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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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Es wurden im Anschluß daran noch einige schwungvolle Reden gehalten. Das Urteil lautete zum Schluß auf zehn Jahre Festung wegen Verletzung der Ehre eines Hochwohlgeborenen. Michel begann zu pfeifen. Der Richter und die Beisitzenden erstarrten. Michel ließ sich ruhig abführen. —

Es waren noch keine zwei Wochen vergangen, als ein Offizier in Begleitung zweier Sergeanten in die Zelle trat.

»Ah«, lachte Michel, »er bringt mir die Freiheit in Form eines Werbezettels, den ich unterschreiben soll, was?«

Der Offizier war im ersten Augenblick verblüfft über die Keckheit des Gefangenen und über die Anrede. Dann fragte er barsch:

»Will er ein Soldat des Landgrafen werden?«

»Er meint, ein Kolonialsoldat in britischen Diensten, nicht wahr? Nun, gebt her den Wisch. Ich werde auch ein Seeräuber, wenn ich dadurch aus diesem Loch herauskomme.« Mit fester Hand unterschrieb Michel das Papier.

Die Soldaten staunten nicht wenig über diese Bereitwilligkeit. Meistens hatten sie es nicht so leicht. Vielen der Gefangenen, die sich im allgemeinen nur kleinere Verfehlungen hatten zuschulden kommen lassen, paßte es durchaus nicht, die Haft gegen ein Ungewisses Schicksal in der Neuen Welt einzutauschen; denn praktisch wußte ein jeder, was ihm nach seiner Einberufung blühte. Und wer wurde schon gern Soldat? Michel pfiff und schien nicht im mindesten deprimiert zu sein. —

Einige Wochen später, als die erste Ausbildung beendet war, besuchte er abends seinen Vater. Andreas Baum war sichtlich gealtert. »Mußte es dahin kommen. Junge?«

»Wir wissen nicht viel von dem, was sein muß und was nicht sein muß, Vater.« Er machte eine gedankenvolle Pause. — »Ich glaube, wir sollten uns daran gewöhnen, die Dinge immer von zwei Seiten zu betrachten. Vor allem dürfen wir nicht mit so tierischem Ernst an das Leben herangehen wie zum Beispiel unsere Sergeanten. Die Armee ist ein wahres Sammelsurium von Menschen aller Sorten, und es lohnt sich, seine Studien eine Weile an Ort und Stelle zu betreiben. Vielleicht geht mir noch manches Licht auf. Im übrigen seid nicht böse. Ich gehöre auf jeden Fall zu denen, die nicht in Washingtons Flinten laufen.« Andreas wiegte den Kopf.

»Wir sind sonderbare Menschen, Michel, wir Baums. Unsere Wege waren nie leicht. Aber zum Schluß blieben wir stets Sieger. Ich will nicht viele Worte machen. Laß wieder von dir hören, wenn du dein erstes Meisterstück geliefert hast. Versprichst du mir das?« Michel versprach es. Er nahm noch einen tiefen Zug aus der alten Pfeife und verabschiedete sich dann mit einem festen Händedruck.

Eine unliebsame Überraschung erwartete ihn am nächsten Tag beim Frühappell. Der Kompanie, zu der er gehörte, wurde ein neuer Offizier vorgestellt.

Es war Graf Rudolf von Eberstein. Der junge Second-Lieutenant übernahm den Zug, in dem Michel Baum seine Muskete trug. Ein Aufblitzen in den Augen des Offiziers verriet, daß er Michel wiedererkannte.

Michel ließ die Musterung des Grafen gleichgültig über sich ergehen. Am liebsten hätte er gepfiffen; aber er wollte es nicht darauf ankommen lassen, Stockhiebe für eine Insubordination, wie man das so schön nannte, zu ernten.

»Wachtmeister«, sagte der junge Leutnant, »melde er mir diesen Mann nach Dienstschluß zum Rapport!«

Der «Spieß« riß die Hacken zusammen und brüllte: »Jawohl, Herr Leutnant!«

Dann nahm er sein dickes Buch zwischen den zwei oberen Knöpfen seiner Jacke hervor und merkte den Musketier Michel Baum zum Rapport vor.

Leutnant Rudolf von Eberstein hielt es nicht für nötig, sich von seinem Stuhl zu erheben, als der Musketier Baum vorschriftsmäßig ins Zimmer trat.

»Ah, da ist er ja«, sagte er nur. »Welch ein famoses Zusammentreffen. Wie fühlt er sich?« »Ich würde Euch einen kleinen Gang im Säbelfechten vorschlagen«, antwortete Michel, ohne seine Haltung zu vernachlässigen. »Ihr könnt dann am besten meine Gefühle beobachten.«Der Leutnant sprang auf.

»Er ist ein ganz vermaledeiter Bursche! Hat er verstanden?« »Die Rache ist allein des Herrn.« »Was untersteht er sich?«

»Ich wollte lediglich beweisen, daß ich einige Kenntnis der Bibel habe, wie es sich für einen landgräflichen Musketier gehört.«

Rudolf von Eberstein wußte nicht, was er darauf erwidern sollte. Diesem Mann fühlte er sich in keiner Weise gewachsen. Er schlug plötzlich einen überaus freundlichen Ton an und sagte: »Setzt Euch, wir wollen in Ruhe diskutieren.«

»Ich möchte mich keiner Insubordination schuldig machen«, antwortete Michel Baum ruhig und blieb stehen. »Auch nicht, wenn ich dazu aufgefordert werde.« Abermals war der Leutnant sprachlos.

»Was seid Ihr eigentlich für ein sonderbarer Musketier?« fragte er verwundert.

»Ich bin kein Musketier, sondern ein Mensch, den man zum Musketier gemacht hat«, erwiderte Michel. »Im übrigen bin ich Doktor der Medizin Michel Baum, den man gegen alles bestehende Gesetz verurteilt hatte, weil er einem Straßenräuber zeigte, wie er sich zu benehmen hat.«

Der junge Offizier machte eine Bewegung der Ungeduld.

»Wollen wir das nicht vergessen?«

Michel Baum nickte.

»Ich will es Euch nicht nachtragen, Herr. Aber vergessen kann ich es nicht. Daran hindert mich dieser bunte Fetzen auf meiner Haut. Wahrscheinlich war es Schicksal, daß wir uns vorher begegnet sind. Kein Mensch weiß, was ihm die Zukunft bringen wird. Man muß nur versuchen, sie so gut wie möglich zu meistern. Ich habe Pech gehabt.« »Ihr versteht die Waffe so meisterhaft zu führen, daß man in Euch den geborenen Soldaten vermuten würde. Warum stört Euch die Montur?«

»Weil sie mich zwingt, die Waffe eben dann zu führen, wenn ich sie vielleicht lieber in der Scheide ließe. Was zum Beispiel haben mir Washingtons Leute in Amerika getan, daß ich gegen sie zu Felde ziehen soll?«

Der Leutnant blickte nachdenklich in eine Ecke des Raumes und schwieg. Nach einer Weile zuckte er die Achseln und sagte leichthin:

»Wozu werden dann überhaupt Kriege geführt? Schließlich haben uns die Soldaten der feindlichen Armeen in den meisten Fällen kein persönliches Leid zugefügt.« Michel lachte.

»Dieselbe Frage habe ich mir wohl schon tausendmal gestellt, ohne sie beantworten zu können. Es ist die wichtigste Frage auf der Welt überhaupt.« Der Leutnant wurde unruhig.

»Wir bewegen uns auf ein Thema zu, das sich für Soldaten nicht geziemt. Er kann jetzt gehen, Musketier Baum.«

Michel spreizte die Beine und winkelte den Hut an. Dann machte er eine zackige Kehrtwendung, wie man sie ihm eingedrillt hatte, und verließ den Raum.

Leutnant von Eberstein blieb in Gedanken zurück und lauschte dem sich entfernenden Pfeifen.

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