehre war auch der Pfeifer machtlos. Zähneknirschend gab er seine Waffe, sein wunderbares Gewehr, ab und warf Hamid den Beutel vor die Füße. »Wir sprechen uns noch!« rief er drohend. »Dann kommst du nicht so billig davon.« Hamid lachte hämisch.

»Drohe mir nur. Ich störe mich nicht daran; denn spätestens morgen abend hängt dein Kadaver am Galgen.«

Dem Sergeanten, der die Wachabteilung führte, war es peinlich, daß er zuhören mußte, wie ein Araber einen Weißen beschimpfte. Er hatte zwar den Befehl, den Pfeifer gefangenzunehmen; aber er war ein ehrenwerter Mann, der Pöbeleien und Beschimpfungen jeder Art ablehnte. »Kommt, Senor«, sagte er höflich, »es tut mir leid, daß ich Euch verhaften mußte, aber Befehl ist Befehl.«

»Schon gut«, meinte Michel und ging mit den Soldaten, die ihn in ihre Mitte genommen hatten, davon. Die beiden letzten Musketiere wisperten miteinanderwährend des ganzen Weges. Der Gegenstand ihrer leisen Rede war das Gewehr des Verhafteten. Sie hatten eine solche Konstruktion noch nicht gesehen.

Endlich schienen sie sich geeinigt zu haben. Sie riefen den Sergeanten, der an der Spitze des kleinen Zuges marschierte. Er kam nach hinten und fragte: »Was gibt es?« »Seht Euch dieses Gewehr einmal an.« Der Sprecher reichte es ihm. Der Sergeant betrachtete es im Schein des Mondes aufmerksam.

»Es hat sechs Läufe«, sagte er kopfschüttelnd. »Hat einer von Euch schon einmal so etwas gesehen?«

»No, Sergeant.«

»Paßt auf, daß ihr nichts daran verbiegt.« Er gab es ihnen zurück. »Wir wollen es Don Hernando zeigen.«

Es sieht fast so aus, als sollte ich an der Waffe nie Freude haben, dachte Michel, der das Gespräch mit angehört hatte. Jetzt werden sie mich nicht nur Hamids wegen festhalten, sondern auch noch wissen wollen, was es für eine Bewandtnis mit dem Gewehr hat.

Als sie am Haus des Gouverneurs ankamen, ließ der Sergeant seine Leute warten. Er ging, um den Vollzug der Verhaftung dem Sekretär zu melden. Aber der gähnte nur und sagte:

»Don Hernando ist bereits wieder eingeschlafen. Wir können ihn jetzt nicht belästigen. Erinnert mich morgen früh daran, daß ich ihm Bescheid gebe. Buenas noches.« Der Sergeant grüßte und ging.

33

Das Gefängnis, in das man den verhafteten Michel brachte, hatte keine Einzelzellen. Es war ein in einen Felsen geschlagenes, großes rohes Loch, das nach draußen mit einem schweren Eisengitter abgeschlossen war. Nachtkühle und Tageshitze hatten ungehindert Zutritt. Es gab weder Pritschen noch Strohsäcke. Wenn man ruhen wollte, mußte man sich auf den nackten Felsboden legen.

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Сюжет
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