Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
„Er schleicht ruhelos aus einer Ecke in die andere. Fast scheint es mir, als ob er ahne, daß Sie sich noch auf Jeannette befinden.“
„Er wird das Schleichen schon noch satt bekommen. Haben wir nur noch einige Zeit Geduld.“
Es verging abermals eine Stunde, während welcher Florian auf sich warten ließ. Endlich erschien er. Königsau hörte, daß er einen leisen Fluch ausstieß.
„Was gibt es abermals?“ fragte er.
„Jetzt hatte ich ein wenig Luft“, antwortete der Kutscher. „Es kam ein Reiter, mit welchem der Kapitän sich bis jetzt unterhalten hat. Diese Zeit habe ich benutzt, um die Pferde nach dem Garten zu bringen. Mit dreien ist es mir gelungen, aber das vierte befindet sich noch im Stall.“
„Der Kapitän schleicht wieder?“
„Freilich.“
„Das könnte man ihm verleiden. Dauert es lange, das vierte Pferd nach dem Garten zu bringen?“
„Höchstens fünf Minuten.“
„Kann man aus dem Garten fortreiten, ohne gehört zu werden?“
„Ja, sobald das große Tor von innen geöffnet wird.“
„Wo schleicht der Kapitän.“
„Jetzt meist außen um die ganze Besitzung herum.“
„Wäre da der Hund nicht zu gebrauchen?“
„Sapristi! Ja, an den habe ich doch gar nicht gedacht.“
„Also. Er mag ihn festhalten, so lange als es für uns notwendig ist.“
„Das werde ich sofort besorgen. Ziehen Sie sich einstweilen um, Herr von Königsau, und tragen Sie auch den Damen die Kleider hinab. Ihr jetziger Anzug und die Frauenanzüge, welche ich geborgt habe, werden in die Mäntel geschnallt. Alles übrige Besitztum der Damen bleibt hier. Sind Sie hinreichend mit Geld versehen?“
„Vollständig.“
„Sonst hätte ich Ihnen einiges zur Verfügung gestellt.“
Er entfernte sich rasch aber leise wieder und begab sich zunächst nach dem Stalle, in welchem Tiger an der Kette lag. Er machte ihn los und sagte zu ihm:
„Komm, mein Hund. Du sollst den Kerl noch einmal fassen, aber still, ganz still, damit kein Lärm entsteht. Übrigens wirst du uns dann begleiten, denn du bist ein tapferer Kerl und kannst uns von großem Nutzen sein.“
Er schlich mit ihm hinaus und legte sich draußen hinter einem der Nebengebäude auf die Lauer. Er hatte ungefähr eine Viertelstunde gewartet, als er leise Schritte hörte. Er legte sich auf den Boden, um den Nahenden möglichst gegen den Himmel betrachten zu können. Trotz der Dunkelheit erkannte er in demselben den Kapitän. Er ließ ihn vorüber.
„Halte ihn!“ gebot er dann leise dem Hund.
Das Tier schnellte sich mit einigen weiten Sätzen vorwärts. Ein unterdrückter Schrei, der Fall eines Körpers und dann ein grimmiges Knurren war alles, was man hörte; dann war es still.
Jetzt wußte der Kutscher sich sicher und den unbequemen Späher unter der besten und schärfsten Bewachung. Er kehrte nach dem Stall zurück und führte das Pferd nach dem Garten. Dann koppelte er die Tiere zusammen und führte sie aus dem Garten hinaus nach einer einzelnen Linde, welche in einiger Entfernung vom Meierhof auf dem Feld stand.
Nun wendete er sich wieder rückwärts, ging erst zu sich selbst, um alles, was er für nötig hielt, zu sich zu stecken, und stieg dann auf das Dach hinauf. Dort fand er Königsau bereits in der Dragoneruniform.
„Ist alles gut gegangen?“ fragte dieser.
„Ja.“
„Der Kapitän liegt fest?“
„Ja; der Hund hat ihn. Wie weit sind die Damen?“
„Sie sind auch bereit. Es ist schneller gegangen, als ich dachte.“
„So will ich sie holen.“
Florian stieg zur Leiter hinab und brachte bald die beiden verkleideten Frauen hinauf. Er zog die Leiter nach und schloß dann die Treppenöffnung zu. Die Leiter legte er neben die Esse, daß es den Anschein hatte, als sei sie von einem Schornsteinfeger gebraucht worden.
„Jetzt bitte ich, mir zu folgen“, sagte er dann. „Aber möglichst leise, damit wir nicht bemerkt werden.“
Die drei anderen schritten unter seiner Führung über das Dach hinüber und kamen an den Hauptausgang, von da auf die Treppe, in einen finsteren Korridor, auf welchem sie sich bei den Händen fassen mußten, sodann auf eine Nebentreppe, in einen kleinen Hof, aus demselben in den Garten und von da hinaus auf das Feld.
„Wo sind die Pferde?“ fragte jetzt Königsau. „Ich dachte, sie in dem Garten zu finden.“
„Ich habe sie weiter fortgeschafft, weil mir das sicherer erschien.“
Nach diesen Worten führte der Kutscher die anderen zu der Linde, wo er jeder Person das betreffende Pferd anwies.
„Jetzt bitte ich, einige Augenblicke zu warten. Ich muß Richemonte freilassen.“
„Warum?“
„Weil ich meinen Hund mitnehmen will. Er kann uns nützlich werden.“
Er schlich sich wieder zurück. In der Nähe der Stelle angekommen, an welcher Richemonte lag, trat er fester auf und tat ganz so, als ob er eben um die Ecke herum komme.
„Holla! Was ist das?“ fragte er. „Tiger, bist du es? Was hast du denn da? Zeige einmal her?“
Er bückte sich nieder.
„Ah, einen Kerl! Ist der Königsau also doch hier gewesen und mir in die Falle gegangen! Wie gut, daß ich gewacht habe! Wart, Bursche, ich werde dich dem Kapitän Richemonte überliefern. Du darfst zwar aufstehen, aber suche nicht, mir auszureißen! Mein Hund hätte doch sofort wieder beim Kragen, und dann könnte ich es ihm nicht mehr wehren, es wäre um dich geschehen. Laß gehen, Tiger; aber paß noch gut auf.“
Der Hund gab den am Boden Liegenden frei, entfernte sich aber keineswegs von ihm. Richemonte raffte sich empor.
„Donnerwetter!“ sagte er. „Das ist nun bereits zum zweiten Male.“
„Wie, Herr Kapitän, Sie sind es, Sie?“ fragte Florian ganz erstaunt.
„Ja, ich! Mensch, warum läßt du denn diesen Hund so frei herumlaufen?“
„Weil er mir den Königsau fangen sollte.“
„Du selbst behauptest doch, daß er fort sei.“
„Ja; aber der Kaiser sagte, daß er vielleicht doch noch hier herum versteckt sei. Es ärgerte mich furchtbar, von diesem Deutschen belogen zu worden zu sein, und darum gab ich mir alle Mühe, ihn zu fangen.“
„Das war ganz überflüssiger Eifer. Ich habe darunter leiden müssen und bin nun zum zweiten Mal dem Tod nahe gewesen.“
„Ja, der Tiger ist ein ausgezeichneter Hund.“
„Hole ihn der Teufel! Du aber kannst dich in das Bett scheren, anstatt andere in Lebensgefahr zu bringen.“
„Pst, sprechen Sie nicht so barsch, Monsieur.“
„Warum nicht? Hast du es etwa nicht verdient?“
„Ich weiß nicht. Aber mein Hund könnte sonst denken, daß Sie sich mit mir zanken, und dann reißt er sie wieder nieder.“
„Miserable Bestie! Halte ihn einmal fest!“
„Warum?“
„Weil ich mich entfernen will.“
„Gut. Ich denke, es wird auch für Sie besser sein, sich zu Bett zu begeben. Diese Deutschen sind gar nicht wert, daß man sich von ihnen an der Nase herumführen läßt. Verstanden, Herr Kapitän?“
Richemonte hatte sich bereits einige Schritte entfernt; jetzt blieb er stehen.
„Wie meinst du das?“ fragte er.
„Ganz so, wie ich es gesagt habe, Herr Kapitän.“
„Höre, mir scheint, du treibst ein falsches Spiel mit mir. Nimm dich in acht, daß ich dich nicht dabei ertappe, sonst bekommst du es mit mir zu tun.“
„Ja, bisher habe ich Sie stets dabei ertappt, und da hatten Sie es mit dem Hund zu tun.“
Richemonte ging wütend davon, und der Kutscher begab sich zu seinen drei Gefährten, welche ein jedes Wort mit angehört hatten.
„Das war ein wenig unvorsichtig“, meinte Königsau. „Es war besser, dem Hund zu pfeifen, als hinzugehen und sich dem Mann zu zeigen.“
„Das ist egal, der Mann muß auch wissen, wer es ist, der ihn auslacht; sonst hat man kein Vergnügen daran.“
Er stieg zu Pferd, und der Ritt begann.