Kerker und Ketten
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #2
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Kerker und Ketten». Краткое содержание книги:
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
Der Diener kam nach einigen Minuten zurück.
»Nennst du das eilen, Mensch?«
»Vergib mir, o Sayd, die Frauen konnten sich nicht einigen, welches Tuch sie geben sollten. Das eine war zu teuer, das andere war grau, das dritte war nicht gut genug.«
»Hast du ihnen gesagt, daß ich sie vierteilen lassen würde, wenn sie mir ein schlechtes schicken?«
»Ja, Sayd, sonst hätten sie gar keins herausgegeben.«
»Hahaha, ich weiß, wie man mit den Weibern umgehen muß. Jetzt hilf mir, den Säbel hier sorgfältig zu verpacken.«
»Sollte ich nicht zuerst die Pferde anspannen?«
»Du sollst meinen Befehlen gehorchen, du räudigerZiegenbock, sonst lasse ich dir die Haut in Streifen vom Rücken abziehen.«
Die beiden machten sich daran, den Säbel kunstgerecht in dem weichen, weißen Tuch zu verpacken. Der Flausch schmiegte sich um die scharfe, stählerne Klinge und verhüllte den Glanz der Diamanten. Hamid fluchte während der Arbeit unausgesetzt über den Diener, den Säbel, das Tuch, sich selbst, den Gouverneur und seine Weiber.
Endlich war er fertig. Er kleidete sich rasch um und ließ sich eine Viertelstunde später beim spanischen Gouverneur melden.
Don Hernando de Pasteras y Movero hatte viel Zeit. In Oran gab es nach Beendigung des letzten Krieges keine sonderlichen Aufregungen mehr. Neue Siedler oder Kaufleute aus Spanien kamen wenig ins Land. Die kleine Garnison hatte durch zwei Kompanien des geschlagenen Heeres genügend Zuwachs erhalten, um die wenigen Spanier vor Übergriffen schützen zu können. Alles in allem hatte Don Hernando ein geruhsames Leben.
Munter wurde er nur, wenn ihm der Besuch von Geschäftsleuten gemeldet wurde. Und von diesen Geschäftsleuten wiederum bevorzugte er am meisten Abd el Hamid, mit dem man die besten Geschäfte machen konnte.
Obwohl er heute müde war und gerade seine Siesta hielt, ließ er den Araber doch sofort eintreten, ohne sich allerdings vom Lager zu erheben.
Sein Sekretär, der zugleich sein Dolmetscher war, trat ebenfalls ein, wobei es ihm nur schlecht gelang, ein Gähnen zu unterdrücken.
Der Sekretär wurde erst wach, als Hamid mit den ersten Worten, die er sprach, verlangte, daß man ihn und den Gouverneur allein lassen möge. Was er heute vorzutragen habe, sei mit wenigen Worten gesagt. Soviel Spanisch aber könne er selbst, und man brauche also deshalb keinen Dolmetscher.
Der Sekretär übersetzte seinem Herrn die Worte. Don Hernando richtete sich halb auf.
Sein Gesicht nahm einen gespannten Ausdruck an. Er kannte Hamid gut genug, um zu wissen, daß dieser ein solches Ansinnen nicht grundlos stellen würde. Der Sekretär mußte nicht unbedingt genau darüber im Bilde sein, was für Geschäfte sein Herr betrieb. Don Hernando machte ihm deshalb ein Zeichen, daß er verschwinden solle.
Als die beiden allein waren, zerrte Hamid die Decke von dem Säbel und hielt dem Gouverneur die blitzenden Diamanten unter die Nase.
»Caramba!« entfuhr es Don Hernando. Mit einem Satz war er auf den Beinen. »Wo hast du das Ding her? Es ist unter Brüdern fünfzehntausend Piaster wert.« Hamid nickte eifrig.
»Ich Säbel wollen verkaufen«, radebrechte er mühsam. »Aber erst zeigen zu Gouverneur. Ich immer Wertschätzung für Gouverneur. Vielleicht du selbst kaufen?«
Don Hernando bekam große Augen. Das wäre ein Geschenk für seinen König! Por Dios, man könnte sich damit vielleicht endlich einmal wieder in angenehme Erinnerung bringen. Dieses Oran wurde auf die Dauer langweilig. Und drüben in Amerika, in den spanischen Besitzungen, gab es so viele schöne, lohnende Gouverneursposten.
»Ich habe keine fünfzehntausend Piaster, Hamid. Aber der Säbel gefällt mir. Er sieht aus wie das Schmuckstück eines Pascha.«
»Wundervoller Säbel. Du doch kaufen. Ich bezahlen dafür elftausend. Du mir geben elftausend, weil wir gute Freunde.«
Elftausend, überlegte der Gouverneur. Er nahm den Säbel in die Hand und betrachtete aufmerksam und prüfend jeden einzelnen Stein.
»Hier fehlen ein paar Diamanten am Griff«, sagte er zu Hamid. »Du hast dir deine Provision schon abgezogen, wie?«
Hamid schüttelte verdutzt den Kopf. Tatsächlich, da waren einige Steine aus ihren Fassungen gebrochen! Aber das minderte den Wert des ganzen Stückes durchaus nicht. Der Gouverneur war ein schlauer Fuchs und wahrscheinlich ein noch besserer Geschäftsmann als Hamid.
»Ich geb dir zehntausendfünfhundert dafür, Hamid. Und ...« »Und ...?« warf der Araber gespannt ein.
»Ich werde dir in Zukunft in noch größerem Maße behilflich sein, wenn du zum Beispiel Hanf nach Europa verkaufen willst.«
»Ich zu Hause große Ladung, vier Ballen. Du wissen Schiff, was kann mitnehmen und hat Kapitän, der kann bezahlen?« Der Gouverneur nickte.
»Bringe die Ballen zum Hafen. Morgen läuft ein Kauffahrer mit Soldaten an Bord aus. Da ist die Ware am sichersten.«
»Danke«, sagte Hamid. »Du dafür Säbel für zehntausend. Ich nichts verdienen an Freund.« Don Hernando klopfte seinem großzügigen Partner auf die Schulter. Und Hamid, der trotz allem noch ein gutes Geschäft gemacht hatte, taten diese fünfhundert Piaster nicht weh. Es gab ungeschriebene Gesetze, nach denen auch der sparsamste und knauserigste Kaufmann seinen Geiz überwinden muß, um später um so größere Gewinne zu erzielen. Die fünfhundert Piaster waren Geschäftsunkosten.
Der Gouverneur ließ das Geld bringen, aus der Steuerkasse übrigens; denn schließlich, warum sollte man ein Geschenk für den König nicht aus öffentlichen Mitteln bezahlen? Als sich die beiden trennten, sagte Don Hernando zum Abschied:
»Du kannst dich immer auf mich verlassen, Hamid. Du weißt, wenn du meine Hilfe brauchst, bin ich für dich da.«
»Selbst Leim von Dattelsaft nicht so guter Kitt wie Geschäft«, grinste Hamid und machte einen unterwürfigen Kratzfuß.
Als er auf dem Bock seiner Kutsche saß, lag noch immer ein Lächeln der Zufriedenheit mit sich selbst und der Welt auf seinem Gesicht.
30
Als Halef glaubte, daß ihn der Herr der Berge nicht mehr einholen könnte, mäßigte er für einen Augenblick das Tempo seines Rittes und ließ sein Pferd im Schritt gehen. Plötzlich aber schoß er wieder im Galopp davon und trieb sein Tier zu immer größerer Eile an. Sein Herr sollte den Eindruck haben, daß er sich wirklich abgehetzt habe, um ihm die betrübliche Nachricht zu überbringen. Um eine solche Vorstellung zu geben und dabei echt zuwirken, war es am besten, man lebte sich in seine Rolle hinein.