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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)

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Ein Hauch von Schnee und Asche: Roman (German Edition)
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Die Sheriffs von Orange und Rowan County gehen ihren Ämtern zwar nach – doch sie sind bekanntermaßen so korrupt, dass sich niemand in ihre Abhängigkeit wagt, es sei denn, er hätte selbst in sie investiert.

Wir hören in diesen Tagen immer wieder, dass Häuser in Brand gesetzt werden, von Überfällen und ähnlichen Unruhen im Kielwasser des kürzlichen Kriegs der Regulatoren. Gouverneur Tryon hat zwar einige der in diesen Konflikt verwickelten Männer offiziell begnadigt, hat aber nichts unternommen, um zu verhindern, dass man vor Ort Vergeltung an ihnen übte; sein Nachfolger ist noch weniger in der Lage, mit derartigen Ereignissen fertigzuwerden – die sich ja sowieso im Hinterland abspielen, weit entfernt von seinem Palast in New Bern und daher umso einfacher zu ignorieren. (Um nicht ungerecht zu sein; der Mann hat zweifellos genug Probleme vor seiner eigenen Haustür.)

Dennoch, die Siedler hier sind es zwar gewohnt, sich gegen die normalen Bedrohungen der Wildnis zu verteidigen, doch das Auftreten solch wahlloser Angriffe – und die Möglichkeit von Indianerüberfällen so dicht an der Vertragsgrenze – reichten aus, um ihnen Angst einzujagen, so dass sie mit Erleichterung das Auftauchen jeder Person oder Gruppe begrüßen, die bereit ist, die Rolle des öffentlichen Beschützers zu übernehmen. Daher heißt man die Vigilanten der Komitees mit offenen Armen willkommen – zumindest anfänglich.

Ich schildere Dir dies so detailliert, um Dir meine Gedanken bezüglich meines Amtes verständlich zu machen. Mein Freund Major MacDonald (früher 32stes Kavallerieregiment) hatte mir gesagt, dass er sich an Mr. Richard Brown wenden würde, sollte ich es letztlich ablehnen, Indianeragent zu werden. Brown unterhalte bereits ausgedehnte Handelsbeziehungen mit den Cherokee und befände sich daher in einer Position, die seine Akzeptanz durch die Indianer so gut wie garantiere, da er ihnen bereits bekannt sei und vermutlich auch ihr Vertrauen genösse.

Meine eigene Bekanntschaft mit Mr. Brown und seinem Bruder macht mich geneigt, diese Aussicht mit Schrecken zu betrachten. Da ein solches Amt zugleich steigenden Einfluss mit sich bringt, würde Browns Geltung in dieser unruhigen Gegend bald so wachsen, dass ihm niemand mehr etwas entgegenzusetzen hätte – und das halte ich für gefährlich.

Mein Schwiegersohn hat die treffende Beobachtung geäußert, dass das Moralgefühl der Menschen mit ihrer zunehmenden Macht schwindet, und ich vermute, dass die Gebrüder Brown nie besonders viel des Ersteren besessen haben. Es mag schlichte Überheblichkeit meinerseits sein, davon auszugehen, dass ich mehr davon besitze. Ich habe gesehen, wie die Macht die Seele eines Menschen korrumpieren kann – und ich habe ihre Last bereits am eigenen Körper gespürt, wie Du verstehen wirst, da Du sie selbst ja schon so oft getragen hast. Dennoch, wenn es auf eine Entscheidung zwischen mir und Richard Brown hinausläuft, muss ich mich wohl auf die alte schottische Weisheit verlegen, dass der Teufel, den man kennt, besser ist als der, den man nicht kennt.

Außerdem beunruhigt mich natürlich der Gedanke an die häufige und ausgedehnte Abwesenheit von zu Hause, die meine neuen Pflichten zwangsläufig mit sich bringen werden. Und doch kann ich nicht guten Gewissens zulassen, dass die Menschen unter meiner Führung der Willkür und möglicherweise den Gewalttaten von Browns Komitee ausgesetzt werden.

Ich könnte natürlich meinerseits ein solches Komitee zusammenstellen – Du würdest wahrscheinlich auf ein solches Vorgehen drängen –, doch das will und werde ich nicht tun. Abgesehen von der Umständlichkeit und den Kosten eines solchen Unterfangens, käme es einer offenen Kriegserklärung an die Browns gleich, und das halte ich nicht für klug, nicht, wenn ich oft auf Reisen sein muss und meine Familie schutzlos zurücklassen muss. Dieses neue Amt wird jedoch meinen eigenen Einfluss vergrößern und – so hoffe ich – dem Ehrgeiz der Browns Grenzen setzen.

Nachdem ich also zu dieser Entscheidung gelangt war, habe ich das Amt sofort schriftlich angenommen und den Cherokee letzten Monat meinen ersten offiziellen Besuch als Indianeragent abgestattet. Ich wurde spontan sehr herzlich empfangen, und ich hoffe, mein Verhältnis mit den Dörfern wird so bleiben.

Im Herbst werde ich die Cherokee erneut besuchen. Sollte ich Dir in meinem neuen Amt in irgendwelchen Geschäftsdingen behilflich sein können, lass es mich wissen, und sei Dir sicher, dass ich in Deinem Interesse keine Mühen scheuen werde.

Zu den häuslicheren Dingen. Unsere kleine Bevölkerung hat sich beinahe verdoppelt, das Resultat einer Zuwanderung von Siedlern, die gerade erst aus Schottland gekommen sind. Dies ist zwar höchst erstrebenswert, hat aber für nicht geringen Aufruhr gesorgt, da die Neuankömmlinge Fischersleute von der Küste sind. Für sie ist die Gebirgswildnis voller Bedrohungen und Geheimnisse – die sich in Form von Schweinen und Pflugscharen manifestieren.

(Was die Schweine angeht, so bin ich mir nicht sicher, ob ich ihre Ansicht nicht teile. Die weiße Sau hat gerade unter dem Fundament meines Hauses Einzug gehalten und hält dort solche Fressorgien ab, dass unser Abendessen regelmäßig durch einen Höllenlärm gestört wird, der große Ähnlichkeit mit den Klängen der gepeinigten Seelen besitzt. Seelen, denen anscheinend unter unseren Füßen Arme und Beine ausgerissen werden, bevor sie von Dämonen verschlungen werden.)

Da gerade von der Hölle die Rede ist, muss ich anmerken, dass unsere Neuankömmlinge außerdem leider gestrenge Söhne der Covenanter sind, denen ein Papist wie ich ganz wie eine Kreatur mit Quast und Hörnern erscheint. Du erinnerst Dich aus Ardsmuir sicher noch an einen gewissen Thomas Christie. Verglichen mit diesen halsstarrigen Herren, erscheint Mr. Christie als der Inbegriff des Mitgefühls und der Großherzigkeit.

Bis jetzt war es mir nicht in den Sinn gekommen, der Vorsehung für die Tatsache zu danken, dass mein Schwiegersohn presbyterianischer Weltanschauung ist. Aber jetzt sehe ich, wie wahr es ist, dass die Wege des Allmächtigen uns armen Sterblichen in der Tat nicht immer einsichtig sind. Zwar ist selbst Roger MacKenzie in der neuen Pächter Augen ein lästerlicher Freigeist, doch immerhin können sie mit ihm sprechen, ohne sich zu den kleinen Gesten und Zeichen gegen das Böse genötigt zu sehen, die unablässig ihre Unterredungen mit mir begleiten.

Was ihr Verhalten gegenüber meiner Frau angeht, so könnte man meinen, sie sei die Hexe von Endor, wenn nicht die Hure von Babylon. Dies, weil sie die Ausstattung ihres Sprechzimmers für »Zauberwerk« halten und entsetzt waren, als sie sahen, wie eine Anzahl von Cherokee-Indianern es betrat, prächtig geschmückt für den Besuch. Sie waren gekommen, um mit Obskuritäten wie Schlangenzähnen und Bärengallen zu handeln.

Meine Frau bittet mich, Dir mitzuteilen, wie sehr Deine Komplimente bezüglich der Verbesserung des Gesundheitszustandes von Mr. Higgins sie gefreut haben – und wie viel mehr Dein Angebot, ihr bei Deinem Freund in Philadelphia Arzneien zu besorgen. Sie bittet mich, Dir die beigefügte Liste zu senden. Der Blick, den ich darauf geworfen habe, lässt mich vermuten, dass Deine Erfüllung ihrer Wünsche nicht dazu beitragen wird, den Argwohn der Fischersleute zu zerstreuen. Doch bitte lass Dich dadurch nicht abhalten, denn ich bin der Überzeugung, dass allein Zeit und Gewohnheit ihre Angst vor ihr vermindern werden.

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