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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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Vor Freude und Entzücken über die zu erwartende Erfüllung seines so lange Zeit vollständig vergeblichen Wunsches dachte der Baron gar nicht daran, diese so ganz und gar verfängliche Wortstellung und Ausdrucksweise einer Prüfung zu unterwerfen. Er schrieb, wie es ihm angegeben worden war, und setzte seinen Namen und das Datum darunter.

„So! Genügt das?“ fragte er.

„Vollständig“, antwortete der Kapitän.

Sein Auge ruhte wie dasjenige eines Raubtieres auf diesem wichtigen Dokument, als er es zusammenfaltete und in seine Brieftasche steckte.

„Haben Sie bereits mit Margot gesprochen?“

„Ja.“

„Kennt sie den Willen des Kaisers?“

„So ziemlich.“

„Und wie verhält sie sich dazu?“

„Mehr passiv als aktiv.“

„So haben wir ja bereits mehr als halb gewonnen! Und die Mutter?“

„Oh, die ist noch leichter zu zähmen als die Tochter! Ich habe dem Kaiser ganz einfach die Wahrheit gesagt.“

„Welche Wahrheit meinen Sie?“

„Daß die beiden Damen sich bisher gegen Ihre Huldigungen sträubten.“

„Donnerwetter! War dies nicht blamierend für mich?“

„Ganz und gar nicht. Sie sind weder schön, noch jung; es läßt sich also begreifen, daß ein lebensfrisches Mädchen einen feschen Husarenoffizier Ihnen vorzieht. Wo liegt da die Blamage?“

„Sie sind fast mehr als aufrichtig, Kapitän.“

„Oh, ich gebe der Sache nur die richtigen Worte.“

„Sie kommen aber da sehr leicht in die Gefahr, für grob gehalten zu werden.“

„Das bin ich zuweilen wirklich.“

„Wie zum Beispiel gerade jetzt.“

„Meinetwegen. Unter Freunden rechnet man nicht so streng, und daß ich Ihr Freund bin, glaubte ich Ihnen bewiesen zu haben.“

„Und nebenbei handelten Sie in Ihrem eigenen Interesse.“

„Ich leugne dies gar nicht, obgleich mein Interesse es gar nicht erforderte, Margot so scharf auf die Folter zu nehmen, wie es geschehen ist.“

„Was meinen Sie? Was ist geschehen?“

„Margot ist meine Gefangene.“

„Alle Teufel! Warum?“

„Um sie zur Räson zu bringen. Sie gibt entweder ihr Jawort freiwillig, und dann wird die Hochzeitszeremonie öffentlich und in feierlicher Weise vorgenommen werden, oder sie verweigert es, und dann wird sie in ihrem Zimmer Ihre Frau, ohne gefragt zu werden.“

„Hat dies Geltung?“

„Wer kann gegen des Kaisers Befehl?“

„Allerdings! Aber man kann doch zuweilen nicht wissen, was – – –“

„Pah!“ unterbrach ihn rasch der Kapitän. „Ich habe Vollmacht, nach Belieben zu handeln. Kann Margot nicht krank sein? Kann sie nicht vom Schlag getroffen und der Sprache beraubt worden sein? Lassen Sie mich nur machen.“

„Kapitän, Sie sind bei Gott ein ausgezeichneter Kerl. Sie sind wert, mein Schwager zu sein.“

„Danke! Dieses Kompliment bringt mich ganz und gar nicht um den Verstand. Übrigens muß ich Sie fragen, ob Sie bereits wissen, was dem Kaiser heute unterwegs passiert ist.“

„Ich habe es in Sedan erzählen hören. Er ist überfallen worden.“

„Was hat man über seine Rettung gesagt?“

„Viel Abenteuerliches. Ein junger Mann soll ihn gerettet haben, ein wahrer Roland, ein Goliath, welcher die Räuber niedergemäht hat wie Halme.“

„Unsinn! Wissen Sie, wer dieser Goliath gewesen ist?“

„Nun?“

„Sie kennen ihn sehr genau; denn auch Sie haben mit ihm zu tun gehabt, und zwar in Paris; ich meine nämlich Königsau.“

Der Baron schüttelte ungläubig den Kopf.

Kapitän Richemonte blickte seinen Partner triumphierend an und weidete sich an dem Erstaunen desselben.

„Ja, ja, ich meine wirklich den Lieutenant Königsau“, wiederholte der Kapitän, jedes Wort scharf betonend.

Der Baron sperrte den Mund abermals weit auf. Dieses Mal wurde es ihm wirklich schwer, zu Worte zu kommen.

„Kö-nigs-au?“ fragte er endlich gedehnt.

„Ja.“

„Dieser preußische Husarenlieutenant soll den Kaiser gerettet haben?“

„Allerdings.“

„Unmöglich!“

„Oh, höchst wahrscheinlich.“

„Ich hörte doch, es sei ein Seekapitän aus Marseille gewesen.“

„Königsau war es. Er hat sich allerdings für einen Seekapitän ausgegeben, da er als Spion in dieser Gegend gewesen ist. Wir haben den ganzen Meierhof nach ihm durchsucht.“

„War er hier?“

„Jedenfalls.“

„Aber man hat ihn nicht gefunden?“

„Leider nein.“

„Jammerschade.“

„Allerdings. Ich selbst erhielt vom Kaiser den Auftrag, nach ihm zu suchen; aber auch meine Bemühungen waren erfolglos. Übrigens habe ich dabei eine Bemerkung gemacht. Sie kennen den Kutscher Florian?“

„Ja. Er ist von mir bestochen.“

„Sie glauben, ihm trauen zu dürfen?“

„Gewiß.“

„Ich warne Sie vor ihm. Es ist mir ein häßlicher Streich gespielt worden, dessen Urheber ich in ihm vermute. Er scheint mir überhaupt nicht so sehr einfältig zu sein, wie er gern erscheinen möchte.“

„Er hat mir aber bereits sehr viel genützt.“

„Und im geheimen wohl noch viel mehr geschadet. Ich werde auf diesen Menschen ein scharfes Auge haben. Ich bemerke zum Beispiel, daß er heute Abend ruhelos von einem Ort zum andern schleicht. Ich glaube, er hat etwas vor. Vielleicht steckt er gar mit diesem Königsau im Bund.“

„Das glaube ich nicht.“

„Er soll es sich auch nicht einfallen lassen. Übrigens habe ich mit Ihnen bereits zu viel Zeit versäumt. Wir müssen uns trennen.“

„Was gibt es für Sie noch so Nötiges zu tun?“

„Ich passe auf, ob ich vielleicht doch noch den Preußen erwische. Ich schleiche mich ohne Unterlaß um den Meierhof herum. Dabei habe ich eben diesen Florian bemerkt, welcher mir dadurch verdächtig geworden ist.“

„So will ich Sie nicht stören, Kapitän. Es wäre ja auch mir ein wahres Gaudium, wenn es Ihnen gelänge, diesen Königsau zu fangen. Ich reite also jetzt nach Sedan zurück, um Ihnen die Wechsel zu holen. Doch sage ich Ihnen vorher, daß Sie dieselben erst nach unserer Audienz beim Kaiser ausgehändigt erhalten.“

„Mir ist das gleich. Geben Sie die Wechsel nicht, so erhalten Sie Margot nicht; das steht unumstößlich fest.“

„Man muß unter Freunden ehrlich sein, und Freunde sind wir beide hoffentlich doch. Also auf Wiedersehen, Kapitän.“

„Auf Wiedersehen!“

„Wann steht der Kaiser auf?“

„Bei Tagesanbruch.“

„So muß ich mich beeilen.“

Er verließ das Zimmer. Der Kapitän blieb lauschend stehen, bis die Schritte verklungen waren. Dann murmelte er, tief aufatmend:

„Endlich, endlich gesiegt. Diese verdammten Akzepte werden vernichtet, und das Erbschaftsdokument, ah, wozu ist das nicht zu gebrauchen! Den Namen verändert, so bin ich der Universalerbe. Diese Angelegenheit läßt sich überhaupt auf sehr verschiedene Weise nutzbar machen. Der Kaiser will mir wohl, Margot wird gezähmt, ich bin meine Schulden los und darf nun endlich aufatmen. Freilich darf ich diesem Baron jetzt noch nicht mitteilen, daß er sich zu hüten hat, Margot anzurühren. Ich glaube, es fiele ihm ein, noch in letzter Stunde scheu zu werden.“

Nach diesem Selbstgespräch begab er sich wieder hinaus, um seinen Patrouillengang fortzusetzen. –

Kurze Zeit vorher war Florian auf das Dach zu Königsau gekommen. Dieser hatte geglaubt, daß es Zeit zum Aufbruche sei.

„O nein“, sagte da der Kutscher. „Ich befürchte fast, daß es uns unmöglich sein wird, fortzukommen.“

Königsau erschrak.

„Warum sollte es unmöglich sein?“ fragte.

„Weil dieser Richemonte gar nicht zur Ruhe kommen will.“

„Was tut er?“

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