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Kerker und Ketten

Электронная книга - «Kerker und Ketten». Краткое содержание книги:

Der Pfeifer und seine Freunde quälen sich in den Steinbrüchen von El Mengub. Schon haben sie den sicheren Tod vor Augen, da dürfen sie neue Hoffnung schöpfen: die Piratin Marina, in schmerzlicher Haßliebe an Michel Baum gekettet, versucht, die Gefangenen zu befreien. Doch bald wird sie selbst von Sklavenhändlern verschleppt, und nun ist es an Michel, sie zu suchen. Aber der Bej von Tunis hält ihn fest, und erst eine Palastrevolution schafft ganz neue Verhältnisse. Doch Marina bleibt verschwunden.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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»Wie meintet Ihr das mit der Verantwortung?« fragte Ojo.

Michel wandte sich an Isolde und sagte:

»Ihr werdet einsehen, Miss Hawbury, daß ich den Halunken das Geld nicht überlassen kann. Eure Reise ist beendet, sobald Ihr wieder bei Euerm Vater seid. Aber Ojo und ich werden nicht so bald die Möglichkeit haben, wieder etwas zu verdienen. Die fünftausend Piaster sollten lange reichen.«

»Ihr wollt sie also wieder holen?«

»Ich muß. Ojo wird Euch beschützen, so gut er kann. Versprecht mir, daß Ihr ihn in Fes so lange aufnehmen werdet, bis ich wieder auftauche. Ich übergebe Euch die zweihundert Piaster, die ich für die Heilung des Jungen von Abd el Hamid erhalten habe. Sie werden für die Reise reichen.«

Michel hatte spanisch gesprochen.

Ojo machte große Augen.

»Ich soll Euch allein lassen, Senor Doktor?«

»Es geht nicht anders. Miss Hawbury braucht deinen Schutz. Steve ist zu unerfahren und zu unüberlegt.«

»Wenn Ihr schon von mir redet, dann sprecht nicht in diesem unverständlichen Kauderwelsch«, rief der Engländer aufsässig.

Michel zog den Sattelgurt seines Pferdes fester und machte sich zum Abritt bereit.»Adios, Diaz«, wandte er sich an den starken Spanier, während er aufsaß. »Paß mir gut auf Miss Hawbury auf. Good bye, Miss Hawbury.«

Er drückte seinem Pferd die Absätze in die Weichen und stob davon. Steve schlug mit der Faust durch die Luft.

»Er kann nicht schnell genug wegkommen«, zischte er durch die Zähne.

»Je länger er wartet, um so größer wird der Vorsprung der Diebe«, verteidigte ihn Isolde und fügte hinzu: »Deine Feindschaft gegen Mr. Baum ist mir unverständlich.«

Steve schwieg. Er schien bedrückt zu sein.

»Feindschaft ist nicht das richtige Wort. Ich mag ihn nicht. Und das hat seinen Grund.« »Darf man den erfahren?«

»Warum nicht? Du bist meine Schwester. Ich will ihn dir verraten. Er heißt — Marina.« »Du meinst die Andalusierin?«

»Ja, die andalusische Gräfin. Sie liebt nämlich diesen abenteuernden Deutschen.« »Und deshalb haßt du ihn?«

»Er erwidert ihre Liebe nicht. Das finde ich unfair. Marina ist eine fabelhafte Frau. Und ich mag nicht, daß sie ein Mensch wie dieser Pfeifer in ihren Gefühlen beleidigt.« Isolde sah ihren Bruder mit einem langen Blick an.

»Du bist ja eifersüchtig, Steve! Und noch dazu auf jemanden, der dir gar keine Veranlassung dazu gibt!«

»Ach, Unsinn, du verstehst das nicht.« »Doch, ich verstehe besser als du.«

»Adelante!« rief Oj o, »reiten wir. Der Regen läßt auch nicht nach, wenn wir noch länger hier herumstehen. Lieber naß nach Fes kommen als gar nicht.«

28

Die fünf arabischen Räuber und Halef, der Diener, sprengten in gestrecktem Galopp der Stadt zu. Halef ritt an der Spitze. In der Schärpe unter seinem Burnus steckte wohlverwahrt der Beutel mit den fünftausend Piastern.

Halef hatte während der langen Jahre seiner Dienerzeit bei seinem Herrn, dem Kaufmann Abd el Hamid, so etwas wie die Stelle eines Vertrauten erworben. Er kannte alle Schliche Hamids und wußte, wie sein Herr sein Geld auf die leichteste Art und Weise mit dem Schmuggel von Haschisch verdiente. Hamid hatte ihm versprochen, daß ein Teil des zurückgewonnenen Geldes ihm gehören sollte. Und fünfhundert Piaster waren als Belohnung für die Helfershelfer vorgesehen. Halef hatte lediglich den Auftrag bekommen, das Geld wieder herbeizuschaffen. Wie er das bewerkstelligte, wen er sich zur Hilfe aussuchte, war seine eigene Sache gewesen. Abd el Hamid beschäftigte sich nicht mit Einzelheiten.

Da er an der Spitze ritt, konnte er nicht sehen, daß der Anführer der Räuber seinen Leuten Zeichen machte, die diese auch richtig zu deuten verstanden.

Er stieß einen erschrockenen Schrei aus, als er sich plötzlich vom Pferd gerissen fühlte. Man hatte den Stadtrand noch nicht erreicht. Deshalb war jedes Rufen nach Hilfe vergeblich. Der lange Araber, der die anderen anführte, stellte sich breitbeinig vor ihn hin und fragte grinsend:

»Wie fühlst du dich?«

»Maschallah, was wollt ihr von mir? Was habe ich euch getan?« stellte Halef die Gegenfrage.»Getan hast du uns nichts. Das wäre dir auch schlecht bekommen. Was wir wollen, ist klar. Eine solche Frage zu stellen, erschiene mir ziemlich einfältig.«

»Erlaube mal, wie kannst du mich dumm schelten, da du doch in meinen Diensten stehst?«

»In deinen Diensten? Allah hat dir den Verstand verwirrt. Hast du wirklich geglaubt, wir, stolze Berber aus den Bergen, würden in deine Dienste treten?«

»So seid ihr Betrüger!«

»Das klingt schon besser. Aber wenn du auf friedliche Weise zu sterben wünschst, dann will ich dir doch den guten Rat geben, deiner giftigen Zunge weniger freien Lauf zu lassen.« »Ich rede, wie es mir paßt. Ich bin ein gläubiger Anhänger des Propheten und brauche ein offenes Wort nicht zu scheuen.«

»Wir wollen aber deine offenen Worte nicht hören. Wir wollen den Beutel mit den vielen blanken Goldstücken. Allah hat ihn uns in die Hände gespielt, so wollen wir auch den rechten Nutzen davon haben; denn Allah schenkt seinen Gläubigen nicht oft fünftausend Piaster, vor allem nicht, wenn er sieht, daß sie bereits mit der ersten Gabe nicht richtig umzugehen verstehen.«

»Aber das Geld gehört nicht mir. Es ist das Eigentum meines Auftraggebers. Das weißt du genausogut wie ich. Ich kann es nicht hergeben.«

»Dann müssen wir dir den Hals abschneiden und uns den Beutel einfach nehmen. Du kannst dir aussuchen, was dir lieber ist. Wenn du dich nicht entschieden hast, bevor die nächsten tausend Tropfen Regen auf den Boden gefallen sind, so werde ich deine Kehle ein wenig mit meinem Dolche kitzeln. Er ist so scharf wie ein Messer zum Bartschaben.«

Er nahm den Dolch spielerisch in die Hand und ließ ihn dicht vor Halefs Gesicht ein paarmal durch die Luft wirbeln, um ihn dann geschickt wieder aufzufangen.

»Hast du dich entschieden? Ich wette, daß inzwischen mindestens zehntausend Tropfen Regen heruntergekommen sind. Also ... ?«

»Ihr seid fünf. Ich bin allein. Allah will es so. Hier, nehmt den Beutel.« Er zog ihn hervor und warf ihn dem Anführer zu.

Der stellte einen Fuß in den Bügel, um sogleich aufzusitzen und davonzureiten. Die übrigen Gesellen waren im Sattel geblieben.

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