Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
„Hast du Schmerzen?“
„Die Wunde fühle ich nicht; doch um dich habe ich Wehe.“
„Um mich? Warum?“
„Daß du um meinetwillen solche Beleidigungen und Kränkungen zu erdulden hast. Du warst so stark, so gut und kühn, und zum Dank dafür trachtet man dir nach dem Leben.“
Er nahm ihr Köpfchen an seine Brust, blickte ihr tief in die Augen und sagte im innigsten Ton:
„Ein Wort, ein Blick von dir macht das alles wieder gut.“
„Hast du mich wirklich so lieb?“
„Ja, unendlich!“
„Und ich dich ebenso. Darum ist mir so bange um dich, mein Hugo. Wenn man dich ergreift, so bist du verloren.“
„Habe keine Angst! Man wird mich nicht ergreifen.“
„Ich hoffe es; denn du wirst dich hier verbergen, bis der Weg frei ist.“
„Leider ist mir dies unmöglich, meine Margot.“
„Warum?“
„Weil ich diese Nacht wieder fort muß.“
„Mein Gott, wie gefährlich! Hugo, ich lasse dich nicht fort.“
Sie umschlang ihn fester als bisher mit ihren Armen.
„Und dennoch wirst du mich sofort fortlassen, wenn ich dir sage, daß die Pflicht mich dazu zwingt.“
„Diese böse Pflicht, von welcher ihr Männer doch immer redet. Ist es denn wirklich eure Pflicht, euch aus einer Gefahr in die andere zu stürzen?“
„Zuweilen, ja. Der Mensch ist zu keiner Stunde seines Lebens sicher, und ein Offizier darf dies mit noch größerer Berechtigung von sich sagen. Übrigens gilt es, unserem Freund einen hochwichtigen Dienst zu erweisen.“
„Welchem Freunde?“
„Dem Marschall.“
„Ah, unserem Vater Blücher! Seinetwegen mußt du fort?“
„Ja. Er hat mich ausgesandt, um so viel wie möglich über die Absichten unserer Feinde zu erfahren. Jetzt muß ich schleunigst zu ihm zurück.“
„Hast du etwas erfahren?“
„Ja.“
„Wichtiges?“
„Höchst Wichtiges. Ich habe die sämtlichen Pläne Napoleons belauscht.“
„Mein Gott, welch ein Glück für dich! Ja, dann ist es wahr, daß du zu dem Marschall mußt. Aber mit welcher Gefahr ist das verbunden!“
Und ihr Köpfchen innig an ihn schmiegend, fügte sie hinzu:
„Ich wollte sehr, daß ich sie mit dir teilen könnte.“
Da strich er ihr mit der Hand zärtlich über das reiche Haar und antwortete:
„Wenn dir dieser Wunsch in Erfüllung ginge, mein Leben?“
Sie hob schnell die Augen zu ihm empor und fragte:
„Wie meinst du das, Hugo?“
„Ich meine, ob du, wenn du gesund wärst, den Mut hättest, mich zu begleiten?“
„Oh, den habe ich, ich könnte an deiner Seite den Donner der Schlachten ruhig ertragen. Glaubst du mir das?“
„Ich glaube es, denn du hast es ja bereits bewiesen.“
„Ich bewiesen? Wann und wo?“
„In Paris. Da bist du mir schützend nachgefolgt, als ich überfallen werden sollte. War das nicht mutig?“
„Oh, das war kein Mut, das war nur der Stimme des Herzens gefolgt.“
„Das beweist eben, daß du ein mutiges Herz hast. Also du würdest auch heute die Gefahr mit mir teilen?“
„Oh, wie gern.“
„Aber du bist krank. Du bist zu schwach.“
„Wenn es notwendig wäre, würde ich schon stark dazu sein.“
„Wirklich?“
„Gewiß.“
„Nun, so will ich dir sagen, daß es vielleicht notwendig sein wird.“
„Was Sie sagen“, fiel da die Mutter ein. „Sie meinen, daß wir veranlaßt sein könnten, Jeannette zu verlassen?“
„Leider, meine liebe Mama.“
„Aus welchem Grund? Ah, ich vermute ihn.“
Sie begleitete diese Worte mit einem halb und halb mißbilligenden Blick.
„Ich bin überzeugt, daß Sie sich irren“, sagte er.
„Ich errate sicher das richtige.“
„Versuchen wir es einmal.“
„Sie sind ein wenig eifersüchtig, mein lieber Herr von Königsau.“
„Nicht im mindestens.“
„O doch! Und Sie denken, der Titel eines Kaisers sei wohl imstande, ein Mädchenherz zu verwirren.“
„Dieses Mädchenherz müßte nicht so stark sein wie das Herz meiner Margot, für welches es geradezu beleidigend sein würde, wenn ich Eifersucht fühlen wollte.“
„Ich danke dir, Hugo“, sagte Margot. „Der Grund ist also ein anderer?“
„Ja, es droht dir von Seiten des Kaisers eine große Gefahr!“
„Also doch eine Art von Eifersucht!“ lächelte Frau Richemonte.
„O nein. Es ist gegen Margot ein Plan im Werk, den zu belauschen ich so glücklich war. Daß Kapitän Richemonte hier Etappenkommandant geworden ist, wissen Sie vielleicht, Mama.“
„Ja. Er hat es uns selbst gesagt.“
„In dieser seiner Eigenschaft ist er mit ungewöhnlicher Macht ausgerüstet. Man hat ihm zu gehorchen, ohne ihn zunächst zur Verantwortung ziehen zu können. Und außerdem hat ihm der Kaiser den Befehl erteilt, Sie hier gefangen zu halten.“
„Doch, weil man Sie hier vermutet?“
„Nein, sondern weil man Margot mit dem Baron Reillac vermählen will.“
Margot fuhr rasch empor.
„Mit diesem Menschen?“ fragte sie.
„Ja.“
„Wer will mich zwingen?“
„Dein Bruder, und zwar im Auftrag des Kaisers.“
„Kein Kaiser hat die Macht dazu.“
„O doch, liebe Margot. Ich habe gesehen und gehört, daß Napoleon deinem Bruder eine schriftliche Vollmacht überreicht hat. Es stehen ihm alle Behörden zur Verfügung, um dich auf irgendeine Weise zu dieser Vermählung zu zwingen.“
„Mein Gott! Ist das wirklich wahr?“ fragt die Mutter.
„Ja, leider“, antwortete er. „Morgen wird der Kapitän nach Sedan reiten, um Reillac zu benachrichtigen.“
„Aber zu welchem Zweck soll ich die Frau dieses Mannes werden?“ fragte Margot.
„Ich muß dir sagen, liebe Margot, daß Reillac als dein Mann den strengen Befehl erhalten würde, dich nicht eher anzurühren, als bis der Kaiser es ihm erlaubt.“
Margot erglühte.
„Schütze mich, Hugo!“ bat sie.
„Ich bin bereit dazu, meine Margot. Doch kann ich dir nur dann Schutz gewähren, wenn du Jeannette mit mir zugleich verläßt.“
„Noch diese Nacht, Hugo?“
„Ja.“
„Ich gehe mit.“
Frau Richemonte war ganz blaß geworden.
„Das ist doch noch zu prüfen“, sagte sie. „Ich setze nicht den mindesten Zweifel in die Wahrheit dessen, was Sie sagen, lieber Sohn; Sie haben alles selbst gehört?“
„Alles!“
„Nun gut. Aber gibt es wirklich kein anderes Mittel, als diese Flucht?“
„Ich weiß keins.“
„Wenn wir nun an die Großmut des Kaisers appellieren?“
„Wie großmütig er ist, hat er an mir bewiesen, Mama.“
„Das ist allerdings wahr. Aber ist die Flucht denn möglich?“
„Ich denke, ja.“
„Wir sind ja gefangen; wir werden bewacht.“
„Diese Wohnung hat noch einen anderen Ausgang.“
„Auch ich soll mich an der Flucht beteiligen?“
„Ich bitte Sie darum.“
„Wohin werden Sie uns bringen? Zu Blücher?“
„Das ist für jetzt unmöglich. Der Kaiser hat heute Marschorder erteilt, und morgen sind alle Militärkolonnen in Bewegung. Wir würden nicht so weit durchkommen. Florian hat mir einen braven Mann empfohlen, bei dem Sie ganz sicher sein würden. Er wird uns selbst begleiten.“
„Wohin?“
„Nach Gedinne.“
„Da ist nach Givet zu; also müssen wir durch Sedan, gerade durch die Franzosen hindurch. Ist das nicht zu gefährlich?“
„Nein. Ich reise als französischer Major.“
„Und wir?“
„Als meine Diener.“
Frau Richemonte blickte ihm erstaunt, ja betroffen in das Angesicht.