The Mysterious Mr Quin
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «The Mysterious Mr Quin». Краткое содержание книги:
Und nur eine Agatha Christie bringt es fertig ihren Geschichten so brilliante Pointen aufzusetzen . . .
The Mysterious Mr Quin was first published in 1930.
Aus dem Englischen von Günter Eichel, Rolph Gail, Adi Oes und Ute Forsyte-Jauch.
Und plötzlich merkte er, dass er seiner Gastgeberin auf ziemlich unaufmerksame Weise eine Gute Nacht gewünscht hatte.
»Ich bin sicher, dass es ein glückliches neues Jahr sein wird«, sagte Lady Laura gerade. »Aber die politische Situation ist meiner Ansicht nach mit einer tragischen Ungewissheit belastet.«
»Das finde ich auch«, sagte Mr Sattersway ernst. »Das finde ich auch.«
»Ich hoffe nur«, fuhr Lady Laura fort, ohne dass sich ihr Ausdruck auch nur im Geringsten veränderte, »dass es ein schwarzhaariger Mann ist, der als Erster die Schwelle überquert. Sie kennen diesen Aberglauben sicherlich, Mr Sattersway? Nein? Das überrascht mich. Wenn es dem Hause Glück bringen soll, dann muss der erste Mann, der im neuen Jahr die Schwelle überschreitet, schwarzhaarig sein. Mein Gott, hoffentlich entdecke ich in meinem Bett nicht irgendetwas Unangenehmes. Den Kindern ist alles zuzutrauen. Sie haben immer so merkwürdige Einfälle.«
Den Kopf in trüber Vorahnung schüttelnd, bewegte Lady Laura sich majestätisch die Treppe hinauf.
Nach dem Abschied der Damen wurden die Sessel näher an die lodernden Holzscheite gerückt, die in dem großen offenen Kamin brannten.
»Sagen Sie halt«, sagte der gastfreundliche Evesham, der die Whiskykaraffe in der Hand hielt.
Als alle halt gesagt hatten, kehrte die Unterhaltung zu jenem Thema zurück, das vorhin verboten gewesen war.
»Sie kannten doch Derek Capel, nicht wahr, Sattersway?«, fragte Conway.
»Ja… flüchtig.«
»Und Sie, Portal?«
»Nein, ich habe ihn nie kennen gelernt.«
Er sagte es so heftig und abwehrend, dass Mr Sattersway überrascht aufblickte.
»Ich hasse es, wenn Laura dieses Thema zur Sprache bringt«, sagte Evesham langsam. »Nach der Tragödie wurde dieses Haus an einen Großindustriellen verkauft. Nach einem Jahr zog der Mann wieder aus – irgendwie war er nicht zufrieden gewesen. Eine Menge Gerüchte liefen um, dass es in dem Haus spuke, und auf diese Weise kam es in einen schlechten Ruf. Als Laura mich dazu gebracht hatte, mich als Kandidat für West Kidleby aufstellen zu lassen, bedeutete das natürlich, dass wir auch in dieser Gegend wohnen mussten, und es war gar nicht einfach, ein passendes Haus zu finden. Royston wurde billig angeboten, und – na ja, dann habe ich es eben gekauft. Gespenster sind Unsinn – aber trotzdem möchte man nicht gern daran erinnert werden, dass man in einem Haus wohnt, in dem sich ein Freund erschossen hat. Der arme Derek… Wir werden wohl nie erfahren, warum er es getan hat.«
»Er wird weder der Erste noch der Letzte gewesen sein, der sich erschossen hat, ohne dass man den Grund kennt«, sagte Alex Portal heftig. Er erhob sich und goss sein Glas wieder voll; dabei verschüttete er etwas Whisky.
Irgendetwas stimmt mit ihm nicht, sagte sich Mr Sattersway. Das ist einmal ganz klar. Wenn ich nur wüsste, worum es sich handelt.
»Mein Gott!«, sagte Conway »Hören Sie nur den Wind! Das gibt eine hübsche Nacht.«
»Eine Nacht, in der Gespenster besonders gern spuken«, sagte Portal und lachte herausfordernd auf.
»Sämtliche Teufel sind jetzt unterwegs.«
»Nach Lady Lauras Ansicht würde uns selbst der schwärzeste noch Glück bringen«, bemerkte Conway lachend. »Vergessen Sie das nicht!«
Der Wind schwoll zu einem neuerlichen Aufheulen an, und als er erstarb, klopfte es dreimal laut an die große Tür. Alle fuhren zusammen.
»Wer, um Himmels willen, kann das sein – um diese Zeit?«, rief Evesham.
Sie sahen sich an.
»Ich werde aufmachen«, sagte Evesham. »Die Dienstboten sind schon zu Bett gegangen.«
Er ging langsam durch die Halle, machte sich an den schweren Riegeln zu schaffen und riss die Tür schließlich auf. Ein eisiger Windstoß fegte in die Halle.
Im Rahmen der Tür stand die Gestalt eines Mannes: groß und schlank. Nach Meinung des aufmerksam zusehenden Mr Sattersway hatte das bunte Glas über der Tür die sonderbare Wirkung, dass es so aussah, als trüge der Mann einen Mantel, der in sämtlichen Regenbogenfarben schillerte. Als er in die Halle trat, zeigte es sich jedoch, dass es sich um einen hageren dunkelhaarigen Mann handelte, der einen Mantel trug.
»Ich muss für mein Eindringen tausendmal um Entschuldigung bitten«, sagte der Fremde mit einer angenehmen Stimme. »Mein Wagen hat gestreikt. Nichts Schlimmes – mein Chauffeur bringt die Sache wieder in Ordnung, aber eine halbe Stunde dürfte es ungefähr dauern, und draußen ist es verdammt kalt…«
Er verstummte, und Evesham griff den Faden auf.
»Das kann ich mir vorstellen. Kommen Sie herein und wärmen Sie sich mit einem Schluck wieder auf. Können wir Ihnen irgendwie behilflich sein?«
»Nein, danke. Mein Chauffeur kommt schon zurecht. Übrigens: Mein Name ist Quin – Harley Quin.«
»Nehmen Sie Platz, Mr Quin«, sagte Evesham. »Das ist Sir Richard Conway, das dort ist Mr Sattersway, und ich heiße Evesham.«
Mr Quin verneigte sich flüchtig und ließ sich dann in den Sessel fallen, den Evesham ihm gastfreundlich hingeschoben hatte. Als er saß, warf der Schein des Kaminfeuers einen streifigen Schatten auf sein Gesicht, sodass es beinahe wie eine Maske wirkte.
Evesham legte noch ein paar Scheite nach.
»Wie war’s mit einem Glas?«
»Danke, gern.«
Evesham reichte es ihm und fragte dabei: »Sie kennen sich also in diesem Winkel der Welt gut aus, Mr Quin?«
»Vor einigen Jahren bin ich einmal hier durchgekommen.«
»Wirklich?«
»Ja. Dieses Haus gehörte damals einem Mann namens Capel.«
»Ja, das stimmt«, sagte Evesham. »Der arme Derek Capel. Sie kannten ihn?«
»Ja, ich kannte ihn.«
Eveshams Verhalten veränderte sich ein wenig – kaum wahrnehmbar für einen Menschen, der sich mit dem englischen Wesen nicht genau auskennt. Bisher hatte er eine leichte Zurückhaltung gezeigt; davon konnte jetzt jedoch keine Rede mehr sein. Mr Quin hatte Derek Capel gekannt. Er war also der Freund eines Freundes, und als solcher wurde er nicht nur anerkannt, sondern aufgenommen.
»Eine schreckliche Angelegenheit ist das«, sagte Evesham vertraulich. »Wir sprachen darüber. Eines kann ich Ihnen sagen: Es ging mir erheblich gegen den Strich, dieses Haus zu kaufen. Hätte ich etwas anderes gefunden – aber das war eben nicht möglich, verstehen Sie? Ich war an dem Abend im Hause, als er sich erschoss – Conway übrigens auch. Und ich gebe Ihnen mein Wort: Ich habe immer damit gerechnet, dass sein Geist hier umgeht.«
»Eine äußerst unerklärliche Angelegenheit«, sagte Mr Quin langsam und nachdenklich, und als er schwieg, ähnelte er einem Schauspieler, der gerade ein wichtiges Stichwort gegeben hat.
»Unerklärlich! Das kann man wohl sagen!«, fiel Conway ein. »Ein finsteres Geheimnis ist es – und wird es immer bleiben.«
»Vielleicht«, sagte Mr Quin unverbindlich. »Oder was meinen Sie, Sir Richard?«
»Schrecklich – das war es, weiß Gott! Da ist ein Mann, auf der Höhe seines Lebens stehend, vergnügt, fröhlich, ohne die geringsten Sorgen. Fünf oder sechs alte Freunde sind bei ihm zu Besuch. Bester Laune beim Abendessen, voller Pläne für die Zukunft. Und dann geht er vom Abendbrottisch weg nach oben auf sein Zimmer, holt einen Revolver aus der Schublade und erschießt sich. Warum? Das weiß kein Mensch. Und das wird auch niemand jemals erfahren!«
»Ist diese Behauptung nicht ziemlich weit hergeholt, Sir Richard?«, fragte Mr Quin lächelnd.
Conway starrte ihn an.
»Was meinen Sie damit? Das verstehe ich nicht.«
»Ein Problem muss nicht unbedingt unlösbar sein, weil es bisher nicht gelöst worden ist.«
»Ach so! Aber lassen wir das: Wenn damals nichts herausgekommen ist, wird es heute – zehn Jahre danach – auch nicht anders sein.«