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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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„So ist dir diese Gegend wohl nicht unbekannt?“

„Nein, ich kenne sie. Ich habe hier, wo wir jetzt stehen, bereits gestanden, und diese Schlucht ist der Schauplatz einer der wichtigsten Episoden meines Lebens. Ich werde sie dir jetzt an Ort und Stelle erzählen. Komm.“

Sie waren unterdessen abgestiegen. Königsau band die Pferde an einen Baum und führte die Geliebte tiefer in die Schlucht hinein.

FÜNFTES KAPITEL 

Schatzgräber

Als Baron de Reillac vorhin den Kutscher fortsprengen sah, ohne von ihm die gewünschte Auskunft zu erhalten, blickte er ihm kopfschüttelnd nach.

„Hm, da ist auf dem Meierhof ganz sicher etwas los!“ dachte er, indem er sein Pferd antrieb, den Weg wieder fortzusetzen. „Aber was? Diesen Offizier habe ich jedenfalls bereits gesehen. Sehr jung für den Rang eines Majors. Und die beiden Soldaten hatten auch so etwas Bekanntes an sich.“

Er sann und sann, ohne auf das Richtige zu kommen.

„Ah pah! Warum mir den Kopf zerbrechen? Ich werde auf Jeannette ja alles erfahren!“ rief er so laut, als ob es jemand hören solle.

Das Pferd mochte glauben, gemeint zu sein, denn es setzte in ein beschleunigtes Tempo ein. So ging es fort, und schon war der Meierhof in Sicht, als der Reiter plötzlich sein Pferd mit einem Ruck anhielt.

„Donnerwetter! Welch ein Gedanke!“ rief er. „Wenn dies wahr wäre! Richemonte traute diesem Florian nicht. Das wäre ein ganz verfluchter Strich durch diese Rechnung. Rasch vorwärts! Ich muß sobald wie möglich Gewißheit und Aufklärung haben.“

Er spornte sein Pferd, daß es im Galopp davon flog, und hielt nicht eher an, als bis er sich auf dem Hof der Meierei befand. Dort sprang er ab und eilte nach dem Zimmer des Kapitäns. Er fand diesen wachend auf dem Sofa liegen. Richemonte erhob sich nachlässig.

„Wieder da?“ fragte dieser.

„Wie Sie sehen.“

„Die Wechsel mitgebracht?“

„Ja. Doch ob ich sie vernichte, ist noch nicht ganz gewiß.“

„Wieso?“

Er betrachtete erst jetzt den Baron aufmerksamer und bemerkte alle Zeichen einer nicht gewöhnlichen Unruhe. Er fuhr darum fort:

„Was haben Sie? Ist etwas passiert?“

„Vielleicht sehr viel. Beantworten Sie mir schnell einige Fragen.“

„Fragen Sie.“

„Wurde noch später eine Spur von diesem Königsau gefunden?“

„Nein.“

„Sind Ihre Mutter und Schwester noch hier?“ fragte der Baron weiter.

„Natürlich.“

„Sie können nicht entkommen?“

„Es steht ein Posten vor der Tür.“

„Dann ist es rätselhaft. Befindet sich Florian noch auf dem Meierhofe?“

„Jedenfalls. Wenigstens habe ich erst vor kurzem mit dem Menschen gesprochen.“

„Er ist nicht mehr da. Auch ich habe mit ihm gesprochen.“

„Wo?“

„Zwischen hier und Sedan. Es war ein Dragonermajor mit zwei Soldaten bei ihm. Eine Täuschung ist nicht möglich, denn ich sprach mit ihm.“

„Kam der Major von Jeannette?“

„Ja.“

„Es ist nur ein einziger hier. Er kam gestern als Ordonnanz und schläft noch.“

„Das ist möglich, denn der Major, welchen ich gesehen habe, war kein anderer als dieser Königsau.“

Bei diesem Wort sprang Richemonte gleich zwei Schritte vorwärts.

„Baron, was sagen Sie?“ rief er.

„Ja, es war Königsau; dieser Florian ist ein Verräter.“

„Irren Sie sich nicht?“

„Nein. Der Deutsche flog im Galopp an mir vorüber; ich konnte sein Bild also nur höchst flüchtig in mir aufnehmen. Darum mußte ich längere Zeit angestrengt nachdenken, ehe ich darauf kam, wem dieses Gesicht gehörte.“

„Verdammt! Sie hätten ihm sonst nachreiten können, um ihn in Sedan festnehmen zu lassen.“

„Allerdings. Das ist es ja, was mich ärgert.“

„Nun, jetzt ist er entkommen.“

„Und die beiden Soldaten mit. Ich will nur wünschen, daß ich mich in meinen weiteren Vermutungen wegen der beiden Soldaten irre.“

„Was ist's mit den Soldaten?“

„Sie sahen Ihrer Mutter und Schwester außerordentlich ähnlich.“

Richemonte erbleichte.

„Sie wollen doch nicht etwa sagen, daß –“, stotterte er.

„Daß dieser verdammte deutsche Lieutenant sich in unser Hauptquartier und in die unmittelbare Nähe des Kaisers wagt, um mir meine Braut vor meinen Augen zu entführen? Ja, gerade das will ich sagen.“

„Das ist ein Unding, eine Unmöglichkeit. Wenn dies wahr wäre, so würde ich fast gezwungen sein, mich zu erschießen.“

„Überzeugen Sie sich.“

„Ja, kommen Sie mit.“

Die beiden Männer begaben sich nach dem Zimmer Margots. Vor demselben hielt der Posten.

„Etwas passiert?“ fragte Richemonte.

„Nein.“

„Viel Geräusch gehört?“

„Gar keins.“

Der Kapitän sowohl als der Baron sahen einander verdutzt an, und es schien, als ob sie wieder Vertrauen in die Lage ihrer Sache gewonnen hätten.

Richemonte wandte sich nun an den wachthabenden Posten mit der weiteren Frage:

„Ist da im Zimmer nicht gesprochen worden?“

„Nein“, rapportierte der Soldat.

„Treten wir ein!“ erklärte der Kapitän.

Er öffnete die Tür. Dies war jetzt möglich, da Margot vor ihrer Entfernung den Riegel mit Absicht wieder zurückgezogen hatte.

„Kein Mensch hier!“ sagte er. „Aber dort ist noch eine Tür!“

Er gelangte in das Zimmer, welches für Königsau bestimmt gewesen war. Auch hier war nichts zu sehen. Von da aus wagte er sich bis an die Treppe, welche in den Stall führte, und zu welcher er hinabgestürzt war.

„Hier sind sie hinab“, sagte er. „Der Schurke von Florian ist ihnen dabei behilflich gewesen und hat auch den Deutschen irgendwo versteckt gehabt. Wir müssen sehen, ob die Baronin und ihr Sohn mit ihm im Bunde gewesen sind.“

Er eilte, von Reillac gefolgt, nach dem Zimmer der Baronin. Dort stand der Posten, welchen er vor der Tür gelassen hatte.

„Ist die Gefangene noch anwesend?“ fragte er.

„Ja“, antwortete der Mann.

„Hast du sie gehört?“

„Ich habe soeben mit ihr gesprochen.“

„Was?“

„Sie trat an die Tür und verlangte ihre Bedienung zur Toilette.“

„Ist das Mädchen bereits bei ihr?“

„Sie ist im Augenblick eingetreten.“

„Wollen sehen.“

Er öffnete die Tür. Die Baronin saß, von dem Frisiermantel umhüllt, auf einem Stuhl. Beim Anblick der beiden Männer erhob sie sich überrascht.

„Madame, haben Sie während der Nacht dieses Zimmer einmal verlassen gehabt?“ fragte Richemonte, ohne sie vorher zu grüßen.

Sie warf ihm einen erstaunt-verächtlichen Blick entgegen und antwortete: „Monsieur, seit wann ist es Sitte, ohne Anmeldung und Gruß in das Boudoir einer Dame einzudringen?“

„Seit jeher, falls die Dame nämlich Gefangene ist. Sie haben meine Frage gehört, und ich ersuche Sie, mir eine Antwort zu geben.“

Sie zuckte die Achseln und entgegnete:

„Es kann hier von einer Antwort keine Rede sein. Ich spreche nur mit Personen, welche die im Verkehr mit Damen notwendige Höflichkeit besitzen. Ihnen aber mangelt dieselbe vollständig.“

„Ah!“ meinte er zornig. „Vergessen Sie nicht, daß Sie sich in meiner Gewalt befinden!“

„Jedenfalls in der des Kaisers, dessen Kerkermeister oder Büttel Sie ja nur sind. Verlassen Sie mich!“

„Ich werde nicht eher gehen, als bis Sie meine Frage beantwortet haben.“

Sie wendete sich stolz von ihm ab und schwieg.

„Ich muß Ihnen nämlich sagen, daß meine Mutter und Schwester während dieser Nacht entflohen sind – – –“

Bei diesen Worten des Kapitäns zuckte die Baronin zusammen. Sie konnte diesen Ausdruck der Verwunderung nicht beherrschen oder verbergen, doch schwieg sie noch immer.

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