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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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„Als – Ihre Diener?“ fragte sie.

„Ja.“

„Sie scherzen.“

„Es ist im Gegenteil mein völliger Ernst. Männerkleidung müssen Sie anlegen, weil bereits morgen früh, sobald man Ihre Flucht bemerkt, überall nach zwei Damen geforscht werden wird.“

„Welch ein Fall.“

„Welch ein Abenteuer!“ sagte Margot. „Ich als dein Diener.“

„Aber wie reisen wir?“ fragte ihre Mutter. „Zu Wagen?“

„Nein, das wäre zu auffällig und zu beschwerlich. Wir werden reiten.“

„In Männerkleidung?“

„Ja.“

Es wurde Königsau schwer, Frau Richemonte zur Annahme seines Plans zu bewegen. Margot hingegen freute sich förmlich darauf.

„Wann geht es fort?“ fragte sie.

„Florian wird uns benachrichtigen. Aber sage, ob du nicht zu schwach zu einem solchen Ritt sein wirst?“

„Ich fühle mich stark genug dazu.“

„Gott wolle es, daß du dich nicht täuschst.“

„Weiß meine Cousine bereits davon?“ fragte Frau Richemonte.

„Nein. Sie und niemand darf etwas wissen, damit keine Verantwortlichkeit auf jemand fällt.“

Soweit war das Gespräch gekommen, als die Tür, durch welche Königsau eingetreten war, leise geöffnet wurde. Florian trat ein, einen mächtigen Pack Kleidungsstücke mit sich schleppend.

„Das ist alles, was wir brauchen“, flüsterte er.

„Mein Majorsanzug?“ fragte der Lieutenant.

„Ja. Und hier zwei andere Anzüge für die Damen.“

„Werden sie passen?“ fragte Margot.

„Hm, das ist sehr fraglich. Ich habe sie im Finstern gestohlen, und dabei ist es nicht gut möglich, genau Maß zu nehmen.“

„Gestohlen?“ fragte Frau Richemonte erschrocken.

„Ja, Madame.“

„Aber, warum denn stehlen?“

„Weil auf andere Weise das Nötige nicht zu bekommen wäre.“

„Aber da sind wir ja straffällig?“

„Machen Sie sich da keine große Sorge, liebe Mama“, bat Königsau. „Wir fliehen, um der Gefangenschaft und noch anderem zu entgehen; da darf man es mit den Nebensachen nicht so streng nehmen. Aber hier sehe ich doch auch Frauenkleider.“

„Ja“, antwortete Florian. „Ich habe für jede der Damen einen Anzug mitgebracht, wie er von den wohlhabenden Mädchen und Frauen dieser Gegend getragen wird.“

„Auch gestohlen?“

„Nein. Ein solches Raubgenie bin ich denn doch nicht ganz. Ich habe mir diese Sachen nur ein wenig geborgt.“

„Von wem?“

„Von der Wirtschafterin.“

„So ist sie in den Plan eingeweiht worden?“

„O nein. Ich habe ihr gesagt, daß es sich um einen kleinen Hochzeitsscherz handele, und da ich sonst nicht sehr spaßhaft bin, so hat sie es geglaubt.“

„Aber wozu Frauenkleidung, Florian?“

„Das ist doch sehr einfach. Am Tag müssen die Damen in ihrer Verkleidung einem jeden auffallen, der Augen hat. Die Militärsachen sind nur da, um durch Sedan zu kommen, dann werden wir weiter sehen. Übrigens dürfen die Damen nur in Frauenkleidung in Gedinne anlangen. Jetzt will ich gehen, um zu sehen, auf welche Weise wir am leichtesten zu den nötigen Pferden kommen.“

„Halten Sie es für möglich, daß Kapitän Richemonte nochmals hierher kommt, um zu revidieren?“ fragte Frau Richemonte.

„Ich halte es sogar für sehr wahrscheinlich.“

„Aber dann wird er vielleicht diese Kleider bemerken.“

„Nein. Ich werde den Herrn von Königsau bitten, sie mit auf das Dach zu nehmen, um dort auf mich zu warten. Ich habe die Sachen jetzt nur gebracht, damit Sie sich dieselben einmal betrachten können.“

Er ging. Auch Königsau kehrte nach einiger Zeit auf das Dach zurück. Er hatte die Kleider mitgenommen und wartete nun auf die Rückkehr des braven Kutschers, welcher es so gut verstanden hatte, ihn vorher über seine Pfiffigkeit zu täuschen. –

Es war fast gegen Mitternacht, als ein einzelner Reiter vor dem Tor hielt. Es war sehr finster geworden.

„Wer da?“ fragte die dort postierte Schildwache.

„Armeelieferant de Reillac“, lautete die Antwort.

„Kann passieren.“

Der Baron ritt in den Hof ein und stieg da vom Pferd. Als er sein Tier an eine Zaunlatte angebunden hatte, begab er sich nach dem Wachtlokal, welches sehr leicht dadurch zu erkennen war, daß es erleuchtet war. Als er dort eintrat, fuhr er erstaunt einen Schritt zurück.

„Sie hier, Kapitän?“ fragte er.

Wirklich befand sich Kapitän Richemonte augenblicklich bei dem Wachthabenden. Er hatte sich fest vorgenommen, diese Nacht nicht zu schlafen, sondern ohne Unterlaß um den Meierhof zu patrouillieren. Es war doch möglich, daß Königsau, falls er sich hier befand, ihm dabei in die Hände lief.

„Und Sie hier, Baron?“ gegenfragte Richemonte.

„Allerdings. Ich erfuhr, daß der Kaiser hier abgestiegen sei und ritt hierher, um für morgen eine Audienz zu erbitten.“

„In Lieferungssachen?“ fragte Richemonte lachend.

„Natürlich.“

„Sie wollen bitten, die Schlachtochsen nicht gar so fett kaufen zu müssen.“

„Und die Stiefel nicht gar so lang“, fügte der Wachthabende hinzu.

„Scherzen Sie immerhin“, meinte Reillac. „Mir ist die Sache sehr ernst. Bei mir stehen Millionen auf dem Spiel. Heute kam die Order zum Marschieren. Ich habe mir die Befehle des Hauptquartieres einzuholen, glaubte aber nicht, Sie hier zu finden, Kapitän.“

„Oh, ich bin überall da, wo es gilt, Ihnen einen Dienst zu erweisen“, antwortete Richemonte.

Reillac blickte ihn einigermaßen verblüfft an.

„Sie mir?“ fragte er.

Allerdings war gewöhnlich er es gewesen, welcher dem Kapitän Dienste geleistet hatte.

„Ja, ich Ihnen“, antwortete der Gefragte ruhig.

„Welcher Dienst wäre das?“

„Wollen Sie es erfahren, so folgen Sie mir nach meiner Wohnung.“

„Sie haben eine Wohnung hier?“

„Ja. Oder soll ich als Etappenkommandant nicht auf der Etappe wohnen dürfen?“

„Etappenkommandant? Von Jeannette?“

„Ja.“

„Und ich vermutete sie in der Nähe der feindlichen Aufstellungen.“

„Von dort bin ich zurückgekehrt. Doch kommen Sie.“

Er nahm ihn am Arm und führte ihn nach dem Zimmer, welches er sich hatte anweisen lassen. Dort angekommen, brannte er sich eine Zigarre an und warf sich mit der Miene eines gemachten Mannes auf das Sofa.

„Setzen Sie sich, Baron!“ sagte er in der Weise eines Gönners, der gerade einmal bei guter Laune ist.

Der Armeelieferant nahm langsam Platz, betrachtete kopfschüttelnd sein Gegenüber und sagte dann:

„Kapitän, mit Ihnen ist etwas vorgegangen!“

„Allerdings!“ nickte Richemonte.

„Aber was?“

„Vieles! Und ich hoffe, daß auch noch verschiedenes mit mir vorgehen wird.“

„Wie kommen Sie dazu, Etappenkommandant von Jeannette zu werden?“

„Pah! Wie kommen Sie dazu, Armeelieferant zu werden?“

„Ich habe das Geld für diesen Posten.“

„Und ich habe das Geschick zu meinem Posten.“

„Donnerwetter, Sie scheinen seit kurzem an Selbstbewußtsein zugenommen zu haben. Wie kommt das?“

„Das werden Sie vielleicht erfahren. Vorher aber eine Frage.“

„Fragen Sie.“

„Können Sie mir zehntausend Francs borgen?“

„Nicht zehn Sous.“

„Warum nicht? Haben Sie kein Geld?“

„Geld habe ich, aber nicht für Sie. Sie sind ein Blutegel, welcher nur immerwährend saugt, ohne jemals etwas zurückzugeben.“

„Nun gut, so will ich Ihnen sagen, daß ich nur im Scherz sprach. Ich brauche Ihr Geld nicht mehr!“

„Das glaube Ihnen der Teufel, aber ich nicht! Es hat in Ihrem Leben nicht einen einzigen Augenblick gegeben, in welchem Sie nicht Geld gebraucht hätten.“

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